Jans Kolumne

New York, alter Jan

Die Ruhe vor dem Sturm

So, Schachunski macht Druck. Muss also wohl oder übel eine Auszeit von meiner neuen Passion Prokrastination nehmen und mal gucken, was die letzten Wochen so los war. 

New York

Ich war zwei Wochen in NYC, wie fast jedes Jahr, mir gefällts da! Novum war, dass ich diesmal zum ersten Mal seit 1999 oder so ein Schachturnier in der Stadt gespielt hab.

Nach dem World Open in Philadelphia letztes Jahr wusste ich einigermaßen, was mich erwartet, hab also nicht das Recht, zu sehr über das Turnier zu jammern. Bin eine halbe Stunde vor Turnierbeginn da, kein Mensch weiß, ob die Vorabanmeldung geklappt hat, also nochmal das Ganze. Dann gehts in irgendeinen leeren Raum im New Yorker Hotel. Turnierveranstalter Bill Goichberg hält eine kurze Rede, dass die FIDE ihn zwingt, ne Bedenkzeit mit increment zu verwenden und dass man jetzt bei der Rochade den König vor dem Turm ziehen muss. Beides stößt bei vielen Teilnehmern auf Unmut.

Es wird ein Zettel mit den Paarungen aufgehängt, wir bauen unsere mitgebrachten Bretter und Figuren auf und los gehts. Danach jeden Tag Doppelrunde, die Paarungen werden Minuten vor der Runde bekanntgegeben oder kurzfristig geändert, wenn festgestellt wird, dass man ein "bye" eines Teilnehmers vergessen hat. Bye heißt, wir sagen der Turnierleitung vor dem Turnier "Ich setz in Runde sechs aus, gebt mir dafür nen halben Punkt".

Das Turnier ist wegen einer Konkurrenzveranstaltung in LA nicht besonders stark besetzt. Die Preise sind anständig, aber abzüglich Flug, Unterkunft und 30% Tax für Ausländer auch nicht sonderlich verlockend, so dass mich die Abwesenheit von Europäern nicht wundert. Ich bin an eins gesetzt, spiele aber mal wieder eher meh und werde am Ende 3., einen halben Punkt hinter den Co-Siegern Romanenko und Shabalov. Mein Turnier hing an der Sonntagmorgen-Partie gegen Shabalov:

Gustafsson -Shabalov, Stellung nach 56...Le1

57.a5 und aus. Nicht besonders schwierig, aber in der Partie denke ich keine Sekunde daran und spiele 57.Sd3?? mit baldigem Remisschluß nach Lxf2+ 58.Sxf2 Lxa4. Dachte normale Partie, habs probiert, aber auf dem Gang durch Manhattan zu Yakovs Couch, auf der ich logiere, fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren. Meh. Aber es soll auch nicht verschwiegen werde, dass ich am Vortag gegen Krush völlig auf Verlust stand. Mit einem Letztrundensieg gegen Kudrin versaue ich immerhin noch diesem das Turnier und spiele mein Flugticket wieder ein.

Danach Urlaub! Hab natürlich wie immer die Schach-Hustler am Union Square und Washington Square Park ein bisschen geärgert. Aber auch hier bin ich nicht sehr erfolgreich, weil ich meistens schon im mißtrauischen Interview vor der Partie ("where are you from, what is your rating, are you a master") mit meinem GM-Titel prahle. Aber ich mag die Szene im Park, sehr entspannt.

 

Schach am Union Square

Oh, das Erdbeben hab ich auch mitgekriegt. Die Couch hat ein paar Minuten gewackelt, war nicht sicher, ob es Terroristen oder nur die Waschmaschine des Nachbarn ist und bin liegengeblieben. Dann noch rechtzeitig vor dem Hurricane heimwärts, gutes Timing.

Zurück in Hamburg City bin ich recht beschäftigt, stehe tatsächlich morgens auf und geh zur Arbeit an meinem streng geheimen Projekt! Um pünktlich zu kommen, habe ich eigens eine neue Uhr angeschafft:

Fridmans World cup

Pünktlichkeits-Uhr

Nach Khanty hab ich es ja diesmal nicht geschafft, bei der EM fehlten ein paar Plätze. Einziger Deutscher am Start war Daniel Fridman, der in der zweiten Runde  gegen Mamedyarov (2765) ausgeschieden ist. Ich habe Daniel kurz zu seinem Abschneiden befragt:

J.G. : Daniel, du bist in der zweiten Runde des Worldcups knapp gegen Mamedyarov gescheitert. Wie bewertest du dein Abschneiden und bist du mit deinem Spiel zufrieden?

Daniel Fridman: Insgesamt lief es gar nicht schlecht, ich habe acht Elopunkte zugelegt. Aber etwas enttäuscht bin ich schon, es war machbar gegen Mamedyarov. In Superform war er nicht.

J.G. fangen wir mit der ersten Runde an. Ich war ziemlich beeindruckt von deiner Schwarzpartie gegen Lupulescu, hast du die Sequenz Tfc8 Lc2+ Lf5 Se4 am Brett gefunden oder war das schon zu Hause ausgetüftelt?

Lupulescu-Fridman, Stellung nach 8...Sb4

Lupulescu griff hier zu dem seltenen 9.Kd1 !?, aber Daniel reagierte sehr präzise: 9...0-0 10.Lxc7 Dc8 11.Dxc8 Tfxc8 (!) 12. Lg3 Lc2+! 13.Ke1 13. Kd2 Ne4+ ist nicht besser, fragen sie den Houdini ihres Vertrauens 13...Lf5! 14.Td1 ?! spielt auf Gewinn, aber ist wohl zu riskant. Besser war 14.Tc1 oder mit 14.Kd1 die Züge zu wiederholen Se4! 15.Sxe4 dxe4!, und Schwarz bekam Oberwasser, 0-1 (34).

D.F.: Ich bin schon von Kd1 überrascht worden. Ich glaubte, das auch angeschaut zu haben, konnte aber nach der Partie keinen Beweis dafür in meinen Notizen finden. Habe also alles am Brett gefunden.

J.G. Respekt!

D.F.: Danke

J.G. War es dein erster Besuch in Khanty,wie war dein Eindruck?

D.F.: Ja, war das erste Mal da. Für viele war es schon der fünfte Besuch.. Es lief alle glatt. War nicht kalt, so um die +10 Grad, Hotel und Spielhalle waren in Ordnung und alles in allem war es gut organisiert.

J.G. Nice, war auch immer mein Eindruck. Du hast den weiteren Turnierverlauf bestimmt verolgt, wem drückst du die Daumen und wer ist dein Turnierfavorit?

D.F.:  Polgar und Potkin wünsche ich am meisten Glück. Favorit ist schwer zu sagen, am solidesten spielen bisher Radjabov und Jakovenko, meiner Meinung nach.

J.G. ok, Potkin als Mülheimer Kollege verstehe ich, warum Polgar?

D.F.: Einfach so, ich mag ihren Spielstil und es wird lustig, wenn sie gewinnt. Außerdem ist sie bisher ohne Tiebreaks durchgekommen!

J.G. Daniel, vielen Dank für die Auskünfte und viel Erfolge bei den nächsten Turnieren!

D.F.: Danke auch. Bis die Tage!


Ich (J.G.) drücke natürlich eher den Badener Kollegen PBS und PHN die Daumen, die es unter die letzten sechzehn geschafft haben. Morgen bekommen sie mit Kamsky (Svidler) und Gashimov (Nielsen) schwere Brocken, schaun mer mal!

Die Schachaufgabe des Tages stammt aus dem "Skandalmatch" Navara-Moiseenko, in dem der Tscheche kurz vor dem Mattsetzen ins Remis und damit den Tiebreak einwilligte, weil es vorher eine strittige "Berührt-Geführt" Situation gab. Auch wenn es aus meiner Sicht nichts zu diskutieren gibt, wenn ein Spieler beim Ziehen des Läufers versehentlich den König streift, aber sicher eine faire Geste von Navara, der das bessere Ende für sich hatte und den Tiebreak gewann. Wie hätte Moiseenko in der Diagrammstellung deutlich in Vorteil kommen können?

 

Moiseenko-Navara, Stellung nach 23...Sh6

World Cup

57 Kommentare
Gerhard
06.09.2011 08:42

Ja, Polgar würde ich auch ein gutes Vorankommen zutrauen. Auch bin ich jetzt Neu-Sympathisant von Navara.

Frankilein66
06.09.2011 09:36

Herzlich willkommen bei den unanonymen Prokrastinaten! Ein wirklich spannendes und ausfüllendes Hobby, das ich schon lange leidenschaftlich betreibe.
Ich darf ohne unbescheiden sein behaupten, dass ich es bei der Prokrastination über Jahre zu großer Fertigkeit gebracht habe die leider meine schachlichen Fähigkeiten bei weitem übersteigt!
Ich wünsche ihnen jedenfalls viel Spass bei ihrer neuen Leidenschaft!

Südschachfreund
06.09.2011 11:07

Jetzt muss ich mal eine Frage an alle richten: Wer ist Schachunski? Muss man den kennen? Ich weiß nur, dass der bloß "Quatsch" spielt. Wäre dankbar, wenn mir das jemand sagen könnte.

Gerhard
06.09.2011 16:13

Südschachfreund, nachschlagen in Gustis Blog hilft.

Heute gab es ja eine Menge unerwarteter Ergebnisse. Wohl die ersten (oder zweiten) Anzeichen von Müdigkeit.

Thomas Oliver
06.09.2011 19:30

@Gerhard: Wieviele Ergebnisse beim World Cup waren für Dich unerwartet? Am ehesten Potkin-Grischuk 1-0, aber Potkin ist eben gut drauf und Grischuk hat's vielleicht mit dem Risiko etwas übertrieben (11.-Sh5?!!). Dass Polgars Lauf nicht unbedingt endlos oder bis zum Turnierende weitergeht, damit war zu rechnen, und Dominguez ist ja auch nicht schlecht. Die anderen Resultate waren erst recht keine Sensationen - ausser vielleicht man ist Ami und lobt Kamsky verfrüht in den siebenundzwanzigsten Himmel.

Was Navara betrifft: für mich ist er nicht erst seit gestern ein sympathischer, oft unterschätzter oder übersehener oder ignorierter Spieler der erweiterten Weltklasse.

Krocker
06.09.2011 19:52

Die größte Überraschung für mich:
6 Entscheidungen bei nur 2 Remisen

Gerhard
06.09.2011 22:16

@Thomas Oliver, bitte nicht so hart urteilen ;.-)
Ich weiß schon, was ich rede.
Dominguez hat mich enttäuscht, mit seinem Hecheln nach dem Armageddon hin.
Potkin ist natürlich echt nicht zu übersehen und hat ein mächtiges Pfund drauf.
Daß der fabelhadfte Kamsky verliert, verblüffte mich doch.
Navara hat in der Vergangenheit m.E. nicht so geglänzt. Hat er nicht sogar gegen Polgar 2010 deutlich ein Match verloren???
Naja, seine letzten Partien waren wirklich überzeugend und er kann recht weitkommen.

Insgesamt lässt sich nicht sagen, wer die meiste Kraft in den letzten Runden hat. Genie zählt weniger als Schweiß und Standhaftigkeit. Ich hoffe, daß Iwantschuk weiterhin seine Klasse zeigen kann.

andialb
07.09.2011 00:00

Die unbekannte Muse Schachunski, muss die unbekannte Muse Schachunski bleiben. Es gibt einfach keinen besseren Namen für ihn! Konzentrieren wir uns weiterhin lieber auf den Blogautor und das Kampfschach, dass zur Zeit mal wieder alle Remisdiskussionen einfach zu heißer Luft werden läßt. Mal sehen wer morgen noch zurückschlagen kann. Ich denke am ehesten Judith, oder Kamsky.

Frankilein66
07.09.2011 07:59

Für mich ist Peter Svidler der Favorit. Er ist im Moment in Superform und spielt mit dem Rückenwind des russischen Meisters selbstbewußt auf.
Auch Dominguez würde ich nicht unterschätzen, er und Bruzon haben sich anscheinend vorgenommen, der Welt zu zeigen wie stark das Kubanische Schach ist.
Gespannt bin ich auf Grischuks Strategie heute, auf ein Remis nach wenigen Zügen wie es Morozevich Grischuk serviert hat darf Potkin jedenfalls nicht hoffen.

Thomas Oliver
07.09.2011 09:40

Hallo Gerhard,
Na Du hast aber selber hart geurteilt :) und ich war vor allem neugierig was Du genau gemeint hast.
Ich würde Dominguez nicht wegen einem "komischen" Match verurteilen - an dem natürlich zwei beteiligt waren, wobei Lysj als Aussenseiter vielleicht mehr "Narrenfreiheit" hatte.
Kamsky-Svidler: Svidler ist eben auch fabelhaft, jedenfalls wenn er in Form und entsprechend motiviert ist. Z.B. ist sein Titel als Russischer Meister (gegen stärkste Konkurrenz) wohl etwas mehr wert als Kamskys US-Meistertitel.

Navara - ich hab mir das mal genauer angeschaut. Er ist sicher etwas instabil - na und, das gilt auch (mit höherem Elo-Mittelwert) für Ivanchuk, Morozevich und Shirov. 2006/2007 hatte er bereits Elo um 2720, im Oktober 2006 reichte das für Platz 13 auf der Liste. Dann fiel er bis auf Elo 2633 zurück, u.a. durch eine katastrophale Bundesligasaison (4.5/13, Elo -43), und jetzt ist er wieder da. Das Match gegen Polgar war Schnellschach - hab' mir die Partien nicht angeschaut, kann aber sein dass er nach schlechtem Start zuviel riskierte weil's ihm (da nicht Elo-ausgewertet) egal war wie hoch er am Ende verliert. Geglänzt hat er dieses Jahr in Wijk aan Zee B (und darf deshalb 2012 eine Etage höher spielen), danach ging die Europameisterschaft wieder ziemlich daneben.

Gerhard
07.09.2011 10:20

@Thomas Oliver,
Navara hat auch mal Mainz gewonnen...was mich damals stark überrascht hat, bei all den Schwergewichten um ihn rum. Er hat sich keinen Lapsus erlaubt, während andere wie etwa der zwichenzeitliche Leader Moro nach glänzenden Partien gegen Topleute relativ leicht daneben griff.

Mir fällt auch allgemein auf, daß ich meist nur Partien bestimmter Akteure nachspiele. Dadurch kann man natürlicht nicht bzgl, Spieler-Profilen dazulernen.

Mynona Zwo
07.09.2011 12:18

Zur Schachaufgabe des Tages (wegen Prokrastination erst heute): ist 24.Le5 gemeint? Der L kann schlecht genommen werden weg. 25.Sd7. Und auf 24.-Thc8 25.Tdc1 f/de5 gewinnt W mit 26.Sa6 die Qualle gegen allerdings zwei Bauern.

lvapatzer
07.09.2011 12:26

David Navara profitiert/leidet (ist meiner Ansicht nach nicht geklärt) wohl von/unter dem Asperger Syndrom.Wenn der Junge mal die damit einhergehenden Beeinträchtigungen in den Griff kriegen sollte,dann aber aufgepasst!

Thomas Oliver
07.09.2011 13:38

Svidler war schon wieder fabelhaft. 26.-Te2!! (Idee 27.De2: Dg3 und matt) hat sicher Spass gemacht - gibt es ein ähnliches Motiv schon in einer früheren Partie bzw. in einem Taktik-Lehrbuch?

Matwejewitsch
07.09.2011 14:53

Na ja, das ist ein hübscher Zug aber kein bahnbrechend neues Motiv, sondern eine Mischung aus zwei altbekannten. Dg3 bei gefesseltenem f2 ist nun wirklich keine Sensation und Te2 ist eben ein Ablenkungszug, der Sc6 auf Dg3 verhindert...
Wie auch immer, Svidler ist jetzt für mich neben Radjabov Topfavorit!

Lasker
07.09.2011 16:46

Judit findet den Gewinnweg auf den letzten Drücker am Brett,
man - war das spannend !!

PBS Fan
07.09.2011 17:43

Auf http://chess.ugrasport.com/ gehen Home klicken, bis 15:40 vorspulen und die bis dato längste und interessanteste Pressekonferenz des Turniers verfolgen. Peter geht u.a. auch auf Navara´s " Skandalpartie" ein.

Heiko Machelett
07.09.2011 20:22

Von mir auch nochmal ein "Hut ab!" für die Geste von David Navara.
Ich kenne ihn schon recht lange und habe ihn als sehr fairen Spieler und symphatischen Menschen erlebt.
Auf einer "most underrated player-list" rangiert er bei mir schon lange auf Pole. :)
Gerade deshalb drücke ich ihm von hier aus alle Daumen für sein weiteres Turnier.
Allerdings sind meine Turnierfavoriten Peter Svidler und Alexander Grischuk, in der Reihenfolge.

Abschliessend noch viele Grüße an Gusti verbunden mit der Hoffnung, daß diese Homepage noch lange so erfolgreich bleibt.

mf
07.09.2011 23:54

Ich kann das Verhalten von Navara nicht nachvollziehen. Wenn er den König, wenn überhaupt, unabsichtlich (er ist nicht mal sicher ob er das getan hat) berührt hat, gibt es keinen Grund, dem Gegner in Gewinnstellung remis anzubieten. Auf dem Video ist überhaupt keine Berührung zu erkennen, Navara führt seinen Zug ganz normal aus (kein Zögern). Ich finde das Verhalten von Moissenko unfair. Dass er remis akzeptiert hat am Schluss kann ich aus finanziellen Erwägungen verstehen, aber auch das hat mit Fairplay nichts zu tun. Auf chessdom.com wurden dann noch beide als Vorbilder gerühmt. Navara ja, Moissenko ist für nach diesem Vorfall eher auf der anderen Seite.

Gerhard
08.09.2011 09:19

Ich sehe das auch so wie mf.
Allerdings kann ich verstehen, daß man in gespannter Situation ein geschenktes Remis akzeptiert. Soviel Geistesgegenwärtigkeit (und Größe) zu haben, um das Remis ad hoc abzulehnen (was ich auch für passend gefunden hätte), steht nicht immer zur Verfügung.
Dies ist ein Sport...und gewöhnlich geht es um das "Überwinden" des Gegners, worauf alles mental ausgerichtet ist und das schon immer. Andere Aspekte wie etwa das Anerkennen einer schönen und Kreativen Leistung des Gegners fallen unter den Teppich.

Frankilein66
08.09.2011 10:43

Peter Svidler hat in seiner gestrigen PK das richtige zum "Fall" Navara gesagt. Es gibt die Regel "berührt-geführt". Navara hat zugegeben den König berührt zu haben, also hätten die Schiedsrichter einen Königszug verlangen müssen. Man hätte die Entscheidung darüber nicht den Spielern überlassen dürfen, das gibts in anderen Sportarten auch nicht. Deswegen gibt es Regeln und Schiedsrichter!

Schachus
08.09.2011 15:12

Das hat Svidler überhaupt nicht gesagt. Er sagte, wenn es nicht absichtlich passiert ist, was offensichtlich nicht der Fall war, dann soll nicht Moiseenko Navar die Aktion "vergeben" müssen. Stattdessen muss der Schiedsrichter klarstellen, dass die Regel nur auf absichtliche Berührungen anzuwenden ist. Das ist meiner Meinung nach deutlich etwas anderes und ich gebe Svidler recht(aber nur wenn er es so meinte, wie ich es verstanden habe)

Schachus
08.09.2011 15:38

Das hat Svidler überhaupt nicht gesagt. Er sagte, wenn es nicht absichtlich passiert ist, was offensichtlich nicht der Fall war, dann soll nicht Moiseenko Navar die Aktion "vergeben" müssen. Stattdessen muss der Schiedsrichter klarstellen, dass die Regel nur auf absichtliche Berührungen anzuwenden ist. Das ist meiner Meinung nach deutlich etwas anderes und ich gebe Svidler recht(aber nur wenn er es so meinte, wie ich es verstanden habe)

Andreas
08.09.2011 16:41

Eigentlich ist eine solche Situation in den FIDE-Regeln recht eindeutlich geregelt:

4.3 Berührt der Spieler, der am Zuge ist, den Fall von Artikel 4.2 ausgenommen, absichtlich auf dem Schachbrett
a) eine oder mehrere eigene Figuren, muss er die zuerst berührte Figur ziehen, die gezogen werden kann

Geht man davon aus, dass den Spielern auf diesem Niveau diese Regelung bekannt ist, kann man sich mit Verweis auf das Wort "absichtlich" die ganze Diskussion um Fairness etc. sparen. Also: eine versehentliche (=zweifelsfrei nicht absichtliche) Berührung einer Figur bleibt ohne Konsequenz für die Partie.

Knallo
08.09.2011 22:30

Wem hier ist es noch nie passiert, daß sein Gegner beim Ausführen eines Zuges zuerst versehentlich den König umstieß? Ich hoffe, keiner hat dann einen Königszug verlangt!

Ben
09.09.2011 14:59

@ Frankilein66: Das ist ja unfassbar wie Sie die Wahrheit verdrehen...das Interview kann auch in schriftlicher Form hier gefunden werden:
http://chess.ugrasport.com/?p=2698

"Question: Yesterday Alexander Moiseenko and David Navara got a special prize «Fair play». Your opinion on this situation?

Peter: I think that my opinion will not make me popular in this building. I don’t want to criticize anyone, but would say that I don’t hold the opinion of others. David is a man of hypertrophic nobility. It is a very traumatic situation for him. He is very much stressed (usually with no reason) and worries that he will make something wrong. At that moment his worries took half a point from him and made him work the next day. There are FIDE rules and regulations which state how one should behave in this kind of situation: touch — move. It is clear that it was made absolutely incidentally. David was not going to move his King. The Arbiters should have controlled this situation, which, to my mind, should not occur in principle. [...]"

Svidler sagt ganz klar, dass Navara den Koenig nur ausversehen beruehrt hat und es daher KEINE diskussion geben darf, das Navara hier den Koenig ziehen muss. Wie man den Inhalt des Interviews dermassen falsch wiedergeben kann, ist mir wirklich Schleierhaft...

Frankilein66
09.09.2011 16:00

@all

Sie haben recht, ich habe das Interview wohl etwas zu oberflächlich gelesen und fehlerhaft übersetzt. Scheinbar muss ich an meinen Englischkenntnissen arbeiten. Obwohl er darauf verzichten kann, entschuldige ich mich bei Peter Svidler für die Fehlinterpretation seiner Worte!

Ben
09.09.2011 16:08

@ Frankilein66: Das ist ja unfassbar wie Sie die Wahrheit verdrehen...das Interview kann auch in schriftlicher Form hier gefunden werden:
http://chess.ugrasport.com/?p=2698

"Question: Yesterday Alexander Moiseenko and David Navara got a special prize «Fair play». Your opinion on this situation?

Peter: I think that my opinion will not make me popular in this building. I don’t want to criticize anyone, but would say that I don’t hold the opinion of others. David is a man of hypertrophic nobility. It is a very traumatic situation for him. He is very much stressed (usually with no reason) and worries that he will make something wrong. At that moment his worries took half a point from him and made him work the next day. There are FIDE rules and regulations which state how one should behave in this kind of situation: touch — move. It is clear that it was made absolutely incidentally. David was not going to move his King. The Arbiters should have controlled this situation, which, to my mind, should not occur in principle. [...]"

Svidler sagt ganz klar, dass Navara den Koenig nur ausversehen beruehrt hat und es daher KEINE diskussion geben darf, das Navara hier den Koenig ziehen muss. Wie man den Inhalt des Interviews dermassen falsch wiedergeben kann, ist mir wirklich Schleierhaft...

hanjie
12.09.2011 11:54

Erstaunlich, dass es auf diesem Niveau überhaupt Diskussionen über versehentliches Berühren gibt ...
Ich erinnere mich an Videos, wo Topleute aus Versehen irgend eine Figur in der Zeitnotphase umwerfen und diese dann ohne dieses "jàdoube" (wie zum Henker man das auch schreibt) wieder aufstellen. Hab noch nie erlebt, dass dann irgendwer "jetzt müssen Sie die Figur aber ziehen!" geplärrt hätte.

So wie ich es verstehe, trifft Navaras Gegner auch keine Schuld, Navara hat ja von sich aus das Remis angeboten, weil er wähnte dass er nun den König ziehen müsse. Dass der Einzige der das zu entscheiden hat der Schiedsrichter ist, just das stellte Svidler nochmal klar!

Weswegen ich sagen würde: Viel Rauch um nichts. Navara machte sich einen Kopp um garnix und reagierte aus dem Affekt heraus unnötig "großherzig". Sein Gegner nahm das Geschenk, sicher ebenfalls sehr verblüfft, an.
Da Navara weiterkam, war im Prinzip ja nichts passiert. :)

Vielen Dank an Jan für die Beschreibung diverser amerikanischen Gepflogenheiten bei Schachturnieren. Auch wenn es merkwürdig klingen mag: Das macht Lust, mal eines davon auszuprobieren! Es wirkt so herrlich anarchistisch. :)

Mattovsky
12.09.2011 22:23

Navara, Schmavara, so ein Quatsch, da kennen zwei Super-GMs die Regeln nicht und kriegen auch noch einen Preis dafür. So eine alberne Regelfrage wird natürlich wieder ausführlich und leidenschaftlich diskutiert, während die geniale Kombi in Jans Blog keinen Hund hinter dem Ofen hervorlockt. Schade eigentlich.

ebi
14.09.2011 21:03

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass so langsam aber sicher dem Blogger die Lust ein wenig abhanden gekommen ist, denn die Abstände der "Rückmeldungen" werden größer. :)
Was ist denn mit der angekündigten Grünfeld-Rezension, was sagt PBS zum Finaleinzug, über was unterhalten sich Navara und Chucky, wenn sie die 64 Felder verlassen,...es gibt doch soviele Themen - auf gehts.

hanjie
15.09.2011 01:09

@Mattovsky: Vielleicht ist den Leuten auch einfach die Kombi zu hoch ;)
Also mir zumindest. Nein, ich werf jetzt nicht die Engine an und schummle. :p

Als der Blog n paar Tage off war, hatte ich schon ein wenig Angst. Umso mehr freut es mich dass es ihn noch gibt!

Vielleicht ja mal eine Analyse einer Partie, die mit Zuhilfenahme des Kartenspiels "Tschach!" gespielt wurde? Hätte schon was, wenn dann in den Kommentaren steht "hier ist nun der Bauer e5 explodiert und alle anderen Figuren direkt um ihn herum hat er mit in den Tod gerissen" ...

Ein Jammer, dass dieses Spiel nicht mehr neu aufgelegt wurde. Ist aber definitiv Tipp, denn macht Laune!

Knallo
15.09.2011 08:29

Mich würde auch interessieren, was Gusti zu den Ergebnissen in Khanty-Mansysk zu sagen hat.

Gerhard
15.09.2011 09:29

Bei der Kombi fällt mir nur 24.e5 ein, mit der Folge 24....cd (erzwungen). 25 Td7 Db6. 26. ef gf, aber danach ist kein großer Vorteil für Weiß zu erkennen. Weiß steht zwar "bullig", aber die schwarze Stellung bricht nicht zusammen und es fehlt etwas Material.

Schade, daß gestern Iwantschuk "zusammenbrach". Der Blackout mit voller Mehrfigur war heftig. Das passiert halt, wenn man nur noch Sekunden hat.

Mattovsky
15.09.2011 10:14

Aha, jetzt geht's doch noch ein bisschen um Schach.
@ Gerhard: Genau so kam es in der Partie. Wenn man am Ende der Variante 27.Tf4 spielt (anstatt Moiseenkos 27.Dd1?!), hat man auch recht schöne Kompensation. Zugegebenermaßen war das auch meine Lösung und ich musste mich vom Computer eines Besseren belehren lassen. Es geht noch stärker und schöner!

Gerhard
15.09.2011 11:20

stimmt, auf 27. Tf4 dachte ich 27...Sf5 hält, aber da kommt ja 28.Sh4! Aber da S zwei Mehrbauern hatte, muß es schon einigermassen druckvoll zugehen.

Peter B.
15.09.2011 13:49

Die Kombi ist brutal schwierig. Ich hatte kurz auf 1. Sd7 Dxc4 2. Sde5+ und Gabel mit Damengewinn gehofft, aber es steht ein Bauer zu viel da...

Aber, gute Nachrichten: Laut Mitteilung auf der Schachbundseite ist die A-Nationalmannschaft wieder mit sehr guter Besetzung (also auch mit Jan) bei den Mannschaftseuropameisterschaften dabei.

BigZetto
15.09.2011 14:44

Tag Jan,

finde es wirklich schön das Deutschland wieder seine Besten Kräfte zieht. Ist über die Vereinbarung stillschweigen vereinbart worden oder kannst du kurz darstellen, welche Forderungen der Spieler erfüllt worden sind?

Ansonsten wünsche ich euch natürlich alles gute und viel Erfolg... wird bestimmt wieder richtig spass machen euch zuzugucken.

Hoffe es kommt auch wieder mal was neues von dir :). Kein Druck, aber deine Fangemeinde wartet halt auf Nachrichten vom Chef ;).

LG

Marc

Lasker
15.09.2011 14:49

Gerhard,

Nerven gezeigt hat Ivanchuk vor allem in der ersten Partie,
der zarte Vorteil von Weiß mündet in ein Turmendspiel, das glatt remis ist. Ivanchuk zeigt Nerven und im 38. & 39. nur zweitbeste Züge - 42...g4 ?? wirft die Stellung dann weg -
"Philidor" schon vor Augen...
Das ist bitter...

Gruß
Lasker

Knallo
15.09.2011 16:06

Die Kombination erscheint mir wirklich sehr schwierig.

Knallo
15.09.2011 16:38

Die Kombination erscheint mir wirklich sehr schwierig.

Matwejewitsch
15.09.2011 17:34

Was war denn jetzt mit dem Vorschlag Le5? Das sieht doch eigentlich recht überzeugend aus. Auf Tfc8 geht ja vielleicht auch sowas wie Lf4 !?

Ansonsten hätte ich noch 1.Sd4 dc5: 2.Se6: zu bieten... Nach Db6 seh ich allerdings nichts Besonderes. Nein, eigentlich muss es 1.Le5 sein.

Hausmeister Krause
15.09.2011 18:51

Die Kombi ist in der Tat alles andere als einfach. Für einen Normalo-Spieler wie mich gar nicht zu lösen und auch für Grossmeister bestimmt ne harte Nuss! Hab drei Minuten draufgeschaut und war mir gar nicht sicher....allerdings heisst die Frage nicht wie gewinnt Weiss, sondern wie kommt Weiss deutlich in Vorteil!
Wars irgendwann leid und hab meine neue Engine Houdini 2.0 drauf gehetzt.!! Hammerschnell ging das!! Eine gute Stellung um Engines zu vergleichen. Also, wer 40 Euro über hat und wert auf ne starke Engine legt dem kann ich Houdini2.0 nur empfehlen. Hab den Kauf nicht bereut! Innerhalb von einer Minute wusste ich bereits alles .-) Varianten gebe ich natürlich hier nicht preis.. wär ja auch echt zu billig! Und wer von wem abgekupfert hat ist mir latte Houdini 2.0 ich bin begeistert!! WOW

Gerhard
15.09.2011 19:32

Das Ding könnte vielleicht auch mal in eine Sammlung phantastische Züge. Aber dazu müsste es ausgeführt geworden sein.

Mattovsky
15.09.2011 22:05

@Hausmeister: Wer keine 40 Euro über hat, der kann sich auch mit dem kostenlosen Houdini 1.5 behelfen. Dieser findet die Kombilösung auch sofort. Die 2.0-Version ist nur geringfügig stärker (für den Alltagstagsgebrauch völlig irrelevant), hat aber ein paar Zusatzfeatures, die für manche Leute (z.B. mich) nützlich sind.
@Rest: Gute Ansätze sind da, aber eine vollständige Lösung hat noch keiner genannt.

Mattovsky
15.09.2011 22:15

P.S. Die Matwejewitsch-Lösung ist auch nicht von schlechten Eltern, merke ich gerade. Ich dachte, auf 25.Lf4 sei 25...Dc6 gut, aber dann kommt wieder ein Oberhammer. Meine Herren, Schach kann so schön sein. Damit ist der Tag wieder gerettet.

pipidipapa
15.09.2011 22:17

Was haltet Ihr eigentlich von einem "Jan-ist-der-Grösste"-Flashmob bei der zentralen Bundesligaauftaktrunde???
Man könnte z.B. jedesmal eine lautlose Welle starten, wenn Jan gezogen hat. :-)
Zumindest bei den ersten 10 Zügen. Wir wollen uns ja nicht stundenlang verausgaben.

Spielt Jan überhaupt mit, wenn Anand (und gerüchteweise auch Carlsen) kommen???

Bundes-Uwe
17.09.2011 13:04

Hier ist ja seit geraumer Zeit auch tote Hose. Da war ja früher sogar das Testbild im Fernsehen noch spannender...:-)

ebi
18.09.2011 13:15

http://www.youtube.com/watch?v=pMfV0sVQ_VU

Philipp
18.09.2011 20:46

Alles gute zu deinem Turniersieg heute in Nordhorn Jan !
War echt interessant dich mit anderen starken Großmeistern wie z.B. Naiditsch und van Wely spielen zu sehen.
Was mich noch überrascht hat, ist, dass du Raucher bist (ist nicht schlimm; ich wusste es aber vorher nicht^^)

Tiger-Oli
19.09.2011 23:09

Moin Jan,

herzlichen Glückwunsch auch von mir zum ersten Platz in Nordhorn!

@Bundes-Uwe: bli bla blub, wenn es Dir hier zu langweilig ist, kannst Du Dir ja eine Schachzeitung kaufen.

Arne
19.09.2011 23:25

Glückwunsch zum Turniersieg! :)

Philipp
20.09.2011 17:29

Danke Jan, dass du die 4.Matchpartie von Svidler gegen Grischuk analysiert hast !

Philipp
20.09.2011 17:38

@ Jan
Mir ist gerade aufgefallen, dass an einigen Stellen ein falscher Text vorhanden ist; so ist nach dem 4 Zug zwei mal der selbe Text vorhanden (dies gilt auch für den 12. Zug) weiter hab ich mir die Partie bisher nicht angeguckt.

hanjie
21.09.2011 16:07

Vielleicht sollte uns Bundes-Uwe sich mal einen Glückspullover kaufen um nachvollziehen zu können, dass Aberglaube etwas Wunderbares ist ;)

Freund Svidler also mit Stille hier zum Sieg gebrüllt. Wenn das mal nix ist *g*

ebi
21.09.2011 19:25

Glückwunsch zum Turniersieg!
Vielleicht war ja eine vorzeigbare und/oder lehrreiche Partie dabei...:)

oqttqen
23.05.2014 22:22

oqttqen

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