Jans Kolumne

Was los

Thema des Tages: Quallenopfer!

Reizüberflutung! Biel, Dortmund, World Team Championship, Alpe d'Huez, der Notorious B.I.G. Film im Fernsehen, wer soll da noch mitkommen?

Fangen wir hierzulande an, das Sparkassen Chess Meeting in Dortmund ist bereits zwei Runden alt. Topfavorit Kramnik ist in Form und notiert bei 2/2. Gleich in der ersten Runde bekam er es mit dem Vorjahressieger Ponomariov zu tun. Dieser steht nach seinem überzeugenden Sieg bei der ukrainischen Meisterschaft mittlerweile bei 2764 und is wieder in den Top 10 angelangt.

Die Partie hält, was sie verspricht! Hab mir daher meinen Annaliese Whoodeeny Hut aufgesetzt und das Geschehen versucht zu verstehen. Ich bitte darum, meinen neuen Künstlernamen nicht mit Anneliese Braun zu verwechseln:

 

Agathe Bauer & Anneliese Braun

Flash is required!

Apropos Künstlernamen, weiß jemand, ob Ron Artest seine Namensänderung zu Metta World Peace genehmigt worden ist? Oops, wär fast zum Basketball abgeschweift, aber da ist eh nichts los gerade. NBA Lockout wird hoffentlich schnell geklärt, Nowitzki spielt die EM, das wars glaub ich. Also, zurück zum königlichen Spiel:

In Runde zwei steckte Kramnik sogar noch mehr ins Geschäft als das gesehene Qualitätsopfer und kam zu einem weiteren Sieg gegen den deutschen Vertreter Georg Meier. Natürlich ist es noch ein bisschen früh, Dortmund-Sieg Nr.10 auszurufen, aber ein deutliches Zeichen hat Kramnik schon einmal gesetzt.

Da will sich Magnus Carlsen in Biel natürlich nicht lumpen lassen. Er notiert mittlerweile bei 3.5/4,  gestern besiegte er Caruana mit einem zumindest für mich sehr verblüffenden Qualitätsopfer:

 

Carlsen-Caruana, Stellung nach 18...Ld6

Nicht viel los, die die aktiven schwarzen Figuren kompensieren seine geschwächte Bauernstruktur. Wir Normalsterbliche würden wahrscheinlich so was wie 19.Ld3 spielen, aber nach Lxd3 20.cxd3 c5 hat Weiß keinen Vorteil. Carlsen löst das Problem anders:

19.Sd4!? Wow! Hab nichts schlaues wie "ein weiteres Beispiel für die verfeinerte Wahrnehmung des Kräfteverhältnisses zwischen Turm und Leichtfigur in der Weltelite" zu sagen, aber mich hat das Konzept beeindruckt. Schwarz sollte noch nicht in Gefahr schweben, aber der Charkter das Kampfes ähnelt sich grundlegend.

19...Lxf1 20.Kxf1 Einen Bauern auf c6 wird er schnell kriegen und die Figuren werden plötzlich alle aktiv. Ich hab mal gehört, mit Qualle mehr und zwei Türmen gegen einen sollte man möglichst den feindlichen Turm abtauschen. Das spräche für Tae8 21. Sxc6 Sf6, aber nach 22.Lf3 Txe1+ 23.Lxe1 jängt zunächst der a7m sollte dieser mit a6 vorrücken, könnte der weiße a-Bauer nach a4, a5, b5 etc. eines Tages zu Großmacht avancieren.

Daher 20...Sb6 21.Sxc6 Tfe8. der a7 bleibt gedeckt, aber der mächtige Springer auf c6 raubt den schwarzen Türmen viele Felder. Nur, wie gehts weiter? 22.a4! mobilisert den Damenflügel und macht sich zunutze, dass Sxa4? an 23.Se7+ scheitert Kf8 23.a5 Sc4 sieht immer noch nicht dramatisch für Schwarz aus und ist es wohl auch nicht. Carlsen stellt jedoch weiter unkonventionelle Probleme, jetzt macht er sich daran, den scheinbar gut postierten Sc4 einzukreisen.

24.Lc1 !? Lc3 liegt näher, ist auch nicht schlechter, aber es lässt dem Springer das Feld a3.. a6 Vielleicht war es an der Zeit, mit f5 zu harten Maßnahmen zu grefen. Nach 25.Lxf5 Txe1+ 26.Kxe1 gibt es den Trick Se5! 27.Sxe5 Te8! Nach 28.f4 Lxe5 29.Kf2 sollte es immer noch Ausgleich sein. 25. f4 !? Der Plan nimmt Gestalt an, der c4 hat kein Feld mehr. Allerdings hat Schwarz auch hier einen kleinen Trick, mit dem er den Pferdekopf (brr, der Pate...) noch aus der Schlinge ziehen konnte:

Stellung nach 25.f4

25....Te6? 25...Se3+!! war die letzte Chance. 26.Txe3 Lxf4 holt das Material zurück. Nach etwa 27.Tf3 Lxc1 28.Ld5 f6 hat Weiße noch stets volle Kompensation, aber es ist noch alles drin. Nach dem Partiezug dagegen wird der Springer tatsächlich brettmittig eingefangen, das Spiel ist aus. 26.Ld5! Tf6 27.Te4 1-0 Way to go!

Ich mach ein Nickerchen, kommentier nachher auf Playchess die Highlights des Tages.

Kurz Erwähnung finden muss aber noch, dass Lekos Comeback im fernen China bisher sehr erfolgreich verläuft. 3/4 mit einem sexy Marshall-Schwarzsieg gegen Ivanchuk. Hmm, merk grad, dass ich gar kein Bild von Leko hab, obwohl ich ein Jahr für ihn gearbeitet und mich recht viel in Szeged bei ihm rumgetrieben hab. War vor meiner Zeit als seriöser Schachjournalist:) Egal, nutzen wir seine Partie als Aufgabe des Tages:

Ivanchuk-Leko, Stellung nach 41.Lh3

Schwarz am Zug gewinnt
53 Kommentare
Sengi
23.07.2011 07:11

Moin ;=)
Wollte mal fragen ob du dieses Jahr auch mal wieder in Dortmund vorbeischauen wirst, auch wenn du nicht für Leko sekundierst :D

Zum Diagramm: Ich denke, c2 sollte der Gewinnzug sein, denn der Bauer droht, durchzulaufen und auf Txc2 kommt De4 und...naja, alles hängt :D

mfg

Sengi

Gerhard
23.07.2011 13:16

Sehr gute Kommentierung der Kramnikpartie. Man spürte eien echte Anerkenung der Leistung, etwas, was unter Kollegen nicht immer üblich ist.
Ich hatte mir auf Se4: statt Lc4 auch das Damenopfer überlegt. Das war wohl von Kramnik so geplant. Anders kann ich es mir nicht denken.
Auf den ersten Blick würde ich die so entstehende Stellung lieber mit Weiß spielen, aber da müsste man sehr sorgsam analysieren, um dies auch analytisch zu rechtfertigen..

CarriedbyGg
23.07.2011 16:05

Ähhm Gusti, wollte nur sagen dass das Punktesystem etwas anders ist als sonst. Bei Carlsen sinds im Moment 10/12. Sieg sind 3, Remis 1 Punkt. Ich fands ja stark von Moro gegen ihn zu remisieren. Wie ein User auf Chessdom sagte, als Weiß sich in der Ecke eingrub:
"Moro is trying to Out-Magnus Magnus"
Ich finde, da ist was Wahres dran.

Gerhard
23.07.2011 18:17

CarriedbyGg: Ich weiß nicht, ob Moro zufrieden war. Zum Schluß schon, aber nach der Eröffnung sah es ja vielversprechend aus für Moro.

Tony
23.07.2011 19:47

Ich les' hier schon viel zu lange mit, ohne was zu schreiben...
Erstmal: Wunderbarer Blog, sehr gelungen :)
Ich kann mich Sengi nur anschließen, c2 und es dürfte aus sein.

Einen Wunsch an Herrn Gustafsson hab ich noch:
Ich hab' heute bei schach.de ihre Kommentare zur Abwicklung in Lagrave-Carlsen nach 75.Ta8 statt Dh1 verfolgt und würde mich (da mir das alles noch nich so ganz klar ist) über eine Analyse nach Ta8 hier sehr freuen :)

Von Engines (v.a. im Endspiel) halte ich wenig, daher konnte mir bisher niemand helfen :P

Ansonsten: Weiter so!

Tony

Südschachfreund
23.07.2011 21:11

So, das war Niederlage Nr. 3 dieses Jahr für Carlsen im klassischen Schach. Mit Schwarz gegen Vachier und zweimal mit Weiß gegen Giri und Nepo. Mal sehen, ob er seine 10 Stück von letztem Jahr wiederholt.
PS: an alle 3-Punkte-Regel-Liebhaber: Der Unsinn dieser Regel erschließt sich jetzt, wenn man sich mal die Tabelle in Biel anschaut. Moro würde sogar vor Carlsen liegen, dennoch würde Carlsen, wenn jetzt alle zwei nur noch remisieren, gewinnen.

Cliff
23.07.2011 21:24

@ Südschachfreund: Da beginnt sie nun wieder die Debatte aller Carlsen-Hasser, dass er als Weltranglistenerster ab und an eine Partie verliert. Erstens hat MVL heute gut gespielt und zweitens spielt Carlsen fast alle seine Partien aus, da kann man dann auch mal verlieren. Das unterscheidet ihn erheblich von allen anderen oben in der Weltrangliste platzierten (Ausnahme: Ivanchuk), die sich lieber für's Nichtspielen bezahlen lassen, oder?
Ist ein bisschen so wie beim Fussball: Lieber englisches Kick-'n'Rush oder brasilianische Ballkünstler als Angsthasenfussball (= Catenaccio) a la Mourinho, oder?

Südschachfreund
23.07.2011 21:41

@ Cliff: ich bin kein Carlsen-Hasser, aber in Anbetracht dessen, dass noch einige Turniere zu spielen sind, sind die Gefahr weiterer Niederlagen MCs nicht ausgeschlossen. 3 Niederlagen auf 28 Partien heuer, 3 Niederlagen kassierte Anand letztes Jahr - im Vergleich - auch, aber auf 60 Partien, also mehr als die doppelte Anzahl an Partien. Und außerdem: Was nützen Niederlagen? Rein gar nichts. Sie kosten Elo, Punkte und damit (höhere) Erfolge. Zum Nichtspiel nur: die anderen 2800er, Anand und Aronian kämpfen die ihrigen auch meistens bzw. sehr oft aus.Das ist alles die eine Seite der Medaille. Die andere ist natürlich, dass MC dafür sehr viele Partien gewinnt, ansonsten ließe sich die hohe Elo bei einer solchen Niederlagenzahl gar nicht halten. Vielleicht macht mal irgendwer für 2010 Bilanz über " Wie oft gewinnt ein Weltklassespieler?"

Bardeleben
23.07.2011 21:57

@Cliff: Sehe ich genauso. Übrigens finde ich Biel und Dortmund sind fantastische Beispiele dafür, dass Schach nicht viel mehr braucht als Anreize, Partien auszuspielen, um attraktiv zu bleiben.
Mal zu Georg Meier. Zwei Mal in Folge gut gestanden im späten Mittel-/bzw. Endspiel, zweimal in taktischen Situationen gepatzt. Gegen Kramnik konnte ich es verstehen, war eine sehr komplexe Position. Heute aber fand ich war es ein eher simpler Einsteller, und ich frage mich, ob er einfach Probleme mit den Nerven hat, oder wirklich fundamentale Taktikdefizite. Oder war es Zeitnot? So wird es jedenfalls nix mit Weltspitze...

Südschachfreund
23.07.2011 22:31

@ Bardeleben: wahrscheinlich legt Meier jetzt eine Aufholjagd a la Lasker 1914 in St. Petersburg hin. apropos alte Zeiten: Ist dein Name Zufall oder leitet der sich vom Berliner Meister Curt von Bardeleben ab?

patzerle
23.07.2011 22:46

@Südschachfreund
nach klassichen Maßstäben hat Carlsen 3,5/5, genauso wie Moro, der auch 3,5/5 hat.
Nur da Carlsen 3x gewonnen und 1x verloren hat, bei 2 Remisen und Moro 2x gewonnen und 3x remisiert hat (bei keiner Niederlage) hat Carlsen eben durch das 3 Punkte System die Nase vorn.
Wieso ein System das Siege bevorzugt und also risikoreiches Schach belohnt aber schlecht sein soll ist mir ein Rätsel und das sage ich als alter Moro Fan, den es freuen würde, wenn er Carlsen hinter sich lassen könnte.

Zur Carlsen Partie selbst würde ich übrigens vorsichtig mit Kritik sein, denn immerhin hat er heute mit Trauerflor gespielt und ich kann mir gut vorstellen, dass ihn die Vorkommnisse in der Heimat massiv beeinträchtigt haben, daher auch seine Eröffnungswahl und das (zunächst) sehr schnelle Spiel...
natürlich trotzdem Klasse Leistung vom Franzosen, aber die Umstände darf man dennoch bedenken.

patzerle
23.07.2011 22:48

Korrektur:
Carlsen hat natürlich nur 1 Remis bisher...

Südschachfreund
23.07.2011 23:00

@ patzerle: Mit dem Punkt Terror in der Heimat bekommst du meine volle Zustimmung. Das hat vermutlich sehr mitgeschwungen. Zur unseligen 3-Punkte-Regel: Deine Argumentation könnte man auch anders herum drehen:Warum soll man ein System einführen, das ein eher risikofreies Schach, kombiniert mit wenigen Siegen, aber fast gar keinen Niederlagen, bestraft? Du siehst, mit der Argumentation drehen wir uns im Kreis bzw. die Katze beißt sich in den Schwanz. Schach ist aber nun mal ein "Gleichgewichtsspiel", das nunmal von Haus aus remis ist, sofern die Spieler die richtigen Züge finden. Deshalb ist das traditionelle 1Punkt für Sieg, 0,5 Punkt für Remis und 0 für Niederlagen voll und ganz im Geiste des Schachs. Anders sieht es im Fußball aus. Hier ist eben kein grundsätzlicher Ausgang des Spiels unentschieden, im Gegensatz zum Schach. Deshalb ist hier die die 3-Punkte-Regel auch voll gerechtfertigt, weil hierdurch tatsächlich mehr Potenzial abgeschöpft werden kann, ganz im Gegensatz zum Schach.

Cliff
24.07.2011 00:20

Aber selbst ohne die Dreipunkte-Regel, die tatsächlich etwas merkwürdig ist, ist doch der sinnvollste Tiebreak die Zahl der Siege. Und da ist mir jemand, der in jedem Spiel auf Sieg spielt bei Weitem lieber, als die Ich-möchte-bloss-nicht-verlieren-und-riskiere-darum-nichtse - selbst wenn die damit Weltmeister werden und in der Weltrangliste weit oben stehen. Die Zahl der entschiedenen Partien eines Spielers steht da doch höher als die Zahl der nicht verlorenen (aber eben auch nciht gewonnenenen) Partien.

Fritz
24.07.2011 06:34

Zur Zeit wird auf den Turnieren hervorragend gekämpft. Es ist eine Freude die Spiele zu verfolgen. Langeweile kommt selbst in ausgeglichenen Partien nicht auf, da es den Spielern immer wieder gelingt mit Kreativität und Phantasie zu überraschen. Kompliment nach Ningbo, Biel und Dortmund. Nur so hat Schach eine Zukunft.

borat
24.07.2011 10:55

I enjoy website!!

whiteshark
24.07.2011 11:30

Danke für die Analyse, Jan!

Bardeleben
24.07.2011 16:10

@Südschachfreund: Wo ein Lasker ist, muss auch ein Bardeleben sein. Apropos: Von Lasker hat man ja schon lange nichts mehr gehört...
Mal schaun, was bei Meier noch geht, mögen sich ihm keine Springergabeln mehr in den Weg stellen!

hanjie
24.07.2011 16:40

Zur Carlsen-Statistik: "Was bringen Niederlagen, sie kosten doch nur Elopunkte" ließ mich reichlich schmunzeln, schließlich reden wir hier vom Weltranglistenersten, soo viel Elo scheint C. also nicht gerade mit seiner Art, an Partien heranzugehen, zu verlieren ;)

Er geht eben mehr Risiko als manch anderer. Dass er das dann auch mal mitunter zu hoch schraubt, liegt in der Natur der Sache. Sieht man ja auch bei Moro und Ivanchuk: Wenn's bei den beiden läuft dann hauen sie alles weg was am Brett sitzt, wenn nicht, dann sammeln sie Doppelnullen wie andere Briefmarken.
Aber hey, that's life. Ich finde es schön so, dass kein schachliches Cattenaccio in der Weltspitze gespielt wird. :)

Ebenso, dass sich die Burschen derzeit nix schenken :)

narf
24.07.2011 20:32

Moin Jan,

mal ne persönliche Frage:

Nach den Angriffen persönlichen Angriffen von Georg Meier gegen deine Person nach dem Match gegen Fressinet, musste da jetzt nicht ein wenig Grinsen, wenn Du mit ansiehst, wie Georg Meier gerade in Dortmund massiv Punkte einstellt. Ich mein Du hast bei deinen Dortmund Auftritt vor ein paar Jahren ne bessere Figur gemacht, wenn meine Erinnerung mich nicht trügt.

Südschachfreund
24.07.2011 22:44

Kramnik gibt weiter Vollgas in Dortmund - hoffentlich kann er seine schwankende Form des letzten Jahres durch die - bisher - konstante in Dortmund ersetzen. Jetzt muss er aber aufpassen, dass es ihm morgen nicht geht wie Carlsen in Biel, und er eine Niederlage kassiert - Carlsen hatte genau die gleiche Bilanz nach 4 Runden wie jetzt Kramnik.

Peter B.
25.07.2011 09:01

@narf:
Massiv Punkte einstellen, na ja bei dem Klassefeld schwer, es sind laut chessbase gerade mal 5.
Hätte Meier gegen Kramnik etwas die Übersicht behalten, wäre da ein voller Punkt dringewesen. Und wenn man sieht, dass auch ein Nakamura gegen die selben Gegner auch nicht mehr Punkte holt, sollte man sich mit Grinsen zurückhalten.
Allerdings muss Meier noch an sich und seiner Außendarstellung arbeiten. Denn schachlich hat er was zu bieten, Kranmnik muss man erst mal in die Situation bringen, dass dieser ein (spekulatives!?) Opfer bringen muss.

Gerhard
25.07.2011 09:32

@Hanije, Du hast ja manchmal eine drastische Ausdrucksweise: "Weghauen, was am Brett sitzt".
Und Deine Einschätzung zur letzten Partie von Carlsen trifft es ja nicht, denn Vachier hat einfache eine Druckpartie von Anfang bis Ende durchgezogen und profitierte nicht vom Überziehen Carlsens.
@Narf: Ich pflichte Peter B. bei, daß sich Meier bisher schachlich gut geschlagen hat. Es dürfte ganz sicher nicht leicht sein, bei dem Elo-Niveau unbeindruckt zu spielen. Gegen Giri sah ich keine so gute Leistung, das war wohl dem vorher genannten Autoritäts-Problem geschuldet.

Zu Kramnik meine ich, daß er sicher in einigen Partien Glück hatte. Er hat seine Chancen aber genutzt und da, wo er immer Markenzeichen setzt, im damenlosen Mittel-und Endspiel, wieder Perlen abgeliefert.
Ich finde es auch schön, daß er mehr wagt, auch wenn das seiner Spielauffassung eigentlich widerspricht. Ich denke, daß er grundsätzlich "richtiges" oder objektives Schach spielen möchte und er so Varianten scheut, die unklar sind oder verdächtig. Eine verdächtige Variante wählen des Punktes wegen scheint absolut nicht sein Ding.
Aber ich denke, in eine Stellung einzumünden, die für beide schwer zu beurteilen ist, wie gegen Meier, ist dennoch eine gesunde Strategie für die Zukunft. Kalkuliertes Wagnis. Da hat er doch gerade in den späten Neunzigern und auch später Beispiele abgeliefert.
Also hoffe ich, daß er den kämpferischen Trend fortsetzt.

Narf
25.07.2011 10:57

Als sich mir die Frage gestellt hatte, war noch er noch bei 1/2 und hatte noch nicht gegen Pono remisiert. Hatte den Tag leider nicht die Dortmund Ergebnisse gecheckt (mea culpa)

Also ich persönlich würds ziemlich lustig finden, wenn Meier die restlichen Runden nur noch auf den Kopf kriegt. Das sollte dann sein Ego hoffentlich etwas auf Normalmaß stutzen.

Peter B.
25.07.2011 14:01

Ich sehe Dortmund als internationale Bühne speziell auch für das deutsche Schach. Daher würde ich mich über ein gutes Ergebnis von Meier freuen. Er hat immer den Einsatz in hochklassigen Turnieren gefordert und diesen nun auch bekommen.
Heute hat er Gelegenheit sich gegen Nakamura zu beweisen. Nachdem sich Nakamura (nicht sehr erfolgreich) von seinen agressiveren Entgegnungen gegen d4 verabschiedet hat, erwarte ich heute eine andere Gangart und hoffe auf ein Brett in Flammen.

hanjie
25.07.2011 14:33

@Gerhard: Drastisch? Das ist noch gar nichts *lach*

In einer Schach-AG hatte ich die Schüler spaßeshalber mal gefragt, was ihnen denn für andere Begriffe als "den Gegner schlagen" einfallen würden. Da kamen noch ganz andere vor ... das Extremste, das nur mal so als Beispiel, war "tottreten". ;)

Aber gut, spricht ja nix gegen etwas gesitteter zu sein.

Meiers Abschneiden in Dortmund bislang betrübt mich allerdings eher. Er mag den Mund zuvor etwas sehr voll genommen haben, aber ich bleibe dabei: JEDES gute Ergebnis eines deutschen Spitzenspielers hilft dem deutschen Schach. Vor allem deswegen, weil sich dann niemand mehr über gute Einladungen des "Konkurrenten" ärgern muss, da ja jeder vorankommt und es gar nicht mehr nötig hat, irgendwem etwas zu neiden.

Carlsen, nun ja ... perfekt ist er sicher noch nicht. Vielleicht spukte in seinem Kopf auch Oslo noch rum, maybe. Aber hey, er ist unter 20! Andere GMs träumen davon, in dem Alter bereits so weit zu sein.
Er wird seinen Weg schon machen.

Von Kramnik erwarte ich auch noch einmal einen zweiten (oder dritten?) Frühling. Der Mann ist, wenn er körperlich fit ist, einfach eine Wucht. Gäbe es die Sofiaregel überall, ich bin überzeugt dass er auch zahlreiche gleich stehende Endspiele noch gewönne.

Unterm Strich finde ich es einfach großartig, wie sich die Weltklasse derzeit nichts schenkt. So machen Liveübertragungen Spaß!

Peter B.
25.07.2011 15:44

Bin ich gut in meinen Vorhersagen? Schaut mal zu Meier-Nakamura. Sekt oder Selters!

Gerhard
25.07.2011 16:20

Ja, Meier spielt volle Eröffnungen, das ist gut.
Er wird sicher mit einigen neuen Erfahrungen aus dem Turnier gehen.

Südschachfreund
25.07.2011 18:25

Des darf ja gar nicht wahr sein, was sich da in Dortmund gerade abspielt. Wenn Kramnik so weitermacht, knackt er noch die 2800 in dem Turnier.

Narf
25.07.2011 19:01



Naja, niemand hindert Meier dadran sich in Wijk über die unteren Klassen die Einladung ins A-Turnier zu verdienen. Oder jedes Jahr am Aeroflot open teilzunehmen.

Andere mussten sich auch über open Turniere hochspielen.

Südschachfreund
25.07.2011 22:54

Also ich glaube, Naka und Meier bekommt die Dortmunder Atmosphäre nicht besonders gut. Sonst würden sie nämlich a) nicht schon zwei Partien beide verloren haben und b) dieses seit dem 62. Zug totremise Endspiel nicht 80 Züge lang (und vielleicht noch länger) auskämpfen, wo ohnehin keiner Anstalten zu verlieren macht.

Peter B.
25.07.2011 23:01

Ok, Meier konnte die Partie gegen Naka gefühlte 100 Mio. mal gewinnen, aber ....
Ich denke das ist der Unterschied zu den ganz Großen (2700+) Solche Chancen darf man einfach nicht vorübergehen lassen. Trotzdem großes Kampfschach!

Südschachfreund
25.07.2011 23:03

@ Peter B.: Aber ich denke, nach dem 62. Zug ist die Stellung remis. Um Zug 40 herum war ich noch ganz positiv gestimmt, was ein 1-0 und den ersten vollen Punkt für Meier angeht. Aber nach dem Abtausch um 62. Zug war ich der Ansicht, es war totremis.

Bardeleben
25.07.2011 23:35

@Südschachfreund: Meier hatte m.E. Siegchancen, bis er den h-Bauern aus unerfindlichen Gründen (Müdigkeit?) verschenkt hat. Bei Zug 115 oder so glaub ich gab es die Möglichkeit h5 zu spielen mit guten Aussichten zur Dame zu gehen (zerreißt mich nicht, wenn ich was übersehen habe). Zuvor gab es andere gute Gelegenheiten. Schach kann Meier offensichtlich spielen, aber sein Nervenkostüm scheint mir nicht das beste zu sein.
Fand es aber viel trauriger, dass Moro heute nicht den Sieg durchbringen konnte in übler Zeitnot. Hätte es ihm und dem Turnier gegönnt, jetzt dürfte Magnus (dem ich's auch gönne) es machen.

Peter B.
26.07.2011 08:44

@südschachfreund:
Ich meine schon, dass Meier auch danach noch Chancen hatte (z.B. durch Königsmarsch zum Damenflügel; Bedrohung des schwarzen-d-bauern zusammen mit dem Läufer, schwarzer Springer muss decken, h-Bauer vorziehen muss Deckung des d-Bauern aufgeben, Eroberung des d-bauern), war aber gestern zu müde um mir das noch genauer anzuschauen. Werde ich heute nachholen. Den h-Bauern hat Meier wohl für die letzte Schwindelchance (Eindingen des weißen Königs am entsprechenden Flügel) gegeben. Insofern an beide Spieler großes Kompliment: Nix abgeklammert, viel riskiert und bis zum bitteren Ende ausgekämpft. Ich könnte nach so einer Partie erstens nicht mehr schlafen und zweitens würde ich auch den nächsten Tag im Bett verbringen;-)

Gerhard
26.07.2011 09:54

Ich fand gestern Giris Verhalten, nicht rechtzeitig aufzugeben, ungünstig. Er wollte wohl den Finger in Kramniks Wunde legen...
Ich meine, wenn jemand seine Partie so überzeugend anlegt, dann sollte man ihm Tribut und Respekt zollen und sich nicht noch eine Anfängergewinnführung zeigen lassen.

Peter B.
26.07.2011 10:28

Gegen meinen Taschencomputer (Pocket Fritz) konnte ich das Meier´sche Endspiel (ohne die Damen) mit weißem Königsmarsch nach b6, weißer bauer bis h6, Läufer auf h4 und danach weißer König wieder zurück über den Königsflügel und Ausnutzung, dass der schwarzer Springer/König nicht gleichzeitig den h-Bauern halten und den d-Bauern decken können gewinnen. Allerdings ging das weit über 30 Züge und ob der Taschencomp hier das Richtige fand, sei dahingestellt. Mal sehen, ob Karsten Müller sich dazu äußert, mir ist das zu "hoch".

Norman
26.07.2011 13:54

Hallo Jan,

super Interview in der "Schach". Sehr persönlich wie ich finde. Danke! Ich stimme DP zu: "Meiner Meinung nach wären Sie der ideale Werbeträger des deutschen Schachs. Sie sind eloquent, kommen gut 'rüber."

Habe zwei Fragen:

1. Wann kannst Du mehr über das "Projekt in der Pipeline" verraten?

2. Pokerst Du noch (nebenbei Karten spielen)?

Südschachfreund
26.07.2011 13:56

@ Gerhard: Meinst du mit Kramniks Wunde Kasan? Zur Aufgabe Giris: M. E. nach ist es zuallererst dem Spieler überlassen, wann er aufgibt, zum andern fand ich Giris Aufgabe keineswegs zu spät. Okay, er hätte sich vielleicht den Läuferzug nach d7 sparen können, aber die Aufgabe als Unhöflichkeit gegenüber Kramnik zu werten, kann ich nicht nachvollziehen.

patzerle
26.07.2011 19:09

4.5/5 ist natürlich überragend, aber Nakamura ist völlig außer Form, gegen Ponomariov war es knapper als man denkt, wenn man keine engine hat und Meier und Giri sind einfach Leute die Kramnik schlagen muss.
Ich will seine Leistung nicht schlechtreden, aber wenn er 4,5/5 gegen Anand, Aronian, Carlsen und Topalov und sagen wir Gelfand geholt hätte, ja dann wären die Lobeshymnen angebracht, aber so...?!

Übrigens: in der Partie gegen Giri lobt er seine Idee h4 als schon gegen Kasparov vorbereitet und ewig in seinem Köcher, dabei hätte er es erst kürzlich gegen Mamedyarov spielen können (?) und dann ist mir Normalsterblichen nicht klar was Schwarz für Probleme ins Haus stehen, wenn er einfach hxg6 gespielt hätte anstatt das schwer nachvolziehbare fxg6 wonach Weiß in der Tat großen Vorteil hat.

Ich bin mal gespannt wie Kramnik die Rückrunde angeht - "eigentlich" muss er jetzt 2800 anstreben, da darf er sich nicht zu viele Remisen erlauben ;-)

Gerhard
26.07.2011 19:33

@Südschachfreund, naja, das Endspiel Läufer u Bauern gegen Bauern war wirklich trivial. Und Wunde: Da gab es doch mal schon ein Endspiel Kramniks mit Mehrfigur, das Remis ging?!
@Patzerle: Durch den marsch des H-Bauern wird Feld g5 geschwächt. Es stehen evtl Optionen auf der H-Linie zur Verfügung usf. Dafür war Kramnik bereit, 2 Tempi zu opfern. Dieses h4,h5 ist vergleichbar mit dem Vorgehen a4, a5 gegen ...b6. Dieses Öffnnen einer Linie ist rein positionell.

ebi
26.07.2011 20:08

Wie stehts denn mit der Grünfeld Rezension - any good?

Südschachfreund
26.07.2011 20:15

@ Gerhard: Ach so, das Kramnik - Carlsen - Endspiel von London. Zur Trivialität: Na ja, Karsten Müller wirds freuen, wenn sich mal wieder zwei die Mühe machen, es zu zeigen.

CarriedbyGg
26.07.2011 22:37

Nich das bei Jan Internet ausgefallen is oder wieder irgendwas kaputt ist. Er meldet sich ja schon etwas länger nicht mehr. Den letzten Teil in Anführungszeichen denken. Danke.

Thomas Oliver
26.07.2011 23:17

@patzerle: Schlechtreden kann man Kramniks Leistung nun wirklich nicht, aber bagatellisieren wie Du es tust ist meiner Meinung nach auch nicht angebracht. Gegen Ponomariov spielt es keine Rolle wie "hoch" er gewonnen hat - dass Engines besser gespielt hätten als Pono ist ebenso normal wie irrelevant. Gegen Nakamura: die Endspielführung war beeindruckend auch wenn der Gegner mitgeholfen hat. Giri - MUSS man den besiegen? Carlsen und Anand ist es in Wijk aan Zee nicht gelungen ... .

Zu 17.-hg6: gibt Dennis Monokroussos (Chessmind) übrigens die - nicht forcierte, aber plausible - Variante 18.Sg5 Tfd8 19.Se4 Lc6 20.Sf6+ Lxf6 (20...Kf8 21.Th4+/= ) 21.exf6 Sd5 22.Lg5 La4! (sonst kommt Tb3-h3) 23.Ld3 Tac8 24.Kd2 nebst Turmverdopplung auf der h-Linie und Matt - Weiss hat also durchaus "Optionen auf der h-Linie", mich hat 17.-fg6: dann auch nicht sooo gewundert wie manche andere Kibitze.

Natürlich holt Kramnik gegen die absolute Weltspitze keine 90%, aber 4/6 in Bilbao gegen Anand, Carlsen und Shirov waren auch nicht schlecht ... danach kam eine kleine Durststrecke (einschliesslich Kazan), im Moment läuft es wieder für ihn.

patzerle
27.07.2011 00:31

@Thomas Oliver

ich bin früher Kramnik Fan gewesen, als er noch Sveshnikov gespielt hat und das Meraner System mit Schwarz - lange vor seinem Russisch + safty first Geschiebe.
Von daher freut es mich wirklich für ihn, aber er stand nunmal objektiv gesehen gegen Ponomariov sogar eher schlechter, wenn dieser Sxe4 gesehen hätte und gegen Meier sogar auf Verlust, auch wenn er hier (zu Recht!) auf die Zeitnot spekuliert hat und hatte sowohl von Giri als auch von Nakamura einiges an Hilfe.
Diese Dinge sollte man einfach nicht unter den Tisch kehren.
+2 in einem Umlauf müsste doch sowieso in etwa seiner ELO Erwartung entsprechen, wenn es gut läuft macht er eben +3 und wenn es richtig gut läuft und er auch das nötige Glück hat macht er halt +4 - aber mir kommt es so vor als wenn er hier schon wieder in himmlische Sphären gelobt wird, wenn er beim WM Zyklus noch ganz anders aufgetreten ist und hier im Dortmund "seinem Pflaster" eben befreit und unbeschwert aufspielt, eh nen Lauf hat und auch nicht die allerstärkste Konkurrenz.
Also genieße ich den Moment, freue mich für ihn und erfreue mich an seinen Partien, mache aber die Lobeshymnen nicht mit, denn genau die Leute werden ihn dann wieder verteufeln, wenn er wieder schwächer oder langweiliger spielen wird was er vermutlich gegen die Elitespieler machen wird.

hanjie
27.07.2011 01:31

Hey, Fakt ist doch: Wenn die "Großen 5" (Carlsen, Anand, Aronjan, Kramnik, Topalov) in Form sind, dann sehen doch nahezu alle anderen Spieler ziemlich alt gegen sie aus.

Ok, ein paar wenige mögen sie selbst dann noch ein wenig ärgern können (z.B. Giri, Ivanchuk, Nakamura, Gelfand), aber viele sind es nun wirklich nicht.

Warum ich noch am ehesten Carlsen-Fan bin liegt daran dass der Bursche es ja auch noch schafft massenhaft Punkte zu sammeln, wenn er _nicht_ in Form ist.
Just das scheint mir in Biel der Fall zu sein, sehr kreativ waren seine Partien jedenfalls nicht. Es gelingt ihm aber immer wieder dermaßen komplexe Stellungen aufs Brett zu kriegen dass seine Gegner nicht mehr durchblicken, und so gewinnt er oft genug schlechtere Stellungen (jene gegen Pelletier war es z.B. ebenfalls!) nahezu mühelos.
Ist auch ne Kunst. ;)

Kramnik bewundere ich allerdings ebenfalls, vorzüglich bei Gewinnpartien aus scheinbar gleicher Position heraus. Vermutlich würde er gegen Leute wie mich (Niveau Elo 2200) in ein Endspiel L+3B versus S+3B gehen und es dermaßen mühelos gewinnen, als hätte er eine Dame mehr. ;)

Gerhard
27.07.2011 07:58

@Patzerle, es ist sicher nicht angebracht, zu erwarten, daß Kramnik so weiter macht. Er hat bis dato sehr gut gespielt, das ist Fakt. Was er in den restlichen Partien macht, vielleicht eine +1, ist nicht mehr so von Bedeutung, Hauptsache die Partien bleiben weiterhin auf gutem Niveau.
UNd: Was hier versammelt ist, ist praktisch die erweiterte Weltspitze - es sind keine Spieler aus der 2. Reihe.
Zu der Pono-Partie: Selbst Se4: gewinnt nicht, denn Kramnik hatte die Option, für die Dame 3 Leichtfiguren zu bekommen...und ich denke sogar, er hat das geplant. Dieses entstehende Endspiel hätte ich jedenfalls nicht gerne gegen Kramnik.

@Thomas Oliver: Danke für die Varianten-Verifizierung.

Ganz allgemein:
Freuen wir uns doch über kreative und besondere Leistungen unserer Topspieler, seien es Kramnik, Carlsen, Anand, Iwantschuk, Karjakin oder wer auch immer. Es geht nicht darum, den einen Spieler über den anderen zu stellen.

Thomas Oliver
27.07.2011 11:36

@Patzerle: Stimmt, übertreiben sollte man nicht, das tut aber meines Erachtens auch niemand. Es wäre übertrieben jetzt zu sagen dass Kramnik "sicher" demnächst Kasparovs Elorekord von 2851 knacken wird oder dass er an Gelfands Stelle gegen Anand spielen sollte (beides liest man gelegentlich von Carlsen-Fans). Aber dass er gut spielt und dass 2800 jetzt in Reichweite ist ist eben nicht übertrieben.

Betrifft Elo-Erwartung: Letztes Jahr hat er mit 50% zehn Pünktchen verloren, 2009 mit +3 13 Punkte gewonnen. Ohne dass jetzt detailliert auszurechnen wäre diesmal +2 _über beide Runden_ wohl im Elosoll, und könnte zum zumindest geteilten Turniersieg reichen.

Kann man eigentlich Partien ganz ohne Hilfe des Gegners gewinnen, egal auf welchem Niveau? Für uns Amateure wäre es natürlich noch lächerlicher jeden Zug auf die Engine-Goldwaage zu legen ... .

Südschachfreund
27.07.2011 16:49

Das Entscheidende ist doch, dass Kramnik diesen Lauf, den er in der Hinrunde hatte, in die Rückrunde und die folgenden Turniere mitnimmt. Wenn er das schafft, ist es gut, ansonsten schade.... Was Carlsen anbelangt, so ist er im Gewinnen sicherlich sehr gut, aber das mit dem Verlieren muss einfach besser werden. Nichts gegen risikoreiches, auf Gewinn (mit beiden Farben) bedachtes Spielen, aber die Niederlage gegen Vachier z. B. war überflüssig. 80...De6 ist nicht irgendwie ein risikoreicher Angriffszug, der daneben ging, sondern ein Verteidigungsfehler. Und diese Fehler muss er versuchen abzubauen. Was Anand betrifft, so hat der derzeit nur ein Manko: Es muss jetzt mal dringends (am besten gleich in Bilbao) ein Turniersieg im klassischen Schach her. Er verliert selten, hat seine beste Elo-Performance überhaupt, und auch Siege kann man von ihm sehen, die zeigenswert sind, z. B. der gegen Wang Hao Anfang des Jahres Wijk. Zu Aronian kann man eigentlich nichts sagen, der scheint mir zur Zeit absolut nicht verbesserungswürdig, er gewinnt hin und wieder ein Turnier, verliert selten....
Topalov muss dringendsd seine Form vor der WM 2010 finden, ansonsten ist er nicht mehr lange Top 5. Was ich glaube, ist, dass ihn diese Niederlage gegen Anand in Sofia, und v. a. die Art und Weise, wie sie zustande kam, doch sehr mitgenommen hat. Ich glaube, bei Topalov ist es derzeit eher ein psychologisches als ein schachliches Problem.

Kritik und Diskussion erwünscht.

Gerhard
28.07.2011 12:53

@Südschachfreund, Du hast ja eine Menge Mutmassungen geäussert .
Wieso Kramnik jetzt wieder "jugendliches" Schach spielt und wieso Topalov schon länger nicht mehr dominantes Schach spielt - wer weiß das schon.
Entscheidend ist, daß wir wieder gutes Schach sehen, u.a. auch von Morozevich - dessen Niedergang mir damals etwas weh getan hat.

Von Kramnik zu erwarten, daß er ein 2900er Niveau noch endlos produzieren kann, ist zuviel verlangt. Aber ich denke, der Mann gehört unbedingt wieder in die 2800er Riege und sein Schach sollte auf lange Sicht wieder ehemailges WM-Niveau erreichen.

Südschachfreund
28.07.2011 13:50

@ Gehard: von " jugendlichem Schach" habe ich an keiner Stelle geschrieben, ich wollte bloß ausdrücken, dass er die inkonstante Form der letzten 1 1/2 Jahre am besten loswerden sollte, nur so kann er sich über 2800 klimmen und halten. Ich verlange von ihm auch nicht, 2900er-Niveau zu produzieren. Was Topalov anbelangt, kann ich nur sagen, dass er seit der WM außer Form ist. Ich erinnere: Linares 2010 einen Monat vor der WM gewann er. Dann ging die WM verloren. Bei der Schacholympiade spielte er unter Wert. Dann folgte eine schlechtes Turnier in Nanjing, und dann noch die Kandidatenkämpfe in Kasan, wo er sang- und klanglos ausschied. Seitdem hört man nichts von ihm mehr.

Gerhard
28.07.2011 15:22

@Südschachfreund, nimm nicht jedes Wort auf die goldene Waage. Dann können wir überhaupt nicht mehr unter uns kommunizieren :-)

Formschwankungen kennt jeder Spieler. Deshalb sollten wir auch mal eine schwächere Leistung zugestehen.
Was Kramnik kann, hat er in unzähligen Perlen schon jetzt hinterlassen. Aber das aktive Schach, daß er in diesem Turnier zeigt, erinnert auch an seine frühere Zeit, vor 2000 und auch noch danach.
Insofern verwendete ich den Term "jugendl. Schach".

Gruß

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