Jans Kolumne

Ist Damengambit das neue Russisch?

Schacheröffnungen sind schon komisch. Vor ungefähr zehn Jahren noch griff die Weltspitze überwiegend zu 1.e4. Wegen fieser Kramnik-Eröffnungen wie Russisch oder Berliner Mauer machte dies jedoch von Jahr zu Jahr weniger Spaß und die Weißen wechselten reihenweise eine Reihe nach links zu 1.d4. Angeführt wurde dieser Trend von den WM-Matches, Leko und später Anand lernten eigens dafür um, ausser der letzten Matchpartie Anand-Kramnik, in welcher der Anziehende ein Remis reichte, haben wir lange kein 1.e4 mehr bei WMs gesehen. 

Nun gibt es gegen 1.d4 auch genug vernünftige Eröffnungen, aber in populären Abspielen wie Grünfeldindisch oder (Halb)Slawisch schien die Chose wenigstens nie völlig ausgelutscht, neue Ideen gab es auch für Weiß regelmäßig.

Bei den Kandidatenmatches sehen sich die Anziehenden nun einer neuen Bedrohung ausgesetzt, die bisherige Ausbeute ist mehr als dürftig. Das gute alte Damengambit! OK, also nicht wirklich neu, schon nach Capablanca-Aljechin wurde der Remisstod des Schachs ausgerufen und dem Queens Gambit in die Schuhe geschoben.

Dass jedoch eingefleischte Königsinder (Radjabov) bzw. Halbslawen (Aronjan) konvertieren sollten, kam doch überraschend, genau wie die Tatsache, dass es bisher nicht gelungen ist, den Schwarzen auch nur das kleinste Problem zu bereiten. Nach bisher zwölf Damengambit Partien steht es 6-6 bei jeweils einer gewonnenen Schnellpartie. Höchste Zeit, dass wir uns einmal anschauen, wo der Schuh drückt.

Die Grundstellung entsteht nach 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.Sc3 Le7

Grischuk versuchte sich hier gegen Aronian zunächst mit dem seltenen 5.cxd5 exd5 6.Dc2. Nach ...c5!? 7.Lg5 erhielt er später gar eine recht angenehm ausschauende Stellung, auch wenn die Partie schnell im Remis versandete. Neben Aronians Wahl bleibt auch die Frage, was er wohl auf das typische 6...c6 nebst g6 und Lf5 vorhatte, Grischuk wiederholte das Experiment nicht.

Die Hauptzüge in der Diagrammstellung sind und bleiben 5.Lf4 und 5.Lg5. Beide wurde ausgiebig diskutiert, nach Lf4 entsteht die kritische Stellung nach 0-0 6.e3 Sbd7!. Der frühere Hauptzug, 6..c5, bleibt spielbar, aber dort gibt es mehr Mittel und Wege, den Schwarzen zu beschäftigen.

Wieder steht Weiß am Scheideweg. 7.c5 galt lange als eine Abzweigung, ein bisschen Raum und Druck zu kriegen, sowohl Radjabov als auch Grischuk griffen im Wettbewerb zu diesem Zug. Aber der letzte Schrei dagegen ist 7...Sh5!? Bevor Schwarz zu c6, b6, a5, La6 etc greift, schnappt er sich den weißen Läufer, was den Raumnachteil um einiges erträglicher macht. Radjabov konnte Kramnik nach 8.Ld3 Sxf4 9.exf4 b6 10.b4 a5 11.a3 c6 12. 0-0 Dc7! 13.g3 La6 absolut nicht zum Schwitzen bringen, Weiß steckt hier in einer Sackgasse.

Zu meiner Überraschung griff Aronian stattdessen zu dem alten 7...c6, musst aber nach 8.h3! (rettet den Läufer f4) b6 9.b4 a5 10. a3 La6 11.Lxa6 die bisher einzige Niederlage der Nachziehenden einstecken. Auch diese Variante bleibt spielbar, aber Sh5 scheint mir präziser.

Die andere Hauptstraße ab der Diagramstellung ist 7.a3, ein cleverer kleiner Halbwartezug (7.Ld3 dxc4 gilt als harmlos). Die Tabiya nach ...c5 8.cxd5 Sxd5! (der Sinn der Übung, der Springertausch hilft dem Schwarzen, Felder für seine verbliebenen Figuren zu finden) 9.Sxd5 exd5 10.dxc5 Sxc5 sieht gut für Weiß aus, aber der Eindruck täuscht.

Zuletzt gelang es Schwarz so gut wie immer, Zug für Zug seine Probleme zu lösen, Kramnik-Radjabov ist ein gutes Beispiel:

11.Le5 11.Le2 ist meist nur Zugumstellung Lf6 12. Le2 Die Alternative ist 12.Lxf6 Dx6 13.Dd4, wonach Schwarz zwischen Dd6,De7 und Dxd4 wählen kann, scheinen alle zu halten. Lxe5 13.Sxe5 Radjabov griff zu 13...Le6!?, ein Zug den ich zuerst in den Partien von Georg Meier gesehen habe, 13...Se6 ist auch interessant. Nach 14.Sf3 14.0-0 Df6 ist nix Db6 15.Dd4 Tfc8 16.0-0 Sb3! 17.Dxb6 axb6 kompensiert die schwarze Aktivität seine Bauernstellung, die Partie endete ein paar genaue Züge später im Remishafen.

Was also bleibt? Grischuks letzter Versuch war 7.Dc2 statt a3 oder c5, aber gegen einen bestens vorbereiteten Kramnik dauerte die Partie auch hier nach 7...c5 8.Td1!? (8.dxc5 Sxc5 9.Le2 ist nix. Glauben sie mir, ich habs probiert) Da5! 9.Sd2 cxd4 10.exd4 dxc4 11.Sxc4 Dd8 nur 16 Züge.

Nach 5.Lf4 gehts also nicht voran, was ist mit 5.Lg5? Sieht auch nicht besser aus, nach h6 6.Lh4 0-0 7.e3 saugt die moderne Laskerverteidigung 7...Se4 das Blut aus der Stellung. 7...b6 ist meines Wissen nach auch nicht schlecht, aber Se4+ Computer stellt eben sofort konkrete Probleme, überhaupt ne Partie zu kriegen.


8.Lxe7 Dxe7 muss sein, 9.cxd5 Sxc3 10.bxc3 exd5 11.Qb3 Td8 12.c4 ist seit Anands 12...Le6! out. Also 9.Tc1 c6 und Rdajabov konnte Kramnik weder mit 10.Le2 noch mit 10.Ld3 auch nur ins Schwitzen bringen.

Kramnik selbst versuchte sich mit vertauschten Farben an der Feinheit 7.Tc1 Se4 8.Lxe7 Dxe7 9.g3 !?, bekam aber auch kein Spiel. Später griff er dann zu 6.Lxf6 statt 6.Lh4, aber dieser Zug gilt seit Karpov-Kasparov Matches als rect harmlos, auch Kramnik konnte diese Bewertung nicht erschüttern, selbst wenn er später etwas Spiel bekam.

Das klassische Damengambit steht also gut da. Bleibt die Frage nach der Zugfolge. Nach 1.d4 Sf6 2.c4 e6 kann Weiß natürlich zu 3.Sc3 greifen, wonach d5 wegen 4.cd5 exd5 5.Lg5 nebst e3, Ld3, Sge2 etc. nicht so verlockend ist. Stattdessen kann Schwarz aber natürlich mit 3...Lb4 Nimzo spielen, bisher verspürte niemand Lust, Kramnik hier abzufragen.

Aber Schwarz kann sich Nimzo auch sparen, wenn er wie Radjabov und Aronian zu 1.d4 d5 2.c4 e6. 3.Sc3 Le7 greift. Hier gibt es die weißen Zusatzoptionen 4.Lf4 (siehe Gustafsson- Azarov für Erklärungen, was das soll) und 4.cxd5 exd5 5.Lf4. So spielte Grischuk zweimal gegen Aronian, viel bekam er aber auch hier nicht, Aronian griff zu dem soliden 5...c6. Besonders interessant war seine Idee 6.Dc2 Sf6!? ( hier selten) 7.e3 Sh5!?, die sich für den einzigen schwarzen Sieg in den Damengambit von Kazan verantwortlich zeigte.

Tja, nicht leicht Weiß zu sein heutzutage, was vielleicht auch ein wenig die Remisflut in den klassischen Partien erklärt. Gibt natürlich noch Katalanisch, aber auch hier ist die Theorie mittlerweile sehr weit fortgeschritten, Kramnik testete Radjabov nur einmal.

Tagesgeschehen

Grischuk hatte nach fünf weissen Damengambits in Folge genug gesehen und griff gestern gegen Kramnik zu 1.e4. Aber dieser zeigt, dass es neben dem neuen Russisch auch noch das alte Russisch gibt, Russisch nämlich! Wieder nix für Grischuk, wieder schnelles Weißremis.

Mit Schwarz hatte er dagegen mit seiner Grünfeld/1.Sf3 c5 Kombo einiges auszuhalten, aber dank extremer Verteidigungshärte hielt er auch hier stets stand. Besonders die Partie heute ließ seine Sekundanten um Jahre altern, aber am Ende wars mal wieder Remis. Es war spannend, vielleicht kommentier ich die Partie noch. Der gestrige Tag hat mich gelehrt, mit Fleissansagen zurückhaltend zu sein...

Wie dem auch sei, 2-2, morgen gehts in den Tiebreak. Ich wage keine Prognose, einen Favoriten sehe ich nicht.

Gelfand-Kamsky

2-2 auch in Gelfand-Kamsky. Hier stehen Grünfeld und Najdorf zur Diskussion, interessant, dass Gelfand statt seines geliebten Russen wieder auf das gute alte Najdorf setzt!

Die beiden wechselten sich im Auslassen von Großchancen aus, in dieser Disziplin führt Gelfand mit 2-1. Nachdem er vorgestern einen Riesenvorteil gegen Grünfeld nicht verwerten konnte, hatte gestern beide ihre Möglickeit zum Lucky Punch:

Stellung nach 28...Dh5

Zuerst ist Kamsky dran: 29.Lxc4! und überraschenderweise ist es aus. dxc4 30.Db6! und sowohl nach 30...Dxf3 31.Db4+ Ke8 32.Tf1 als auch nach 30...Df5 31.Sc5 wird dem Schwarzen sein exponierter König zum Verhängnis. 29...Txc4 30.Db6 ist ebenso hoffnungslos. All lines are brought to you by Houdini 1.5a.. Kamsky spielt stattdessen das hübsche 29.Dh1, der Kampf ging weiter, auch Gelfand sollte seine Chance kriegen:

Stellung nach 36...e3

Das Blatt hat sich gewendet, Kamsky muss aufpassen. 37.Dd6+ Kg8 38.Dd3 ging vielleicht noch, aber in beidseitiger Zeitnot geschah 37.Sxe3? Sxe3 38.Se5. Figur mehr, nach 38...Dh5! geht nix mehr, etwa 39.Td7 Dxe5. 38...Df5? erlaubte hingegen 39.Dc5+! Kg7 40.Dxe3 und Figur zurück. Daher besser Dh5, keine Fesselung auf der f-Linie. Später wurde es Remis.

Heute war ein bisschen die Luft raus, Gelfand wiederholte sein 4.Lg5 gegen Grünfeld, aber Kamsky war diesmal bereit, schnelles Unentschieden. Also auch Schnellschach, ich seh wieder keinen Favoriten.

An dieser Stelle wird gern geschrieben, dass Gelfands Schnellschachqualitäten häufig unterschätzt werden, aber ich hab keine Ahnung, von wem. Er hat den World Cup gewonnen, das geht nicht ohne Schnellschachskills.

Aber Kamsky hat ähnlich Credentials, Worldcupsieger war er ebenfalls, dazu amtierender Mainz-Champ. Alles kann passieren.

 

Links

Zum Abschluss ein paar links, um das Geschehen montags ab 13:00 verfolgen zu können:

Der Livestream ist nice, HD und alles. Kommentare auf Russisch, ich versteh leider nichts.

Abhilfe schafft Chess in Translation, die Pressekonferenzen und vieles mehr auf Englisch übersetzt! Must read.

Auf chess.fm gibt es Livekommentare auf Englisch, meist mit dem sehr smoothen Yasser Seirawan + wechselnder GM. Yours truly ist erst zum Finale wieder dran.

Aktuell wie immer ist auch TWIC, Partien, Infos, alles was man braucht.

Viel Spaß!

116 Kommentare
Thomas Oliver
16.05.2011 09:22

Und seit den Blitzpartien gegen Radjabov wechselt Kramnik selbst zu (1.Sf3 und dann) c4. Ist irgendwann b4 der beste Zug um ein forciertes Remis zu verhindern? ,:)

Orang_Utan
16.05.2011 12:43

Sehr feiner Beitrag. Herzlichen Dank und mach weiter so.

PeterB.
16.05.2011 12:56

Nachdem ich jahrelang QGD mit Lasker Verteidigung und Capablanca Entlastung gespielt habe, habe ich es wegen schwarzer Chancenlosigkeit aufgegeben.
Bislang wurden in den Wettkämpfen aber m.E. die kritischen Stellungen aber auch nicht ausgereizt.
In der ersten Partie Radjabov-Kramnik schlug Radjabov im 13. Zug mit dem Turm auf c4 statt mit dem Läufer. Ist nach 13. Lxc4 e5 (oder b6 wie von Anand und Jussupow bevorzugt) 14. dxe5 Sxe5 15. Sxe5 Dxe5 16. f4 De4 wirklich vollständiger Ausgleich erreicht? In der praktischen Partie war das bisher immer fast risikoloses weißes Spiel auf (mein) schwarzes Tor.
Ebenso kritisch ist die Abtauschvariante und der weiße Plan mit Sge2 und Zentrumsdurchbruch mit e4. Kasparov hat Karpov 2009 in Valencia damit einige Male ziemlich alt aussehen lassen (ok er ist nicht mehr ganz jung). Auch hier, finde ich, ist das ebenso nur für Weiß richtig erfolgversprechend. Oder hat jemand (eine) schwarze Beispielpartien die mich umstimmen könnten?

Tiger-Oli
16.05.2011 15:15

Moinmoin,

Vielen Dank für die feine Analysen, die Du uns hier zusammengestellt hast. Ich verstehe vom Damengambit traditionell so gut wie gar nichts, schon seit 30 Jahren. Aber: wenn ich irgendwann doch noch mal um die Weltmeisterschaft spielen sollte, weiß ich nun, worauf ich achten sollte! :-)

Es wird also Zeit für was Neues. Christoph Scheerer hat ja gerade schon sein Blackmar-Diemer-Buch auf den Markt gebracht. Vielleicht liegt die Hoffnung nun doch bei 2.e2-e4!

ebitda
16.05.2011 19:02

Systeme wie die Lasker-Verteidigung oder System mit h6 und b6 galten schon immer als sehr solide. Ich dachte wegen der Abtauschvariante cd5 sowohl mit Sf3, als auch Sge2, war das qgd so unbeliebt in letzter Zeit.
Wenn also Russisch, als auch qgd der Wahrheit letzter Schluß ist, so war Karpov seiner Zeit jahrzehnte voraus, denn in den 70er und 80er war er doch der Vertreter der schwarzen Seite.
Noch ein großes Lob an Gus für diesen Überblick, aber was geschieht mit dem Schach wenn nur noch russisch und qgd gespielt wird? Da kann wohl nur noch einer helfen - Magnus!

Martin
16.05.2011 19:16

Vielen Dank für diesen ausgezeichneten Artikel!!!
Hier kann selbst ein Patzer wie ich es bin etwas lernen. :-)

Ist die Russisch -Variante mit 5. Sc3 (nach 1. e4 e5, 2. Sf3 Sf6, 3.Sxe5 d6, 4. Sf3 Sxe4) eigentlich auch so remislastig?

Btw Hr. Gustafsson, ich möchte Ihnen schonmal viel Erfolg für die Deutsche Einzelmeisterschaft in Bonn wünschen!
Liebe Grüße
Martin

"DEUHEUTSCHER MEISTER WIRD NUR DER
JAN GUSTI, NUR DER JAN GUSTI..."

*klatsch klatsch*

Südschachfreund
16.05.2011 19:32

Zur Lasker-Variante nach: 1.d4 d5 2.c4 e6 3. Sc3 Le7 4. Sf3 Sf6 5.Lg5 h6 6. Lh4 0-0 7. e3 Se4 8. Lxe7 Dxe7 9.cxd5 Sxc3 10. bxc3 exd5 11. Db3 Td8 12. c4 Le6: Meiner Ansicht nach hat Topalov die entstandene Stellung auch falsch behandelt: Die Ideen von Weiß in dieser Variante sind doch folgende: 1. Druck auf die Damenflügelbauern ausüben, 2. durch das Vorgehen des c-Bauern ein kompaktes Bauernzentrum zu gewinnen und 3. nach dem Abtausch des weißen c-Bauern gegen den schwarzen d-Bauern früher oder später mit dem e-Bauern vorzugehen und womöglich einen Freibauern zu bilden. Diesen strategischen Zielen folgt Topalovs Zug 13. c5 in seiner Partie gegen Anand in Nanjing nicht. Er verschafft zum einen dem Weißen nicht das Bauernzentrum, zum andern öffnet er nicht die c-Linie zum Angriff auf die schwarzen Damenflügelbauern. Daher wäre aus meiner Sicht vielleicht 13. cxd5 der Zug, mit dem Weiß um Vorteil kämpfen kann/muss, nach 13...Lxd5 14.Lc4 Lxc4 (was sonst?) 15. Dxc4 hätte Weiß die oben skizzierten Ziele erreicht: die c- und b-Linie sind für die Türme offen, er hat das kompakte Bauernzentrum (e- und d-Bauer), während die schwarzen Türme zur Passivität verurteilt sind (für sie sind keine Angriffspunkte vorhanden). Vielleicht wäre das ein Vorschlag, um diese Variante für Weiß "wiederzubeleben". Bitte um Rückmeldungen.

Matwejewitsch
16.05.2011 21:11

@PeterB: "Ist nach 13. Lxc4 e5 (oder b6 wie von Anand und Jussupow bevorzugt) 14. dxe5 Sxe5 15. Sxe5 Dxe5 16. f4 De4 wirklich vollständiger Ausgleich erreicht?"
ich kenne mich in den Varianten nicht wirklich aus, aber die Stellung nach 16.-De4 ist bestimmt Ausgleich - wie soll denn das Spiel, das da auf das eine Tor aufgezogen wird, aussehen? Der Grund für 13.-b6, was anscheinend einfach vom Anand-Team zu Tode analysiert wurde, ist wohl nicht, dass auf 13.-e5 14.d:e5= kommt.

@ Südschachfreund: "nach 13...Lxd5 14.Lc4 Lxc4 (was sonst?) "
z.B. 14.-L:f3 15.gf: und nun c5 oder noch besser Sc6 - ich hätte lieber Schwarz. Das sieht aus wie ein Tschigorin, wo für Weiß einiges falsch gelaufen ist^^

"nach (..) 15. Dxc4 hätte Weiß die oben skizzierten Ziele erreicht:"
Deine Struktur wäre dann in der Tat (minimal) besser. Aber was du nach z.B. 15.-Sd7 wirklich haben willst, ist mir auch nicht so richtig klar. Bis da mal ein Zentrum marschiert, vergehen noch ganze Zeitalter. Okay, nicht so wichtig, Schwarz kann ja eh auf f3 nehmen.

Vielleicht müssen die Weißen jetzt eben noch eine Reihe nach links rutschen und 1.c4 spielen. Klar, auch hier gibt es 1.-e6 2.Sc3 d5 (wir vernachlässigen hier einfach mal 1.-e5...), aber es hat bestimmt irgendeinen Grund, dass Kramnik lieber die Nimuo-Zugfolge wählt, also vielleicht geht mit 4.cd: ed: 5.Lf4 ja noch irgendwas :)

ansonsten, man sollte nicht vergessen, dass die Jungs das mit hohem Verständnis, Hyper-Rechenleistung und hohem Arbeitsaufwand analysieren, dass man also mit 5 min drüber nachdenken bestimmt keine großen Verbesserungen findet ;)... Andererseits wird man in den nächsten Jahren mit noch mehr Rechenleistung, Verständnis und gleichem Aufwand wohl noch einige Fehler in den Varianten finden...

Südschachfreund
16.05.2011 21:45

@Matwejewitsch: ich glaube nicht, dass ich da lieber Schwarz hätte, ich hätte lieber Weiß, denn ich vermute eher, dass diese Öffnung der g-Linie dem Weißen zugute kommt. Und der Verteidigungszug, der als der beste gegen einen weißen Turmangriff auf der g-Linie gilt; g7-g6, ist hier schon bedenklich, dank des Zuges h7-h6 hat Schwarz dann einen geschwächten Königsflügel, und zum andern schlägt der g-Bauer nach f3, wo er ein Vorgehen im Zentrum, insbesondere mit dem e-Bauern, das von mir oben angesprochen wurde, unterstützt. Zum andern sehe ich nicht wie Schwarz, diesen "Vorteil" des aufgerissenen Königsflügels wahrnehmen will, denn kein schwarzer Turm gelangt auf eine offene Linie, während der Weiße siemit Th1-g1 recht schnell in Beschlag nehmen kann, und der Läufer, dessen Felderfarbe der f3-Bauer hat, ist dann schon vom Brett verschwunden.

Südschachfreund
16.05.2011 22:11

ergänzend: 14...Lxf3 15.gxf3 Td6 16.0-0 Tg6+ 17. Kh1 Sc6 18.Tg1 Txg1+ 19. Txg1: ich sehe nicht, wie Schwarz hier in Vorteil kommen will, bzw. den f-Doppelbauer ausnützen will, im Gegenteil, der b-Bauer ist bedroht, und der Weiße hat das wohlunterstützte Bauernzentrum, und die aktiveren Figuren. Diese Variante ist nicht computergecheckt, sondern nur auf die Schnelle von mir Amateur zusammengezimmert. Und falls Schwarz statt 17... Sc6 Sd7 spielt, um entweder mit c7-c6 oder Tb8 folgen zu lassen, ist der schwarze Damenturm total pasiv, bzw. gelangt nciht auf eine offene Linie. Während der weiße Plan ziemlich eindeutig von der Bauernstellung her gegeben ist: Vorgehen im Zentrum.

Fan
16.05.2011 22:40

Großartig!
Gusti, wenn Du nicht sofort wieder anfängst, eigenen Schachcontent zu liefern und diese Eröffnungsdiskussion auf Weltniveau zu stoppen... dann... am besten gefällt mir noch "Diese Variante ist nicht computergecheckt", ne, macht nichts, trotzdem total interessanter Beitrag.

Auch ein echter Gewinn, um den Weißen Aufbau zu promoten: "Ich sehe nicht, wie Schwarz hier in Vorteil kommen will."
Da gelobe ich mir doch Grischuk, der daraus die richtigen Konsequenzen gezogen hat.

Südschachfreund
16.05.2011 22:47

Aber vielleicht sollte sich Jan einmal zu diesen beiden Variante 13.cxd5 Lxd5 14.Lc4 Lxc4 15.Dxc4/14...Lxf3 15.gxf3 äußern, welche er als günstiger für Schwarz/Weiß beurteilt, bzw. die großmeisterlich-objektive Sicht darlegen, dann wüssten wir Amateure auch weiter. Ich bleibe dabei: Weiß kann in beiden Varianten problemlos auf den vollen Punkt spielen.

Norman
16.05.2011 22:51

@Südschachfreund
Wie schon mal angesprochen: Spitzenschach, besonders die Eröffnungsanalyse, ist sehr konkret - soll heißen "Die Varianten zählen". Nach 15...Sc6 verkehrt Weiß in höchstenSchwierigkeiten. Es droht das Nehmen auf d4 und Sa5. Was also tun? Nach 16.Le2 funktioniert schon 16...Txd4, Stattdessen führt 16...Sa5 17.Dc3 b6 (Idee c7-c5) 18.Tg1 g6 19.f4 c5 20.d5 zu zweischneidigem Spiel - vielleicht besser für Weiß, sicherlich aber gut mit dem PC (aus) zu analysieren. Andere Versuche für Weiß könnten 16.0-0 oder 16.Dxb7 sein. Aber das kann's offenbar nicht sein. Also eine gut zu analysierende Stellung mit schönen Gegenchancen für Schwarz... ich glaube das scheidet als weiße Hoffnung aus.

Südschachfreund
16.05.2011 22:58

@ Fan: Dieses " Ich sehe nicht, wie Schwarz hier in Vorteil kommen will." bezieht sich nicht auf die Stellung insgesamt, sondern auf Matwejewitschs Aussage, wonach nach dem Nehmen auf f3 einiges schief gelaufen sei für Weiß. Und meine Variante ist auch nicht ganz ernstgemeint, aber allgemein kann ich nicht mir nicht vorstellen, dass dieser f-Doppelbauer für Weiß einen Nachteil bedeutet, er selber verstärkt ein Vorgehen im Zentrum, und die offene g-Linie zu besetzen, kostet Weiß im Ernstfall einen Turmzug (Th1-g1), während Schwarz vier Tempi darauf verwenden muss (0-0-Td8-d6-g6).

Südschachfreund
16.05.2011 23:02

@Norman: Diese Doppeldrohung (Sa5 und Sxd4)? 16. Dc3 wäre mein Vorschlag.

Norman
16.05.2011 23:07

@Südschachfreund
Pariert das die Drohung Sxd4 oder Txd4? Scheint mir nicht so.

Südschachfreund
16.05.2011 23:21

@ Norman: das ist jetzt eine sehr flüchtige Analyse am Brett, genauer müsste ich unterm Tag analysieren: Sxd4?! Tg1! und der Springer wenn wegzieht nach c6, so Dg7#, nach e6, Lxe6 nebst Dg7#, Txd4?! ebenfalls Tg1 und es droht ebenfalls Matt, zieht Schwarz g7-g6, gewinnt Weiß mind. den Bauern zurück. Aber wie gesagt, sehr flüchtig analysiert.

Norman
16.05.2011 23:29

Oje, ich glaube das bringt nichts. Denke Tg1 kannst du in wachem Zustand selbst widerlegen :)

Jan
17.05.2011 00:31

Hmm, Konzepte sind nicht so meine Stärke, ich schmeiss immer den Rechner an und guck, obs funktioniert.

13.cxd5 Lxd5 14.Lc4 scheint mir nicht zu funktionieren, 14..Lxf3! 15.gxf3 und hier sieht 15...c5 am stärksten aus. König im Zentrum, muss Stellung öffnen/Stützpunkte für den Springer schaffen. 16.d5 a6 16.a4 Sd7 sieht ungesund aus, nach 16.dxc5 Sd7 hätte ich ebenfalls lieber Schwarz. 15...Sc6 statt c5 ist auch ok, aber nach 16.Le2! Txd4 (Td6 unklar, Sa5 unklar) 17.Dxb7 Dc5! 18.Dxa8+ Td8 19.Dxd8 Sxd8 20.0-0 steht Weiß wenigstens moralisch besser, auch wenns Remis werden sollte. 18.exd4 Dc3+ 19.Kf1 Tb8 20.Dxc7 Dxa1+ 21.Kg2 ist auch remis.
Aber wie gesagt, 15...c5!

Ich fürchte, die Suche nach Vorteil gegens Damengambit geht weiter.

Matwejewitsch
17.05.2011 01:30

nach 15.-Sc6 16.Le2 muss Td4: ja nun wirklich nicht sein, aber gut: 15.-c5!.

@ Südschachfreund: Wer selbst in Analysen ohne Zeitdruck sein halbes Material einstellt, sollte vielleicht nicht 2750+ Spieler dafür kritisieren, dass sie das falsche "Konzept" gewählt haben :).
Allgemein gesprochen ist die g-Linie natürlich schön und gut, aber vielleicht möchte dein König auch nochmal irgendwohin , wo er nicht mattgesetzt wird...

@Jan: Auch wenn ich kein e4-Spieler bin, sollte man doch diesen Avrukh-Mythos beenden, dass seit 1995 keine 1.e4-Partie mehr gewonnen wurde. Schließlich hat Kramnik (!) gegen Leko 2004 nur 1.e4 gespielt und damit die letzte alles entscheidende gegen Caro-Kann gewonnen. Ok, es bleiben immernoch drei seitdem folgende WM-Kämpfe, bei denen nur eine, ziemlich unwichtige Partie mit 1.e4 eröffnet wurde. Aber wenn man schon Leko-Kramnik als Ursprung von 1.d4 in WM-Kämpfen nimmt, sollte man Kramniks damaliges 1.e4 vielleicht auch erwähnen. War im übrigen auch ne nette Partie :)

andialb
17.05.2011 13:11

Wirklich ein super Beitrag, vielen Dank, auch wenn die Diskussion vielleicht nicht alle Leute so sehr fasziniert. Du hattest nach Anregungen für die Seite gefragt: ich wäre begeistert, wenn man die Partien mit Kommentaren und Varianten downloaden könnte! Ist das möglich, bzw. mit wenig Aufwand verbunden?
Ansonsten gibt es natürlich nur einen Kommentar: "WEITER SO!!!"

hanjie
17.05.2011 13:33

Btw: An einer Analyse der Grischuk-Partie wäre ich sehr interessiert, schließlich war dies nun im Nachhinein der Schlüsselmoment des Wettkampfs, der immerhin den eloschwersten Kandidaten aus dem Rennen geworfen hat!

Ich freue mich schon auf den nächsten WM-Kampf, er wird sicher sehr interessant werden. Grischuk hat hier gezeigt dass man ihn tatsächlicih nicht unterschätzen darf. Aber auch Gelfand hätte einen WM-Kampf verdient, immerhin befindet er sich seit Jahrzehnten in der absoluten Weltspitze und ist eröffnungstheoretisch voll auf der Höhe.
Auch wenn Anand Favorit sein wird, ein Selbstgänger ist ein Sieg gegen diese beiden nicht.

Südschachfreund
17.05.2011 14:04

Hmm, 13. cxd5 scheint auch nicht das wahre zu sein: dann hätte ich alternativ noch an 13.Ld3, einfach, um die Entwicklung fortzusetzen, gedacht, falls Schwarz 13...dxc4 antwortet, folgt 14. Lxc4 und nun haben wir dieselbe Stellung wie die 13.cxd5-Variante vor uns, mit dem Unterschied, dass der f3 nicht geschlagen werden kann.
@ Matwejewitsch: Meine Absicht ist es nicht, 2750+-Spieler zu kritisieren, sondern lediglich nach Verstärkungen für die weiße Stellung in dieser Variante zu suchen. die in meinem ersten Beitrag skizzierten Ziele (Druck auf die Damenflügelbauern, Vorgehen des e-Bauern) für diese Variante bleiben. Topalovs 13. c5 ist aus meiner Sicht aber nicht der Zug, um hier Vorteil zu erreichen. Nachdem 13.cxd5 nicht funktioniert, sieht 13.Ld3 für mich am logischsten aus, um die Entwicklung fortzusetzen, und durch die Rochade die Entwicklung zu vollenden.

Südschachfreund
17.05.2011 14:07

Ergänzung: Mit der Bitte an Jan, es auch zu checken, nicht dass ich aus Versehen für Weiß irgendwas mit 13.Ld3 einstelle.

Südschachfreund
17.05.2011 14:25

Und noch ne Ergänzung;-): 13.Ld3 dxc4?! (gibts was besseres für Schwarz? Sc6 oder d7 vielleicht?) 14.Lxc4 Lxc4!? 15.Dxc4 und wir sind wieder in meiner Ausgangsstellung, dann Matwejewitschs 15...Sd7, und dann weiter? 16.0-0 c5!? und nun die Frage, wie ginge es hier weiter für Weiß? 17.dxc5 oder d5? Oder vielleicht 17. Tab/Tfc1?

Südschachfreund
17.05.2011 15:05

zum Vorgehen des e-Bauern noch eine Anmerkung: es muss nicht unbedingt der e-Bauer sein, wichtig ist, dass entweder der d- oder e-Bauer frrüher oder später durch Vorgehen einen Freibauern bildet. Bsp. 15.Dxc4 Sd7 16.0-0 c5 17.Tab1!? Sb6 18.Dc3 cxd4 19.exd4. Sofern das spielbar ist, scheint mir, dass Weiß zumindest etwas besser stehen sollte.

mogelkatz
17.05.2011 15:07

Hab mir gerade mal die Pressekonferenz auf chesstranslation durchgelesen - diese Seite ist ja Gold wert, wenn man außer den Partien noch was mehr von den Hintergründen wissen will. Find bemerkenswert, dass den Spielern wohl auch bewusst ist, dass sie da einen erstaunlich niveauarmen Wettbewerb abliefern. Und Grischuk hat sogar eingeräumt, dass er sich mit Weiß gar nicht erst die Mühe macht, ein Spiel zu beginnen. Ein Remis nach 8 Zügen im Rapid, find ich allerdings auch eine Vera...schung. Im vergleich mit ihm versprüht ja Gelfand noch das reinste Charmefeuerwerk.

Südschachfreund
17.05.2011 15:25

aber Matwejewitschs 15...Sd7 funktioniert auch nicht wirklich, es folgt nämlich 16.Dxc7 und Weiß gewinnt Material. Was dann für Schwarz nach 15.Dxc4 15... Sc6 vielleicht? 16. Tb1 Tab8 17.0-0 Sa5!? 18.Dc3 b6 19. Tfc1 Tbc8 wäre (vielleicht) denkbar; aus meiner Sicht steht Weiß hier besser.

Jan
17.05.2011 15:33

@Südschachfreund:

13Ld3 ist noch schlechter als cxd5, nach 13...c5 steht Schwarz schon deutlich besser.

Südschachfreund
17.05.2011 15:44

@ Jan: wieso steht Weiß dann schlechter? Hab ich irgendwas eingestellt? 14.0-0 dxd4 (oder?) 15. exd4 Sc6 16. Tab1 Tab8 17. Tfd1 oder bin ich blind?

Südschachfreund
17.05.2011 15:47

* cxd4

Matwejewitsch
17.05.2011 17:32

"Matwejewitsch: Meine Absicht ist es nicht, 2750+-Spieler zu kritisieren"
Ok, das mag ja sein. Mein Punkt ist einfach, dass eine Äußerung wie "Verstärkungen für Weiß finden", und das ohne Computer schlicht und ergreifend ... anmaßend - und ein bisschen realitätsfern - ist, wenn man bedenkt, was für Arbeit hinter den Eröffnungen auf diesem Level steckt. Was anderes ist es, wenn man versucht, eine Stellung zu verstehen. Also, wenn du geschrieben hättest "hey, wieso zieht Topalov c5, wenn man doch eigentlich in so einem Stellungstyp eher ein starkes Zentrum anstrebt?" hätte ich überhaupt kein Problem gehabt. Ähnliches Muster bei deiner "Analyse" zu "meinem" Sd7 : Ich hätte das wohl kaum vorgeschlagen, wenn ich mir nicht kurz überlegt hätte, dass nach D:c7 Db4+ nebst Tac8 geht...
Im übrigen wollte ich mit dem Kommentar (Sd7) nur zeigen, dass, selbst wenn du alles bekommen würdest, was du wolltest, man so eine Stellung gegen Kramnik/Anand/etc. wohl kaum gewinnen würde. Unstrittig ist dabei, dass Weiß etwas besser steht und es vorher einige Möglichkeiten für Schwarz gab, mindestens Ausgleich zu erzielen.

So, ich hoffe mal keinen Troll gefüttert zu haben :)
Gruß, Matwejewitsch

Südschachfreund
17.05.2011 17:59

@ Matwejewitsch: diesen Trick (Db4+ nebst Tac8) hatte ich übersehen, habe ihn erst nach deinem Hinweis gesehen. Das ich gegen Kramnik/Anand/Aronjan oder Co. gewinnen würde, ist so wahrscheinlich, wie dass ich mal einen Spaziergang auf der Sonne unternehmen werde. Und das bei Kramnik/Anand eine Menge Arbeit hinter Eröffnungen steht, weiß ich selber. Allerdings analysieren wir hier nur eine einzige konkrete Variante, während die viele analysieren müssen. So, und zur Stellung selber noch etwas: nachdem Jan 13. cxd5 und 13.Ld3 für inkorrekt befunden hat, hätte ich noch einen Zug, der mir Sinn zu machen erscheint: 13.Tb1. Vielleicht ist das der richtige Zug, denn er deckt, das Fehlen des Lc8 sofort auf.
Und jetzt haben wir Jan vermutlich die Arbeit an dieser Variante für die nächsten zehn Jahre abgenommen;-)

Gruß
Südschachfreund

Phero
17.05.2011 22:22

Und wenn du mir jetzt noch erklärst, welche Idee Weiß nach einfach 13.... b6 mit Tb1 verfolgen kann, wäre ich bereit, mich mit dem Zug näher zu befassen...

ebitda
17.05.2011 22:48

Ich versuche es nochmal, welchen Aufbau wählt Schwarz gegen die Abtauschvariante mit Sf3 bzw Sge2? Wenn ich dagegen ein wirksames Mittel habe, flute ich jeden stärkeren Gegner mit QGD.

Südschachfreund
17.05.2011 22:59

@ Phero: Vielleicht, das kann ich aber nicht beurteilen, ist der Zug eine unnötige Schwächung des Damenflügels, aber ich glaube, der weiße Damenturm muss in der Stellung ohnehin früher oder später nach b1 gehen.

Erik
17.05.2011 23:16

13. Tb1 bringt rein gar nichts. Eher im Gegenteil: Schwarz kann wahlweise 13...b6 oder vielleicht sogar 13....Sc6!? spielen (droht auf c4 zu nehmen, gefolgt von Sa5). Das bedeutet: es gibt an dieser Stelle nichts besseres als Topalows Zug 13.c5

Erik
17.05.2011 23:28

Grischuk sagt bei chesstranslationcom: "It’s very fashionable to criticise the qualifying system – but if you go back to the origins of competitions, the Olympics in Ancient Greece, and so on. They started off in order to identify the strongest person. But now people pick out the strongest at the beginning, for example Aronian, and then if, god forbid, he doesn’t win, the system’s considered bad." >>>damit wendet er sich an einige "Systemkritiker" von hier ;-) (z:B. patzerle10.05.2011 10:13)

hanjie
17.05.2011 23:52

Ach, das Qualifikationssystem hat sich doch als gar nicht so schlecht herausgestellt. Es ist kompakt und verkürzt damit den Weg zur nächsten WM erheblich, er ist spannend für alle Zuseher, und da es Matches sind, setzt sich auch auf jeden Fall jemand durch, der zumindest Minimatches bereits gut beherrscht.

Das einzige Verbesserungswürdige ist in meinen Augen, dass sie die Sofia-Regeln anwenden sollten. Denn Grischuks Taktik mit im 8. Zug Remis anbieten ist aus wettkamptaktischen Gründen legitim weil möglich, wenn dies aber nicht erlaubt ist, spielen sie dann ja doch jedes Mal eine volle Partie. Angesichts der Kürze der Wettkämpfe und der Anzahl der Pausentage kann man dann auch nicht damit kommen, dass der Kampf physisch zu anstrengend werden würde.
Schließlich gehört eine gute Physis zum Sport "Schach" dazu.

Mattovsky
17.05.2011 23:59

Das muss ja eine spannende Variante sein, über die hier so angeregt diskutiert wird, also habe ich als alter Analysefreak mir die Sache auch mal angeschaut. Leute, das Problem ist doch folgendes: Weiß ist mäßig entwickelt und hat den Opa noch in der Mitte. Schwarz droht mit c5 das Spiel zu öffnen. Selbst auf 13.Tb1 geht das; den b7 kann man opfern. 13.c5 ist praktisch schon Pflicht, um schwarzes ...c5 mechanisch zu verhindern. Anand hat in seinen Kommentaren auch nichts Besseres gesehen. Die ganze Variante taugt einfach nichts aus weißer Sicht.

Suisuique
18.05.2011 08:59

Bin der gleichen Meinung wie hanije.
Einführung der Sofia-Regel bei zukünftigen Kandidatenmatches.
Hier irgendwelche Spieler zu kritisieren, weil sie das Maximum für sich aus dem geltenden Regeln herausholen, ist unangebracht.
Im Übrigen gehören zu Kurzremisen immer zwei.
Das FInale ist ne offene Sache, wenn es ins Rapid/Blitz geht, sag ich Grischuk.

pipidipapa
18.05.2011 13:00

Ich weiß ja nicht wie Ihr darüber denkt, aber der kahle kalte Raum, in dem die Kandidatenkämpfe stattfinden, ist unwürdig. Die Chinesen haben es einfach besser drauf...

http://www.chessbase.com/news/2011/misc/hainandanzhou07.jpg

Südschachfreund
18.05.2011 14:28

@ Mattovsky: was für konkrete Varianten schlägst du für Weiß und Schwarz sowohl für 13.Ld3 als auch für 13. Tb1 vor? 13.Ld3 c5 hat Jan angegeben, du meinst auf 13. Tb1 auch unter Opfer c5 spielen zu können. Ich bin allerdings nicht so sicher, dass auf 13.Ld3 c5 die Messe schon gelesen ist, 14. 0-0 und aus meiner Sicht, ist es der Weiße, der besser entwickelt ist, die Türme sind verbunden (bei Schwarz nicht), alle Leichtfiguren entwickelt ( der Sb8 steht noch immer auf seinem Ausgansfeld, und die Dame auf e7 ist damit beschäftigt, b7 zu decken, während die weiße darauf zielt), also ich kann mir nicht vorstellen, dass die Öffnung des Spiels zum weißen Nachteil ausschlägt.

Südschachfreund
18.05.2011 14:58

Besser gesagt sehe ich nicht, wo und wie Schwarz nach 14.0-0 angreifen will, der Weiße hat seine Entwicklung vollendet, während der Schwarze hinterherhinkt (Sb8), was mich fragen lässt, inwiefern eine Öffnung des Spiels für Schwarz ausschlagen lässt. Wenn man unterentwickelt ist, sollte man das doch tunlichst vermeiden, oder? Der Weiße hingegen zielt auf etwas: b7 und nach c5: d5. ich wäre dankbar, wenn jemand mal mit einer konkreten Variante antworten würde.

Mattovsky
18.05.2011 15:34

Na ja, Südschachfreund, nach 14.0-0 kommt natürlich einfach 14...Sc6, das greift d4 an (in Verbindung mit Tausch auf c4) und droht vor allem auch 15...dxc4 nebst 16...Sa5 mit Figurengewinn. Wie soll Weiß beides abwehren? Kleinstes Übel ist noch 15.Dc3, aber dann geht z.B. einfach 15...Tac8 und die Dame steht in der c-Linie alles andere als günstig. Alternativ ist auch 15...Lg4 stark. Schwarz steht deutlich besser, da hat Jan schon recht.

super-marius
18.05.2011 15:59

An Südschachfreund,

so ist das moderne Schach. Die grossen "Konzepte" (Entwicklungsvorsprung, offene g-Linie, Druck auf dem Damenflügel, mobiles Bauernzentrum etc.) taugen erst, wenn der die Engine vorher die Stellung nicht um die Ohren haut. Nach 14....Sc6 ist Weiß auf diesem Niveau schon erledigt.
Du solltest deine "Analysen" auch mit dem PC checken, dann würden dir die wirklich peinlichen Einsteller wie oben 15....Sc6 16.Dc3 Sxd4 17.Tg1 Sf3+ erspart bleiben.
Ausserdem finde ich, dass uns Jan, wenn er sich schon Zeit nimmt hier zu posten, nicht die einzügigen Widerlegungen deiner" Ideen" präsentieren soll, die sogar ich (2050 DWZ) schaffen würde (erster Fritz-Vorschlag), sondern etwas vom Grossen-Ganzen erzählt, wie seine Sicht aufs Tagesgeschen oder die Anylyse einer Grischuk-Partie.

mfG

Marius

Südschachfreund
18.05.2011 16:44

Dann müssen wir uns wohl oder übel noch mit 13. Dxb7 beschäftigen: Anish Giri schrieb hierzu, dass 13.Dxb7 Weiß nichts einbringt wegen 13...dxc4 und in Komplikationen Schwarz fine zu sein scheint: Meint er damit die Verwicklungen nach 14. Dxa8?

Südschachfreund
18.05.2011 16:47

@ Marius: schon recht. Möchte aber gerne mal daran erinnern, dass die Engine nur so gut ist, wie sie programmiert ist. Und das Schachverständnis bezieht die Engine auch nur aus Menschenhand.

super-marius
18.05.2011 17:24

An Südschachfreund,

Hirn aus, PC an. (Sorry für die Ausdrucksweise).
15. Dxa8 ist gut, da es Weiß rettet.
14.Db7 dc 15. Dxa8 (alles ander z.B. Le2 Ld5 16.Db2 c5 nebst Sc6 und Tb8 oder Tc8 gibt schwarz ordentliches Gegenspiel mit dem c-Bauern) Db4+ 16.Sd2 c3 17.Td1 (Ld3 cd+ 18.Ke2 Dc3 mit der Drohung Sc6 und Weiss muss (etwas) zittern, sollte es aber halten)dc 18 Txd2 Db1+ und Db4+ remis.
Ich bin nicht stolz darauf , hier Computervarianten abzutippen, die Du problemlos selbst bekommen könntest.

Das Philosophieren (Schachverständnis, vom Menschen programmiert) bringt uns auch keinen Schritt weiter.
Bis auf Prof. Dr. Slucharchuk schlägt Rybka 4 jeden anderen Menschen auf diesem Planeten, und in konkreten taktischen Stellungen ist es unübertroffen. Sein Urteil wird hier auch von der absoluten Weltspitze akzeptiert, denn schliesslich wollte Anand so spielen und Topalov hat es nicht zugelassen.

Südschachfreund
18.05.2011 18:09

Nach den vielen Theoriedebatten möcht ich noch meinen Senf zum Kandidatenfinale dazugeben: Es war schlichtweg schrecklich; und zwar weniger, weil nur vier Partien gespielt wurden pro Runde, sondern vielmehr wie sich die Weltspitze in der Verwertung von technischen Gewinnstellungen präsentiert hat. Es war irgendwie das Turnier der ausgelassenen Chancen. Aronjan - Grischuk, Runde 1.1 ist natürlich der Extremfall, ebenso Mamedyarov-Gelfand, Runde 1.1 (etwas abgeschwächt), dann Gelfand - Mamedyarov 1.2 oder auch Topalov - Kamsky, 1.4, selbiges für Runde 2: Gelfand - Kamsky, 2.2, Kramnik-Grischuk 2.2, dann natürlich Kamsky-Gelfand, 2.3 und Kramnik-Grischuk, 2.4. Irgendwie, so scheint es, hat die Weltspizte das technische Verwerten verlernt, v. a. von Kramnik und Aronjan hätte ich mir mehr erhofft. Ich persönlich glaube, der Weltmeister von 2012 heißt Anand. Und was mir etwas zu denken macht, ist: Die Sorge um Sponsoren. Kasparow verweigerte Shirov 2000 den WM-Kampf mit der Begründung, es fänden sich keine Sponsoren, Kasparows Bilanz gegen Shirov bis dahin war: +9,-0 = 0. Was ist wenn sich nun keine Sponsoren finden lassen, weil sie bei einem Anand-Grischuk-Wettkampf oder Anand-Gelfand-Wettkampf ohnehin den andern beiden keine Chance geben, was dann?

hanjie
18.05.2011 18:42

Ach, man muss das Ganze doch gar nicht so schwarz malen.

Die technische Verwertung betreffend vergisst man hier m.E. ein wenig, dass hier vor allem die besten Verteidiger der Welt anwesend sind. Gelfands und Kamskys Verteidigungshärte ist gefürchtet, und was Grischuk hier ablieferte, kann man auch nur als Weltklasse betiteln. Damit steigt natürlich die Anspannung es möglichst optimal zu machen, und schwupps!, ist die Zeit weg, um die optimalen Züge noch zu finden.

Früher fiel es, denke ich, nur nicht so auf, weil da die Techniken der Verteidigungsressourcen noch nicht so weit fortgeschritten waren. Irgendjemand meinte in der Zeitschrift "Schach", dass die Computer uns heute lehren, dass jede Stellung mehr Verteidigungsmöglichkeiten bietet als man ursprünglich glaubte und das den Angreifern heutzutage einen gehörigen Respekt abverlangt.

Was die Eröffnungsdiskussion angeht halte ich mir mal tunlichst raus, da sowohl Rechner als auch Engine reichlich von gestern sind *lach* - in konkreten Stellungen nicht den Comp anzuwerfen halte ich für öffentlich einsehbare Analysen schon für leicht fahrlässig, und just die angesprochene Position IST sehr konkret. Da helfen allgemeine Platitüden der Sorte "schlechter entwickelt" nicht weiter.

hanjie
18.05.2011 19:03

Ach, jetzt hat's mich doch mal gekribbelt nachzusehen:

"13.Ld3 c5 hat Jan angegeben, du meinst auf 13. Tb1 auch unter Opfer c5 spielen zu können. Ich bin allerdings nicht so sicher, dass auf 13.Ld3 c5 die Messe schon gelesen ist, 14. 0-0 und aus meiner Sicht, ist es der Weiße, der besser entwickelt ist (...)"

Das stimmt so leider nicht. Hier ist _Schwarz_ besser entwickelt nach 14...Sc6. Denn Weiß muss dank der Drohung 15...dxc4 die Dame ziehen und ein Tempo verlieren. Nach z.B. 15.Dc3 Tac8 hat Schwarz exakt zwei (!) Tempi mehr und übt mit seinen Türmen großen Druck auf das weiße Zentrum aus, während die weißen Türme noch tatenlos zusehen.

Selbst nach allgemeinen Erwägungen steht hier Weiß schlechter. Mein Fritz 5 spuckt bereits eine Wertung von 1,16 Bauerneinheiten aus, was bei einer Engine in einer fast symmetrischen Stellung beinahe schon ein Todesurteil ist. Wenn Weiß das überhaupt noch überlebt, dann nur mit viel Fantasie.

Nich

hanjie
18.05.2011 19:04

öhh, streiche "nicht" und füge ein Minus vor die 1,16 hinzu ...

Hiermit mache ich den Verbesserungsvorschlag, dass eine Vorschaufunktion für die Beiträge sehr praktisch wäre. :)

Südschachfreund
18.05.2011 20:11

@ hanjie: Widerstand leisten in schlechter Stellung ist ja erlaubt und auch bitter notwendig, sonst wäre Schach uninteressant. Aber von Kramnik, dessen Stärke allgemein in Verwertung auch nur leicht besserer Stellungen gesehen wird, kann ich so was eigentlich erwarten, und auch von Aronjan. Der hatte gegen Grischuk in besagter Partie zwei Freibauern mehr. Das sollte für einen 2800er auch bei zähestem Widerstand zu knacken sein. Außerdem ist Zeitnot und technische Verwertung für die Weltelite das tägliche Brot. Außerdem: Kannst du mir verraten, wie sie dann gegen Anand gewinnen wollen, der ja auch für extremst zähe Verteidigungsfähigkeit bekannt ist? Und Anand selber scheint mir derzeit der am besten in Form spielende Weltelitespieler. Das gilt eigentlich auch für Aronjan, aber diese Niederlage gegen Grischuk, gegen den er ja haushoher Favorit war, ist auch, sag ich mal, bedenkenswert.

Benedikt
18.05.2011 20:52

@Südschachfreund:
Kramnik kann auch keinen vollen Zähler herbeizaubern, sondern muss ihn wie jeder andere auch aus der Stellung herausmeißeln. Leicht bessere Stellungen kann man übrigens nicht zwangsläufig forciert zum Gewinn führen, auch wenn Kramnik ein ausgesprochen guter Kneter ist. Wenn du meinst, dass er die Partie hätte gewinnen müssen, dann weise eine Verbesserung gegenüber einem seiner Züge nach die zum Gewinn führt. Wenn du das auf den ersten Versuch schaffst (Zurückstellen und dann mehrmals eine andere Variante spielen die Material verliert geht in einer Turnierpartie nicht), dann steht einer ernsthaften Diskussion nichts im Wege.
Darüber hinaus sagen zwei Mehrbauern rein gar nichts über die Bewertung einer stellung aus.
Aronjan war gegen Grischuk wohl Favorit, aber du wirst nicht viele experten finden, die ihn als haushohen Favoriten gesehen haben. Grischuk ist nicht von Pappe auch wenn er sich nicht immer auf Schach fakusiert. Bis vor einem halbe dreiviertel Jahr hatter er noch 2773 oder sowas.Klasrer Favorit wöre Aronjan beispielweise gegen Jan, aber ob einer solchen Wettkampf positiv für sich gestalten könnte steht auf einem anderen Blatt.

Helmut
18.05.2011 20:53

Habe über obiges Stellungproblem intensivst nachgedacht und bin dabei auf drei Lösungsmöglichkeiten gestossen (Anmerkung: bin kein Schachspieler, maxmal Hobby~, von daher könnte es noch mehr Möglichkeiten geben):
1) Rechner anschmeissen, hat der Chef glaube ich schon erwähnt
2) auf die 2 neuen DVDs von Herrn Gustafsson warten: "Vol 1: Damengambit", "Vol 2: Der ganze Rest" (ich weiss aber nicht mal, ob die in Planung sind...)
3) oben im Menü Link Nummero 9 anklicken. Das steigert bestimmt (je nach Spieler) die DWZ/Elo-Zahl um 100 Punkte oder mehr pro Stunde. (Aber nicht falsch verstehen: eine Stunde lang da drauf klicken bringts denn doch nicht.)

Südschachfreund
18.05.2011 21:14

@ Benedikt: In der Partie Aronjan - Grischuk waren die zwei Mehrbauern durchaus entscheidend siehe Jans Kommentar: " Dr. Levon hatte gegen Grischuk mehr Chancen als Bayern gegen St. Pauli". Und wir "lieben" Kramnik eigentlich dafür, dass er technische Gewinnstellungen sehr sicher verwertet, bzw. gut im Kneten ist. Gegen Radjabov war aus meiner Sicht in den regulären Partien tatsächlich nichts zu holen, aber gegen Grischuk sehr wohl. Mir ist auch nicht wirklich verständlich, warum sich Kramnik auf den Tie-Break gegen Grischuk eingelassen hat, immerhin hat ihn Grischuk in Monaco mit 2:0 geschlagen.

Benedikt
18.05.2011 21:21

@Südschachfreund
Varianten??

super-marius
19.05.2011 00:14

@ Südschachfreund

"Mir ist auch nicht wirklich verständlich, warum sich Kramnik auf den Tie-Break gegen Grischuk eingelassen hat, immerhin hat ihn Grischuk in Monaco mit 2:0 geschlagen."
Das hat er doch nicht freiwillig getan! Mit Schwarz kann er gegen solche Leute nichts ausrichten, wenn diese nur remis wollen. Und mit Weß hat er sein Bestes gegeben und stand in der vierten Partie auf Gewinn und auch auf Verlust.
Grischuk gehört neben Carlsen und Anand zu den 3 Top-Blitzern in der Welt, und er hätte nichts dagegen, in "seinem Wohnzimmer" den WM-Herausforderer zu ermitteln.
Ich kann seine Haltung voll verstehen. Es geht um sehr viel und er reizt das Format voll aus. Würde man ihn in einem 8-er Turnier oder mit Sophia-Regeln zum Spielen zwingen, müßte er viel mehr zeigen. Und vielleicht würde er es auch tun.....

someFM
19.05.2011 00:53

"Grischuk gehört neben Carlsen und Anand zu den 3 Top-Blitzern in der Welt, und er hätte nichts dagegen, in "seinem Wohnzimmer" den WM-Herausforderer zu ermitteln."

Das klingt im Nachhinein stimmig, entspricht aber nicht zwangsläufig den Statistiken.

Bei der zurückliegenden Blitz-WM lag Grischuk abgeschlagen auf Rang 11 (20 Teilnehmer, Sieger wurde Aronian vor Radjabov!); er lag sogar noch hinter Kramnik (7.).

Nach meiner Auffassung kommt Blitzschach auf dem Niveau eher einer Lotterie gleich.
Mir ist schleierhaft, wie man einen Modus anwenden kann, der es ermöglicht, WM-Herausforderer von Anand zu werden, ohne auch nur eine einzige Turnierpartie während der Kandidatenwettkämpfe gewinnen zu müssen.

super-marius
19.05.2011 03:20

@ some FM

Hab Grischuk die Daumen gehalten und war im nachhinein wohl zu überschwenglich.
Er war allerdings schon mal Blitzweltmeister und war auch in den andern WM's meistens besser platziert als letztes Jahr (zumindest einstelliger Tabellenplatz....).
Wer aber in buchstäblich jeder Partie in höchste Zeitnot kommt (gegen Kramik in der vierten Begegnung 1.44 Min für 9 Züge und die Stellung reif für ein Taktikbuch!) und auf diesem Niveau überlebt, der kann mit breiter Brust auch ins Blitzen gehen.
Hab bei den Super-Blitzern noch u.a. Ivanchuk vergessen.
Der Modus ist eine Zumutung, aber dafür können die Spieler nichts, auch Grischuk bewegt sich noch innerhalb der Regeln.
Warum spielt man nicht ein doppelrundiges 8-er-Feld-Turnier, aber mit Anand ? Es hat sich doch so gut bewährt. Diese ewigen Zweikämpfe sind heute meiner Ansicht nach nicht mehr angebracht. Und die "Turnierweltmeister" Topalov und Anand sind in meinen Augen würdige Nachfolger von den "Zweikampf-Weltmeistern" Karpow, Kasparow und Kramnik. (Sorry an Khalifman, Kasimdanov und Ponomariov.....)

hanjie
19.05.2011 09:20

Die Zweikämpfe finde ich schon passend für eine Schachweltmeisterschaft. Sie nicht nur medial besser vermarktbar, sondern auch die Tiefe des Spiels erfährt hier regelmäßig neue Ausgrabungen.

Vielleicht baut ja Carlsen sogar auf eine nächste WM im Turniermodus, weil er in Turnieren kolossal stark ist. Dennoch zeigt sich m.E. erst in einem Kampf gegen Anand in einem Zweikampf, ob er eines Weltmeisters wirklich würdig ist. Die Tiefe einer Vorbereitung für einen Wettkampf gehört in meinen Augen zu den Skills dazu, die ein Weltmeister zwingend beherrschen muss um dann auch wirklich sagen zu können, dass er der stärkste Schachspieler der Welt ist.

Benedikt
19.05.2011 10:23

Den Weltmeisterschaftszweikampf finde ich auch ambesten, nicht nur wegen der Tradition, sondern auch weil dieses Format immer würdige Weltmeister hervorgebracht hat. Bei einem Rundenturnier, wie zu Fischers Zeit bei den Kandidatenwettkämpfen, gibt es Mittel und Wege den Turniergewinn durch den besten Spieler zu verhindern. Bei einem Ko-System wie im Tennis kann sich der beste Spieler immer durchsetzten, wenn er eben während des Turniers die beste Form hat. Einziges Manko ist, dass der zweitbeste nicht zwangsläufig auch im Finale steht bzw., bei den jetztigen Kandidatenwettkämpfen, dass die Anzahl der Partien in einer Runde mit 6 sehr kurz, wohl zu kurz ist. Bei dem letzten Kandidatenwettkämpfen waren es schon ab der ersten Runde 6 Partien, was in meinen Augen auch die unterste Grenze sein sollte.

Lasker
19.05.2011 21:19

Endlich mal eine gute Partie von Grischuk.

Ist irgendwo ein Kommentator näher auf das Turmendspiel eingegangen? Insbesondere auf die Stellung nach 42.Tg6.

Warum nicht den einfachen Plan 42.Tg5, dann mit dem Kong zum h-Bauern, diesen abräumen und durch die vorherigen Tempoverluste auf den Turm steht dann der schwarze König zu weit weg?
Sieht ziemlich gewonnen aus. Irgendwo ein comment dazu?

Lasker
19.05.2011 21:50

Also das kombinierte Spiel einerseits zu drohen, den f-Bauern laufen zu lassen oder aber den h-Bauern abzuräumen, solange der schwarze König zu weit entfernt steht. Bzw. die Kombination aus beiden Plänen.

Einen ausführlichen Kommentar dazu kann ich nirgendwo finden.

Lasker
19.05.2011 22:12

Hmm.
Nochmal näher reingeguckt.
Wenn Schwarz mit dem h-Bauern durchstartet, scheint das doch zu reichen.

Trotzdem ne gute Partie.
Die Aktivierung der Majonaise im Damenflügel sah gefährlich aus für Gelfand.

super-marius
19.05.2011 22:14

@ Lasker

Die Stellung ist auf jeden Fall remis, denn der König kommt niemals zum schwarzen h-Bauern.
42.Tg5 h4 43.Kd6 h3 44.Ke6 h2 45.Th5 Tf2 und remis. Schwarz bleibt auf der f-Linie hinter dem Freibauern und belästigt den weissen König falls nötig mit Te1+ und Tg1+.

Helmut
19.05.2011 22:29

"The time control has passed. And it turns out that Black holds without any trouble. By well-known patterns." Sagt Herr Shipov.

Lasker
20.05.2011 06:24

@ super-marius
Ja, ist richtig. h-Bauer startet durch auf h2 = Remis.
Ich hatte das Gefühl, daß Grischuk während des ganzen Endspiels nahe daran war, die Remisbreite zu überbieten.
Hab´ leider im Moment nicht viel Zeit für Schach, schaue die Partien bei chessbomb, da gibt es auch Kommentare dazu.
Detaillierte Analyse würde mich interessieren, ich schau´ dann mal bei Shipov (danke, Helmut).

Thomas Oliver
20.05.2011 09:42

Es gibt auch - meistens einige Stunden nach der Partie - Analysen von Dennis Monokroussos of www.thechessmind.net . Zum Turmendspiel schreibt er
35.Rxf7 This should be a draw, and Gelfand does a nice job of proving it
Und zu 42.Tg5 gibt er die Variante von super-marius.

Erik
20.05.2011 15:30

Heute gibt's ja mal ein richtig spannendes Mittelspiel mit unausgewogener Materialverteilung----sehr interessant zum Verfolgen!

Lasker
20.05.2011 17:36

@ Thomas Oliver
Danke. Das späte Turmendspiel ist mittlerweile klar, ich wollte mir mal den Turmschwenk (Tc5-a5) zur a-Linie im 25. Zug anschauen, hat DK auch schon gemacht. :-)
Bin gespannt, ob Grischuk das heute nach Hause fährt, kann es mir aber leider nicht mehr live anschauen. Spannendes Finale biaher.

Antwort
21.05.2011 13:42

Unbedingt!

Lasker
21.05.2011 13:45

Wow, wer hätte das erwartet?
Die dritte spannende Partie kündigt sich nach ...b5 an.
(So viel auch zum Thema: die Eröffnungen sind ausgelutscht)

Nachdem Grischuk die ersten beiden Partien am Drücker war, reisst Gelfand jetzt die Initiative an sich. Und gerade das ist doch das spannende an Wettkämpfen.
(Das zum Thema: was soll daran besonders sein? Es wird auch nur Schach gespielt)

Thomas Oliver
21.05.2011 15:45

Wow, wer hätte das erwartet? Die dritte Partie ist zu Ende bevor sie richtig begonnen hat - remis.

Lasker
21.05.2011 17:37

Sollte das witzig sein?
Ich glaube, wir haben uns nach den beiden Vorgängerpartien und der Eröffnung mehr erhofft. Hoffentlich wechselt jetzt Grischuk nicht wieder den Modus...

Bardeleben
21.05.2011 19:00

Anstatt nur über ein kurzes Remis zu meckern (was ich eigentlich auch gerne tue) kann man sich den wie ich finde guten Kommentar von Shipov geben:
"I admire the breadth and depth of the opening preparation of the players in the final. Just think about what happened: Grischuk chose a very rare line in a rare opening – i.e. one of a hundred possibilities of playing the Queen’s Gambit, and far from top of the list of those currently popular - but it was precisely there that a powerful novelty by Gelfand was waiting for him. As one was in the other 99 lines. Just imagine the amount of work that’s been done… And here are its fruits – in an important game in the final Boris made a draw with Black from a position of strength. That’s an excellent result. The score’s even: 1.5 – 1.5. But the Israeli grandmaster still has two games with White in reserve compared to one for the Russian. Nevertheless, I’d assess the overall winning chances of the players as even. Everything’s still ahead of us! "

Die Analyse dazu auch sehr erhellend: http://www.chessintranslation.com/live-game/

Thomas Oliver
21.05.2011 23:26

@Lasker: Ja das sollte witzig sein ... . Ich war auch überrascht und etwas enttäuscht, wobei Shipov auch nicht unrecht hat.
Unfreiwillig komisch übrigens der Live-Kommentar auf Chessbomb: "14. dxc5 Sasha is obviously playing for a victory! We have another great game today! Update: What a surprise, they drew! My last sentence sounds weird now! Thank you all for following the live coverage with GM Sebastien Maze on ChessBomb.com"

Südschachfreund
22.05.2011 10:49

Ich weiß, ich nerve mit meinen Einträgen, aber jetzt habe ich noch was: Nach 1. d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Le7 4.Sf3 Sf6 5. Lg5 h6 6. Lh4 0-0 7. e3 Se4 8.Lxe7 Dxe7 9. cxd5 Sxc3 10.bxc3 exd5 statt bisher 11.Db3 neu: 11.h3!? nebst 12.g4!? Der Zug h3 ist vielleicht auch schon im 7. Zug anstelle von e3 oder im 9. Zug anstelle von cxd5 spielbar, mir persönlich gefällt er allerdings im 11. Zug am besten. Bitte um Rückmeldungen (von wem auch immer)

Trollpfleger
22.05.2011 12:19

Don*t feed the (opening) troll (anymore)

Phero
22.05.2011 12:24

Gefällt mir nicht, ohne allerdings groß die Varianten gecheckt zu haben. Nach h3 und g4 ist der weiße Königsflügel aufgerissen, so dass der König wohl in der Mitte bleiben muss. Einen Angriff des Weißen sehe ich aber nicht... mit welchen Figuren denn? Ein Problem wird z.B. sein, dass der a-Turm nicht hinüberschwenken kann, da der weiße König im Weg steht.

Lasker
22.05.2011 14:58

@ TO
Dann ist es ja gut. Den Kommentar auf chessbomb habe ich auch gelesen und fand es ebenso witzig. "So is Lebbe"

@Bardeleben
Der Gedanke hat natürlich etwas für sich, aber ich möchte trotzdem widersprechen. ;-)

Zum ersten:
hat denn Gelfand (oder sonst "die Weissen") bisher aus der Eröffnung heraus überzeugt? Ich glaub´, er hat sogar mit Schwarz besser gepunktet als mit Weiß (bin aber zu faul, um das genau nachzurechnen).
Aber sowohl Kamsky als auch Mamedyarov haben sich mit Schwarz einmal "hingerichtet" - aus turniertaktischen Gründen.
In der ersten Weißpartie war Gelfand gegen Grischuk "bemüht" um Initiative, aber war das auch "Werbung für die Hellen"?

Zum zweiten:
da packt man also die tolle vorbereitete Neuerung ..b5 aus und die Partie läuft jedenfalls nicht "für Weiß" (s.o.) und dann macht man direkt Remis?

Ich stehe da eher auf die stories a la Marschall, der angeblich jahrelang auf den Einsatz des Marshall-Gambits gewartet haben soll, um es in der richtigen Partie zu brigen:
nämlich gegen Capablanca. (dann verlor er trotzdem)
Ob das tatsächlich wahr ist oder Mythos, wird Jan wohl wissen, vielleicht hat er es auf einer seiner DVDs erzählt?

Jedenfalls gefällt mir das besser. Herzblut statt Pragmatismus!

super-marius
22.05.2011 15:43

Ok, h3 (wann auch immer) verdibt für Weiß noch nichts, übt aber überhaupt keinen Druck aus. Nach dem typischen Lf5 hat Schwarz sofort ausgeglichen. Nch 12.g4 Le4 hat weiss dagegen einen Schweizer Käse + Entwicklungsrückstand zu verwalten, was wohl kaum in seinem Sinne wäre. Es kommt z.B. f5 und aus.
Wir werden hier auf die schnelle mit Sicherheit nichts finden. Auch andere Spiele vom Weltformat wie Mamedyarov und Wojtaszek konnten letztens gegen Lasker-Vert. nichts ausrichten, und die sind Profis trainieren jeden Tag 8 Stunden....

Bardeleben
22.05.2011 16:30

@Lasker: Ja, ich stimme insofern zu, als ich den Schwarzen Peter wenn überhaupt dann auch eher bei Gelfand sehe - er hatte noch mehr Zeit und die Stellung aus seiner Vorbereitung heraus ausgeglichen. Andererseits - warum etwas riskieren wenn noch zwei Weißpartien warten? Von Grischuk erwarte ich nach seiner Angsthasenstrategie bislang ohnehin nichts; mag sein, dass er unter Zeitdruck toll spielt und ein super Defensivspezialist ist, aber jemand, der es mit Weiß nicht einmal versucht, möchte ich nicht als WM-Anwärter sehen.
Insgesamt muss ich sagen, dass ich mit der Art und Weise, wie an der Weltspitze (oft) Schach gespielt wird, enttäuscht bin. Ich kann mir kaum vorstellen, das Leute wie Kasparov, Fischer oder Tal in ähnlichen Situationen jemals die Hand gereicht hätten. Um so mehr fehlen mir Nakamura und Carlsen bei den Wettkämpfen, die scheinen wenigstens bereit (und kreativ genug) zu sein, auch mal ein Risiko einzugehen.

Südschachfreund
22.05.2011 17:31

@ super-marius: Mein Gedanke bei dem Zug h3 nebst g4 war ein allgemeiner: Schwarz hat bereits kurz rochiert und h7-h6 gezogen, Weiß hat noch nicht rochiert. Dachte mir, vielleicht lässt sich daraus vielleicht ein Königsangriff gestalten. Zu diesem Zweck würde ich auch die Zentralbauern nach dem 10. Zug gar nicht mehr ziehen, sondern in dieser Halbslawen-Stellung c3-d4-e3 lassen, wo sie den König ein wenig schützen.

Thomas Oliver
22.05.2011 17:46

@Bardeleben:
"Früher war alles besser"? Im Match gegen Kramnik hatte Kasparov zwei Weissremis in 11 und 14 Zügen - und da lag er bereits zurück.
"Später wird alles besser" (mit Nakamura und Carlsen)? Nakamura ist in letzter Zeit auch pragmatisch, z.B. auf-Nummer-sicher Berlin mit Schwarz (Tal Memorial) und schnelles Weissremis gegen Kramnik (Tata, ähnliche Partien bereits in San Sebastian). Er macht auch das was, seiner Meinung nach, turniertaktisch für ihn am besten ist. Und in Kazan hätte er sich vielleicht auch vor allem auf seine Stärke im Schnell- und Blitzschach verlassen.

Zur Schwarz-Weiss-Debatte: Vielleicht hat sich das mit dem Anzugsvorteil an der Weltspitze weitgehend erledigt. Wenn Tata 2011 repräsentativ ist:
- im A-Turnier 14 Weiss- und 15 Schwarzsiege
- im B-Turnier 31-20 für die Weissen
- im C-Turnier 41-22 für die Weissen.
Warum wurde in den unteren Gruppen weniger Remis gespielt? Mehr Risiko und Kampfgeist, oder auch schlechtere Verteidigung und mehr "Gepatze"!?

Lasker
22.05.2011 18:06

Da drehen wir uns dann aber ein bißchen im Kreis.

Wenn es k(aum)einen Weißvorteil mehr gibt in der Weltspitze, warum spielt dann Gelfand "auf seine zwei Weißpartien hin" die Partie nicht weiter, in der er, zum ersten Mal im Wettkampf mit Grischuk, zeittechnisch vorne liegt, überraschen konnte und zumindest Ausgleich hat?
Was soll er denn in den Weißpartien erwarten dürfen?

Klar ist es die Frage, ob die Stellung etwas deutliches hergibt, aber was wird hier gespielt? Gucken, ob der Gegner ein (kleines) Eröffnungsloch hat oder die Neuerung zieht und der Gegner nicht optimal zurechtkommt - sonst Remis?

Hä?? Und wat is mit "Schach" !??

Die einfachste (und auch befriedigenste) Erklärung ist vielleicht: Gelfand war müde!
Dann aber die Frage: warum packt (verplempert?) er ..b5 aus? Hat er so viele Pfeile im Köcher? Najdorf und "jede Menge" Neuerungen?

hanjie
22.05.2011 18:39

... b5 ist doch nicht verplempert. Gelfand musste zweimal leiden und hatte beim dritten Mal nun seine Ruhe. Mit diesem psychologischen Schwenk in den Pausentag zu gehen ist nicht das Schlechteste.

Ob Gelfand müde war? Man weiß es nicht. Was älter ist er ja, da mag man sich vielleicht auch ein wenig das Turnier einteilen.

Ich bleibe dabei: Sofia-Regel in den Zyklus einbauen und alle Diskussionen darüber sind Geschichte. Denn dieses Remis läuft für mich ganz klar unter "ich probier's mal und biete Remis an, vielleicht nimmt er's ja an". Diese Möglichkeit besteht unter Sofia-Regeln nicht. Da spielen sie eben einfach weiter.

Hat Gustafsson sich nicht mal selbst geäußert, dass ihm die Sofia-Regel hilft, da dann diese ganze leidige Grübelei wegfällt, ob man mal remis anbieten könnte? Mir war so, Selbiges in der Zeitschrift "Schach" mal gelesen zu haben.

Thomas Oliver
23.05.2011 19:09

Objektiv - wenn [meine] Statistiken denn objektiv sind - gibt es vielleicht kaum mehr einen Weissvorteil in der Weltspitze, zumindest auf Basis der nackten Ergebnisse. Subjektiv gibt es den nach wie vor, die Topspieler spielen ja auch nach denselben Regeln wie die zweite und dritte Garnitur.

Vielleicht kann man es so in Einklang bringen: In vielen (wenn auch nicht allen) Partien hat Weiss zumindest leichten Vorteil, Initiative oder Druck. Wenn Schwarz dem standhält kann er dies in erträglichen Grenzen halten und später neutralisieren, dann wird es Remis. Wenn Schwarz dieser Aufgabe nicht gewachsen ist gewinnt Weiss. Wenn Weiss überzieht gewinnt Schwarz. Auf allen Niveaus ist es vielleicht schon rein psychologisch am schwierigsten, den richtigen Moment zu finden um
- von Angriff auf Verteidigung umzuschalten
- vom Spiel auf Gewinn umzuschalten auf Schadensbegrenzung mit dem Ziel Remis.

Dann ist es, meiner Meinung nach, immer noch naheliegend um eher mit Weiss auf Gewinn zu spielen.

ebitda
23.05.2011 19:52

Mit Weiß: London-System 1.d4 2.Sf3 3.Lf4;
mit Schwarz Russisch und Lasker-Verteidigung.

Scheint mir die Götterkombination der Langweiligkeit :)

Lasker
23.05.2011 20:33

Meine Güte, ist das SCHACH ?
Große Güte, ist das SCHwACH ...

Peinliche Anti-Werbung für unser Spiel.

Ich guck´ dann am Donnerstag beim Blitzen wieder rein...

Marcus
23.05.2011 20:44

ja, so ganz langsam verliert man die Lust diesen Zweikampf anzuschaun. Warum blitzen die eigentlich nicht gleich die Sache aus?

derdudea
23.05.2011 21:58

Also den Weißvorteil gibt es auch in der Weltspitze, noch, da reicht eine Datenbank für eine ziemlich abschließende Antwort.

2009-2011, beide Spieler >2750 - Weiß 56%
2009-2011, beide Spieler 2500 - 2600 - Weiß 55%2009-2011, beide Spieler 2200 - 2300 - Weiß 54%

Und falls in der Vorbereitung auf dieses Kandidatenturnier nicht der Stein der Weisen gefunden wurde, ist das immer noch so.

Gerhard
23.05.2011 22:12

@Lasker, was hast Du denn erwartet?? Ich jedenfalls hab schon längst die Lust verloren..

Holt mir die 60er zurück, bittä!

hanjie
23.05.2011 23:07

Mich betrübt viel eher dass mir nicht klar ist, wer in der Schlussstellung denn nun besser stand ...

Zuerst dachte ich "klar, Grischuk, mit ...h4 kann er noch gut was probieren, während Gelfand am Damenflügel nichts erreicht hat".
Dann wurde mir gewahr, dass die Öffnung der h-Linie auch Gelfand helfen könnte.
Und dann? War mir gar nichts mehr klar *lach*

Wer steht in der Schlussstellung besser? Und warum? Mag das mir hier wer beantworten?
Und wenn's nun doch dynamischer Ausgleich war, wie hätte das Ganze auch für "Normalsterbliche" nach Remis aussehen können?

Denn zumindest mein Problem ist nicht dass sie schnell remis machen, sondern dass nicht zu sehen ist, dass in der Stellung auch wirklich nix mehr zu holen ist. Ständen da jetzt T+ 3 Bauer gegen T+ 3 Bauern auf einem Flügel, dann würde mir das ja noch einleuchten, aber so ...?

mogelkatz
24.05.2011 07:24

Um die Remis for alle verständlich zu machen, hab ich jetzt einfach mal die KAZAN-Eroffnung erfunden:
1. Sf3 (um d4 vorzubereiten) Sc6 (um 2.d4 zu verhindern)
2. Sg1 (Rückzug, weil Plan nicht funktioniert hat), darauf 2. .... Sb8 (um den Ausgleich wiederherzustellen)
3. Sc3 Sf6 4. Sb1 Sg8 und jetztt nochmal von vorn 5. Sf3 Sc6 6. Sg1 Sb8 und kurz darauf remis durch Zugwiederholung in ausgeglicher Stellung...

Nee, war schon fast grotesk, wie GM Naiditsch (was macht der Mann nicht alles gleichzeitig?!) gestern auf CHESSDOM den Plan hinter jedem Zug erraten wollte und kommentierte, bis sich mal wieder herausstellte, dass es eigentlich überhaupt keinen Plan gab...

Es fehlen wirklich Spielerpersönlichkeiten, die auch mal was durchziehen und "topp oder hopp" spielen. Erwarte keine Wunderdinge von Carlsen oder Nakamura, aber ein bisschen mehr Farbe hätten die beiden vielleicht diesem Wettkampf geben können. Nicht einmal Kamsky (dessen Comeback ich auch bemerkenswert finde) taugt ohne seinen Vater nicht mehr als "bad boy", um der Veranstaltung in Kazan etwas Medienwirksamkeit zu schenken. In den Medien (sofern sie sich nicht ausschließlich mit Schach befassen) findet hierzulande kein Kandidatenturnier statt. Grischuk? Gelfand? Wer soll das sein? Nie gehört... Anand? Achselzucken...Kasparow, ja klar, den kennt man...der ist doch Schachweltmeister...

Christan F
24.05.2011 15:24

Schaue mir gerade die fünfte Partie an und habe mir dazu als Referenz diese Seite aufgemacht!
Der Zug 8.Le2 ist demnach neu :-).
Vielleicht geht ja heute mal etwas für einen der beiden. Es steht gerade 15...Te8 auf dem Brett. Der Plan für Schwarz dürfte klar sein. e6-e5 nach Vorarbeit von Db8, Le7-d8-c7 und Tfe7, aber Weiß wird sich dem entgegenstellen und den Vorstoß verhindern können. Wird nach den letzten Partien vielleicht doch etwas spannender. Das teilweise ausgeübte Schattenboxen ist zwar verständlich und erlaubt und Schach auf höherer Ebene, aber eigentlich hatte ich mir mehr erhofft.

hanjie
24.05.2011 16:10

... e5 hätte er schon längst spielen können. Tat es aber nicht. Ich vermute mal, um Grischuk nicht den schönen Springerstützpunkt auf d4 zu gönnen.
Gelfands 22... e5 verhindert dies nun. Bin mal gespannt ob Grischuk es weiter versuchen wird oder sie bald die Friedenspfeife rauchen, immerhin fliegen gleich pro Seite eine Leichtfigur und ein Turm raus ... (geschrieben nach 22... exf4, Engine nicht angeschaltet)

hanjie
24.05.2011 17:02

Ha, das Endspiel wird sicher noch eine interessante Analyse hergeben! Lasker, übernehmen Sie :)

Von der Mimik her wirkte es, als ob Grischuk den Zug 38... Sc6 schlicht übersehen hatte. Denn die spannende Frage ist, ob er lieber 38.Ke2 hätte spielen sollen, Gelfands Bd5 wirkt ja schon recht anfällig. Der Plan ist klar: König nach d3 (den Bd4 decken), Se1-c2-e3, den anderen Springer nach b4 und zwei schwarze Figuren die Verteidigung des Bd5 erzwingen lassen.

Stellt sich der schwarze König nach e6 folgt f4, und dann mal weitersehen, ob und ggf. wie Weiß die Stellung entscheidend verstärken kann.

Graf Zahl
24.05.2011 17:25

100 !!

Christian F
24.05.2011 22:05

Tja,weiß auch nicht, was ich von der Partie halten soll. Schade, Grischuk hatte eigentlich eine gefühlte Druckstellung erreicht. Schwarzes 20...Td8 ebnet den Weg für den Läufer d7 nach f7/g6, aber die schwarze Stellung krankt weiterhin am schwachen e6 und dem wenigen Raum. Vielleicht wäre für Weiß eine Damenflügelinitiative beginnend mit a2-a4 empfehlenswert gewesen, vielleicht aber auch h2-h4-h5-h6 anstatt des gespielten 21.Lf5. Aber der Springer auf b2 steht zum einen schlecht - ein schönes Feld sehe ich auch nicht gerade für ihn (d3 steht dem Läufer im Weg / g2 - was soll er da?) und Alternativen sind ebenfalls rar gesät. Wirklich ne schwierige Angelegenheit. Schwarz steht absolut fest. Kein Spiel aber auch keinen Tod. Jan - hilf mir mal :-)

hanjie
25.05.2011 16:59

Gelfand macht's!

Spannende Partie, auch wenn ich da irgendwann nicht mehr durchgeblickt habe ... sooo viele Möglichkeiten und so wenig Zeit ...

Das verspricht aber auf jeden Fall einen spannenden WM-Kampf. Gelfand ist immer top vorbereitet, da wird ihm Anand nicht so leicht die Butter vom Brot nehmen können. Zudem hängt sich Gelfand immer bis zur Erschöpfung rein und konditionell sind sie auch beide auf einem Level.
Ein Selbstgänger ist das für Anand nicht.

Umso besser!

mogelkatz
25.05.2011 17:01

Na, also, es geht ja doch!
Grattis från Sverige, Boris!!!

Gerhard
25.05.2011 17:26

Da hat Grischuk wohl zu früh den Blitzmodus ausgegraben. Die Partieanlage wirkte zu unseriös und nicht der Situation angemessen.
Das wird ihn im Nachhinein ärgern.
Auf alle Fälle freue ich mich für Gelfand, der ja mal früher Kramnik zugearbeitet hatte (?!) und nun selbst an den Fleischtrögen sitzt.
Für Anand muß er aber noch mal ne Schippe zulegen, das ganz bestimmt. Und natürlich die bisherigen Resultate "vergessen".
Hoffen wir auf eine abwechslungsreiche WM.

Lasker
25.05.2011 18:50

Hut ab !
Große Leistung von Gelfand. Hätte ich nie gedacht, daß er sich schlußendlich in diesem Feld durchsetzen kann. Aber Gelfand ist ein großer Kämpfer. Wenn er sich da so in seine Stellung verbeisst, hat man ja manchmal ein ungutes Gefühl. Ich kann mich aber nicht erinnern, daß Gelfand mal groß eingebrochen ist.
Wer hätte nicht gedacht, daß die Kämpfer um die WM immer jünger werden, Carlsen war vor seiner Verzicht Kandidat Nr.1. Ich bin gespannt, ob "Oldie" Gelfand jetzt noch ne Schippe drauflegen kann, um Anand die Stirn zu bieten. Der "Chance seines Lebens" wird Gelfand sicherlich würdig und engagiert entgegen treten.
Ob Israel ihn jetzt massiv unterstützt ?

Ich denke, wir dürfen uns auf eine interessante WM freuen.
Das könnte endlich mal wieder ein großer Wettkampf werden, Gelfand traue ich zu, daß er sich weitreichend vorbereitet.

Matwejewitsch
25.05.2011 20:46

"Ich denke, wir dürfen uns auf eine interessante WM freuen.
Das könnte endlich mal wieder ein großer Wettkampf werden (...) "
Nichts für ungut, aber was war denn die letzte WM? Jedenfalls sollten wir alle hofffen, dass Weiß im Laufe des nächsten Jahres gegen 1.d4 d5 2.c4 e6 irgendetwas findet - sonst könnte es bitter werden.

Wie auch immer - Glückwunsch an Gelfand! Ich glaube er hat 2/3 aller entschiedenen (klassischen) Partien des gesamten Turniers gewonnen - schon deswegen ist er der verdiente Sieger :)

Ob Avrukh nächstes Jahr als Sekundant ran darf?

hanjie
25.05.2011 20:56

*grins* stimmt ja, Gelfand ist offiziell Israeli ... der WM-Kampf in Israel, und schon wäre Schach in den Hauptnachrichten Dauergast :)
Ok, noch besser für die "freie Presse" wäre dann noch der Amerikaner Nakamura, aber man kann ja nicht alles haben, nicht wahr? ;)

Ok, ernsthaft: Gelfand ist als ernsthafter Eröffnungsarbeiter bekannt und auch als jemand, der extrem schwer zu schlagen ist. Zudem befindet er sich schon seit geraumer Zeit durchgehend in der absoluten Weltspitze (die ich mit Top Ten bezeichne) und gehört damit zu den ganz Großen, der aber immer im Schatten noch berühmterer Schachspieler wie Kramnik oder eben Carlsen stand.

Schön, dass auch mal jemand, der "nur" durch harte Arbeit glänzt und trotz fehlender Lobby von ganz oben zu einem WM-Kampf kommt.

Lasker
25.05.2011 21:45

Der letzte WM-Kampf ?
War ziemlich einseitig.
Kramnik wurde eingedost.

Matwejewitsch
25.05.2011 22:09

"Der letzte WM-Kampf? War ziemlich einseitig.
Kramnik wurde eingedost."

"eingedost" ist ja ein schönes Wort, nur:

http://www.anand-topalov.com/

;)

Fan
25.05.2011 23:24

Wo bleibt der Eintrag zur DEM z.B. mit dem Titel "Krasser Auftakt"?

Also hier meine Wunschabschlusstabelle:

Gustafsson
Siebrecht
Svane
Huschenbeth
Bracker
Krause
Seel
Kugelt

Also Jungs, viel Glück und Erfolg!

Südschachfreund
02.06.2011 20:08

@ Benedikt: wie wärs in Aronian - Grischuk, allererste Partie, mit 49. Tc2 anstelle des Partiezuges 49.Td4?

whiteshark
12.06.2011 09:38

Zur Ausgangsfrage, hier ein Statement aus berufenem Munde: http://www.youtube.com/watch?v=KExyaVq1wgw



Ist nicht auf meinem Mist gewachsen, von daher folgt hier also die Quellenangabe: http://www.chessgames.com/perl/chess.pl?tid=74194

whiteshark
12.06.2011 09:39

Oh, der Mittelteil wurde 'verschluckt':

The end of the video is funny. Magnus says something like "It's nice to show the QGD can actually be fun. If you castle queenside then you don't have to agree to a draw in 15 moves."

oschufi
15.03.2015 22:49


Hallo, habe da eine Frage: 1.d4 d5 2.c4 e6 3. Sc3 Le7 4. Sf3 Sf6 5.Lg5 h6 6. Lh4 0-0 7. e3 Se4 8. Lxe7 Dxe7 9.cxd5 Sxc3 10. bxc3 exd5 11. Db3 Td8 12. c4 Le6. Ich verstehe bei dieser Variante den von Anand gespielten Zug 12. ... Le6 nicht. Was hindert denn die Dame daran anschließend auf b7 zu nehmen?

iduziatigam
08.07.2017 16:01

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acumexidomo
21.11.2017 12:45

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