Jans Kolumne

Nur 24 Stunden

Am Mittwoch war die Welt noch in Ordnung. Auf dem Bild konnte ich unter den gestrengen Blicken von Hockey-Bundestrainer Markus Weise wenigstens die letzte noch laufende Partie im Simultan gegen den HSK für mich entscheiden. Die Gründe, warum das 21.5 - 0.5 Endergebnis trotzdem eine empfindliche Schlappe ist, die mich auf Jahre verfolgen wird, später.

Am Donnerstag ging es dann zu nachtschlafender Stunde auf nach Berlin, wo ich beim Kaderlehrgang ein bisschen was über Eröffnungen erzählt habe. Die Hinreise dauerte zwar dreieinhalb statt der geplanten anderthalb Stunden, aber das sei der Bahn verziehen, sind ja auch erschwerte Witterungsbdingungen und so. Das Training hat Spass gemacht, keine Ahnung ob ich den Teilnehmern besonders clevere Sachen erzählen konnte.

 

Kadertraining

Aber der heutige Freitag war ein harter Tag:

07:00 Aufstehen irgendwo in Berlin, liebe Berliner, eure Stadt ist einfach zu groß! Nie n Plan wo ich bin.

08:00-13:00 Training Tag 2

13:30: Ankunft in Berlin Spandau, auf nach Hamburg City! 1:45 Fahrtzeit und zwei Züge pro Stunde, was soll da schiefgehen?

13:35: Den ersten Zug verschmähen wir (der Deutsche Meister Niclas Huschenbeth und ich) , es gibt nicht mal mehr Stehplätze. Also erstmal was essen.

14:20 Nächster Versuch, der Zug ist zwar voll, aber betretbar. Der angenhme Teil der Reise beginnt.

 

Niclas sah sich genötigt, meine Interpretation von Liegewagen fotografisch festzuhalten. Hmm, warum veröffentliche ich das eigentlich?

16:30 Bisschen Verspätung bisher, kein Ding. Aber dann ein Novum in meiner Deutsche Bahn Historie: Im schönen Boizenburg (Elbe) ereilt uns die Durchsage "Wegen eines Triebwerkschadens kann dieser Zug seine Fahrt leider nicht fortsetzen, bitte alle aussteigen". Meh. Draussen isses kalt! 2000 Leute also raus aufn Boizenburger Bahnsteig, unterstellen gibts nicht, Party on!

Boizenburg

17:30: Eine Stunde später und um ein paar Zehen ärmer drängeln wir uns in den nächsten Zug nach Hamburg-City. Bei der Abfahrt stellen wir fest, dass nicht alle es reingeschafft haben, immer noch voll in Boizenburg :(

19:00 Home sweet home

21:00 - Kein Kommentar: Weihnachstfeier, bei der ich zum Aufwärmen natürlich einige geistige Getränke zu mir nehmen musste.

06:30: Diesen hochspannenden Post schreiben.

11:45 Auf zu einer Familienfeier, weiß nicht genau wo, bei Uelzen? Mir wurde jedenfalls gesagt, ich soll ne Decke einpacken, ma gucken was uns da erwartet.

Sonntag: Back home, Schlaf- und Postdefizit aufarbeiten. Das HSK Simultan verdient seine eigene Betrachtung, auch zu London bin ich schlicht nicht gekommen. Werd ma checken, was User Lasker so zu dem Kramnik-Carlsen Endspiel zu sagen hatte. Bin sicher, dass es gewonnen war, soviel vorweg. Auch der Blick nach Russland lohnt sich, my man Svidler führt beim russischen Superfinal mit 4.5/6.

Aber jetzt erstmal schlafen...

8 Kommentare
woodpusher
18.12.2010 10:47

Ist jemandem schon aufgefallen, dass der Ausgang des Kramnik-Carlsen-Endspiels, über das alle reden, für den Turniersieg Carlsens unerheblich war? Selbst bei einem Verlust hätte Carlsen statt 13 dann 12 Punkte (+4,=0,-3) erzielt und das Turnier vor Kramnik mit ebenfalls 12 Punkten (+3,=3,-1) nach Tiebreak-Regel gewonnen (gleiche Anzahl an Partien mit Schwarz, gleiche Anzahl an Schwarzsiegen, aber mehr Gewinnpartien insgesamt). Turniersieg mit +1 vor einem Konkurenten mit +2! Das zeigt wie unsinnig das Fußballpunktesystem bei Schachturnieren ist. Trotzdem war London natürlich ein klasse Schach-Event.

Peter B.
18.12.2010 11:04

Mit ist völlig klar wie du das Simulttanturnier so gut geschafft hast. Du hast deinen (besser stehenden?) Gegnern einfach Alkohol spendiert bis sie, na ja, nicht mehr die besten Züge fanden.

Siehe das leere Weinglas im Foto oben neben der Uhr....

Thomas Oliver
18.12.2010 11:27

@woodpusher: Mit war's auch schon aufgefallen und ich hab's in diversen anderen Blogs zum Besten gegeben: "Does it make sense that a tie-creater becomes a tiebreaker?" Jemand meinte das wäre peinlich für die Organisatoren gewesen, aber sie haben sich diese Regeln ja selbst ausgedacht.

So hat Kramnik-Carlsen nur entschieden wer im Januar offiziell #1 auf der Elo-Liste wird (Anand hätte einen Sieg von Kramnik gebraucht, bzw. alternativ einen Sieg gegen Kramnik in der Schlussrunde). Dahinter müssen wir das Ergebnis der russischen Meisterschaft abwarten, falls sie denn noch ausgewertet wird - Karjakin und/oder Grischuk können Topalov überholen, einer von ihnen könnte die neue Nummer fünf werden.

hanjie
18.12.2010 12:06

Na, ob die Dreipunkteregel überhaupt etwas bringt bei vielen Spieltagen, ist ja eh die Frage. Auch im Fußball wird sie gerne mal gestellt: Spielen die Mannschaften wirklich offensiver, "nur" weil es 3 statt 2 Punkte bei einem Sieg gibt? Ich habe Zweifel ...

Carlsens Sieg geht schon in Ordnung, auch wenn er gegen Kramnik verloren hätte. Der Modus war jedem vorher bekannt, und zu Carlsens Stil passt er eben auch perfekt: Er riskiert gerne mal etwas und auch mal zu viel. Da kommen dann auch mal Nullen raus wo ein Remis draufgestanden hätte und Einsen, wo andere schon längst die Hand geschüttelt hätten.
Er traut sich wenigstens 'was. :)

Umumba
18.12.2010 12:40

Beim Fußball gibt es definitiv sehr viele Mannschaften, die aus dem Dreipunktesystem keine Konsequenzen ziehen. Wenn man davon ausgeht, dass man durch ein mit-(fast)-aller-Kraft-stürmen in den letzten Minuten zu 50% selbst noch trifft und zu 50% ein Tor kassiert, lohnt sich das halt total, aber eigentlich setzen das meist nur die Bayern und in dieser Saison der BVB um. Einzig in "6-Punkte-Spielen" müsste man davon Abstand nehmen, aber die gibt es in der BL ja nicht so oft wie z.B. in der CL.

lvapatzer
18.12.2010 14:12

schaut mal wie fridmann bei der europäischen blitzmeisterschaft abgeschnitten hat und setzt es in bezug zu jans ergebnis bei der deutschen!nicht 100%vergleichbar aber respekt,respekt.

hanjie
18.12.2010 16:24

btw. - ich dachte zuerst, der Kiebitz wäre Bjarne Riis ...

woodpusher
18.12.2010 21:46

als neuer (Anti-)Doping-Berater beim Schach?

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