Jans Kolumne

Nepomniachtchi

Nepo, hier an Brett 1 für Russland 2 bei der Schacholympiade

mehr Platz war nicht für den Titel. Ian Nepomniachtchi ist der neue russische Meister, herzlichen Glückwunsch!

Im heutigen Stichkampf konnte er sich erst in der Armageddon-Blitzpartie gegen Sergey Karjakin durchsetzen. Nepo (den Namen ausschreiben dauert einfach zu lange) zog Schwarz, Karjakin hätte mit Weiß gewinnen müssen. Er versuchte es bis zum Ende, aber ohne Erfolg:

 

Karjakin - Nepomniachtchi, Armageddon Blitzpartie

Hmm, mal ne neue Farbe. Turm gegen Läufer ist remis, wie wir alle wissen, Nepo demonstriert einen einfachen Weg: 57...Kh3 ! orientiert sich in die Ecke, wo der König nie Matt werden kann. Mit dem König auf h1 kann stets der Läufer auf h2 dazwischenziehen, Zugzwang gibt es nie wegen Patt. 58.Kf4 Ld6+ 59.Kf3 Kh2! 60.Th7+ Kg1 61.Tg7+ Kh1 62.Td7 Lb8 63.Kf2 Le5 etc... 1/2 (74)

Karjakin selbst musste in den Stichkampf, weil er in der letzten Runde seine erste Niederlage gegen Malakhov einstecken musste, der spät im Turnier doch noch zu seinem Spiel fand. Ersterer war ja letztes Jahr vom ukrainischen zum russischen Verband gewechselt und wird von diesem seitdem mit Trainern und anderem unterstützt. Aus seiner Sicht völlig verständlich, ob Spieler wie Grischuk davon so begeistert waren, weiß ich nicht. Wie dem auch sei, Karjakin zahlt es mit ausgezeichneten Ergebnissen zurück: 8/10 bei der Schacholympiade, Sieg beim Tal-Memorial und nun fast sein erster russischer Meistertitel. 

Auch der Meister selbst kann auf ein überaus erfolgreiches Jahr zurückblicken. Nepo gewann die Europameisterschaft, glänzte bei der Olympiade mit +4 am Spitzenbrett, nun dieser Sieg. Mir ist aufgefallen, dass er viele Punkte in ruiger, technischer Natur geholt hat, er scheint sich von einem trickreichen Taktiker zu einem kompletten Spieler entwickelt zu haben. Stellvertretend hierfür sein Sieg gegen Svidler, der mich persönlich natürlich nicht begeistert hat:

Svidler und Grischuk landeten mit +2 auf den Plätzen. Kein schlechtes Ergebnis, aber zufrieden werden sie sicher nicht sein. Ansonsten lag kein Teilnehmer im Plus, besonders Jakovenko, Zviagintsev und Khismatulin werden sich mehr versprochen haben.

7 Kommentare
Merijn
23.12.2010 13:10

16...Bb7 actually transposes to RYBKA-PANDIX, Leiden 2010 (which can be found in the Megabase)

Great piece sacrifice in the end! Keep up the good work!

lvapatzer
23.12.2010 15:22

danke für das blog und schöne feiertage!

HGS
23.12.2010 15:29

Die Wege, einen Turniersieger zu ermitteln werden immer lächerlicher!
Früher wurden die Preisgelder bei Punktgleichheit geteilt, der mit der besten Feinwertung bekam den Topf und fertig.
Heute: 3-Punkte-Regel, Schnellschachmatch Blitzmatch und als Krönung Amargeddonpartie - in der der Vorteil klar bei Schwarz liegt. (Jan: Korrigiere mich bitte, wenn ich falsch liege.)
Das ist, als wenn man bei einem Marathon sagen würde: Der Sieger wird unter den ersten beiden auf einem 100m Sprint ermittelt.
Nicht zu vergessen die legendäre Roulettekugel (Hüber-Smyslov 1983).

Jan
23.12.2010 19:56

@HGS: Ich habe in Armageddonpartien immer Weiß genommen und würde dies stets bevorzugen. Wieviele Blitzpartien enden schon remis? Mit Weiß spielt es sich einfach leichter, die Vorgabe ist klar und mehr Zeit gibt es auch. Ich habe keine Statistik zur Hand und glaube, die meisten bevorzugen Schwarz, aber meine Präferenz ist eindeutig.

Lasker
23.12.2010 21:45

Ich wünsche Dir ein schönes Weihnachtsfest, Jan
und allen Lesern natürlich auch.

Das Endspiel Nepo-Svidler schaue ich mir dann über die F-Tage mal an und werde dann berichten ....
Neeee, war nur en Späßle. :-)

Macht einfach Spaß hier zu lesen. :-)

Gruß
Lasker

hanjie
23.12.2010 23:53

Ich finde das Stichsystem auch reichlich merkwürdig: Da schlägt Karjakin in der regulären Partie Nepo und wird dann Zweiter, weil er in einer BLITZpartie gegen ihn dann verliert? Da wehen mir die Haare, und bestimmt nicht aus Entzückung ...

Bei exakt gleicher Wertung kann ich solche Sudden Deaths ja noch irgendwo nachvollziehen. Nicht aber, wenn der direkte Vergleich klar ist. Meine bescheidene Meinung ist, dass bei Punktgleichheit _immer_ zuerst der direkte Vergleich zählen sollte.

SchuBi
24.12.2010 12:56

Mark Ginsburg schreibt in http://nezhmet.wordpress.com/2010/12/22/the-fabulous-10s-russian-superfinal/ , daß Schwarz im 29. Zug (statt Kh6) bzw. im 30. Zug gute Remischancen hätte wahrnehmen können.

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