Jans Kolumne

Turniere und so

Was geht?

Ich stehe am Anfang meiner streng geheimen Trainingssession, im Moment ist Pause, also surf ich einmal quer durch die Schachseiten dieser Welt und reg mich über die deutsche Synchrostimme von Rajesh Ramal Kuthrooppali in Pro7s Version von Big Bang Theory auf. Keinen Plan, wie ein indischer Akzent auf deutsch klingt, aber so bestimmt nicht.

Egal, Turniere:

Mainz

Mit Bedauern habe ich gerade gelesen, dass die Mainz Chess Classic dieses Jahr nicht stattfinden werden. Ich habs nur zweimal geschafft, mitzuspielen, aber besonders die letzte Auflage in 2010 ist mir noch in bester Erinnerung, siehe "A beautiful Mainz". Hatte mir fest vorgenommen, ab jetzt bei jeder Gelegenheit mitzuspielen, naja, ma hat ma. Die Verknüpfung von Spitzen- und Breitenschach, von der wir immer alle reden, wurde hier vorgelebt. An dieser Stelle sei Hans-Walter Schmitt und seinen Helfern, dem Mainzer OB Jens Beutel und allen Sponsoren wie Grenke Leasing noch einmal Danke gesagt, dass sie dieses Highlight im deutschen Turnierkalender möglich gemacht haben. Ich verbleibe natürlich in der Hoffnung, dass der gesuchte weiße Ritter gefunden wird und es weiter geht!

Mainz weg, Nacko dieses Jahr zum letzten Mal, Youngsters vs. Veterans weg, Sofia unklar, London zieht WM-Bewerbung zurück, Linares unklar, aber wohl später dies Jahr. Meh, keine guten Zeiten fürs Spitzenschach.

Stattfinden werden immerhin die Kandidatenmatches, wenn auch ohne Carlsen. Wenn ich mich recht entsinne, sind die Paarungen Topalov-Kamsky, Gelfand-Mamedyarov, Kramnik-Radjabov und Aronian-Grischuk. Bei vier-Partien-Matches und nur zwei Tagen Pause zum Halbfinale und Finale kann natürlich alles mögliche passieren. Ma gucken, wie Topalov nach hochzeitsbedingter Pause drauf ist, so oder so ist er gegen Kamsky wohl der größte Favorit der Viertelfinals. Auch Kramnik sollte es gegen Radjabov packen, aber wie gesagt, vier Partien und so. Grischuk ist ein hervorragender Spieler, ich sehe ihn auch gegen Dr.Levon nicht als klaren Außenseiter, maximal 60-40 Levon. Bei Gelfand-Mamedyarov gibts keinen klaren Favoriten, wenn ich mich festlegen müsste, würd ich sagen, Gelfand kommt weiter, sich monatelang auf einen Gegner vorbereiten zu können spielt ihm in die Karten. Schaun mer mal!

 

 

Deutsche Meisterschaft

Auf Schach-Welt tobt die letzten Tage eine Diskussion über Modus, Teilnehmer, Attraktivität etc. der Deutschen Einzelmeisterschaft. Ich hab vorhin einen langen langweiligen Aufsatz zu dem Thema geschrieben, der aber jäh durch den lustigen blauen Bildschirm mit" grave unknown error" von meinem Computer unterbrochen wurde, natürlich, bevor ich irgendwas gespeichert hatte. Ein Zeichen, dass ich zu dem Thema nicht zuviel sagen sollte. Ich spiel mit dieses Jahr, was aber eher als "alternder GM will endlich mal deutscher Meister werden" denn als "Gustafsson unterstützt den Modus der DEM" verstanden werden sollte.

Herr der Ringe

Am Wochenende war ich auf einer Hochzeitsmesse! Brautkleider angucken, Floristen begutachten, Trauringe aussuchen, die ganze Veranstaltung ein Männertraum... Zum Glück war ich zum Arbeiten da, mein Job war es, simultanspielend die Trauringe am Stand von amodoro zu verteidigen. Der Deal war simpel, wer gegen mich gewinnt, bekommt ein paar Ringe nach Wahl. Die Dinger sind nicht gerade billig, habe ich festgestellt. Ok, Kundschaft auf einer Hochzeitsmesse im Schach zu schlagen, sollte ich eigentlich draufhaben, aber eine Ankündigung im Stader Tageblatt zwei Tage vorher hat mir den Job etwas erschwert, wenigstens war Gollum nicht am Start.

Schon in einer der ersten Partien gegen einen mir unbekannten Sportsfreund aus der dominikanischen Republik spielte ich etwas "unvorsichtig" und stand mit dem Rücken zur Wand, konnte mich aber unter den strengen Blicken des Juweliers grad noch einmal herauswinden:

Stellung nach ...Dg4

Positionell siehts ganz gut aus, aber mit all den Figuren um meinen König hätte ich doch ein bisschen genauer hingucken sollen: 1.Lh3?? Txh4! oops 2.Kh2? besser war, mit Lg2 kleinlaut den Rückzug anzutreten. ...Th6 in Anbetracht von Ideen wie Tg8,Tg5, Txh3,Dxh3 Th5 matt oder auch Sd8,Se6 sah ich hier meine Ringe davonschwimmen, konnte aber den Schaden noch in Grenzen halten 3.Th1! einziger Zug, alles andere verliert recht chancenlos Tg8 auch Lxh1 Txh1 ist nicht soo schlimm, gute Figuren, Mattgefahr gebannt, sollte halbwegs spielbar sein. 4.Kg1! das war die Idee ...Le4 Lxh1? Lxg4 wäre hier eher ein Reinfall 5.Lg2 und das Schlimmste war überstanden, ich hab noch irgendwie gewonnen.

Am Ende konnte ich doch alle Partien siegreich gestalten, so dass unter den Teilnehmern ein Paar Ringe verlost wurde. Hat Spaß gemacht, Nichtschachspieler wie die Mehrzahl der Messegäste staunen immer, wenn einer im Kreis geht und Züge macht. Worüber wiederum ich staune, man läßt mich doch nur meine Sprache sprechen.

Viel mehr schachliche Aktivitäten hab ich nicht zu bieten gerade, Training... Ich geh jetzt ins Bett, morgen gehts weiter im Text. Gut Nacht!

 

24 Kommentare
Bardeleben
16.02.2011 09:38

Wirklich interessante Diskussion auf Schachwelt - ich hoffe, Jan rappelt sich auf und verfasst seinen Beitrag nochmal. Immer wieder faszinierend, welche Kluft zwischen den GMs und den Amateuren zu bestehen scheint und in welchem Ton erstere zuweilen über letztere schreiben, obwohl teilweise nicht viel mehr als 200 Elopunkte dazwischenliegen. Ich kann verstehen, dass Profispieler in Deutschland frustriert sind durch den Mangel an einbringlichen Turnieren, aber der Tonfall in der Diskussion scheint mir doch teils fragwürdig.

brazil
16.02.2011 12:29

Ich habe mir gerade erstmals den Thread zur DEM angesehen und war ziemlich entsetzt. Nicht wegen der (sehr interessanten) Diskussion über die Modalitäten, sondern - wie Bardeleben auch – über den Tonfall, der dort von einigen angebracht wird. War der Ausgangsartikel von I. Schneider offenbar nur etwas unglücklich formuliert, so kann ich zB über die Beiträge von G. Meier teilweise nur den Kopf schütteln.

Apropos Big Bang Theory: Ich finde die Synchronstimme sogar ziemlich passend. Den richtigen indischen Akzent herauszufinden, dürfte aber gerade für dich ziemlich einfach sein; du lässt einfach Anand beim nächsten Treffen einige typische Dialoge auf deutsch sprechen...

Apropos blue screen: Du solltest möglicherweise mal dringend dein System checken. Denn heutzutage muss man sich (in der Windows-Welt) schon ziemlich anstrengen, um so etwas zu produzieren.

ebitda
16.02.2011 15:35

Wie ist denn der zumindest angedachte Zeitplan bei dieser Art von Vorbereitung? Wird nur Eröffnungstheorie gepowert? Werden die top 100 gescant a la EFQM, damit man stets weiß, welcher Spielertyp vor einem sitzt? Laufen 10 Rechner an unterschiedlichen Stellungen und man selbst joggt von PC zu PC und versucht sein Langzeitgedächtnis mit diesem output zu füttern, um ein lebender Rybka zu sein? Habe mal Kramnik gefragt, wieviele Partien er sich im Monat anschaut - 15000! Da hat er wohl eine 80 Stundenwoche....

sirschratz
16.02.2011 16:18

es wird behauptet von einem vorschreiber, man könne über den post von georg meier "nur den Kopf schütteln" - da wir (soziologischer Standard) in einer Konsensgesellschaft leben, ist dies nachvollziehbar....
es mag zwar ganz hübsch sein, den kopf zu schütteln (kommt natürlich auf den schüttler drauf an), aber letztlich führen nur argumente weiter....
das problem bei georg meier ist, dass er recht hat... und nun müsste man sich konstruktiv (also kognitiv) damit auseinandersetzen und da kommt der dsb scheints an die grenzen seiner ressourcen....
der dsb hat verfügt, dass sponsoring im schach unmöglich sei (siehe interview in "schach")... schon alleine für den einblick in diesen bestürzenden abgrund von kompetenz- und konzeptionsmangel sei den nationalspielern gedankt, dass sie anlässlich der letzten olympiade protestiert und argumentiert (und nicht einfach nur den kopf geschüttelt) haben...
schon als kleener steppke viel mir auf, dass fast all diejenigen, die schachlich keine ahnung hatten, das machten, wovon ich später lernte, dass es "funktionär" heißt.... vielleicht hat die ganze diskussion ja auch damit zu tun?!

hanjie
16.02.2011 17:11

Hab mich jetzt mal durch die dortige Diskussion gewühlt und muss sagen: Also, wenn ihr das dort schon als "schlechten Tonfall" interpretiert, dann frage ich mich, was für einer hier mitunter zu Wijk herrschte: Unterirdisch? Minustonfall, Skala nicht mehr messbar ... ?

Georg Meier war da an und für sich sehr abgeklärt. Es ist auch definitiv nicht einfach, in einer recht hitzigen Situation so klar zu schreiben, dass man die Zeilen nicht fehlinterpretieren kann.

Jans Begründung (hey, wir sind hier immer noch auf jan-gustaffson.de und nicht auf schachwelt ;) ), dass er sich den Titel gerne noch mal sichern möchte, halte ich für eine plausible, dann DOCH mitzumachen. Das Geld kann es nicht sein, denn da der Ruf der DM schon seit Längerem leidet, wird man ja schnell in schlechten Schlagzeilen mitgenannt, und das ist nun auch nicht eben angenehm.

Ich sah das "Davorsetzen" der GMs auf den DMs im Übrigen immer als eine Art Belohnung für die Qualifikanten an. Denn wo bekommt man als "Normalsterblicher" schon so viele Titelträger in einem kleinen Feld, mit einer exzellenten Chance, gleich mehrere davon zu erwischen, sobald man hier und da mal einen halben Punkt gegen sie einstreut? Attraktiv ist das durchaus.

Das heißt: War. Denn ich kann mich Iljas Kritik anschließen: Entweder man sorgt für viele Titelträger, oder man lässt es lieber ganz, denn bei dieser DM jetzt geht die genannte "Belohnung" für die Qualifikanten nun beinahe drauf. Diese wäre eine realistische Chance auf den deutschen Meistertitel. Auch wenn der dann für viele nicht viel wert sein würde, wenn jemand mit Elo 2450 den dann holt - aber es wäre ein schöner Erfolg für den Sieger.

Wird nicht sogar der IM-Titel verliehen, wenn man eine nationale Meisterschaft gewonnen hat (2400+ Elo vorausgesetzt)?

hanjie
16.02.2011 18:32

Ach, und kleiner Nachtrag: Polen macht's vor, wie's geht ...

Ich wäre jedenfalls auch für zwei deutsche Meisterschaften, "Deutsche Meisterschaften" versus "Deutsche Amateurmeisterschaften". Das "Amateur" klingt zwar immer etwas despektierlich, wäre aber eben auch einfach nur wahr, weil sich nun einmal kein Nicht-GM leisten kann, vom Schach zu leben.
(Von wenigen Ausnahmen mal abgesehen)

Tiger-Oli
16.02.2011 18:49

Hey Jan,

danke für Dein Update zu Mainz, Deutscher Meisterschaft und Hochzeitsmessen-Simultan!

Gerade als ich die Paarungen der WM-Achtelfinale nochmal ansah, fiel mir auf, dass mich das alles gar nicht so richtig reizt. Die üblichen Verdächtigen eben - alles starke Spieler, aber keiner "fürs Herz" (schon gar nicht Toppi), und irgendwie keiner aus der Region. Fast so ungefähr alle mit russischen Wurzeln, und .. naja, da ist es (für mich) nicht weiter aufregend, wer im Einzelnen da nun gewinnen wird.

Nach dem Verzicht von Carlsen hätte ich es darum gut gefunden, wenn Du für ihn eingesprungen wärest. Hat man Dich denn gar nicht gefragt? Oder wolltest/ konntest Du nicht, weil Dich der Juwelier schon unter Vertrag genommen hatte? Ich hätte mich gefreut über eine Viertelfinal-Paarung Aronian - Gustafsson. Da hätte ich auch mal für vor dem Computer ausgeharrt!
Na gut, schade, sollte wohl erstmal so sein. Aber vielleicht in ein paar Jahren? Wenn Du jetzt erstmal Deutscher Meister im Langen Schach wirst, dann stehen Dir ja alle Türen offen!

In diesem Sinne, moinmoin

Tiger-Oli

Tommy
16.02.2011 19:03

hanjie, so etwas ähnliches wie eine Amateurmeisterschaft haben wir doch schon auch wenn man noch etwas ändern müsste um stärkere Spieler mit unterzubringen.
Bei Schachwelt schau ich später mal kurz vorbei aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie Georg Meier unpassend argumentiert ausgehend von seinen Posts auf schachfeld.de
Jedenfalls bin ich auch der Meinung, dass wir mal etwas vom Format eines Superfinales der russischen Meisterschaft brauchen als DEM (wenn auch mit einer geringeren Spieldecke). Wir brauchen etwas, wo sich die Topspieler ärgern, wenn sie nicht daran teilnehmen.
btw: ich bin ebenso neugierig wie ebitda, wie so ein Trainingsplan aussieht :)
grüße Tommy

someFM
16.02.2011 19:26

Vielleicht sollten wir mal einen Blick in eines unserer Nachbarländer werfen. In Polen läuft die Landesmeisterschaft und daran nehmen teil: Wojtaszek, Socko, Macieja, Markowski, Bartel, Miton, Mista uvm. - trotz 9 Rd. CH-System.

hanjie
16.02.2011 22:34

@Tommy: Einmal gab es das, 1998 in Bremen.
Ich habe da mal gezählt: Es waren von 48 Teilnehmern 22 Großmeister am Start (eine WGM ist da noch gar nicht drin), also fast die Hälfte!
War teuer damals für den DSB, aber das waren wirklich mal packende Meisterschaften! Und das noch ganz ohne Internet-Liveübertragung ;)

Tommy
16.02.2011 23:10

So, ich habe mir mal auf schachwelt etwas Durchblick verschafft. Ich kann Verstehen, dass manch sanftes Gemüt nicht wirklich mit Georgs Kommentaren anfreunden kann. Aber im Grunde hat er ja Recht und ich kann es sogar voll und ganz nachvollziehen, wenn er sich unwohl fühlt bei einem zu schwachen Teilnehmerfeld. Wie dem auch sei, muss man die Ansichten der Spitzenspieler berzigen, auch wenn da mal nicht in der gewohnt hocheloquenten Manier eines DSB-Oberen argumentiert wird.
hanjie: Ich meinte zB den RamadaCup (als er noch dt. Amateurmeisterschaft hiess war ich auch am Start :) ), auf den man eine Qualifikationsstruktur aufbauen könnte für eine deutsche Meisterschaft, die ihren Namen auch verdient. Das hätte auch den Vorteil, dass trotzdem noch jeder die Möglichkeit hätte, sich zu qualifizieren, dann sogar solche, die nicht durch einen Verein an einen Landesverband gebunden sind. Wie das im einzelnen aussehen könnte, könnten sich die Gedanken machen, die davon mehr verstehen. Aber wie gesagt, Strukturen sind ja allgemein schon vorhanden.
Was auch fehlt sind Vorteile des Meistertitels: zB Teilnahme in Dortmund, Weltcup oÄ. Es gibt eigentlich ziemlich viele Punkte, an die man ansetzen kann, aber es wird dann gleich ein fertiges Konzept gefordert.
ich bin mal gespannt was bei dem Gipfel in Erfurt rausspringt, aber ich als notorischer Pessimist würde meine Kröten eher auf Stillstand setzen, bis zum nächsten Gipfel.

PS: da ich grad nochmal über den Artikel flog stellte ich mir den Juwelier vor, wie er in einer ecke hockt, seine Ringe streichelt und myyy preeeccious haucht

Bauerndiplom
16.02.2011 23:16

Jo,etwas offtopic , habe gerade über Deine "Sprechstunde" auf chessbase am Donnerstag gelesen . Eine Chance , dass es öfters stattfindet ?

hanjie
16.02.2011 23:39

Oja, eine Verknüpfung mit einem Startplatz bei Dortmund als Deutscher Meister wäre ja wirklich mal was Attraktives. So eine einfache Idee eigentlich ...
Aber ob sie einfach umzusetzen wäre? - Gute Frage!

project_chaos
17.02.2011 18:20

der deutsche meister würde ja dann den eloschnitt zu sehr drücken. drum wirds wohl schwer werden.

hanjie
17.02.2011 19:44

Nicht, wenn's rechtzeitig angekündigt wird. Schließlich versammeln sich dann ja die deutschen Topgroßmeister bei der DM. Und, mal ehrlich: Ein Gustafsson, Naiditsch oder Georg Meier würde den Schnitt nicht wirklich senken ;)

Deutscher
17.02.2011 21:43

Der amtierende Deutsche Meister wurde beim AEROFLOT Open fast letzter.

Super Titel! Super Werbung!

hanjie
17.02.2011 21:53

Ja, und? Manchmal wird eben auch mal jemand Überraschungsmeister. That's life. Und Huschenbeth hat nun wirklich ein grandioses Turnier bei den DM gespielt.
Ob ihm das allerdings auch gelungen wäre, wären alle deutschen Top-GMs am Start gewesen, bleibt natürlich ein Geheimnis. ;)

Ich behaupte, dass bei einem Angebot, das die deutschen Topleute anlockt, der DM definitiv ein Ausrufezeichen wäre!

Ach ja, und die gerade erst enttrohnte Frauenweltmeisterin wird 68. - Antiwerbung fürs Frauenschach? Nicht wirklich, oder? ;)

project_chaos
18.02.2011 10:58

ok ist jetzt scho ein alter hut, aber dortmund könnte man doch so aufbauen ähnlich wie londoj:

1 freiplatz für den deutschen meister
1 für einen deutschen jugendspieler
2 für deutsche topleute
1 für den aeroflot gewinner
3 vom veranstalter ausgesuchte

DieSchachklapse
18.02.2011 12:18

Wer ein Turnier mit einem Teilnehmerfeld aufbauen moechte, wie es von project chaos skizziert wurde, darf dies gerne tun. Findet Sponsoren, nehmt Geld in die Hand und legt los.
Aber warum muss man deshalb den Organisatoren von Dortmund reinreden wollen? Dort wird seit Jahren ein unglaublich starkes Grossmeisterturnier geboten und, da bin ich ehrlich, das ist mir lieber mit Carlsen, Kramnik und weiteren 2700+ern als angeregt mit deutschem Meister (Huschenbeth), einem Jugendspieler (bsp. Jorczick/Zelbel/Poetsch) und zwei weiteren Deutschen (Naiditsch und Gustafsson).
Vergleichen wir doch mal. Das letztjaehrige Teilnehmerfeld sah so aus: Kramnik, Mamedyarov, Ponomariov, Leko, Naiditsch und Le.Das ist einfach eine ganz andere Qualitaet, sorry. Da habe ich lieber das "alte" Dortmund, weil es einfach ein Event und richtig starkes Turnier ist. Das ist fuer mich interessanter, auch wenn man sich mit den einzelnen Spielern nicht so sehr identifizieren kann.

Cliff
18.02.2011 12:31

@ Die Schachklapse
Gerade deine Auflistung zu Dortmund zeigt doch den Gähnfaktor: Wer will denn wirklich Lekos Rumgeschiebe bis zum Remis sehen? Ich nicht. Und Kramnik ist doch wirklich kein Publikumsspieler ("Remis - am besten nach 20 Zügen - ist das natürliche - was ist beim Schach natürlich? - Ergebnis.").

ebitda
18.02.2011 15:14

Das Dortmunder Turnier ist eines der langweiligsten überhaupt. Jahrelang mußte man eine Serie von Kurzremis zwischen Anand, Kramnik und Leko ertragen und nur wenn frisches Blut wie Gus, LeQuam (?`) oder Bologan eingeladen wurden und etwas zeigten, gab es ein paar ansehnliche Partien.
Die Niederländer bewirken mit Wjik an Zee eine Stärkung der eigenen Spieler, in Dortmund wurde dies bis auf wenige Ausnahmejahre völlig und stäflichst vernachlässigt.
Die deutsche Meisterschaft sollte als Rundenturnier ausgetragen werden; eingeladen werden die Top 10 der Eloliste, dann sollte eine entsprechende Vermarktung möglich sein.

hanjie
18.02.2011 18:09

Nun, wenn man den deutschen Meister als einzigen deutschen Spieler in Dortmund einlädt und dies rechtzeitig ankündigt (!), dann würde sich für Dortmund nicht viel ändern, schließlich wären dann ja die starken deutschen Spieler auch am Start.
Vor Huschenbeth wären es dann (chronologisch rückwärts, Doppelsieger ausgelassen) die 10 Jahre zuvor folgende gewesen:
Arik Braun, Daniel Fridman, Arkadij Naiditsch, Thomas Luther, Artur Jussupow, Alexander Graf, Christopher Lutz, Robert Rabiega, Robert Hübner.
Nicht die schlechteste Aufstellung.

Und wie die Veranstalter aufstellen - nun ja - es gibt viele Faktoren, die dort mit hineinspielen, nicht zuletzt auch das Geld.
Ein 42er-Feld (inklusive B- und C-Gruppe) wie in Wijk ist weltweit einzigartig. Offen gesagt staune ich jedes Jahr von Neuem, wie sie es sich leisten können ...

Was den Attrraktivitätsfaktor angeht bedarf es m.E. keineswegs neuer Spieler, sondern einzig nur der Sofiaregel.
Denn wenn sie durchspielen müssen, zeigen sie plötzlich, was sie wirklich drauf haben. Da wird dann selbst ein T+3 Bauern gegen T+3 Bauern-Endspiel zum Krimi.

hanjie
18.02.2011 18:11

Achja, zu meiner Aufstellung: Die war, OBWOHL der Modus nicht wie gewünscht war.
Dortmund hätte also bereits jetzt nicht viel zu fürchten, wenn sie einer Koppelung an den DM-Titel zustimmen würden.

Thomas Oliver
18.02.2011 23:18

Mein Senf zu Dortmund: Ich stimme "Schachklapse" zu dass die Organisatoren einladen können wen sie wollen. Naiditsch hat wohl aus zwei Gründen einen Stammplatz:
- er ist seit Jahren der nominell beste Deutsche und bisher der Einzige der an 2700 kratzen oder schnuppern konnte
- er ist Dortmunder. (Jans Chancen wären wohl besser bei einem Topturnier in Hamburg?).
Wer Kramnik als Remisschieber bezeichnet hat wohl die letzten ca. 2 Jahre komplett verschlafen - auch wenn er kein Topalov ist der ausgeglichene Stellungen gerne endlos weiterspielt.
Leko - like it or not, er war jahrelang top10 Spieler, und das schafft man auch nicht (nur) mit Kurzremisen. (Dieses Jahr ist er wohl nicht dabei, genau wie van Wely hat er ein sabbatical).
Den Aeroflot-Sieger einzuladen verdient 100% Beifall, unabhängig davon dass sich vielleicht mal der "Verkehrte" qualifiziert (2009 "Langweiler" Bacrot statt Bologan, Le oder Nepomniachtchi).
Zu Ponomariov gab es letztes Jahr im Vorfeld auch skeptische bis hämische Kommentare, und dann hat er das Ding gewonnen.

Mein Kommentar