Jans Kolumne

Studien geht über probien

Da ich nicht in Gibraltar war und nix darüber zu berichten hab, dachte ich, wenigstens ein Bild muss noch sein. Foto: Vallejo

Willkommen zurück!

Nachdem der Mythos, ich sei ein theoretisches Genie, von Nakamura zerstört worden ist, hab ich mich die letzten Tage natürlich auf die Suche nach einem anderen Broterwerb machen müssen und bin daher nicht zum Schreiben gekommen.

Spaß beiseite, war n bisschen krank und schreibfaul. Wijk haut immer ganz schön rein kräftemäßig. Dass ich in der Bundesliga nicht am Start war, war daher ganz ok, auch das Karpov.Training in Hockenheim am Montag und Dienstag hab ich nicht wahrgenommen.

Lirum larum, mal gucken, was ich so verpasst hab in der Schachwelt:

Bundesliga

Baden-Baden hat auch ohne mich zwei knappe, aber unter dem Strich verdiente 8-0 bzw. 7.5-0.5 Siege einfahren können. Ich habe ja an die Jungs geglaubt, aber meine Tipps 6.5-1.5 und 7-1 waren trotzdem deutlich zu pessimistisch :(

Einen Punkt abgegeben hat dagegen Verfolger Werder Bremen. Im Gegensatz übrigens zu ihrer Fußballabteilung, die haben in Mainz einen Punkt geholt! Wie dem auch sei, der Fisch ist noch nicht im Netz, Bremen ist lediglich zwei Punkte hinter uns und könnte im rein theoretischen Fall eines Sieges im direkten Duell in der letzten Runde einen Stichkampf erwzingen. Vorausgesetzt, beide gewinnen bis dahin alles...

 

Alter Lachs, mir fiel nix zu schreiben ein, hab also eben n bisschen aufm Fritz-Server geblitzt. Boah, war ich schwach. Meine online-Blitzphase liegt zum Glück zehn Jahre hinter mir. Trotzdem komisch, wie sauer ich werd, wenn ich nix sehe, alles einstell und nicht aufhören kann "Rematch" zu klicken, Note to self: Online blitzen ist böse! Und wenn, dann wenigstens halbwegs wach sein und vernünftig spielen...

Hmm, Zeit schinden vorbei, also zurück zum Schachgeschehen. In Moskau sind die ersten beiden Runden des Aeroflot-opens gespielt. Ich hab da noch nie mitgespielt, weiss gar nicht genau, warum nicht. Ich vermute, es liegt an der Urangst, dass jeder russische Hausmeister besser Schach spielt als ich. So jedenfalls lernen wir es ja von klein auf. Und den jüngsten Eindrücken nach ist vielleicht auch was dran. Niclas Huschenbeth traut sich und liegt nach zwei Remisen gegen Gegner über 2600 bisher ganz gut im Rennen. Wie stark das Turnier besetzt ist, zeigt sich auch daran, dass nach zwei Runden nur noch ebensoviele Spieler 100% haben, nämlich Vorjahressieger Le Quang Liem und der Slowene Luka Lenic. Hab die Partien nur überflogen, ganz hübsch fand ich den folgenden Favoritensturz 

Petrosian (2597) - Vitiugov (2722)

Stellung nach 25...Lf7?

Der letzte schwarze Zug war ein Fehler, wenn auch mit cleverer Idee. Auf den ersten Blick sieht 26.Tg1 vernichtend stark aus, aber darauf hat Schwarz die Riposte 26...Td5!. Es gilt also, diese aus dem Spiel zu nehmen: 26.Txf7! Kxf7 27.Tg1 so wird ein Schuh draus, was auch immer das heißen soll. 27...Dh2 Tdc8 28.b4! nützt auch nichts mehr 28.Dxg7+ mit vernichtendem Angriff, bald 1-0.

Oh, n bisschen was mit Schach zu tun hatte ich doch die letzten Tage. Am Wochenende habe ich im Hamburger Schachklub an meinem ersten Studienlösewettbewerb teilgenommen. Organisiert wurde dieser von der zweiten Mannschaft des HSK, die sich den IM und bekannten Studienkomponisten Yochanan Afek als Spielertrainer ins Team geholt haben.

Yochanan Afek, Foto: Andreas Albers

Zur Einstimmung auf den sonntäglichen Zweitligakampf galt es, in zwei Stunden zwölf Studien zu bearbeiten, mit Lösungen aufschreiben, Zettel mit Namen abgeben und alles. Ich hab ab und zu bei Schachunski abgeschrieben, mit meinem Endergebnis von 10/12 gelösten bin ich ganz zufrieden.

Die Klasse-

Die Trainingsform scheint sich auszuzahlen, die sonntäglichen Ergebnisse der Beteiligten jedenfalls konnten sich sehen lassen.

Um euch teilhaben zu lassen, folgt nun eine Auswahl der Studien zum Selberlösen. Alle sind komponiert von Afek himself! Ich hatte die letzten beiden falsch bzw. keine Zeit mehr, vielleicht sollte ich meine Endspielphobie zu einer Bauernendspielphobie umformen? Ich verzähl mich immer schon dabei, wer sich zuerst ne Dame holt, von  Bährsche Regel etc. ganz zu schweigen. Ok, lösbar waren sie trotzdem.. Here we go!

Stellung 1

Weiß am Zug remisiert

Stellung 2

Weiß am Zug remisiert

Stellung 3

Weiß am Zug gewinnt

Stellung 4

Weiß am Zug remisiert

Stellung 5

Weiß am Zug remisiert
26 Kommentare
Gerhard
10.02.2011 07:49

Das mit dem Schuh kommt vom Linksnähen her, mit dem man früher einen Schuh herstellte.
Statt mit einem Schachbuch war ich früher gern mit einem etymologischen Wörterbuch im Auto unterwegs - das nahm ich bei einem Stop in einem Cafe gern in die Hand. War spannender als alles andere.

Frusti
10.02.2011 11:03

Eine schöne Beschäftigung für so einen Donnerstag Vormittag:

Stellung 1: Du musst falsch aufgebaut haben
Remisidee A) Weißer König erreicht a-Bauer, dafür muss ich auf der d-Linie stehen und dran sein, sobald ich die f-Linie verlasse, geht der schwarze König auf die g-Linie....hmpf
Remisidee B) Zugzwang für Schwarz
Wenn der schwarze König nach h6 getrieben ist und der schwarze Turm weder nach g8 noch nach a8 könnte, wäre Kf7 als nächster Zug Remis... hmpf
C) Weiß wird patt gesetzt, auf der 8. (wohl nicht), auf h6? hmpf

Blödes Rätsel, gleich zur 2. Aufgabe, ich vermute gleich kommt der nächste Eintrag, dass auch die Stellung falsch aufgebaut ist ;-)

Lasker
10.02.2011 11:13

Frusti,
Stellung 1) ist richtig.
Weiß wird Patt.

Lasker
10.02.2011 11:15

In Jans Kombi aus Moskau gibts aber wohl ein kleines Loch - wenn die Türme auf der c-Linie dubliert sind, funzt die Fesselung Lc4 nicht mehr...

Frusti
10.02.2011 11:50

Stellung 2 ist falsch aufgebaut:

zur Dame durchziehen muss nach 2. ...Dc3+ Ka2 Da5 Schach verloren sein, sonst machte es keinen Sinn.
Umwandlung kann ich nicht verhindern.
Also irgendein Patt-Trick oder dafür sorgen, das ich mit Läufer plus Bauer auf e7 gegen Dame übrig bleibe, was Remis sein dürfte, da nach Kd8 Dd6+ mit einsperren des Königs nicht funktionier.

1. Ld6 oder Le7 sieht natürlich studienhaft aus... aber meh

Frusti
10.02.2011 11:52

Stellung 4 ist bestimmt Kb8, dass ist immer so, braucht man nicht zählen ;-)

Niclas aus Moskau
10.02.2011 12:02

2.) 1.Ta7 Td8+ (f1=D Th7+=) 2. Lf8 Txf8+ 3.Kg7 f1=D. 4.Tf7 De2 5.Kxf8 Dxe6 6.Th7+ und Dauerschach.

wurschtler
10.02.2011 12:10

Hi Jan,

also den Schachspieler auf dem ersten Foto erkenne ich nun so auf die schnelle nicht :-) Könnte vielleicht Kasparov sein ??

ansonsten möchte ich Dir mal zu Deinen blog gratulieren, lese ihn immer

Niclas aus Moskau
10.02.2011 16:20

1.) 1.g7+ Kh7 2.g6+ Kh6 3.a8=D Txa8 4.Kf7 Ta7+ 5.Kg8 Txg7+ 6.Kh8 Ta7 7.g7 Txg7 =

Ivan
10.02.2011 17:14

@wurschtler wahnsinns Humor! Gratuliere!

Lasker
10.02.2011 22:42

Moin.

Die 2. ist ja unfassbar.
1. Ta7 (droht Th7-g7-f7 nach f1-D) Td8+ 2.Lf8! Txf8 3.Kg7 f1-D
Hier wollte ich zuerst den Turm schlagen (Idee von Lf8) mit Festung, aber hallo? Die Dame deckt ja den Turm Aber:
4.Tf7!! Unbelievable

Die 3 bekomme ich nicht raus.
Den König in die Ecke treiben, okay. Aber dann gehts nicht weiter ... :-(

4 wurde schon gesagt: Kb8

5: Da bin ich zu doof, um die Probleme zu sehen: Kd2 macht remis (es droht f4). Nach ..f4 ist Weiß genau rechtzeitig genau wie bei einem Wettrennen.

JSchulze
10.02.2011 23:17

Die Lösung zu 3) ist nett:
1.Ke1+ Kh1 2.Th3+ Kg1 3.Tg3+ Kh1 4.Ta1!! Kh2 5.Kf2 (droht Th1+ K:h1 Th3 matt) Dd5 6.Th1+ (trotzdem) D:h1 7.Tg7 und es gibt keine Verteidigung gegen Th7+

Allgemein finde ich diese Seite sehr interessant und schaue hier regelmäßig vorbei.

Emanuel
10.02.2011 23:46

5) Kd2 f4 gxf4 Kf5 Ke3 Kg4 Ke4 h4 Ke3! h3 und jetzt reicht Kf2 zum Remis, da man nun mit dem König nach c8 kommt.

hanjie
10.02.2011 23:59

Ahhh, JSchulze - ja klar, jetzt fällt's mir auch wie Schuppen von den Augen ...
Ich fragte mich schon die ganze Zeit, warum der Bauer auf f5 (und nicht etwa f4 oder f6) steht, jetzt ist's klar - damit nicht 7... Db1 das Feld h7 ins Auge nehmen kann. Bis 5... Dg5 kam ich noch, hatte aber völlig verschwitzt, dass die Dame durch den Bauern ja ausgetrickst wird.
Coole Studie!
Überhaupt sind die Studien klasse. Danke Jan für Hochladen der Knacknüsse, die sind wirklich 'was fürs Hirn :)

Gerhard
11.02.2011 07:40

2 ist in der Tat schön, da lacht Dein Endspielherz, Lasker!

Lasker
11.02.2011 08:24

@ Namensvetter,
ja, die 4 & 5 wären wohl aus "Aufwärmübung" besser (oder wir haben den Witz noch nicht entdeckt).

@ Gerhard,
Ja, das ist wirklich sehr schön. Hast Du gesehen, wie es nach Tf7 weiter geht? Die 2 ist wriklich keulenmäßig (Weiß muß ja nicht nehmen auf f7).

Über Sprache nachdenken ist eine sehr spannende Angelegenheit, vielleicht setze ich mich auch mal mit nem "Ety" ins Cafe ...

@ JSchulze
Tante in der Ecke kampfunfähig machen - sehr schön!
Das Motiv "hilflose Dame" gibt´s ja auch iin Randbauerendspielen (Umwandlung verliert), kam ich aber hier nicht drauf.

Jan
11.02.2011 10:10

Sauber, fast alles gelöst!

4) noch nicht so richtig, daher hier die Auflösung: 1.Kb8! Kd6 2.Kb7 Ke6 3.Kc6 Kxf6 4.Kb5 Ke5 5.Kxb4 Kd4 6.Kb3!! Kd3 7.Ka2! =

1. b3 dagegen verliert , gleiche Variante wie oben, nach 5...Kd4 hat Weiß das Feld b3 nicht, nach 6.Ka5 f5 7.b4 f4 8.b5 Kc5! 9.b6 Kc6 10.Ka6 f3 11.b7 f2 12.b8D f1D+ gewinnt Schwarz.

Gleich gibts Nachschub!

Gerhard
11.02.2011 10:44

Freilich, Lasker, habe ich auch die Fortsetzung nach Nichtnehmen "visualisiert" (vom Startdiagramm aus). Du hast ja extra noch was "übriggelassen".
Ich habe so ein wunderbares Buch über partienahe Probleme eines Russen - da brauchte das Studieren jedes Problems mal schlappe 2 Stunden. Leider habe ich damals, vor etwa 15 Jahren, nur 5 Probleme durchgesehen und das Buch endgültig aus der Hand gelegt.

Lasker
11.02.2011 11:19

Ahh,
Ka2 in der 4.
Sehr schön. Rüberlaufen war klar, aber erst noch nen Abstecher, dann Ablenken (mittels Bauer) und dann ins Quadrat.
Man hätte es halt doch mal auf´s Brett stellen sollen (oder Gehards Russen-Buch komplett im Cafe durcharbeiten).
Gefällt! :-)
Damit werde ich demnächst mal Jugendliche quälen.

Lasker
11.02.2011 11:21

Gerhard, wie heißt denn der Schinken?

Gerhard
11.02.2011 13:10

Lasker, war ein Buch von Edition Olms - offenbar nicht mehr vorrätig.
Muß das Buch zuhause entstauben, dann sag ich's Dir.
Hust.

Gerhard
11.02.2011 14:36

Nachklang: Lasker, Buch war und ist von Troitzki.

Lasker
11.02.2011 22:04

Danke, Gerhard.
"500 Endspielstudien" - nehme ich an?
Mal gucken, ob ich das irgendwo auftreiben kann.

angsthase
14.02.2011 19:03

Wo ist die Pointe bei Aufgabe 5? Ich denke, es sollte mit 1.Kd2 losgehen, was sonst? Aber wie macht Schwarz dem Weißen das Leben schwer? Wo ist der AHA-Effekt, der eine gute Studie auszeichnet? Schon mal danke für die Antwort im Voraus.

Jan
15.02.2011 11:08

@angsthase: Yo, zu 5 hatte ich auch nicht so den Zugang, brr, Bauernendspiele. Emanuel hat die Lösung schon richtige geschrieben, 1.Kd2 f4 (!) 2.gxf4 Kf5 3.Ke3 Kg4 und hier ist die Pointe das Manöver 4.Ke4! (lockt den h-Bauern vor) h4 5.Ke3! und Remis, z.B. h3 6.Kf2 Kxf4 7.Kg1 Ke3 8.Kh2 und der weiße König schafft es rechtzeitig nach c1

Losso
18.02.2011 14:41

Mit Afek habt ihr euch einen ganz hervorragenden Kenner des Genres geholt. Ich wäre gerne dabei gewesen, aber mit Familie aus Hannover kommend ist das immer recht schwierig.

Ansonsten fände ich es unheimlich spannend, wenn ein Spieler wie Du mal die Deutsche Problemlösemeisterschaft mitmachen würde.

Gruß, Losso

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