Jans Kolumne

Noooo

Ich leide. Smeets spielt mit Schwarz gegen Nakamura und hat in seiner Botvinnik-Spezialvariante soeben den fürchterlichen Zug Lc6 gespielt. Dabei hat er die zur Diskussion stehende Variante garantiert ausanalysiert, jetzt spielt uns auch schon das Gedächtnis Streiche. 

Stellung nach 21. Dxf4

Botvinnik ist nicht mein Spezialgebiet, normalerweise wiederholt Smeets seine Dateien dazu alleine. Er hat so viel daran gearbeitet, dass ich in ein paar Stunden nachts nicht viel neues beitragen kann und mich daher mit anderen dringenderen Problemen beschäftige. Besonders Nakamura kann so ziemlich alles spielen, mit Botvinnik hatten wir nicht unbedingt gerechnet. 

Ok, 22.Dd4 kam, nach 22.The1 sah mein Computer ziemlich schwarz für Schwarz. Aber auch jetzt isses unschön, Lc6 ist einfach nicht im Geiste der Stellung. Sorry für das unkoordinierte Gefasel, bin einfach sehr nervös.

Irgendwie läuft alles schief gerade. Die Partie gestern in Runde sechs gegen Magnus Berliner Mauer war eine Katastrophe, die bittere Pille gegen Vishy haben wir bereits gesehen. Überhaupt war gestern ein Desaster für Oranje, die fünf niederländischen Teilnehmer in den Gruppen A und B hatten allesamt Weiß und holten 0/5.

Smeets muss jetzt irgendwie ins Turnier finden, nach den ersten zwei Partien, die zum Großteil Vorbereitung waren, ist nicht mehr wirklich viel gelungen. Natürlich sind die Gegner sehr stark, aber drei Weißpartien in Folge zu verlieren darf einem Spieler auf unserem Niveau nicht passieren, egal gegen wen. Natürlich ziehe ich mir diesen Schuh genauso an, es its völlig klar, dass ich die letzten Nächte nicht effektiv genug gearbeitet habe, denn soo überraschend kam keine der gegnerischen Eröffnungen.

Alles auf die Zeiteinteilung zu schieben, ist auch zu einfach, Zeitnot begleitet Smeets, seit er zehn Jahre alt ist. Ist natürlich schwer mit anzusehen, aber wie gesagt, das ist nix Besonderes. Bin ein bisschen verzweifelt, ich gelobe hiermit, härter zu arbeiten, aber irgendwie müssen wir hinkriegen, dass "die Hand" zurückkommt, sobald wir aus dem Buch sind. Das ist keine Frage der Klasse, natürlich sind wir so gut wie immer Außenseiter, aber Smeets kann Schach spielen!

Wir haben noch 6.5 Partien und der Vishy/Magnus/Naka Tunnel ist jetzt überstanden, restart! Hmm, wollte eigentlich über was völlig anderes schreiben, aber sorry, mein Kopf ist grad nicht voll da. Werd die Partie heute nicht weiter live kommentieren, ich bin zu abergläubisch, das ging schon zweimal schief. Vielleicht kommentier ich morgen ne Partie hier in Echtzeit, aber dann nicht die vom Chef. Übermorgen ist Ruhetag, hab also morgen nachmittag mehr Zeit. Jetzt ist schlafen angesagt, außerdem quatscht Heine mich gerade an, vielleicht gehen wir erstmal n Tee trinken und jammern :)

Das Thema des Tages gibt es heute auf der website des französischen Verbandes, www.echecs.asso.fr.

45 Kommentare
Riku
22.01.2011 15:10

Smeets größtes Problem ist mal wieder die Zeit. Ansonsten hat er doch bisher immer ganz ordentlich gespielt.

Karlsruher
22.01.2011 15:11

Was ist denn die Idee von Lc6, wenn es denn eine dazu gibt?! Wollte er mit Db8 versuchen die Damen zu tauschen?

Peter B.
22.01.2011 15:29

Ich fürchte 23. Tfe1 ist immer noch sehr stark...

HGS
22.01.2011 15:39

Gegen unkoordiniertes Gefasel hilft vielleicht die koordinierte Vernichtung von Fusel ;)

Riku
22.01.2011 15:45

Hm.... immerhin ist Nakamura nun auch am überlegen, aber im gegensatz zu Smeets hat der noch "etwas" mehr Zeit.

Karlsruher
22.01.2011 16:01

Nakamura wird heute mit aller Macht versuchen, den vollen Punkt nach Hause zu bringen. Seine beiden nächsten Gegner ( Carlsen, Anand ) werden ihn, nicht zuletzt wegen seiner Turnierstellung, gehörig anzählen. In so fern verstehe ich Nak´s bedingungsloses Spiel auf Sieg, sollte es denn so kommen. Seine nächsten Partien könnten ihm ne Dürrezeit bringen ^^

Frankreich
22.01.2011 16:42

Was ist da los!? Soweit ich das verstanden haben werden Feller und Huchard beschuldigt gecheatet zu haben? Wenn das der offiziele Verband sagt, müsste ja schon was dran sein!? Aber Fakten gibt es bisher keine!?
Weiß jemand mehr?

Peter B.
22.01.2011 17:03

@Jan G. Du kannst wieder hin schauen. Dein Schützling erholt sich gerade Zug um Zug (allerdings mit NA´s gütiger Mithilfe)

Mattovsky
22.01.2011 17:46

Schon bemerkenswert, was die Franzosen da schreiben, vor allem weil das Verfahren noch gar nicht abgeschlossen ist. Sollten sie bei so gravierenden Beschuldigungen nicht entweder Fakten auf den Tisch legen oder schweigen?!
Feller, Hauchard (= Fellers Trainer) und Marzolo sollen also bei der letzten Olympiade betrogen haben. Ich habe eben mal ein französisches Schachforum gecheckt; die sind auch ziemlich geschockt und ratlos. Man wundert sich, was Marzolo mit der Sache zu tun haben soll, der anscheinend gar nicht vor Ort war. Feller hat damals übrigens 6/9 gemacht; sicher ganz gut, aber auch nicht weltbewegend.

Thomas Oliver
22.01.2011 17:49

Da ich neugierig bin und Französich kann habe ich versucht mich auf france-echecs.com schlau zu machen. 71 Kommentare weiter weiss ich nicht viel mehr, nur:
- die Untersuchung läuft bereits seit 22.12.2010
- der ebenfalls beschuldigte IM Marzolo war nicht vor Ort in Khanty-Mansiysk (hat also möglicherweise von Weitem mitgeholfen?)
- Feller war anscheinend wegen Schummeln schonmal für zwei Jahre auf dem Playchess-Server gesperrt.

Riku
22.01.2011 18:12

Da ich kein Französisch kann, würde ich gerne wisse ob jemand mir mal übersetzen könnte was die anschuldigungen genau sind und was nun passieren soll.

Mattovsky
22.01.2011 18:42

Okay, ich übersetze mal:

"Der französische Schachverband (FFE) teilt mit, dass er am 22. Dezember 2010 ein Disziplinarverfahren gegen die GMs Sébastien Feller und Arnaud Hauchard sowie IM Cyril Marzolo eingeleitet hat, aufgrund des Verdachts des organisierten Betrugs, des schweren Verstoßes gegen die sportliche Ethik und der Schädigung des Rufs der nationalen Olympiamannschaft im Rahmen der Schach-Mannschafts-WM, die vom 21. September bis 3. Oktober 2010 in Khanty-Mansyisk (Russland) stattgefunden hat.
Eine Mitteilung über dieses Verfahren ist an die FIDE und an das Sportministerium als Träger der FFE ergangen."

Für den endlosen ersten Satz und die Fehlbezeichnung "Mannschafts-WM" kann ich übrigens nichts.

Patzerle
22.01.2011 19:04

Smeets verliert gerade wieder...
Turm gegen 3 verbundene ist hoffnungslos :-(

Botwinnik spielen wollen, weil man scharfe taktische Stellungen mag in denen man Monate lang rumanalysiert hat ist ja schön und gut, aber gegen (klar) bessere Leute auch mit Schwarz superscharfe Stellungen anstreben nach mehreren Niederlagen ist - nun ja, optimistisch.
(wieso nicht mal die Remisbremse reinhauen!?)

Was hilft die beste Vorbereitung, wenn man dann in den entstehenden Stellungen zu viel Zeit verbrät, nicht die besten Züge findet und von den starken Leuten überspielt wird?

Wenn ich Trainer wäre, wäre mein Plan für morgen ein sicheres Remis anzustreben, dann den Ruhetag nutzen zum Auftanken und versuchen im Turnier keine weitere Partie mehr zu verlieren, vielleicht gelingt ja auch noch der Ehrentreffer. :-)

Riku
22.01.2011 19:24

@Mattovsky danke für die Übersetzung. Wird da irgendwo noch gesagt, wie sie denn Betrogen haben sollen?
@Patzerle ich glaube es würde mehr bringen, wenn an Smeets Zeitmanagement gearbeitet wird....

TMJ
22.01.2011 19:37

Es wäre besser gewesen, Jan Guschtel hätte statt Smeets gespielt. Sorry,aber der bietet eigentlich nur "Naiv-Schach". Die gestandenen GMs spielen gegen ihn was sie wollen. Pono spielt Französisch-Winawer.....jeder GM der 70er-Jahre (da war GM noch was Besonderes) hätte hier mit Weiss gegen den Pono-Aufbau immer locker Remis geschafft. Smeets MUSS c4 bringen. Carlsen spielt Berliner Mauer.....Smeets "spielt" kein Schach.....klar, wer sich ewige Zeiten mit der Botwinnik-Variante beschäftigt, kann kein Schach mehr "spielen). Und Anand....naja, der merkt natürlich auch, was ihm da gegenübersitzt. Da muss er nur spieen,spielen, spielen. Wahnsinn, da kann Smeets wahrscheinlih der absoluten Hauptvariante im Breyer-System bis zum 35.Zug locker folgen..und da spielt der Anand eine seltenere Untervariante....Das genze erinnert mich fatal an die vielen Amateure, die z:B. gegen Caro-Kann mit Weiss die "Hauptvariante" mit 3.Sc3 spielen und nach 17.Zügen im 4..Lf5-System offiziell bequem und leicht besser stehen.........aber nicht kapieren, wie sie jetzt "weiterspielen" sollen. Warum nicht Vorstoss- ode Panow-Variante ? Na, weil man da früher "spielen" muss.....
Fazit: Smeets muss jetzt Schadensbegegrenzung betreiben....und sollte Schach"spielen" üben

Riku
22.01.2011 19:51

@TJM das klingt so als ob du es besser könntest. Nur weil smeets gegen die Weltelite verliert kann er dennoch sehr gut Schach spielen, oder irre ich mich?

hanjie
22.01.2011 20:18

Hätte, wäre, könnte ...

Ich finde es da jetzt auch sehr dick aufgetragen, TMJ: Wer sich auch nur mal einmal alle Partien der Weltklasseleute auf die Datenbank lädt der wird wissen, dass "Eröffnungsvorbereitung" nicht mal so eben gemacht ist und dass man lange nicht alles wissen kann. Da muss man sich schnell mal mit einem vier- bis fünfstelligen Fundus pro Person 'reinziehen, mitunter noch das Repertoire der Sekundanten berücksichtigen - und schwupps!, hast du gut ein Dutzend Möglichkeiten, die der Gegner spielen kann - um dann von so etwas wie "Französisch Winawer" überrascht zu werden: Etwas, das auch jemand wie Smeets, hätte er es sich vor der Partie nur wenige Minuten lang angesehen, von den Plänen her sicher sofort wieder auf der Pfanne hat.

Am Brett sitzen ist aber eben doch etwas anderes. Da geht's dann ja nicht nur darum was Theorie ist, sondern wo der Gegner etwas vorbereitet haben könnte, etc. pp. ... und wer wirklich etwas reißen will in der Weltklasse, kommt an den Hauptvarianten dann ja doch nicht herum. Tja, und die enden heutzutage nun einmal nicht selten im 35. Zug.

Auch ein Anand wurde, als er noch nicht so viel Erfahrung hatte, zu jungen Jahren gnadenlos "auspräpariert", siehe WM-Kampf gegen Kasparow.

Was Smeets jetzt gerade erlebt, ist nicht mehr und nicht weniger als Lehrgeld.
Das aber wird ihn sicher auch zwangsläufig weiterbringen. Wie oft hat man schon die Gelegenheit, gegen die (fast) versammelte Weltklasse zu spielen und sich die Wettkampfhärte auf diesem Niveau zu holen.

Thomas Oliver
22.01.2011 20:21

@Riku: Ich melde mich nochmal als Französisch-Experte (sprachlich, nicht schachlich). Die Antwort auf Deine Frage ist "nein", denn Mattovsky hat alles übersetzt! Das wundert auch die Leute auf france-echecs.com .... . Einerseits hat sich der Verdacht gegen die drei nach einem Monat offenbar erhärtet, andererseits: warum so vage? Hauchard ist übrigens nicht nur Fellers (Privat-)Trainer, sondern war auch Trainer bzw. Käpten der Franzosen bei der Olympiade.

Drei Teamkollegen (Vachier-Lagrave, Fressinet und Tkachiev) spielen derzeit in Wijk aan Zee - sie sind offenbar nicht betroffen, aber ob es sie völlig kalt lässt? Bisher wurde das alles offenbar ausserhalb Frankreichs nur hier erwähnt .... woher weiss Jan es eigentlich? Gehe mal davon aus dass er nicht täglich auf der Webpage des französischen Schachverbands vorbeischaut!?

ebitda
22.01.2011 20:30

@TMJ
klare Worte, die manchmal helfen können; Smeets sollte nicht so viel analysieren und dann in Panik geraten, wenn er plötzlich out of book ist. Er kann doch ohne Belastung gegen diese Gegner antreten, denn auch wenn er schlecht abschneidet, wird er als Niederländer wieder eingeladen.
Erstaut bin ich über den Unterschied zwischen den 26xx, 27xx und 28xx. Schaut man sich bspw. die Partien von Anand und Aronjan an, hat man stets den Eindruck, sie hätten im absoluten Ernstfall (WM) noch mehr drauf und die Gegner scheinen bereits über ein remis erfreut. Shirov wirkt wie ein Sportwagen aus den 90er, immer noch schnell, aber der Lack blättert unvermeidlich ab.

podolle
22.01.2011 21:06

Sobald Herr Smeets auch nur einen Fußbreit aus seiner Vorbereitung ist wird deutlich, dass weder sein Spielverständnis noch seine Technik ausreichen, um mit der Weltspitze mitzuhalten. Vielleicht sollte er mal daran arbeiten?! Man hört ja auch, dass Anand viel Zeit auf die Vervollkommnung seiner Technik verwendet?!

hanjie
22.01.2011 21:19

podolle, ist ja auch logisch, dass Smeets (noch?) nicht auf diesem Niveau ist. Das Talent eines Carlsen oder Aronjan hat eben nicht jeder, also muss man über die Arbeit auf jenes Niveau kommen.
Dass das nicht über Nacht geht, dürfte klar sein.

Und hey, wenn er es nicht ganz nach oben schaffen sollte, so what? Niveau 2650 ist soo schlecht nun auch nicht.
Ist sicher auch eine Frage, mit der sich Jan rumschlagen wird: Was tun, wenn trotz intensiver Arbeit der 2700er-Hammer einfach nicht fallen will? Gute Frage!

Mal davon ab, dass es sicher nicht ohne ist, am Spielverständnis und vor allem psychologisch zu arbeiten. Am heimischen Rechner ist es immer einfach zu sagen "na, dann soll er dran arbeiten nicht in Panik zu geraten, wenn er 'aus dem Buch' ist". Jo, klar, macht er halt mal so eben, klar. "Sollen die Stürmer im Fußball halt den Kopf ausschalten und Tore schießen, dafür werden sie schließlich bezahlt" wäre an Stammtischparole nicht weit weg davon.

Ich denke, die beste Schule ist immer noch die Wettkampfhärte! Just die besorgt sich Smeets doch gerade. Also ruhig Blut. Abwarten, Tee trinken.

Patzerle
22.01.2011 21:35

ich finde die kritischen Kommentare gehen wirklich zu weit.
Man kann ja gerne was kritisch-konstruktiv ansprechen, habe ich ja auch schon gemacht.
Aber ein GM mit 2650 kann schon Schach spielen und sehr wahrscheinlich besser als alle Krittler hier...

Dass er in einigen Partien nicht so gut ausgesehen hat bestreitet ja niemand, aber ihn so hinzustellen als wenn er ein Patzer ist, der gar nichts kann (außer ein bisschen Theorie) ist wirklich nicht ok.

Ich kann mich noch gut an meine erste Partie gegen einen GM erinnern und was habe ich da nen Scheiß zusammengespielt, weil ich die Hosen gestrichen voll hatte. - Lasst ihn die Erfahrungen sammeln gegen diese Topgegner, keiner wird unzufriedener sein als er selbst, aber das Turnier ist noch nicht vorbei und jetzt gilt es erstmal die Talfahrt zu stoppen und wieder Boden unter die Füße zu bekommen.

Mattovsky
22.01.2011 21:39

Prima formuliert, hanjie. Trotzdem ist mir auch schon die Frage gekommen, wie die Smeets & Co. eigentlich heutzutage trainieren. Zum Teil hat man echt das Gefühl, die pfeifen sich nur noch Computervarianten rein, so nach dem Motto "die Eröffnung muss stehen, der Rest ergibt sich dann von selbst". Gucken sich die Jungs eigentlich auch mal z.B. Endspiele an? Oder arbeiten im mentalen Bereich? Immerhin meint mit Dvoretsky einer der besten Trainer der Welt, dass die Eröffnung total überbewertet wird und es sich viel mehr lohnen würde, die Zeit für andere Bereiche zu investieren. Es ist wohl auch kein Zufall, dass das Endspielkönnen der GMs immer mehr nachlässt. Schade eigentlich.

Parpet
22.01.2011 21:51

Go, Jan, Go!

podolle
22.01.2011 21:55

Klar, Smeets ist ein viel besserer Spieler als wohl alle Kommentatoren hier (Gusti natürlich ausgenommen), das ist klar.
Aber ein Zug wie 57. g3 gegen Anand: das ist natürlich wahnsinnig riskant. Bevor man sowas spielt, sollte man die Varianten sauber durchrechnen. Das kann man auch lernen. Sooo schwer ist die Widerlegung von 58. Tg2 ja nun auch nicht zu sehen. Aber da hilft halt keine Engine-Vorbereitung, denn wann hat man da schon mal eine Stellung mit Mehrqualität in der Mangel?! Sondern nur gute Rechentechnik und ein gewisses Verständnis für die Erfordernisse der Position.

Thomas Oliver
22.01.2011 22:17

Bei aller Kritik: Smeets ist immer noch punktgleich mit Grischuk und vor Shirov! Wenn ihm jemand das vor dem Turnier versprochen hätte wäre er wohl zufrieden - allerdings davon ausgehend dass die beiden oder zumindest einer von ihnen mehr Punkte machen .... .

AljechinsKater
22.01.2011 22:28

Wegen einer verlorenen Partie sollte man nicht den Sinn einer gründlichen Eröffnungsvorbereitung in Frage stellen. Man wird wohl auch nicht einem Super-GM wie Jan Smeets unterstellen können er gewönne seine Partien nur dank Vorbereitung. Denke einige würden sich wundern wie sie von ihm in ihren "Spielvarianten" etc. zerlegt würden. Die Patzquote in den Partien vorher fände ich als sein Trainerviel bedenklicher, insbesondere dieses grauenvolle g3 gegen Anand .

Baladala
22.01.2011 22:37

Respekt vor der bisherigen Turnierleistung von Naka. Der wird nicht so schnell wieder aus den Top 10 verschwinden. Mittlerweile glaube ich fast sogar, dass seine an der Grenze zur Überheblichkeit wandelden Statements ("For me, the tournament really starts tomorrow") die Szene beleben.

Keiner sagt was zu Carlsen-Anand? Eine Partieanlage mit Sce2 als Krönung seines Weisspartienüberschusses - wirkt wenig inspiriert.

Und Kramnik nimmt unaufällig Tempo auf. Aronjan spielt noch gegen die Kellerkinder und wird das Turnier womöglich nach Hause bringen.

Die Blogberichte sind super - Danke

Riku
22.01.2011 23:23

@ podolle rechne mal so eine stellung mit weniger als einer minute auf der uhr korrekt durch.... ^^

hanjie
22.01.2011 23:42

Nun, wie die Burschen teils auch sehr komplizierte Endspiele korrekt behandeln, zeigt dann doch recht deutlich, dass sie das sehr wohl tun ;)
Selbst Gusti hat schon n paar schöne Endspiele gezeigt, und das obwohl er offen zugibt, dass er sie nicht mag ...

War es Ivanchuk, der vor kurzem das S+L gegen K - Endspiel quasi heruntergeblitzt hat? DAS fand ich schon fast zermürbend gegenüber dem Amateurvolk *lach*

Das Psychologische indes kann man, denke ich, wirklich nur durch spielen, spielen, spielen lernen, am besten gegen so starke Gegner wie möglich.

Nisipeanu wurde mal gefragt, was das härteste an seinem ersten Superturnier war. Er antwortete sinngemäß dass man damit erstmal klarkommen müsse, dass die Gegner selbst wenn seine Wunscheröffnungen aufs Brett kommen extrem zäh sind und immer noch mehr Probleme stellen können als er es zuvor gewohnt war.
Das fand ich sehr interessant. Zeigt, dass die Anspannung gegen die Topleute eine noch ganz andere ist als gegen jene, die "nur" 2500-2600 auf die Waage bringen.

Achja, Nakamura: Unglaublich, wie saustark er schon ist. Wenn er so weitermacht, wird er auch dauerhaft die Großen Anand, Carlsen, Aronian und Topalov ärgern können ...

Deppenansichten
23.01.2011 00:49

Blabla - warum sagt jeder - gute, junge Spieler seien Talente? Die sind doch nur früh, streng und schachlich gut erzogen worden. Seit Polgar das mit seinen Töchtern bewiesen hat, sollten das nun doch alle wissen.

hanjie
23.01.2011 01:28

@Deppenansichten: Just bei Carlsen lässt sich DAS nun wirklich ausschließen, denn Norwegen ist nicht grade bekannt für Top-Trainer ;) - und vor Kasparovs Training spielte Carlsen auch einfach mal frei Schnauze seine Eröffnungen. Toptrainer, wieso? Er ist doch eh stark genug ;)

Auch mit viel Arbeit gibt es ohne Talent Grenzen. Ich denke schon, dass gänzlich OHNE Talent auch die Polgar-Sisters nicht weit gekommen wären.

Hat aber fast schon was Philosophisches, wie weit man ohne großes Talent, aber viel Disziplin kommt.

@hanije
23.01.2011 08:57

Es gibt mehrere wissenschaftliche Untersuchungen, oftmals auch mit Schach als Grundlage, dass es Talent, kaum bis gar nicht gibt.

Rumo
23.01.2011 11:23

Klar gibt es Spielertypen, die sich auf ihre praktische Stärke am Brett verlassen, und andere, die sehr auf ihre Heimvorbereitung angewiesen sind. Und genauso klar ist beispielsweise McShane eher ersteres, und Smeets eher zweiteres.

Dass die Praktiker i.d.R. unter Schachspielern das höhere Ansehen genießen, ist eine weitere Tatsache, die nicht einfach so weggeht, wenn man sich bitterlich darüber beklagt, wie ungerecht sie doch ist.

Aber daraus, dass Smeets mit seinen reinen Heimvorbereitungssiegen unter vielen Schachspielern in einem geringeren Ansehen steht, folgt natürlich nicht, dass er seinen Spielstil und seine Partieanlage ändern sollte. Wer fleißig an Schach arbeitet, und sich in lange ausanalysierten konkreten Varianten wohlfühlt, der sollte natürlich auch weiterhin das Botvinnik-System spielen, selbst wenn sich nicht ausschließen lässt, dass er damit mal gegen Hikaru Nakamura eine Partie verliert. (Als ob er mit Lasker oder Tartakower an gleicher Stelle so komfortabel Remis gehalten hätte.)

Nebenbei hat ihm sein Status als Eröffnungsexperte ja auch einen Job als Sekundant bei einem WM-Kampf eingebracht. (Dass er dabei ausgerechnet Topalov sekundierte ist zwar unerfreulich, tut aber nichts zur Sache. Ein bisschen Prostitution muss eben manchmal sein.)

Littlecapa
23.01.2011 12:00

Ich war gestern in Wijk und habe Smeets Partie live gesehen. War schon seltsam; bis zum 19. Zug ging alles ganz fix. Dann spielt Nakamura Dd2 und Smeets denkt eine halbe Stunde nach. Und nach ein paar weiteren Zügen hatten alle das Gefühl, dass Smeets richtig schlecht steht.

So ungewöhnlich sieht Dd2 ja nicht aus; ich häte erwartet, dass der Zug in der Vorbereitung untersucht worden wäre. Wäre mal interressant zu wissen, was da schief gelaufen ist.

P.S.: War abends noch im Bistro Sante (ist nur 500m vom Turniersaal entfernt). Das Sate dort ist wirklich gut.

Aro
23.01.2011 12:55

Nochmal zum Franzosen-Betrug: Der Vorwurf passt zu meinen eigenen Erlebnissen. Ich habe 2010 im Sommer in Biel gespielt, dort war auch eine französische Delegation mit Hauchard, Feller, Maze etc. Da haben ich und andere Spieler "live" mitbekommen, wie das französische "Kolllektiv" die laufende Partie Hauchard - Pelletier manipuliert hat. Ein Franzose, der selbst nicht mitspielte (Marzolo?), analysierte die Partie ganz offen und ungeniert an einem Laptop im Analysebereich und überbrachte dann seine "Erkentnisse" im Schweinsgalopp an Hauchard im Turniersaal. Wir haben das dann der Turnierleitung gemeldet, und soviel ich weiß sind die Franzosen jetzt für Biel gesperrt worden.

Riku
23.01.2011 13:51

@ Jan kannst du mal die heutige Partie Anand-Aronjan analysieren? Die beiden haben ihre Züge im Marshall innerhalb weniger minuten runtergeblitzt ( etwa 10 minuten für 25 züge)

kenne ich
23.01.2011 14:43

So etwas ähnliches ist mir mal in San Franciso passiert. Ich habe da gegen Juden im Park um 5 Dollar pro Partie gespielt und plötzlich fangen die beide an heftig in Jidisch sich zu unterhalten. Ich meinte:"Hey, please stop that!" Und die meinten frech sie würden sich nicht über die Partie unterhalten. Die 5 Dollar habe ich aus Angst auch bezahlt.

Horst Honken
23.01.2011 14:47

@@hanije: Dann nenn mal ein paar und erklär vielleicht auch noch, warum die überzeugender sind als diejenigen, die Erfolg als Kombination aus Talent und Übung erklären.
@ Rumo: In schwächerem Ansehen steht Smeets evtl. bei manchen Amateuren, die das Ideal des Naturschachspielers hochhalten, mit Sicherheit nicht bei seinen Profi-Kollegen.

@Horst Honken
23.01.2011 15:15

Hast du dich mit den Studien beschäftigt, ich habe nämlich durchaus Interesse dazu Stellung zu nehmen, aber nicht, wenn sich jemand damit nicht auskennt und ich noch alle möglichen Studien vorher erklären müsste um dann auf den Punkt zu kommen.

Horst Honken
23.01.2011 16:22

Mit einigen ja, mit allen sicherlich nicht. Kannst ja auch ein paar Links für Interessierte posten, dann musst Du nicht alles selbst erklären.

von Bardeleben
23.01.2011 17:12

Interessante Diskussion zum Thema Talent und Übung beim Schach. Die Ergebnisse vieler Studien sind hier über diesen Link zu finden: http://jeays.net/files/psychchess.htm. Ein Zitat: "Chess requires an immense amount of knowledge to be played at its highest levels. It has been estimated that grandmasters have learned between 50 000 and 100 000 patterns and moves.28 As with other difficult tasks, it takes years of intense study to achieve a high level of play."
Ich glaube aber, man braucht nicht unbedingt Studien, um sich denken zu können, das weder Talent noch Übung alleine reichen, erfolgreich Schach zu spielen. Wer keine Disposition zu abstraktem Denken mitbringt und ein schlechtes Gedächtnis hat, wird auch mit jahrelanger Übung wohl kaum jemals ein Großmeister werden, aber auch ein noch so großes Genie wird ohne Vorbereitung etwas reißen können.
Man kann vermutlich mit viel Zeit aus (fast) jedem einen guten Schachspieler machen, aber nur aus Wenigen einen Weltmeister.

Patzerle
23.01.2011 18:03

die Russen haben die Praxis entwickelt nach 2 Niederlagen in Folge in der dritten Partie keinesfalls auf Gewinn zu spielen, sondern um jeden Preis ein Remis anzustreben, da man ansonsten den Heldentod stirbt, wie die Erfahrung zeigt.
Irgendwie muss ich daran ständig denken, wenn ich Smeets derzeit spielen sehe. Er verliert Partie um Partie, aber spielt weiter die schärfsten Eröffnungen - auch heute hatte er ne gute Stellung nach der Eröffnung - aber er verliert diese Stellungen eben hintenraus, was bei der ständigen Zeitnot und nach der Niderlagenserie nicht überraschend kommt... :-(

podolle
23.01.2011 19:13

@Riku
Ok, Zeitnot spielte sicherlich eine Rolle. Ich will nur darauf hinaus, dass 57. g3 sehr riskant ist, und es das Zeichen eines guten Praktikers sein könnte, sich entweder durch Abwartezüge mehr Zeit zu verschaffen oder zumindest kurz durchzurechnen, ob es nicht eine ganz einfache Widerlegung gibt, sodass man den Zug sofort verwerfen kann. Natürlich spielt niemand gern einen Zug wie Tf2, es wäre aber eine clevere praktische Entscheidung gewesen.
Wenn Smeets übrigens so oft in Zeitnot gerät, stimmt vielleicht etwas mit seiner generellen Zeiteinteilung nicht.
Gegen Nakamura: er fasst mit 21. ... Lc6 den Plan, den Sa4 zu erobern. In einer Stellung mit ohnehin weißer Initiative ist das schon wieder sehr gewagt. Vielleicht hat er ähnliche Varianten mit der Engine analysiert, aber erfasst den Geist dieser Stellungen nur unvollkommen. Insofern scheint an TMJ´s harscher Kritik ein Körnchen Wahrheit dran zu sein.

fsdfsf
25.01.2011 19:50

herst kommt bei euch auch immer so ein schwarze fläche die so fast die häflte der bilfläche verdeckt???????????????????????????

Mein Kommentar