Jans Kolumne

Vugar allein zu Haus

Gashimov fehlt im Team der Azeri

Russland, Ukraine und China sind die topgesetzten Mannschaften der Schacholympiade, zu der ich mich in ein paar Stunden aufmache. Azerbaijan taucht in dieser Liste nicht auf, weil sie Vugar Gashimov nicht aufgestellt haben. Nach Vishy Anand ist Gashimov (2733 in der live-rating list) der prominenteste Name, der sich nicht auf den Weg nach Khanty-Mansiysk macht. Noch überraschender als seine Abwesenheit sind die Gründe, die von den azerbaijanischen Verantwortlichen genannt werden:

- Gashimov habe für die spanische Mannschaft Kasparov Marcote gespielt. Für eine Kasparov-Mannschaft zu spielen sei ein unangemessenes Verhalten für einen azerbaijanischen Staatsbürger.

Sollte ich also Schuld sein? Schließlich habe ich Vugar in Mainz auf die Mannschaft angesprochen und den Kontakt zu Paco Vallejo hergestellt, der ihn dann verpflichtet hat, vergleiche den Eintrag Campeones. Mit Kasparov hat die Mannschaft nicht viel zu tun, der Name stammt aus einer Schulgründung im Jahre 1991, lange bevor es das Team gab. Chef ist der spanische Geschäftsmann Javier Marcote, die Spielerkontakte liefen über Paco und mich.

Kasparov war übrigens ein Ehrengast auf der Geburtstagsfeier des azerbaijanischen Teamchefs.
 

Kasparov-Marcote nach dem Gewinn des Titels

- Gashimov habe mehrfach Anweisungen des Team-Captains Zurab Azmaiparashvili missachtet.

Die Unstimmigkeiten begannen wohl bei der Mannschafts-WM 2009 in Bursa. Was da genau passiert ist, weiss ich natürlich nicht. Laut Vugar war er krank und wollte in der dritten Runde pausieren, was der Käptn aber mit der Begründung ablehnte, dass Radjabov dann zweimal Schwarz in Folge gehabt hätte. Jedenfalls hat er in der dritten Runde gespielt und verloren, im weiteren Verlauf des Turniers enttäuschte die Mannschaft.  Teamkollege Guseinov bedauert in seinem Statement, das Gashimov die Olympiade verpasst und sagt, dass es in Bursa externe Faktoren gab, die den Erfolg beinträchtigt haben. Rauf Mamedov, ein weiterer Mitspieler, titelt auf Facebook "Azerbaijan without Gashimov, Azerbaijan without heart!" Welche Anweisungen missachtet wurden, ist mir nicht klar, dass das Verhältnis zu Azmaiparashvili belastet ist, scheint unstrittig. Dem damals kranken Gashimov die Schuld für den 4. Platz in Bursa aufladen zu wollen, nicht besonders fair.

-Gashimov habe ein Treffen mit den Verantwortlichen ignoriert.

Er selbst sagt, er habe eben diese häufig vorgeschlagen, sei aber auf taube Ohren gestoßen.


-Gashimov habe Starallüren, so der oben verlinkte Artikel weiter.

Für mich die überraschendste Anschuldigung von allen. War ich doch sein Mitspieler bei Marcote. Bei jedem Essen und jedem Spaziergang war er mit dabei und hat mit seiner positiven Art stets für gute Stimmung gesorgt. Ständig hat er uns zum Tee eingeladen, Partien mit uns analysiert und bei der Vorbereitung geholfen. Nebenbei noch drei 2700er geschlagen, in der gerade beendeten kroatischen Liga kam mit Eljanov der nächste Skalp dazu. Einen angenehmeren und unkomplizierteren Mannschaftsspieler kann ich mir kaum vorstellen.

Diese Eigenschaften machen es für mich um so unerklärlicher, womit Vugar Gashimov diese Kampagne gegen sich verdient haben könnte. Schon vor der Nichtberüchsichtigung für die Olympiade wurde er für den "Presidents Cup" in Baku nicht eingeladen, ebenso wenig für die Supermannschaft "SOCAR" aus Baku, die beim European Club Cup an eins gesetzt ist,. Die Gerüchte um das Grand Prix Finale in Astrakhan, bei dem Gashimov im Rennen um den Platz für die Kandidatenmatches der Konkurrenz aus dem eigenen Land knapp den Vortritt lassen musste (der Freiplatz für diese geht an Mamedyarov), häufen sich ebenfalls, vergleichen sie etwa die Schach-Fragen an Pawel Eljanov in Schach 6/2010.

Mir bleibt es, zu hoffen, dass Gashimov in der Heimat die richtigen Leute hinter sich bringen kann, um gut aus dieser Geschichte herauszukommen und ihm viel Glück für das in Bälde beginnende Superturnier in Nanjing zu wünschen. Zeigs Ihnen!

 

11 Kommentare
Phero
19.09.2010 17:01

Was genau ist eigentlich so schlimm daran, für eine Kasparow-Mannschaft zu spielen - als azerbaijanischer Staatsbürger? Sehen die sich von ihm als verraten an oder was?

Dir und deinen Dänen viel Glück in Sibirien

Deathdefier
19.09.2010 23:44

vielleicht ist ja radjabov das problem......

Prada
20.09.2010 12:12

@Pheri: Es wird als ein Verrat angesehen, da Kasparows Mutter aus Armenien stammt, obwohl er selbst in Baku geboren ist... Was natürlich absurd ist- Politik sollte nichts mit Sport zu tun haben!

Uhlmann David
20.09.2010 18:32

Frag Ihn doch ob er nicht vielleicht nach Deutschland auswandern will=) Ein so gutes Brett 1 wäre doch super...

AutorIn
20.09.2010 19:54

Was hat Eljanov denn in Schach 6/2010 gesagt?

Teb
20.09.2010 21:54

Soweit ich weiß, hat Kasparow in früheren Zeiten auf Anfragen stets mit Stolz gesagt: Ich bin Bakuer! Diese Stadt war immer schon ein Schmelztiegel, und die derzeitige angespannte politische Situation wird das sicher nicht ändern. Was für eine Idiotie! Klingt irgendwie vorgeschoben.
Es ist töricht, einen solchen Spieler zu ignorieren, und die Ergebnisse an den hinteren Brettern werden das zeigen.

Volker
22.09.2010 19:33

So, jetzt haben die Aseris den Salat, heute gegen Vienam verloren. Mit Gashimov wäre das sicher nicht passiert. Ist mir unverständlich, wie man so einen Hass gegen die friedlichen Armenier haben kann.

hehe
22.09.2010 19:46

Uhlmann David hat den Durchblick,Gashimov für Deutschland,dazu noch Nakamura,Wang Yue,Maurice Ashley und den besten Eskimo-damit einfach mehr Farbe ins Spiel kommt!

hehe
22.09.2010 19:53

Man muss schon `ne ordentliche Stange Geld bekommen um sich Sibirien anzutun,unser Freund Gashimov wird schon drüber wegkommen..

David T
26.09.2010 01:18

@Uhlmann! Du hast aber Humor, Gashimov für Deutschland spielen? Wir würden dafür sorgen, dass er nicht Profi bleiben kann und möglichst bald aus den Top 100 rausfliegt...Ja, und überhaupt erst dann hätte er eine Chance, für die Nationalmannschaft nominiert zu werden.

chessobserver
10.10.2010 13:27

Yes Teimur Radjabov's family is a very powerful Jewish family that sponsors/controls chess in Azerbaijan. As usual it is not enough to be reach, but they also want to be famous. Little Teimur was "destined" to bring them fame, but unfortunately for poor Gasmihov he is now seen as interfering with these grand plans. See the following article . . .

http://www.chessdom.com/news-2009/vugar-gashimov-hollywood

this is when the problems started. There is only one person in the Azerbaijan team that has been suffering and is still suffering of “star illness” and that is Teimur Radjabov. He is desperately trying to "mix" with the reach and famous . . . see following article

http://www.chessbase.com/newsdetail.asp?newsid=6682

Every time he goes to the French Riviera he desperately tries to get photos for his marketting campaign . . . he just wants to be a Hollywood star and doesn't give a fig about Azerbaijan.

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