Jans Kolumne

Supersmeets reloaded

Smeets in the house

Der Ernst des Lebens hat mich wieder. Heute hielt er Einzug in Person von Jan Smeets, der für ein paar Tage vorbeikommt, um Schach zu trainieren. Diese Sessions sind die verbreitetste Methode, wie Großmeister heutzutage am Schach arbeiten. Man hat einen Trainingspartner, einen weiteren Gegner gegen den inneren Schweinehund und im Idealfall werden ein paar Ideen ausgetauscht oder produziert, von denen beide etwas haben. 

Smeets ist mit der bisherigen Berichterstattung über seine Person auf dieser meiner Seite nicht zufrieden und nötigt mich, ihn den Lesern noch einmal anständig vorzustellen. Er ist 25, hat eine Elozahl von 2660 und ist amtierender holländischer Meister. Zwar läuft ihm Anish Giri gerade ein bisschen den Rang als große holländische Hoffnung ab, aber auch von Smeets ist laut eigener Aussage noch einiges zu erwarten. Sein nächstes Turnier ist die A-Gruppe in Wijk aan Zee. Bei seinem Debüt vor zwei Jahren hab ich ihm dort als Sekundant zur Seite gestanden, für 2011 bin ich immer noch hin-und hergerissen, ob ich mir diesen Knochenjob noch einmal antue oder selber in Gibraltar die Figuren anfasse.

Am heutigen Mittwoch ist Reisetag, viel schachlich haben wir noch nicht gearbeitet, immerhin konnte ich Smeets einige tiefsinnige Kommentare zu seinem Sieg am letzten Bundesliga-Wochenende gegen Vachier abringen:

 

Schnell hat das Chaos in meine sonst tadellos ordentliche Bleibe Einzug gehalten. Auf dem Bild versucht Smeets zu erschnüffeln, welches Essen er haben will

Was gibts sonst Neues? Ich war mal wieder im Kino. Und mal wieder war es nicht gerade ein Volltreffer.

Filmkritik "Stichtag"

"Stichtag" ist der neue Film von Hangover-Regisseur Todd Phillips. Obwohl ich Hangover nicht wie viele für die Neuerfindung des Comedy-Genres hielt, war der Film doch schweinelustig. Von Stichtag kann man dies leider nicht behaupten. Dabei ist die Besetzung durchaus vielversprechend: Robert Downey Junior ist nicht nur Ironman, sondern im Moment der Filmstar schlechthin, seit dem brillanten "Kiss Kiss Bang Bang" reiht er Hit an Hit. Zach Galifianakis ist durch Hangover bekannt geworden, ich bin ein großer Fan seiner früheren Arbeit, eine Kostprobe kommt später.

Die Handlung von Stichtag ist schnell erzählt: Gestresster Geschäftsmann (Downey Jr.) und ungeschicktes Kind im Manne (Galifianakis) treten wegen unglücklicher Umstände eine Autoreise quer durch die USA an, unterwegs geschehen ein paar von letzterem verschuldete Katastrophen. Inhaltlich errinnert das Ganze stark an die 80s Komödie "Ein Ticket für zwei". 

Leider funktioniert der Film für mich nicht. Für eine Buddy-Komödie ist die Gagdichte nicht hoch genug. Und hey, ich lache schon über "Dad, du warst wie ein Vater für mich". Der, wie Downey Jr. dem nervigen Kind in die Magengrube haut und wie Galifianakis die Ankunft an der mexikanischen Grenze mit "Ich dachte, da steht Texaco. Wir müssen tanken" begründet, sind die einzigen Lacher, an die ich mich erinnern kann. Für ein Roadmovie fehlt es an Überraschungen in der Story und besonders an Chemie zwischen den Charakteren. Der nervige ungeschickte Charakter von Z.G. macht es nahezu unmöglich, Sympathie für ihn zu entwickeln, so dass D.Jrs Charakter verständlicherweise den ganzen Film über gestresst bleibt, eine wirkliche Annäherung findet nicht statt. Es gibt eine Szene, in der letzterer sich das Auto schnappt und alleine weiterfahren will. Dann besinnt er sich eines Besseren und kehrt zurück, um den Kollegen einzusammeln. Warum, ist für den Zuschauer nicht nachvollziehbar.

Kurzum, ich mochte den Film nicht. Es heisst, Galifianakis sei sein plötzlicher Ruhm unangenehm. Warum er dann noch einmal praktisch die gleiche Rolle wie in Hangover spielt, wer weiß?

Ich empfehle eher seine alten Comedy-Sachen, für Freunde des Fremdschämens ist seine Interview-Reihe "Between two ferns" unerreicht. Hier die allererste Episode mit Juno und Superbad-Star Michael Cera:

Between two ferns with Zach Galiafanakis

Flash is required!

So, das wars für heute. Smeets will schlafen und schmeisst mich aus meinem Wohnzimmer! Gute Nacht.

10 Kommentare
Gerhard
25.11.2010 18:49

Jan, den Spot fand ich auch nicht superlustig, aber Humor ist ja bekanntlich Geschmackssache.
Auch was Filme anbelangt, sind wir recht underschiedlicher Meinung: Ich gehe gern ins Programmkino, ab und an mal (so alle 3 Jahre) auch in einen Actionstreifen...wenns so etwas wiedergäbe wie Matrix etwa.

Die Partie war ein sauberer Schwarzsieg - ich weiß bei solchen Eröffnungen selten, worauf Weiß abziehlt. Wenn W nicht irgendeinen giftigen taktischen Trick auf Lager hat und den hatte er nicht, dann geht es positionell den Bach runter.

Weiter so mit Deinem Bloggen...super!

Schach-Bundy
25.11.2010 23:24

Was?
Der hat doch mehr Elo als Du!
Das hätte es bei uns nicht gegeben, daß der Team-Captain als erster ins Bett geht!
Gusti, Du bist viel männlicher als er!
Das wolltest Du doch hören, oder?

Geldzähler
26.11.2010 00:31

Sag mal, habt ihr den Chinesen mit nem 500€ er bezahlt?! Oder wo kommt das ganze Kleingeld auf dem Tisch her?

Merijn
26.11.2010 01:58

Lekker potje Smeets

Gausdal
26.11.2010 14:49

Ich hatte vor einigen Jahren ebendort (Gausdal) das Vergnügen, Jan Smeets kennenzulernen - lockerer Typ.
Damals reiste er mit L'Ami an - auf die Frage der netten blonden Rezeptionistin, wie man denn L'Ami schreibt, meinte er nur, "it's french for friend", das half der Nowegerin natürlich enorm.

whiteshark
26.11.2010 16:39

Bild 1: Ein vom Vermieter/Trainer herrlich, weitestgehend ablenkungsfrei eingerichtetes Arbeitszimmer, dennoch ausgestattet mit modernster Technik, ideal zum Auffinden technischer Neuerungen.

= = =

Jan, vergiß Gibraltar!

= = =

"Gagdichte", was für ein Wort. Da zeigt sich der professionelle Filmkritiker.

Schachblogger
26.11.2010 22:32

Endlich sagt mal einer die Wahrheit über Kiss Kiss, Bang Bang Meinem Eindruck nach wurde dieses Meisterwerk von den Medien völlig ignoriert. Hat der Meister der Hamburger Filmkritik auch eine Meinung zu I Love You Phillip Morris?

whiteshark
27.11.2010 13:59

Für die Analyseknechte:

Nach 12.a4 gehe ich auf Bauernraub: 12... Bxc3 13.bxc3 Bxe4 14.Bxe4 Nxe4 15.axb5 Qxb5 16.Qc2 Qd5= etc, naja... geht weiter bis ins Turmendspiel.

AutorIn
30.11.2010 01:37

Kommt halt drauf an, worauf man steht. Mir gefällt das Interview mit Natalie Portman besser.

whiteshark
01.12.2010 16:12

Was sich Amateure hinterher so zusammendichten...

Zur Ergänzung der Partieanalyse, ab ca. 3m:10s:
http://www.youtube.com/watch?v=KFZ5QIsBU5c

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