Jans Kolumne

Tag 2.5

Hmmm

Jaja, technisch gesehen ist nicht mehr so richtig der 3. Hab pünktlich  angefangen zu schreiben, wurde dann aber von der wichtigen Frage aufgehalten, ob das X-Men Prequel inhaltlich mit den ersten drei X-Men Filmen konform geht.

Nach ausführlichem Videostudium kann ich sagen: Yo, passt einigermaßen. Ok, Charles Xavier scheint mir nicht wirklich 17 zu sein, als er Eric Lehnsher kennenlernt und die beiden sehen beim Rekrutieren von Jean Grey auch nicht mehr so taufrisch aus wie im neuen Film, obwohl das ja wohl zur gleichen Zeit gewesen sein muss, aber im Großen und Ganzen isses ok. Ich fand X-Men: Erste Entscheidung war n guter Film, Action nicht so toll, aber dramamäßig funktionierts. Nicht leicht das Mutantenleben! Bin auch immer noch nicht überzeugt, ob Magneto wirklich böse ist. So, Über-Nerd-Modus aus.

Und sonst so? Vladimir Klitschko hat gegen Haye gewonnen, Catenaccio-Style wie üblich. Soweit ich weiß, sind die Klitschkos immer noch Mitglieder im Hamburger Schachklub, hab sie da allerdings noch nie gesehen. Was aber auch daran liegen könnte, dass ich eher selten da bin.

Hatte heute ein Fotoshooting für Prinz, es ging darum das angesagte (?) Sommerspiel Kubb, auch bekannt als Wikinger-Schach, von einem führenden Wikinger-Experten wie mir testen zu lassen.

 

Shooting vom Shooting

Die Session war nett, aber das Spiel, naja. Um mit Stöcken zu schmeissen, scheint mir die Anschaffung eines Hundes deutlich sinnvoller, der bringt den wenigstens zurück. Die Gemeinsamkeit zum Schach liegt  darin , dass hier wie da ein König verwendet wird, den man am Ende umhauen muss. Muss allerdings gestehen, dass ich in die strategischen Feinheiten nicht so eingedrungen bin.

World Open

Ok, mir geht das Fillermaterial aus, also zum Schach. In Philadelphia läuft das World Open, Kamsky, Adams, van Wely etc. spielen mit, nicht so schlecht besetzt. Ich war letztes Jahr am Start, aber die Erfahrung Ami-Open war doch sehr gewöhnungsbedürftigt. Eigenes Brett und Uhr mitbringen geht ja noch. Aber ne Uhr, mit der man den komischen "5-second delay" Modus einstellen kann, nach dem gespielt werden soll, hat echt kein Mensch. Also wird die Bedenkzeit vor jeder Partie mit dem Gegner ausgehandelt.

Das Problem ist nur, dass jederzeit der Wechsel auf die offizielle Bedenkzeit beim Schiedsrichter beantragt werden kann. Nachdem ich einen Gegner also professionell so gut wie über die Zeit gehoben hatte (wir hatten abgemacht, ohne increment zu spielen), rief dieser den Schiri, forderte seine 5 sec delay (heißt, es dauert 5 Sekunden, bis die Uhr anfängt zu laufen), und ich musste plötzlich von Plan B auf Schachspielen wechseln :(


Auch sonst, Doppelrunden, Paarungen werden eine Minute vor Partiebeginn veröffentlicht, damit sich auch ja keiner vorbereiten kann, Spieler mit Kopfhörern, wohin man schaut, alles nicht so meins. Wenigstens wird diesmal wieder in Philly und nicht wie letztes Jahr in Valley Forge gespielt, wo Paco und ich jeden Abend eine 20 km Taxifahrt zum nächsten Walmart antreten mussten, um Nahrung zu suchen.

Ich liebe Amiland (naja, eigentlich nur New York), aber US-Schachturniere und ich werden wohl keine Freunde. Loek van Wely dagegen ist ein großer Fan, mir scheint, er spielt in seinem Sabbatjahr mehr Schach denn je. Heute gabs einen schönen Sieg gegen Ilja Smirin:

van Wely - Smirin, Stellung nach 34...Le7

Die Konturen eines schief gelaufenen Königsinders sind noch deutlich zu erkennen, Loek setzt in Lehrbuchmanier zum Durchbruch an: 35.a5! Ld8 fügt sich in sein Schicksal, nach dem kritischen 35...bxa5 folgt 36.b6! cxb6 37.Tc8+Ld8 38.Df2! De7 39.Dxb6 Tc7 40.Ta8 und Schwarz wird sich nicht halten können. 36.axb6 der Rest geht  leicht von der Hand cxb6 37.Tc8 Tc7 38.Df2! droht ein Zwischenmatt auf f8 und schielt nach b6 De7  39. Ta8 Td7 nix ging mehr 40. Dxb6 Dh4 und 1-0, ohne auf 41.De3 nebst Vormarsch des b-Bauern zu warten. 

Urlaub auf Yakovs Couch in NYC nach geschlagener Schlacht beim World Open 2010

Auf dem Foto sitzt zwischen Loek und mir die tschechische WIM Sona Pertlova, die tragischerweise im Mai dieses Jahres an Krebs gestorben ist. Sie war erst 23. Für ihre Kraft und ihren Optimismus im langen Kampf gegen die Krankheit habe ich sie wahnsinnig bewundert, um so unfairer ist es. 

Rest in peace, Sona!

 

14 Kommentare
Bardeleben
04.07.2011 08:53

Schöner Beitrag, trauriges Ende...
Ja, 2. Sh3 ist vermutlich die Hauptvariante der noch wenig erforschten Portugiesischen Partie. Weiß plant Sg5-Df3 mit gefährlicher Mattdrohung. Schwarz kämpft hier bereits ums Überleben.

RainPiper
04.07.2011 09:19

@Bardeleben: Da unterschätzt du das subtil-positionelle Potential der Portugiesischen Partie. Eine wichtige Variante geht: f3, Sf2, Sg4 mit starkem Druck auf e5!

Frosch
04.07.2011 09:22

Klasse Beitrag, hab mich am Beginn (Foto Schachbuch) schlapp gelacht; Bardeleben hat es sehr schön auf den Punkt gebracht.

Thomas Oliver
04.07.2011 09:30

Schon witzig dass King Loek keine Lust auf die holländische Meisterschaft hat und stattdessen in Amiland spielt. Gibt es da (Chancen auf) mehr Preisgeld, oder etwa hinterher noch ein nettes Pokerturnier??

Gerhard
04.07.2011 10:59

Danke für die sehr persönliche Note zum Schluß!

Tomtidom
04.07.2011 11:20

Mein erster Eindruck bei dem Buchcover war ja, das es sich um ein fake handeln muss. Amazon hat mich aber eines Besseren belehrt. :-(

Ein schöner Beitrag, Jan!

Jokim
04.07.2011 12:17

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Bardeleben
04.07.2011 13:39

@RainPiper: Sehr richtig, wobei diese von tiefem Positionsgefühl zeugende Eröffnungsführung hier natürlich auch direkt mit der Barnes-Eröffnung 1. f3! eingeleitet werden kann, der sicher auch ein Hauptteil des völlig zurecht hier beworbenen Standardwerks gewidmet ist.

Übrigens frage ich mich, ob die zwei aufeinanderfolgenden Beiträge ein Schnelligkeitsrekord in der Geschichte dieses Blogs waren - ich könnte mich jedenfalls daran gewöhnen.

RainPiper
04.07.2011 16:04

@Bardeleben: Stimmt, mit 1.f3 kann man die gefährliche Schwächung e4 vermeiden und in das gefürchtete Springer-Läufer-Fianchetto f3, g3, Sh3, Sf2, Lg2 einschwenken. Die einzige Chance für Schwarz besteht in einem Aufbau mit c6.

Und was die Frequenz von Jans Blog-Einträgen anbelangt: Ich habe beim Zurückblättern entdeckt, dass es auch schon mal zwei an einem Tag gab. Das ist schwer zu übertreffen.

mogelkatz
04.07.2011 17:26

Danke auch für die persönlichen und an Sona Pertlova erinnernden Worte!

Bei den NL-Meisterschaften tut sich Smeets weiterhin schwer. Heute verloren gegen Spoelman...Giri hat in einer hochdramatischen Partie dagegen wieder zugeschlagen. Der Junge hat echt was drauf...

Unglaublich
04.07.2011 19:01

Wer bitte, Giri? Ist das nicht das Talent aus der zweiten Reihe?... :)

[der übrigens vor ich glaube 1-2 Jahren von Kramnik namentlich ausdrücklich dem Kreis der Nachwuchsspieler zugerechnet wurde, von dem zukünftig viel zu erwarten ist]

hanjie
04.07.2011 22:25

Zweifellos wird der psychologischen Kriegsführung in dem angesprochenen Werk viel Raum eingeräumt werden.
So kann man sich den entscheidenden Vorteil in der Partie verschaffen, indem man nach 1.f3 e5 den Zug 2.g4 geschickt anzutäuschen, um den Bauern dann doch auf g3 plumpsen zu lassen.
Diese zweifellos überragende Technik lässt dann zwingenderweise keine andere Erwiderung seitens des Schwarzen 2...Dh4 zu. Der triumphierende Ausruf "Schachmatt!" seitens des Schwarzen wird dann kühl mit 3.gxh4 beantwortet und ein Sieg nach Punkten, äh: Mehrdame, eingefahren.

Waiter
05.07.2011 00:01

ich warte auf Tag 3 Jan... :)

Matweje2witsch
06.07.2011 14:00

@Bardeleben, RainPiper: Das witzige ist, dass die Stellung tatsächlich über die Portugiesische Eröffnung entstehen kann. Laut einem wohl ähnlich dubiosen Buch wie dem von Jan fotografierten ist da nämlich 1.e4 e5 2.Lb5 :)

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