Jans Kolumne

The talented Dr. Levon

Levon Aronian hatte in der Eröffnung genug Grund zu grübeln

Nicht viel ist passiert in der ersten Runde des Tal-Memorials. Lediglich vier der fünf gespielten Partien fanden einen Sieger, der Rest waren langweilige Remisen.

Das Highlight des Tages war die Partie zwischen den beiden Turnierfavoriten Aronian und Kramnik. Nach dem heutigen Tag gelobe ich, erstgenannten nie wieder "patzerle" zu nennen, sondern nur noch Dr. Levon! Es hätte aber auch anders kommen können, denn zunächst stand er gegen eine Riesenvorbereitung von Kramnik mit dem Rücken zur Wand:

 

Aronian (2801) - Kramnik (2791)

1.d4 Sf6 2.c4 e6 Beide Seiten bleiben ihren Haupwaffen treu. Trotz gelegentlicher Ausflüge zu 1.c4 ist Levon von Haus aus ein d4 Spieler, und Kramnik hat darauf in letzter Zeit meist auf Nimzoindisch/Damengambit/ Katalanisch gesetzt, sprich mit Sf6 und e6 angefangen 3.Sc3 Kein Katalanisch also diesmal gegen den führenden Experten dieser Eröffnung 3...Lb4 Nimzoindisch? 4.Sf3 vielleicht eine kleine Überraschung, zuletzt bevorzugte der neueste 2800er eher 4.e3 4...d5 und schon sind wir in der nächsten Eröffnung. Bin nicht sicher wie diese heisst, Ragozin? Sie ist jedenfalls ein jüngerer Gast in Kramniks Repertoire 5.cxd5 exd5 6.Lg5 die prinzipiellste Fortsetzung 6...h6 7.Lh4 dito, Lxf6 in der Hoffnung auf einen Minivorteil ist nicht nach Levons Geschmack, er wills wissen! 7...c5 8.dxc5 in dieser Stellung ein selten gespielter Zug, und ich vermute, nach dieser Partie wird das auch so bleiben [8.e3 ist der Hauptzug, wonach zuletzt dank der Bemühungen Morozevichs und Eljanovs 8...c4 wieder in Mode gekommen ist] 8...Sbd7 weicht von seiner eigenen Partie gegen Ponomariov ab, in der [8...0-0 9.e3 g5 10.Lg3 Se4 mit Komplikationen, geschah] 9.Tc1 [9.e3 Da5 10.Sd2!?] 9...Da5 10.a3 das folgende Qualitätsopfer ist wohlbekannt, aber in einer etwas anderen Version [10.Dd4!?] 10...Lxc3+ 11.Txc3 Se4 12.b4! Sxc3 13.Da1 die Idee. Weiss opfert die Qualität, erhält dafür aber einen Bauern und riesige positionelle Kompensation. Wenn beide Seiten ihre Entwicklung abschliessen könnten, wäre die schwarze Lage fast hoffnungslos. Trotz nominellen Materialvorteils steht er also in der Pflicht, schnell etwas zu unternehmen 13...Da4 Kramniks Neuerung. Interessant ist auch [13...Da6 14.Dxc3 Dg6! 15.e3 Db1+ unklar, so geschehen in der Partie Delchev-Palac bei der Schacholympiade] 14.Dxc3 0-0 15.e3

Stellung nach 15.e3

Ungefähr hier begann ich, die Liveübertragung zu verfolgen, und war sehr erstaunt, aus zwei Gründen: Erstens meinte ich die Diagrammstellung zu kennen und war überzeugt, dass diese seit einiger Zeit als völlig unspielbar für Schwarz gilt, warum macht Kramnik das? Zweitens verstand ich nicht, warum es dazu keine Partien in meiner Datenbank gibt, hat nicht Topalov schon so gegen Carlsen gewonnen? Dann begriff ich den Unterschied: h6 Lh4 is eingeschaltet, das gesagte gilt für die Stellung ohne h6 und mit Läufer auf g5. Kleine Ursache, große Wirkung, wie Kramnik sogleich demonstrieren wird, tatsächlich scheint in dieser Form alles ok für Schwarz zu sein! 15...a5! Wie gesagt, schnelles Handeln ist ein Muss 16.b5 erzwungen, auf eine offene a-Linie nach axb4 kann sich der unterentwickelte Weisse nicht einlassen 16...Sxc5! s.o., Action so schnell wie möglich! 17.Dxc5 Lf5! Kramnik zeigt einmal mehr die Tiefe seiner Vorbereitung. Computer können sich mit seinem Konzept nur langsam anfreunden, aber je mehr sie grübeln, desto klarer wird ihnen die Stärke der schwarzen Initiative 18.Dd4? ein überraschter Levon reagiert menschlich und geht auf Kosten eines Bauern mit Tempo aus der c-Linie . Aber dies hätte schon ein vorentscheidender Fehler sein können! Kritisch scheint [18.Dc3 Tac8 19.Da1 Lg4! und erst hier zeigt sich die Bedeutung der kleinen Züge h6 und Lh4 : Die Dame bedroht von a4 aus per Röntgenblick den weissen Läufer. Mit diesem auf g5 stünde WEiss nach einfach Le2 nebst Rochade klar besser, hier hat er diese Zeit nicht 20.Lg3 Lxf3 21.gxf3 d4! und ich bin sicher, in dieser Stellung geht Kramniks Analyse erst los. Schwarz sollte ok sein.] 18...Dxa3 19.Le2 Db4+! liegt auf den ersten Blick nicht sehr nahe, Damentausch ist im Sinne des Anziehenden. Aber die geöffnete a-Linie und der entstehende Freibauer auf b4 überkompensieren dieses, es ist Weiss, der hier ums Überleben kämpft! 20.Dxb4 [20.Dd2 Tfc8 21.0-0 Dxd2 22.Sxd2 Tc2 23.Td1 a4] 20...axb4 so komisch es klingt, ich kann hier schon keine klare Rettung für Weiss mehr finden. Mir bleibt es, mal wieder den Hut zu ziehen vor Kramniks Wahnsinnsvorbereitung! 21.Sd4 [21.Ld1 Ta1 sollte zur Partie führen;
21.0-0 Tfc8 22.Sd4 Lc2] 21...Ta1+ 22.Ld1 

Stellung nach 22.Ld1

Lh7? zu langsam, danach ist Levon wieder im Spiel! Brutal stark war [22...Tfa8! mit der Absicht Txd1 nebst Ta1+ 23.0-0 (23.Sxf5 b3!) 23...Ld3! mit Tempo! 24.Te1 Tb1! und Weiss ist verloren, gegen Taa1, Tc8-Tc1 kombiniert mit dem Vormarsch des b-Bauern ist nichts zu erfinden, z.B. 25.f3 Tc8! 26.Le2 Txe1+ 27.Lxe1 Lxe2 28.Sxe2 b3 29.Lc3 Tc5 30.Kf2 Txb5 31.Lb2 Tc5 und der Turm ist zu stark für die zwei Leichtfiguren] 23.Sb3 Tb1 24.Sd2 Tb2 noch immer ist Schwarz ok, aber Weiss spielt wieder mit 25.Lg3! en route nach e5 25...Tc8 26.Le5 Ta2 27.Sb3 Levon bleibt mit einzigen Zügen in der Partie, gut steht er aber nach wie vor nicht 27...Lc2! räumt Einbruchsfelder für die Türme 28.Lxc2 Tcxc2 29.0-0 f6 30.Ld4 Ta3 31.Sa1! das genaue Spiel des Weissen hat Kramniks Initiative weitgehend neutralisiert, die Lage scheint mir nunmehr etwa ausgeglichen 31...Td2 [31...b3!? schwer zu glauben, aber es geht! 32.Sxc2 bxc2 33.Lb2! sonst Tb3-Tb1 33...Tb3 34.Lc1 Txb5 35.Te1 Tb1 36.Kf1 b5 37.Ke2 b4 38.Kd2 b3 39.La3 b2 40.Lxb2 Txb2 41.Tc1 mit friedlichem Ende] 32.h3 Tad3 33.Kh2 Ta3 ab hier beginnt die Parte dem Schwarzen langsam zu entgleiten, Zeitnot? [33...Kf7;
33...h5] 34.b6 h5 [34...Kf7!?] 35.Tb1 der schwarze Freibauer ist unter Kontrolle,und vergessen wir nicht, dass Weiss mehr Figuren hat, sobald diese ins Spiel kommen wird es brenzlig. Das Gleichgewicht sollte aber noch nicht ersthaft gestört sein 35...Txf2 36.Sb3 Taa2 37.Tg1 Kh7 [37...h4 liegt nahe. Die Stellung bleibt wahnsinnig kompliziert. Für eine tiefere Analyse fehlt mir Zeit und Schachverständnis, ich kann nur darauf verweisen, dass Mr. Comp auf 0.00 besteht] 38.Sc5 

Stellung nach 38.Sc5

Tfd2?? aus heiterem Himmel der entscheidende Fehler, danach mahlt Dr. Levon zuerst. Der andere Turm musste nach d2! Der Unterschied besteht darin, dass ein auf b2 auftauchender schwarzer Bauer dann die Verbindung der Türme nicht unterbricht, so dass diese weiter freien Blick auf g2 hätten, man sehe: [38...Tad2! 39.Sxb7 b3 40.Sc5 b2 und hier wäre Tb1 wegen Txg2 keine gute Idee, stattdessen sollte Weiss mit 41.Lxb2 Txb2 42.Sd3 den Remishafen ansteuern] 39.Sxb7 jetzt läuft alles wie am Schnürchen 39...b3 40.Sc5 b2 41.Tb1 ein apruptes Ende einer spannenden Partie. Riesig mal wieder Kramniks Eröffnungsbehandlung, die er mit 22... Tfa8! zum krönenden Abschluss führen konnte. Levon zeigte seine Klasse, indem er die immer noch schwierige Stellung nach Lh7 mit einer Serie präziser Züge zusammenhielt, die Spannung blieb hoch, und Kramnik unterlief mit 38...Tfd2 ein fataler Fauxpas. Bitter für ihn, der dem Sieg so nahe war. Traumstart für Levon, seinen vermeintlich stärksten Widersacher im Turnier geschlagen, und dann noch so... 1-0

Zum Nachspielen gibt das ganze samt Kommentaren noch einmal hier. Eine kurze Frage: Welche Form bevorzugt ihr, im Text mit Diagrammen, oder unter Partieanalysen zum Nachspielen? Ich find letzteres cooler, kann mich aber nicht recht entscheiden, beides ist langfristig n bisschen Overkill Oh, noch ne Frage! Tagcloud (das Ding zu meinen Füßen) oder keine Tagcloud? Ich benutz sowas eigentlich nie, aber immerhin dreht es sich lustig...

Mein Siegertipp hat sich also schon einmal gut in Position gebracht, nicht auf meine Vorhersagen hören wollte dagegen Karjakin: Er scheint beschlossen haben, aller Unkenrufe zum Trotz weiter jede Weisspartie zu gewinnen, heute erwischte es gar Gelfand und dessen Russisch. Auch Grischuk stellte seine Extraklasse unter Beweis und konnte mit den weissen Steinen Eljanov niederringen. Für Shirov lief der Start dagegen wie befürchtet wacklig, er verlor as Anziehender gegen Wang Hao, den er kürzlich in Shanghai noch zweimal bezwingen konnte. Remis endete die Partie zwischen Mamedyarov und Nakamura, wobei Nakamura mit der Lasker-Variante auf den Spuren Anands wandelte und nie ernsthaft in Gefahr schien. 

Für die größten Schlagzeilen sorgte gestern aber einer, der noch nicht in Moskau ist, sich aber genau wie Svidler zu den Turnierteilnehmern gesellen wird, um im Anschluss daran den Blitzweltmeister zu ermitteln.

Carlsen verlässt WM-Zyklus!

In einem offenen Brief informiert Magnus Carlsen die FIDE und die Schachwelt, dass er nicht an den für März-Mai 2011 geplanten Kandidatenmatches teilnehmen wird und nutzt die Gelegenheit, ein paar Vorschläge für zukünftige Zyklen zu machen: Keine Privilegien mehr für den Weltmeister und am besten ein Turnier statt Matches.

Über die Hintergünde und Intentionen bin ich nicht im Bilde. Natürlich ist es Magnus gutes Recht, zu spielen was er will und das zu tun, was er für seine Karriere als am Förderlichsten erachtet. Als Schachfan bin ich enttäuscht, ich hatte mich sehr auf die Kandidatenwettkämpfe mit den potentiellen Aufeinandertreffen Aronian-Carlsen und Kramnik-Carlsen gefreut. Dazu gab es zwischenzeitlich mal Hoffnung, dass dieser ewig währende Zyklus nun zu einem guten Ende kommt, unter Teilnahme aller weltbesten Spieler. Mal sehen, wie es weitergeht, ich bin gespannt!

 

"The Inbetweeners" haben zwar absolut nichts mit diesem Beitrag zu tun, sind aber mein Serientipp des Tages. Selten so gelacht!
29 Kommentare
Bartkauz
06.11.2010 07:34

Du hättest die Stellung nach 15.e3 auch kennen können, wenn dir die Rapid-Partie Lahno-Kosintseva,T (Cap d'Agde 23.10.2010) aufgefallen wäre. :)
Insofern hat Tatiana K. die Neuerung zuerst gezeigt, auch wenn dort die Zugfolge 13.Db3 Da4 war.

hanjie
06.11.2010 08:35

Zur Frage "wie die Analysen präsentieren": Mir gefällt die Mischung. :)

Also: Komplette Partien "drüben" zum Nachspielen, kleine Partiefragmente ausgewählter Partien dann hier. Also wie zumeist bisher hier ja auch war.

Ein großes Lob in diesem Zusammenhang auch an die Programmierer der Seite: Der Effekt, dass das Brett mit runterrutscht, wenn man nach unten scrollt, ist extrem cool! Ich kann mich nicht erinnern, Selbiges irgendwo anders schon einmal gesehen zu haben.

Patzerle
06.11.2010 09:49

hab gerade keine engine zur Hand zum cheaten, aber ich sehe keine Verteidigung nach 38... Tad2 39.h4! mit der Idee den König über h3 zu evakuieren. Das Schlagen auf b7 läuft nicht weg.
Wenn Schwarz sich hier retten kann, dann ist es alles andere als trivial.
Ich glaube zudem, dass Dr Levon in der Liveanalyse sagte, dass er nach 36.Sb3 auf Gewinn steht.

[keep going Jan, großartige Seite!]

Dr. Webmaster
06.11.2010 10:46

Eine Tagwolke benutzt kein Mensch, aber, wie schon gesat, sie ist cool. Sie bleibt also drin!

Partieanalyse im Beitrag oder seperat? Im Beitrag natürlich und dazu muss das Fenster aus seinem 200 Pixel Breit-Rahmen raus und viel breiter werden. Sonst wird das nichts.

Grüße,
Prof. Dr. Webmaster

Dr. Webmaster
06.11.2010 10:49

Achso, und natürlich viel Lob für die schönen Blogeinträge! Sehr gut!

Mal schauen wie lange du noch durchhälts (ich tippe mal auf ca. 1-2 Monate). Mig hat immerhin 5 Jahre duchgehalten, aber damit eben auch Geld verdient. Ohne Geldeinnahmen hält sowas meist nur wenige Wochen. Aber viel kann Mig ja nicht verdien thaben, denn jetzt scheint er ja nur noch wenig Lust zu haben ("keine Zeit" neudeutsch) ^^

Nic
06.11.2010 12:35

Die Partieanalyseversion mit dem mitwandernden Brett ist der Knaller! Das kann ich auch schön mit nem fetten Kater von gestern verfolgen.
Die Seite ist sowieso Spitze, mir wird als Hobbypatzer das Denken und Leben eines "richtigen" Schachspielers nahe gebracht. Außer weiter so kann man keine anderen Ratschläge geben, habe immerhin so gut wie alle Beiträge auf der Seite verfolgt, vom spanischen Mr big belly zum danish dynamite alles sehr lesenswert. Hoffe, wie weiter oben angesprochen, dass sich dieses Projekt auch monetär lohnt. ZB die erweiterte Bekanntheit bzw die Darlegung der überaus wertvollen Arbeitsproben als neue Jobquelle. Als Kommentator, wie letztes Jahr in Dortmund, wars ein verständlicher und lehrreicher Genuß. Wenn ich Kohle hätte und was zu sagen, stände Jan immer an höchster Stelle.
Ich hoffe, dass es bald deutsche Meisterschaften im Rundenformat gibt, mit den Top Ten und 1-2 Qualifikanten. Das wäre ein erster Schritt um Schach in Deutschland aufzuwerten (echt Schade das beim Gehirnsport Schach nur so "Kappen" das Sagen haben).

Grüße
Nic

deathdefier
06.11.2010 13:17

Also ich finde es besser kommentierte Partien bei den "Partieanalysen" zu zeigen.

Sune Berg Hansen
06.11.2010 13:59

This site just keeps getting better! This is clearly the future of chess journalism - keep it up!

Stefan64
06.11.2010 15:22

Also ich finde Nachspielen kommentierter Partien auf webseiten (auch bei chessbase) generell muehsam., aber das Ueberfliegen von Texten/Diagramm immerhin machbar und bei dann bei Interesse DOWNLOAD und nachspielen mit cb/Fritz... Aber das scheint hier bisher nicht zu gehen ...?!

Thomas Oliver
06.11.2010 17:44

@Patzerle: Ist es nach 38.-Tad2 39.h4!? nicht auch zumindest Dauerschach für Schwarz? Der weisse König kann ja bis f4 flüchten aber nicht weiter (e4, e5, g5).

@Jan: Danke für die Partieanalyse und vor allem für den Hinweis auf Topalov-Carlsen. Ich hatte bei der Liveübertragung auch ein komisches deja vu Gefühl, begann aber zu zweifeln weil das sonst niemand erwähnte und ich die Partie auch selbst nicht finden konnte. Irgendwie wusste ich noch dass Topalov und/oder Carlsen beteiligt waren habe aber nicht weit genug zurück gesucht - glaubte nicht dass ich mich an super-GM Partien von vor 3 1/2 Jahren noch konkret erinnern kann!

Selbst bevorzuge ich Partien zum Nachspielen am Bildschirm, aber zumindest hier wäre EIN Diagramm im Artikel auch nett - das erste oder das dritte?

project_chaos
06.11.2010 17:50

Ist das auf dem Bild nicht Chucky?!!!?!?!

Halma
06.11.2010 19:07

"33.Kh2 Ta3 ab hier beginnt die Parte dem Schwarzen langsam zu entgleiten, Zeitnot?"

Nö, keine Zeitnot; es war gerade Aronjan, dessen Zeit knapp wurde. Kramnik hatte ja in der Eröffnung nicht viel Zeit verbraucht, weil er so gut vorbereitet war.

Aronjan hat eben spielerisch sehr viel drauf, das erkennt man auch an seinen Weltmeistertiteln im Fischerschach (siehe z. B. http://de.wikipedia.org/wiki/Weltmeister_im_Chess960), dem Schach ohne Eröffnungsvorbereitung.

Peter B.
07.11.2010 11:37

Die Tagcloud finde zwar optisch hübsch (rotiert sehr schön), aber nutzen tu ich sie auch nicht. Die bisherige Aufteilung (Beitrag mit Diagrammen) und Aufbereitung mit wandernden Diagramm ist sehr komfortabel. Ich würde allerdings in der Kolumne etwas kürzen, sprich nicht die gesamte Partie in der Analyse zeigen sondern nur die entscheidenden Momente. Vielleicht ist dann Platz für mehrere Partiefragmente.

Im übrigen stimme ich project_chaos zu. Das Bild kann nicht von Aronian stammen

Halma
07.11.2010 13:06

Bezüglich des Bildes:

Leute, schaut euch einfach einmal das OHR genau an und vergleicht mit diesen beiden Bildern:

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:VassilyIvanchuk10.jpg

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Aronian_Sarkissjan_2008_Dresden.jpg

project_chaos
07.11.2010 13:57

Stimmt, und die brille sieht man auch.

die ähnlichkeit ist aber sehr gross, besonders da chucky auch gern so nachdenkt.

hier ein paar links mit bildern von chucky, in der selben position.

http://www.chessvibes.com/reports/ivanchuk-wins-in-benidorm/

http://susanpolgar.blogspot.com/2009/01/ivanchuk-defeats-tournament-leader.html

http://www.chess.com/news/corus-2009-preview-4589

http://www.chessbase.de/nachrichten.asp?newsid=9322

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:GM_Vassily_Ivanchuk.jpg

Woodpusher
07.11.2010 14:10

zu "patzerle":
Hat sich Aronjan seinen schwäbisch klingenden Spitznamen einst bei eurer gemeinsamen Teilnahme am Neckar-Open 2003 erworben?

zu "Carlsen verlässt den WM-Zyklus":
Jammerschade, ich hatte mich wie sicher viele andere auch schon auf spannende Kandidatenwettkämpfe gefreut. Irgendwie kann ich die Argumentation Carlsens nicht in allen Punkten nachvollziehen. Wenn man über ein geeignetes WM-Format, egal in welcher Sportart, nachdenkt, so sollten dabei folgende Faktoren Berücksichtigung finden: 1. Das Format sollte möglichst dazu führen, dass am Ende der stärkste Spieler gewinnt. 2. Das Format sollte für Zuschauer und damit auch für Sponsoren attraktiv sein. 3. Das Format sollte in der Sportart eine gewisse Tradition besitzen. Über den letzten Punkt kann man sicher streiten, über die ersten beiden denke ich nicht. Der 1. Punkt sollte eine Rückkehr zu einem KO-Turnier wie von der FIDE 1997 bis 2004 praktiziert für immer ausschließen. Ein doppelrundiges Rundenturnier der besten Sechs oder Acht wäre für Sponsoren und Zuschauer kaum ähnlich attraktiv wie ein Zweikampf zwischen WM und Herausforderer. Gerade jetzt hatte Iljumschinow doch signalisiert, dem Drängen Karpows nach wieder etwas längeren WM-Kämpfen (14 oder 16 Partien) nachzugeben. Die von Carlsen kritisierten WM-Kämpfe zwischen einem WM und seinem durch Kandidatenturniere ermittelten Herausforderer führten doch dazu, dass die jeweils stärksten Spieler auch den WM-Titel innehatten (Übertrieben Privilegierung des Titelinhabers wie Rückkampfrecht unter Botwinnik ausgenommen). Dass Carlsen sich aber jetzt über das Privileg des WM erst imFinale gegen seinen Herausforderer kämpfen zu müssen beklagt? Zu viel Einsatz als Model oder Lücken im Eröffnungs-Repertoire (die könnte doch Kasparow sicher noch helfen zu beheben, wann kam von ihm eigentlich zuletzt mal ein Neuerung wie Kramnik und Aronjan sie bringen). Jedenfalls habe ich von einer zwanzigjährigen Nr. 1 der Weltrangliste mehr erwartet, als ein Kneifen vor den Qualifikationswettkämpfen zur Schach-WM.

Gleipdonir
07.11.2010 16:14

Hallo Jan,

zuerst einmal Danke für die tolle Seite, die du da auf die beine gestellt hast :).

Zu der Frage "Diegramme im text oder Partieanalyse" finde ich persönlich die Partieanalyse viel einfacher zu Lesen und zu Verstehen.

Ich, als zugegeben schwacher Spieler, tue mir so wesentlich einfacher die Züge zu verstehen..außerdem sieht das runterscrollende Brett cool aus ;).

Desweiteren Danke ich dir für die einfache und dennoch auf den springenden Punkt eingehende Art, mit der du die Partie analysen führst.
Mir z.B. war nicht klar, warum Tfd2 ein Fehler ist, und Taf2 nicht.
Auf allen anderen Seiten steht nur "großer Fehler", "grober Patzer" etc... aber nicht das hinterfragende "warum eigentlich?"

Auch wenn es für stärkere Spieler natürlich sonnenklar sein mag... für schwächere ist es leider nicht der Fall ;)

In diesem Sinne: weiter so :).

-Grüße

andragog
07.11.2010 17:49

Auch ich finde diese Seite sehr interessant. Und mit den Geld- und Werbeeinnahmen ist es natürlich auch so eine Sache. Leider bekomme ich auf meine Anfrage von Jan kein Antwort...

Jakob
07.11.2010 19:26

Auf jeden Fall die zweite Variante mit mitlaufendem Brett. Sonst fällt das Verfolgen schwer. Sonst muss ich erst ein Brett aufmachen und die Züge mitspielen- zu stressig und anstrengend!

hanjie
07.11.2010 23:37

Zu der Carlsen-Angelegenheit:

Ich finde seine Begründung (vor allem jene im Kurzinterview auf der Chessbase-Seite) eigentlich ganz plausibel: Er hat sich entschieden, was FÜR IHN am besten ist.

Da der Zyklus sehr lange dauert, wäre er sehr lange mit der WM-Qualifikation beschäftigt.
Sicher, er würde dort kolossal viel lernen, aber muss man sich den Stress mit knapp 20 bereits antun ...? Jüngster Weltmeister wird er in diesem Modus eh nicht, und er weiß selbst, dass er noch viel an seinem Schach arbeiten muss, um der beste Spieler der Welt zu werden.

Insofern hält er sich jetzt, da er eh noch zu schlecht ist, um Weltmeister zu werden, einfach mal gepflegt 'raus. Nächstes Mal, wenn der nächste Zyklus startet, wird er vermutlich noch deutlich stärker sein und dann mit (ebenso vermutlich) ungleich weniger Energie die Hürden auf dem Weg zum WM-Kampf weghauen.
Logisch, dass er jetzt noch nicht will. Bringt ihm nix.
Noch nicht.

Ich finde es auch schade. Carlsen gegen die Top 4 in einem Match? Das wäre der mediale Overkill und wären sauspannende Partien! Ich glaube, da würde ich mir für die Liveübertragungen prompt Urlaub nehmen ;)

Aber hey - er ist jung.
Wir werden recht sicher noch so einige WM-Kämpfe mit ihm erleben. ;)

Bertil
08.11.2010 01:44

Ich bevorzuge "Partieanalysen zum Nachspielen"

Tagclouds sind mir relativ egal

Gerhard
08.11.2010 18:41

Ich finde, daß die Partieanalysen in den Text gehören und nicht in den Nachspielmodus.
Ich drucke eben gerne solche Analysen aus, da hat man was in der Hand.
Und wenn man nicht genügend Zeit hat, dann verweisen die "gedruckten" Kommentare aufs Wesentliche - und dafür kann man dankbar sein.

Danke, Jan!

Gerhard
09.11.2010 09:10

Zu Carlsens Rückzug:
Vielleicht ist auch so etwas wie ein WM-Kampf überflüssig geworden. Der Begriff scheint erodiert zu sein.

Da es zur Zeit etwa 5 gleichwertige Spieler an der Spitze gibt und diese alle regelmässig hochklassiges Material abliefern, erfreuen wir uns lieber an den Duellen dieser Spieler untereinander.
Der Begriff des Weltmeisters hat, wie gesagt, in meinen Augen seinen Wert verloren.

Oliver
09.11.2010 09:40

@ Jan:
Ich halte es für sinnvoll, die Analysen mit Nachspielmöglichkeit einzuarbeiten. Leider kann man sonst, so man nicht ein Rating >Hobbyvereinspieler besitzt, nur sehr schwer Deinen nicht eben oberflächlichen Ausführungen folgen. Optimal aus meiner Sicht ist ohnehin das Nachspielen mit echten Figuren aus Holz am Brett, da man dann das Spiel im wahrsten Sinne des Wortes eher "begreift".
Ansonsten reihe ich mich hier ohne zu zögern in die Reihe derer ein, die höchstes Lob über dieser Seite ausschütten. Nach dem Ende des Schachzoos haben wir nicht nur einen würdigen Nachfolger gefunden, ich finde, dass diese Seite ein ganzes Stück besser ist. Vielleicht könntest Du ja noch öfter zu dem einen oder anderen Kommentar Stellung nehmen, aber der Mensch kann sich nunmal nicht teilen und ist sowohl zeitlich als auch räumlich limitiert :-)

@ Gerhard:
Du hast ohne Frage Recht, wenn Du bemerkst, dass es momentan etwa 5 gleichwertige Spieler gibt (wobei ich mich nicht auf die "5" festlegen möchte). Allerdings impliziert dies nicht die "Nichtnotwendigkeit" einer WM. Auch in anderen Sportarten gibt es eine reihe annähernd gleichstarker Sportler/Teams, und in fast jeder Sportart ist sie DAS Highlight. Der Sport lebt vom Wettbewerb, und die WM ist seine ultimative Ausprägung.

Gerhard
09.11.2010 13:39

Oliver, wenn schon unbedingt eine WM, dann bitte mit 24 Partien wie 1972.
Aber zum Thema WM an sich: Einige WM's gingen so knapp aus (oder unentschieden), daß man in diesen Fällen nicht von einem "überlegenen Sieger" sprechen kann. Der Sieger geht in die Geschichte ein, der Verlierer nicht.
Ich erinnere - in diesem Zusammenhang -an die WM im Skilanglauf von 1980, wo Juha Mieto auf 15 km um eine Hunderstel verlor.
Im Tennis gibt es im übrigen m.E. keine WM, sondern Major-Turniere wie Paris und Wimbledon - und das genügt.

Peter B.
09.11.2010 14:52

Im Tennis gibt es durchaus Weltnmeisterschaften, die bis 1989 «Masters» und von 1990 bis 1999 «ATP-WM» hießen und seit 2000 unter dem Namen «Tennis Masters Cup» und seit 2009 als ATP World Tour Finals ausgespielt werden. Ein gewisser Herr Dawydenko hat den letzten Titel geholt.

Trotzdem sind die jeweiligen Kandidatenwettkämpfe zur Ermittlung des Herausforderers des Weltmeisters immer ein Höhepunkt und ein WM sollte m.E. immer im Zweikampf ermittelt. 24 find ich zu lang, 12 + "Tie-Break" bei Gleichstand mit verkürzter Bedenkzeit wäre für die Spannung optimal

Gerhard
09.11.2010 17:47

Peter, ok, über das Format kann man durchaus streiten. Was ich zum Ausdruck bringen wollte, ist, daß es zur Zeit eine ganze Reihe hervorragender Spieler gibt und daß ich froh bin, daß es sie gibt und daß ich für mich keinen Weltmeister brauche, denn den "besten" gibt es eh nicht. Jeder hat seine Stärken...

Was anderes interessiert mich jetzt doch und da bitte ich Jan um eine Stellungsnahme:
Auf Chessintranslations erklärte Kramnik, daß er von 2 Gewinnvarianten, die er schon vorher kannte, einen Mix aus diesen Varianten aufs Brett legte und dann ganz verdutzt war, wieso er eine solche Zugfolge gewählt hatte, wo er es doch ganz klar besser wusste.
Jan, wie kann so etwas geschehen?
Das ist etwas ganz Mysteriöses.
Vielleicht hat auch jemand anderes eine Idee dazu?!
Auf jeden Fall im Bereich des absoluten Spitzenscahchs erklärungsbedürftig.

Jan
10.11.2010 15:45

@ all: Alles klar, es scheint eine Mehrheit für das Einbauen unter Partieanalysen zu geben, wird ab jetzt so gemacht. Fragmente gibts nach wie vor im Text.

Ja, das auf dem Bild ist wirklich Levon

@Gerhard: Was Kramnik passiert ist, passiert leider andauernd, ich nenne es "gefährliches Halbwissen". Man erinnert sich an einzelne Züge und Einschätzungen aus der Analyse, aber nicht an die konkrete Zugfolge und macht dann irgendwelchen Quatsch, anstatt sich hinzusetzen und die Stellung zu berechnen. Manchmal ist nichts zu wissen besser, andererseits wäre er dann wohl kaum bis zu dieser Situation gekommen...

Gerhard
10.11.2010 22:56

Ja, danke, Jan.
Mehr lässt es sich wohl auch nicht aufbröseln.

Vielleicht (oder sicher) ist in unserer Zeit ein Ungewicht entstanden zwischen Spielfertigkeit und Varianten(un)wissen. Wenn man SOVIEL wissen, memorieren muß, dann weicht unser heutiges Schach doch sehr vom gestrigen ab.

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