Jans Kolumne

Nachtarbeit

Am heutigen Sonntag geht es ohne Unterbrechung weiter, die vierte und entscheidende Partie der Kandidatenmatches steht an. Der ersten Runde, versteht sich.

Das bedeutet, dass ich mit Sicherheit nicht der beste Schachspieler bin, der diese Nacht um 03:40 noch wach ist. Denn während die Bosse ruhen, haben deren Helferlein die Aufgabe, bis morgen früh alle Eröffnungssorgen verschwinden zu lassen.

Aus Neugier und Sympathie zu diesem Berufsstand habe ich unseren Korrespondenten vor Ort beauftragt, mich mit einer Liste der offiziellen Sekundanten zu versorgen. Meine Recherchen ergeben folgendes:

Team Aronian: Movsesian, Sargissian

Team Grischuk: Auslandskorrespondent, x

Team Kramnik: Karjakin (!), Efimenko

Team Gelfand: Rodshtein, Huzman

Team Kamsky: Sutovsky, Volokitin

Team Mamedyarov: Ubilava, Mamedov (?)

Team Topalov: l'Ami, Cheparinov

Team Radjabov: höchste Geheimhaltungsstufe, versteckt in einem anderen Hotel.

Um den Job eines Sekundanten zu verdeutlichen, folgt ein kleines Lehrvideo. Im Idealfalle sieht es so aus, der Sekundant sitzt links:

Das Löffelspiel

Flash is required!
YouTube, von omarb13

Nach diesem kurzen Exkurs wollen wir uns nun aber den eigentlichen Protagonisten zuwenden.

Kramnik-Radjabov:

Drei Remisen, bisher das langweiligste Match. Kramnik hat mit Schwarz zweimal locker mit der Lasker-Verteidigung im Damengambit gehalten, er scheint sich vorbereitet zu haben... Die Überraschung war, dass Radjabov mit Schwarz auf sein geliebtes Königsindisch verzichtet und ebenfalls Damnegambit/Katalanisch-Gewässer ansteuert. Die für mich interessanteste Stelle kam schon früh in der Partie:

Kramnik-Radjabov,Stellung nach 6...dxc4

Schon tausendmal dagewesen, manchmal greift der Anziehende hier zu 7.Se5, in der überwältigenden Zahl der Fälle aber zu 7.Dc2, was auf den Haupzug a6 die Möglickeiten 8. a4 oder 8.Dxc4 eröffnet. Kramnik aber griff zu dem seltenen 7.Da4, was ihn zwingt, auf a6 mit 8.Dxc4 fortzufahren. Wie kommts? 

Die Schuld hat einer meiner Ex-Bosse, Ivan "El Gordo" Salgado. Bei der EM griff er nach 7.Dc2 zu b5!?? 8.a4 b4, gewann schnell und berichtete Paco und mir beim Essen "hoy refute la Catalana!" Wir ham ihm natürlich kein Wort geglaubt, uns nach aber einem kurzen Check beeilt, beide seine Idee zu kopieren, Paco noch im selben Turnier, ich in Thailand. Und selbst Kramnik scheint ihm recht zu geben, was uns zu 7.Da4 führt. In der Partie erhielt er damit leichten Druck, aber Radjabov hielt sich. Heute hat Kramnik wieder Weiß, ich bin gespannt!

Gelfand-Mamedyarov:

BIG point für Gelfand am gestrigen Tag, Schwarzsieg mit Najdorf! Nachdem Mamedyarov dagegen in Runde eins noch Druck gekriegt hatte, setzte sich nunmehr Gelfands größere Erfahrung durch. Die Schlußstellung sagt genug:

Mamedyarov-Gelfand, Stellung nach 39...Tb8

Mamedyarov streckte hier die Waffen. Verständlich, dass er sich 40.Lc1 Tb2! 41.Lxb2 axb2 nicht mehr zeigen lassen wollte, aber für uns Kiebitze wärs hübsch gewesen. Trotz Turm und Qualle mehr ist Weiß völlig machtlos gegen die schwarzen Bauern.

Mamedyarov steht nun vor der undankbaren Aufgabe, den supersoliden Gelfand mit Schwarz schlagen zu müssen, um im Match zu bleiben.

Topalov-Kamsky:

Kamsky zeigt schon mit der Neuerung 7.a5!? in der ersten Partie, dass er bereit ist und dass Topalov es keinesfalls leicht haben würde. In Runde zwei gelang ihm dann die neben Gelfands Sieg einzige Gewinnpartie bisher, und wie:

 

Nach einem Schwarzremis steht Topalov nun ebenfalls unter Siegzwang. Was ihm mit Weiß natürlich jederzeit zuzutrauen ist, aber bisher scheint er noch nicht bei 100%.

Aronian-Grischuk: 1.5-1.5

Grischuk hat zu kämpfen, aber er hält! In der ersten Partie kam dies einem Wunder gleich, Dr.Levon hatte mehr Chancen als Bayern gegen St.Pauli. Auch in Runde drei geriet er leicht unter Druck, hielt aber erneut stand.

Ich tippe auf Tiebreak.


Mein Tagewerk ist getan, in ein paar Stunden ist Bramschen (oder Brumchen, der Duden hilft nicht weiter?).

Um 13:00 gehts dann weiter mit den Partien, um 21:30 ein weiteres entscheidendes Spiel 4, Mavericks-Lakers, live auf nba.de! Mavericks führen 3-0, wer hätte das gedacht?

96 Kommentare
pipidipapa
08.05.2011 05:37

Guten Morgen, Jan.

Ich benötige Deine Hilfe.

Unsere russischen Schachfreunde sind wahre Helden. Ich habe selten eine so hoch auflösende Liveübertragung mit mehreren Kamerablickwinkeln gesehen, wie zurzeit bei den Kandidatenwettkämpfen.Noch dazu ist alles gratis. Großes Kompliment also!

Aber warum zum Teufel macht niemand Sie darauf aufmerksam, dass der Großteil der Welt so seine Schwierigkeiten mit der russischen Sprache hat?

Lieber Jan, kannst Du nicht kurz das Thema ansprechen und eine englische Livekommentierung vorschlagen?! Du hast doch Kontakte zur Firma und auch sonst so in der Schachwelt -speziell auch in der russischen Föderation (Svidler)-, vielleicht nimmt jemand der Verantwortlichen Deine Stimme zur Kenntnis.

Es ist ansonsten einfach zu blöd, wenn man mehrere Browser-Fenster für die Videos und für Kommentierung geöffnet haben muss.

Oder bin ich der Einzige, der auf diese Art das ganze verfolgt? Gibt es irgendwo eine kostenlose Alternative mit High-Res-Video und sinnvoller Sprachunterstützung?

pipidipapa
08.05.2011 05:41

Ergänzung:

Ach ja...ich weiß natürlich, dass die Russische Schachföderation von sich aus für seine Mitglieder macht und dass die FIDE eigentlich für die internationale Seite verantwortlich ist...aber Hey!...wenn wir darauf warten müssten, dass die FIDE ihre Aufgaben sinnvoll regeln würde, dann sind wir im nächsten WM-Zyklus noch nicht so weit...

Pretty please, Jan! At least try...for me...and the whole non-russian-speaking chess world...oder so ähnlich.

Marcus
08.05.2011 06:13

Hallo Jan,

das "Sekundanten Video" ist grossartig!!*
Immer abwechselnd und feste druff; wie beim Schach!* :-) selten so gelacht..

lvapatzer
08.05.2011 10:02

@pipidipapa
ich gucke genauso.livebilder,icc radio und chessbomb parallel geöffnet.umständlich,aber es funktioniert.

Erik
08.05.2011 10:45

Nettes Löffelspiel-Video. Erinnert von der Idee her ein bisschen an den Holzklotz-Trick: http://www.youtube.com/watch?v=a6ND1bTUK_8

hanjie
08.05.2011 12:44

Meintest du vielleicht Brunchen?

Vielen Dank für die Analyse, sowohl der Partie als auch der Wettkämpfe. Beides ist außerordentlich interessant. :)

JPS
08.05.2011 15:24

Salgados Katalanisch-"Widerlegung" wurde übrigens auch bei der kürzlich stattgefundenen US-Meisterschaft erfolgreich von Shabalov eingesetzt, ich glaube gegen Shankland. Dass Shabalov ansonsten ein schwaches, Shankland ein starkes Turnier hatte, spricht vielleicht noch zusätzlich für die Variante.

Super Blog übrigens, Du solltest Dich gar nicht verrückt machen, sondern einfach nach Lust und Laune posten.

Riku
08.05.2011 18:36

Unglaublich, dass Kamsky gegen Topalov bestanden hat. Vielen dank für die Analyse der Partie "Topalov- Kamsky" Jan !

Lasker
08.05.2011 20:56

Sehr interessanter Beitrag - Danke!

Riku
09.05.2011 18:24

Jan, kommentier doch mal auf chessbomb anstatt auf dem chessbase server.

Flep
09.05.2011 19:06

Grischuk hat es wirklech geschafft und Aronjan aus dem Turnier befördert! Starkes Stück, sehr spannende Kämpfe heute in den Blitzentscheiden. Und Kramnik konnte sich gegen Radjabov erwartungsgemäß durchsetzen.

hanjie
09.05.2011 19:10

Wie ist's denn letztendlich ausgegangen? Konnte nur einen Teil der Liveübertragung sehen und verlor irgendwann den Überblick über den derzeitigen Punktestand.

Wer aber jemals etwas Negatives über Smeets' Zeiteinteilung sagte, der wird sich bei Grischuk heute nur noch die Haare gerauft haben *lach*

mogelkatz
09.05.2011 21:45

Die Live-Übertragung ist technisch wirklich erste Sahne, wenn man jetzt noch russisch verstehen würde...aber immerhin haben die Jungs, die das kommentieren, ziemlich Spaß dabei...
Die Normalrunden fand ich eher enttäuschend, 14 Remisen in 16 Partien, wobei Aronjan mindestens eine Partie hätte gewinnen müssen. Aber Rapid find ich als Zuschauer optimal, da passert mehr auf dem Brett und nicht alles im Kopf der Spieler.
Schade für Dr. Levon, aber Grischuk hat wirklich gut dagegen gehalten.

Benedikt
09.05.2011 23:25

@hanje:
Grischuk spielt aber mit Sekunden auf der Uhr immer noch sehr stark ;-)

patzerle
10.05.2011 09:17

Aronian ist wohl an seinen Nerven gescheitert, unglaublich, wie er die letzten Partien weggeworfen hat. Grishuk war einfach zäh, aber "eigentlich" der klar schlechtere Spieler insbesondere im klassischen Schach.

Aber das Kramnik match wird wohl in die Geschichte eingehen. Da ist er quasi ausgeschieden, im totremisen Endspiel bleibt die Uhr stehen und dann herrscht Konfusion, es werden absurde Entscheidungen getroffen (Weiterspielen ohne Increment, wenn ich das richtig mitbekommen habe?!) und es flattern plötzlich Radjabov die Nerven und er scheidet auch noch aus. Sowas habe ich noch nie erlebt.

Unabhängig davon, dass es spannend war, muss man wohl sagen, dass diese Kandidatenwettkämpfe ein großer Reinfall sind, denn es haben definitiv nicht die besseren Schachspieler sich durchgesetzt, sondern eben die Leute mit den besseren Nerven bzw. dem nötigen Glück, was natürlich auch wichtig ist, aber wenn es um die WM geht sollten schon die besten spielen denke ich...

Dass Radjabov um ein Haar mit seiner Taktik "alles remisieren und bloß nichts riskieren und dann Kramnik im Blitz ausschalten" fast gewonnen hätte unterstreicht das Gesagte nochmals.

Chessyleaks
10.05.2011 09:31

@patzerle:

"bessere Schachspieler"?

Gehörst Du zu den Spielern, die nach halbwegs richtigen Zügen die ganze Bedenkzeit verbraucht haben, in Zeitnot dann alles wegstellen und glauben, sie wären der bessere Schachspieler, denn mit mehr Zeit wären die Fehler ja nicht passiert?

Besserer Schachspieler ist derjenige, der bei den vorgegebenen Bedingungen am erfolgreichsten spielt. Wer schlechte Nerven hat, muss dass eben durch (noch) bessere Züge kompensieren, oder er ist eben nicht der Bessere.

Möglicherweise hat der andere ein höheres positionelles Verständnis oder versteht mehr von Strategie und Dynamik - bei unendlicher Zeit.

Wie langweilig wäre jeder Sport, wenn es keine Außenseitersiege mehr gäbe, dass diese bei dem vorgegebenen Format wahrscheinlicher sind als bei best of 12 und unwahrscheinlicher als bei dem Worldcup KO-Format mit nur 2 langen Partien, zeigt für mich, dass hier ein Kompromiss gefunden wurde. Aber auch ein Wettkampf über 100 Partien wäre ja nur ein Kompromiss im großen Spiel.

Möchtest Du eigentlich auch, dass Fußballspiele 7 Stunden dauern, um die Wahrscheinlichkeit zu senken, dass "die schlechtere" Mannschaft gewinnt?

Flep
10.05.2011 09:42

Und soweit ich das (live) beobachtet habe, wurden keine "absurde Entscheidungen" getroffen weil mit Increment weitergepielt wurde, Radjabov hatte einfach den Überblick verloren. Es ist auch unfair zu sagen Kramnik hat NUR durch die Uhr gewonnen weil Radja hätte genau so gut sofort mit den 15 Sek einbrechen können was wir aber nie erfahren werden

Gerhard
10.05.2011 09:54

@Patzerle, Grischuk war nicht "der klar schlechtere Spieler". Aronian hat zunächst dominiert, konnte sich aber nicht durchsetzen. Ich dachte mir schon anfangs: Wenn Aronian den Sack nicht zumacht, dann kann es schief gehen.
@Chessyleaks: Ein langer Wettkampf, eine WM mit 24 Partien, hätte den Vorteil, daß das Geschehen hin und hergehen kann. Gewöhnlich gibt es so Phasen, in denen Spieler A "dominiert" und dann wieder Phasen, in denen Spieler "B" das Sagen hat.
Bei kurzen Wettkämpfen gewinnt womöglich der, der EINE Neuerung anbringen kann, that's it!.

Bardeleben
10.05.2011 10:02

@patzerle: Nein, es wurde mit increment weitergespielt, wie man auch in der Liveübertragung auf der russischen Website sehen kann. Wirklich faszinierend, dass Radjabov in den paar Minuten Pause so nervös wurde.
Das Blitzen zum Stechen hat sicher einen starken Zufallsfaktor, aber mir gefällt's, das Elfmeterschießen beim Fußball ist auch ungerecht, aber wer würde heute noch die Wiederholungsspiele sehen wollen, die früher in solchen Fällen angesetzt wurden?

patzerle
10.05.2011 10:13

dieser Modus erinnert mich sehr stark and die FIDE WM im KO Modus Turnier.
Da haben auch Leute wie Khalifman und Kasimdzhanov gewonnen und dürfen sich Schachweltmeister nennen... ich kann darüber nur lachen.
Weltmeister war Kasparov, dann Kramnik, dann Anand und gut.
Alles andere ist ein Witz und kein guter.

Und dieses Turnier scheint wieder so eine Lotterie zu sein, wo Nerven, Glück und im Zweifel Blitzschachqualitäten entscheiden, was für sich interessant ist, aber niemals den wahren Schachweltmeister (bzw. in diesem Fall seinen Herausforderer) hervorbringen kann.
Es sind natürlich 8 superstarke Spieler am Start gewesen und so wird am Ende egal wer sich durchsetzt kein Patzer gegen Anand spielen, aber es wird auch definitiv nicht der stärkste Spieler sein, denn die besten neben Anand sind eindeutig Carlsen und Aronian. (nicht nur wegen der ELozahl, sondern auch wie sie spielen)

Und so sehr ich Carlsens Ausstieg schlecht fand, so sehr muss ich langsam sagen, dass es vermutlich sehr clever war, weil man in diesem Lotto nur verlieren kann und er sich das nicht antun wollte.

Nochmals: jeder der in dem Turnier weit kommt, hat ne sehr starke Leistung erbracht und ist dafür zu beglückwünschen, aber der wahre Herausforderer des Schachweltmeisters, der klar der Zweitbeste Spieler der Welt ist, wird bei diesem Modus, wenn nur durch Zufall rauskommen, und das ist nicht in Ordnung.

Lasker
10.05.2011 10:26

Von Kramniks Vorstellung bin ich mal wieder enttäuscht. Das war einfach lasch. Und im Katalanen geht auch nix mehr. Zweite Weißpartie dann Lf4. Boaah. Was ist los, big Vlad?

Für mich weiter überraschend wie stark sich Kamsky präsentiert. Eröffnungstheoretisch und mental. Ich kann jetzt wirklich nicht behaupten, daß dem Mann schon immer meine Sympathien gehörten (Rustam-Zeit läßt grüßen), aber ich bin immer mehr beeindruckt. Er findet nach der langen Pause nicht nur wieder Anschluß an die erweiterte Weltspitze, sondern legt noch weiter zu. Respekt!

Gerhard
10.05.2011 11:02

@Lasker, so gut wie Kramnik in Endspielen ist: Es gehört zu einem WM dazu, daß er auch Komplikationen gut meistert. Und da hat er offenbar abgebaut. Das war sicher einmal anders: Ich denke an eine berühmte Blindpartie gegen Topalov im Amberturnier oder eine best. Schnellpartie gegen Kasparov Anfang des letzten Jahrzehnts.

Mittlerweile bin ich fast ein Aronian-Fan, aber er ist jetzt ja überaschend ausgeschieden.

Spannend ist jetzt tatsächlich das Abschneiden von Kamsky. Wie ich las, ist Gelfand hier von den Resultaten her hoher Favorit.

Auf alle Fälle ist völlig offen, wer Anand letztlich gegenübersitzen wird!

project_chaos
10.05.2011 11:27

der beste schachspieler ist eh chucky :)

ihm sollte die ehre gebüren gegen anand zu spielen

project_chaos
10.05.2011 11:27

+h

Erik
10.05.2011 11:43

@Patzerle: Warum sollte daran etwas"nicht in Ordnung" sein? Es war doch schon oft so, dass WM-Wettkampfergebnisse anders waren, als es zuvor
erwartet wurde. Keres war z.B. war nie Weltmeister, obwohl er die Schachwelt bei Turnieren und in der Rangliste dominiert hat. Kramnik war während seiner Herrschaft auch nicht bei Turnieren dominant, aber darum gehts ja gar nicht. Es geht um Duelle zur Erlangung des Titels. Um nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Lasker
10.05.2011 12:26

Gerhard,
mag sein, daß jeder der vier Verbliebenen noch Chancen hat, aber ob Kamsky sich weiterhin auf dem hohen Niveau präsentiert? Und Grischuk? Ich glaub´s nicht. Dann noch Gelfand und Kramnik. Beide sehr solide, dem letzteren muß man natürlich die größere Genialität zusprechen, auch die beste Wettkampferfahrung. Also ich meine, Kramnik ist jetzt Favorit, da Aronian und T. draußen sind.
Kramnik müßte sich aber mächtig strecken, um gegen Anand gegenhalten zu können.

Für mich der reine Horror, wenn z.B. ein T. oder gar der oben genannte I. Weltmeister würde (beides glücklicherweise reiner Konjunktiv). Das wäre einfach peinlich für die Schachwelt.
Die für mich positivste Nachricht der 1. Runde CT ist:
T. ist draussen! Schon dafür bekommt Kamsky enorm viele Sympathiepunkte gutgeschrieben.

Ich bin mit Anand als WM daher alles andere als unzufrieden.
Er ist ein genialer Allround-Spieler, dazu eine sehr sympathische Erscheinung, kurz:

Anand ist ein würdiger Weltmeister !

Lasker
10.05.2011 12:36

Und ich sehe das im übrigen wie "patzerle", wie das wohl auch von vielen Schachliebhabern gesehen wird, die ein wenig Abstand zu den Dingen haben, WM waren:

Karpov
Kasparov
Kramnik
Anand

Alles andere war keine Weltmeisterschaft, sondern Kasperletheater.

mogelkatz
10.05.2011 13:32

Schachweltmeister ist, wer nach dem vorgegebenen Modus gewinnt. Punktum.
Man kann dann am Modus Kritik üben, aber nicht an dem Gewinner.
Es ist natürlich jedem frei gestellt, sich einen "gefühlten" Weltmeister auszusuchen...
Man kann nur, durch welchen Modus auch immer, einen "Weltmeister" ermitteln, aber kann man auch den "besten Schachspieler" bestimmen. Ich glaube nicht...Dafür gibt es keinen objektivierbaren Kriterienkatalog,

hanjie
10.05.2011 13:32

Ich würde in die Liste von eben aber dennoch Topalov setzen.
Auch wenn es ein Rundenturnier-WMsieg war, alleine das WIE dieses Sieges machte deutlich, dass er just zu diesem Zeitpunkt der klar beste Spieler war. Er fegte die Konkurrenz im WM-Turnier weg wie es zuvor nur einem Fischer, Kasparov oder Karpov und danach nur noch einem Carlsen gelingen wollte.

Nun hat er keine Spielpraxis, ist von seiner besten Form weit entfernt und demzufolge auch ausgeschieden.

Ivanchuk wäre mal ein interessanter Weltmeister btw - Ich kann mir Schlechteres vorstellen als einen Mann, der Schach über alles liebt und sich mit voller Hingabe diesem Spiel widmet.
Schade, dass seine Nerven so schlecht sind.

Apropos Nerven: Sie gehören für mich in Sachen Schach einfach dazu. Sie sind es, die für die "Big Points" verantwortlich sind!
"Big Point" kennen wir aus dem Tennis, und dort war und ist es ja regelmäßig genauso: Es gewinnt nicht immer der technisch beste Spieler, sondern jener mit den besten Nerven, jener der die "big points" eben macht.

Ich finde es schön dass mit Gelfand und Kamsky noch zwei Spieler Herausforderer werden können, die ihre Stärken in der Verteidigung haben, denn eine zähe Verteidigungsleistung wird m.E. viel zu selten gewürdigt. Wahnsinn, wie Kamsky die letzte Partie wie aus dem Nichts doch noch zusammenhielt.

Thomas Oliver
10.05.2011 18:11

Ein guter Schachspieler mit, wenns drauf ankommt, schlechten Nerven ist eben nicht der beste Schachspieler - siehe z.B. Ivanchuk. Ich habe durchaus Verständnis und Sympathie für ihn weil schlechte Nerven auch mein Problem sind - aber natürlich nicht das Einzige was mir zu 2700+ oder auch nur zum IM-Titel fehlt! ,:)
Wer "eigentlich brilliant ist" und das nur am Brett bei laufender Uhr nicht umsetzen kann, kann sich ja immer noch im Fernschach oder als Partiekommentator versuchen ... eventuell auch als Trainer oder Sekundant.

@Lasker: Was hätte Kramnik denn gegen orthodoxes Damengambit spielen sollen? Man kann den Gegner ja nicht zu Semi-Slawisch zwingen. Und - ohne Vorbereitung und rezente Erfahrung - 1.e4 auspacken ist zumindest sehr riskant ... .

Uebrigens war Kramnik in der Pressekonferenz ein ausgesprochen fairer Sieger - und Radjabov ein fairer Verlierer, erst hinterher hat er in einem Interview mit Azerisport leicht nachgetreten:
http://www.chessintranslation.com/2011/05/kramnik-and-radjabovs-post-match-press-conference/

Lasker
10.05.2011 22:04

@ Thomas Oliver

Nein, Kramnik hätte natürlich nicht 1.e4 spielen sollen.
Radjabov ist ja Königsindisch-Spezialist und ich denke mal, daß Kramnik sich hier vorbereitet hat und überrascht war, daß Radjabov Katalanisch auf´s Brett bringt.

Wenn Kramnik dann in der zweiten (und letzten) Weißpartie auf das Angebot, im eigenen Hof zu spielen nicht eingeht, finde ich das schon beachtenswert.
Offensichtlich hat Kramnik in seinen Hausvarianten in letzer Zeit nicht allzuviel Innovatives herausgearbeitet, so daß er es vorzieht, auf das als nicht sehr gefährlich für Schwarz geltende Lf4 auszuweichen.
Ich hätte erwartet, daß er an Tag 4 zeigt, wo der Katalanisch-Hammer hängt und seine Sekundanten zwischenzeitlich das Löffelspiel geübt haben...

Danke für den Link - werde ich mir mal anschauen.

Schachklapse
10.05.2011 23:06

@Lasker:
Das Lf4-Damengambit ist ungefaehrlich? Hmm, das waere zu mindestens wieder etwas Neues, was ich lernen wuerde. Ich hatte immer noch den (alten!?) Erkenntnisstand, dass das alles recht giftig fuer Schwarz ist und zu mindestens die Perspektiven fuer den Nachziehenden nur darin liegt, einen halben leidend abzuklammern oder auch einfach einzugehen.
Nicht zuletzt Kramnik hat gegen Carlsen gezeigt, dass mit Lf4 immer zu rechnen ist. 6...Sbd7 ist vielleicht solider/genauer/besser als 6...c5 (da weiss ich einfach viel zu wenig), aber schoen sind die Stellungen doch auch nicht. Wuerde ich nicht Katalanisch mit Weiss spielen, ich wuerde meinen Laeufer lieber auf f4 als auf g5 sehen. Nicht zuletzt wegen der Modernen Laskerverteidigung.

Gerhard
11.05.2011 00:10

Der Katalanisch-Hammer kann eigentlich nicht vergehen - wo sonst bekommt man solch tolle Stellungen. Wenn Katalanisch ausstürbe, dann müsste es einen ganz driftigen Grund geben.

Lasker
11.05.2011 08:02

MIr ging´s hier nicht um eröffnungstheoretische Diskussion, sondern um Kramniks Vorbereitung.

Schon in irgendeinem K&K-Rückkampf ist Karpov irgendwann auf 3...Le7 umgestiegen und das Lf4-System wurde diskutiert mit entsprechend dynamischer Vorgehensweise von Kasparov ("bayonette-theme"). Auch Jan hatte letztens zum System eine Partie eingestellt.

Das Qualle-Opfer erinnert an die Idee von Cheparinov (Anand-Topalov). Damals hatte Anand (!) Katalanisch ausgepackt gegen Topalov und damit bei Kramnik "ausgeliehen". Damals galt Katalanisch noch als sehr stark. So ist die Mode, mal auf, mal ab...

Kramnik hat so gut wie gar nix aus der Eröffnung herausgeholt und er ist ja nach wie vor ein typischer Wettkampfspieler, versucht also mit Schwarz auszugleichen, mit Weiß soliden Vorteil aus der Eröffnung zu tragen.

In der ersten Weißpartie wurde Kramnik zum Heimspiel eingeladen und spielt Da4 (vielleicht eben wegen der Salgado-Neuerung, siehe Jans Kommentar), holt aber nix raus.

In der zweiten Weißpartie "traut" er sich nicht mal seine Hauptwaffe aufs Brett zu bringen! Wählt eine Alternative, die sich aber auch keineswegs als Trumpf-Ass erweist (,sondern eher wie eine Verlegenheit wirkt, so wie er spielt).

Es sieht so aus, als hätte er keine Pfeile im Köcher in seiner Hauptwaffe Katalanisch. Hat er überhaupt welche dabei?!
Und das im Kandidatenwettkampf!

Schon beim letzten WM-Kampf war er Anand vorbereitungstechnisch unterlegen und kam gerade mit Weiß in Schwierigkeiten.

Was ist nur los, big Vlad ??

Gerhard
11.05.2011 08:41

@Lasker, Deine Frage "Was ist nur los, big Vlad " könnte ich auch unterzeichnen. Aber da im letzten Jahr einiges vom Lack abblätterte, stellt sich diese Frage bei mir nicht mehr so stark. Ich habe quasi hingenommen, daß wirklich großes Schach (so wie in 200/2001 etwa) von ihm im Moment nicht zu kommen scheint.
Mir ist seine zunehmende Ausrichtung auf rein technisches Schach auch etwas suspekt.
Z.B. dieses Manöver Sa3-b5-d6 in der Carlsen-Partie.

Im Moment ist eine Art Vakuum im Welt-Schach: Carlsen stieg aus dem Zyklus aus, Aronian, der ein sehr, sehr ernster Gegner Anands gewesen wäre, leider auch. Und Kramnik, der, wenn er Grischuk übersteht, wird SO Anand nicht bedrängen können. Und Anand selbst hat in letzter Zeit auch nicht gerade geglänzt.

Lasker
11.05.2011 10:21

Ja, Gerhard, aber in WM-Kämpfen war Anand immer "da".
Und er wird klarer Favorit sein, egal wer sich jetzt durchsetzt beim CT.

Ich kann mich noch gut erinnern an 2000, als Kasparov quasi unterging und nicht eine einzige Partie gewann. "Das gibt´s doch gar nicht, das kann doch gar nicht sein", dachte ich.
So geht wohl immer eine große Ära zu Ende.

Anand sprach irgendwann von einem "toten Spiel", das droht. Mit den Computern wird alles ausgelutscht und ein Spiel oberhalb der Remisbreite auf Topniveau wird immer schwieriger.
Erinnert ein bißchen ein Capablanca, der ja auch meinte, Meister untereinander könnten problemlos Remis halten und das Spiel wäre nahe dem Langweiltod. Dann kam Alekhine.

Obs einen neuen Alekhine geben kann? Einen mit einer neuen Spielauffassung, der eine neue Ära einleitet? Oder ist das Spiel tatsächlich nahe am Remistod, wie uns die Computergläubigen immer vormachen wollen?
Auf der anderen Seite kommt doch gerade von PC-Seite immer wieder die ein oder andere Überraschung. Rybka scheint übermächtig, dann kommt ein unbekanntes Programm namens Houdini und zeigt Rybka die Grenzen auf. Wie kommts?
Oder auch: zeigen uns nicht gerade die Computerprogramme, was man da nicht alles spielen kann? Ich erinnere mich an einen Wettkampf Kramnik-Fritz (vor Rybkas Herrschaft), als Deep-Fritz im Najdorf-Sizilianer Te1-e3-g3 zog und die Kommentatoren sich so ungefähr äußerten:
"Hätte das jetzt nicht Fritz gezogen, hätten wir gesagt, das ist ja wohl strategischer Unsinn; da aber Fritz das spielt, halten wir lieber die Klappe"

Wer weiß, was alles "geht"? Auch jenseits der Computerauffassung (oder mit deren "Billigung")...

Wer reissts? Carlsen, Hou Yifan, "Frühstück"?

hanjie
11.05.2011 10:47

Tja, Wettkampfstrategie, unbekannte Weiten ...
Vielleicht wollte sich Kramnik seine Katalanischpfeile noch ein wenig im Köcher "aufheben" für die nächsten Qualifikationsrunden ...? Zwei folgen ja schließlich noch, und die möchte er sicher ebenfalls schadlos überstehen.

Das hieße aber wiederum, dass er Radjabov als nicht so stark einschätzte und damit, siehe 1. Blitzpartie, unterschätzte. Dass man ein Ausscheiden im "Roulette" Schnellschach riskiert wenn man den Sack im Normalschach zumachen kann, kann ich mir auch nicht so recht vorstellen.

Alles ziemlich rätselhaft.
Naja, sehn wir mal, was das Halbfinale bringt.

Lasker
11.05.2011 11:00

Halte ich auch für absolut ausgeschlossen. Gegen einen Radjabov muß man ja erstmal durchkommen. Und Kramnik ist ja jetzt nicht mehr sooo jung, sehr viele Anläufe auf den Titel wird er wohl nicht nehmen können.

Und Gerhard,
außer der Periode "ich löse jetzt meinen Förderer ab", gab´s ja auch noch die Phase nach Kramnikis Genesung: "Endspiele für die Ewigkeit".
Allen voran für mich Kramnik-Leko, Partie 14, wo Kramnik in der letzten Partie des WM-Kampfes gewinnen mußte und eine Lehrbuchpartie abgeliefert hat. Zum Thema: Spiel an zwei Fronten, Kampf gegen den schlechten Läufer und schließlich "das ganze voran", indem am Schluß mit dem Durchbruchsmotiv Capas Idee gegen Tartakower adaptiert hat.
Eine meiner absoluten Lieblingspartien: kreativ, schön, tiefgründig und mental stark gespielt.

Max Mustermann
11.05.2011 11:03

Cool wäre es ja schon, wenn der nachnominierte Nichtfavorit und gute Pokerspieler
Grischuk jetzt durchmarschieren würde. Wie Dänemark bei der Fußball EM 92.

super-marius
11.05.2011 12:53

Was haltet ihr von dem Slucharchuk (oder so) ? Hat jemand, der Rybka in einer Blindpartie totrechnet, auch nicht Chancen auf den WM-Titel, sofern er darauf überhaupt Wert legt?

Maxx81
11.05.2011 13:12

7. ...b5 im Katalanen hat sich schnell rumgesprochen, in Deizisau wurde das auch von Gajewski in einer wichtigen Partie gespielt.

Gerhard
11.05.2011 14:06

@Lasker, Ich frage mich, wohin die Arbeit mit Computern noch führen wird. Die Berliner Verteidigung war m.E. einer der letzten Systeme, die den Programmen "verschlossen" war und wo es eher auf tiefes Verständnis denn aufs Memorieren ankam.

Heutzutage ist jedoch offenbar alles Memorieren!
Im dem von @ T. Oliver angeführten Ibericht über die Pressekonferenz zu Kramnik-Radjabov wird des öfteren von der schieren Fülle an Material gesprochen, die Kramnik und Radjabov, jeder für sich, durchzuforsten hatte. Beide gaben an, die Theorie mit ihrem Minimatch vorangetrieben zu haben. Sie führten quasi den Extrakt ihrer monatelangen, computergestützten Memorierleistungen vor!!
Auch so manch anderer Topspieler gab an, daß die Menge an Material, die man sich merken muß, schon eigentlich über die Obergrenze hinaus geht. Es geht nicht mehr als das was jetzt schon gefordert ist!

Schön WIRKLICH die Zeit, in der man die Prinzipien einer Eröffnung verstand, einige Lines am Brett untersucht hatte und das in der Regel genügte. Heutzutage kann sich doch ein Top-Großmeister nicht mehr in "unbekanntes Terrain" (siehe Weißpartien Kramnik-Anand 2007) wagen, ohne einem schieren Megaamount an Arbeit gegenüberzustehen, dem man dann nur "Intuition" entgegenbringen kann. (Und "Intuition" ist offenbar nur noch in Grenzen nötig, hilfreich, ja manchmal sogar schädlich). Früher, zu Tals Zeiten, ging man oft trotzdem in eine vorbereitete Variante des Gegners, weil man auf Erfahrung und Spielverständnis vertraute und zurecht vermutete, daß der Gegner NOCH nicht alles über die Variante wusste.

Südschachfreund
11.05.2011 14:42

@ Gerhard, danke, dass mal irgendjemand den ganzen Vorbereitungs- und Neuerungswahn in der heutigen Weltspitze anspricht. Aus meiner Sicht ist diese ganze Angst vor gegnerischen Neuerungen unbegründet. Denn eine Neuerung muss in einer Schachpartie immer irgendwann erfolgen, sonst geht jede Partie 0,5-0,5 aus, und wäre zudem uninteressant, man kennt die Partie ja bereits. Man schaue nur mal 100 Jahre zurück. Damals hatten die Meister keine so intensive Eröffnungsvorbereitung, trotzdem wurde qualitativ hochwertiges Schach gespielt. Im Gegenteil, teilweise wurde ein Auswendiglernen von Eröffnungsvarianten als dem Geist des Schachspiels widersprechend angesehen. Siegbert Tarrasch schrieb hierzu in seinem Buch " Das Schachspiel": "Ausdrücklich warne ich davor, die jetzt folgenden einzelnen Eröffnungen auswendig lernen zu wollen! Entsetzlicher Gedanke! Die Prinzipien muss er sich zu eigen machen und ihre Anwendung in den einzelnen Eröffnungen gelegentlich, wenn er einen einschlägige Partie gespielt hat, nachlesen, allenfalls durch Studium in den Geist der einzelnen Eröffnungen eindringen, das ist das Richtige. Mit dem Gedächtnis kann man nicht Schach spielen, sondern nur mit Urteilskraft und Kombinationsgabe. Beides kann geübt und gestärkt werden."
Sind für meinen Geschmack deutlich Worte, die zeigen, dass Tarrasch wohl mit dem größten Teil der heutigen Weltelitespieler unzufrieden wäre.

Gerhard
11.05.2011 15:05

@Südschachfreund: Tarrasch spielte quasi eine "andere Art "Schach. Dahin können wir leider nicht mehr zurück! No way!

Südschachfreund
11.05.2011 15:28

ich habe nicht sagen wollen, dass ich in Tarraschs Zeiten zurück will, sondern eigentlich lediglich darlegen wollen, warum aus meiner Sicht der Eröffnungsvorbereitungswahn in der Weltspitze etwas übertrieben ist. Nichts gegen Vorbereitung, aber die fast schon grundsätzliche Angst vor "Reinlaufen in die gegnerische Vorbereitung" finde ich einfach absurd. Jede noch so gute Vorbereitung kann auch keine besseren Züge zustande bringen als die objektive Sicht auf eine Stellung. Und wer ein ausreichend hohes Schachverständnis hat ( und das setze ich in der Weltspitze eigentlich voraus), kann auch ohne Vorbereitung bis ins Endspiel eine Partie spielen und gewinnen. Wenn nämlich alle beide aus dem Buch sind, müssen sie sich selber auch anstrengen, den "besten Zug"(Tarrasch) zu finden. Und wenn ihnen das nicht gelingt, so verlieren sie entweder die Partie, oder die objektive Partieanalyse hinterher kreidet es ihnen an. Und die Eröffnung selber ist ja auch nichts, was vom Himmel gefallen ist, sondern ein Bestandteil der Schachpartie, indem man auch schon Pläne fassen kann, die sich durch das ganze Mittelspiel ziehen. Und zwar mitunter schon im 5. Zug oder noch früher. Bsp. 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4. Sc3 Sf6 5.0-0?! d6 6. h3? h6! nebst g7-g5 und der Königsangriff, den der Schwarze hier erlangt, wird das ganze Mittelspiel dominieren und lässt sich auch ohne konkrete Vorbereitung gut durchführen (Der Zug 6.h3, der Lg4 verhindern soll, hat hier dem Schwarzen eine Angriffsmarke geboten, was häufig der Fall ist, wenn man den Zug macht, selbst schon rochiert, der Gegner noch nicht, was dieser häufig zu einem Angriff auf der g-Linie ausnutzen kann.)

Maxx81
11.05.2011 15:58

Heute wird unglaublich konkretes Schach gespielt und da macht es einen Riesen-Unterschied ob man die Varianten die aufs Brett kommen mit dem Computer gecheckt hat oder nicht. Auch wenn man sich nicht an alle Einzelheiten erinnern kann, macht es oft schon den Unterschied zu wissen ob eine Stellung OK ist oder nicht.

Und ein Gegner, der auf unbekanntem Terrain ist und fürchtet, daß der andere alles schon zuhause auf dem Rechner hat, ist auch psychologisch im Hintertreffen.

Das Verständnis von den Eröffnungen das Tarrasch hatte reicht auch heute noch für eine Spielstärke auf dem Niveau von Tarrasch. Für 2700 reicht es aber bei weitem nicht. Nostalgie hin oder her, die Zeiten sind einfach vorbei. Mit einem Holzschläger oder Aufschlag von unten gewinnt man heute auch nicht mehr in Wimbledon.

Die gute Nachricht: 99% aller Schachspieler kann das wurscht sein.

Südschachfreund
11.05.2011 16:13

@ Maxx: 1. warum soll eine Stellung, die nicht computergecheckt ist, nicht Ok sein? Die Stellung ganz am Anfang ist immer ausgeglichen, folglich kann Weiß oder Schwarz nur in Vorteil kommen, wenn einer vorher einen Fehler gemacht hat.
2. Was verstehst du unter konkretem Schach? Meinst du konkrete Varianten, die zu berechnen sind, oder konkrete Eröffnungsvarianten? Und wie hoch glaubst du, war die Spielstärke Tarraschs und seiner damaligen Kollegen im Vergleich zu heute?

super-marius
11.05.2011 16:46

@ Südschachfreund
Im Vergleich zu heute? Wie soll man denn Äpfel mit Birnen vergleichen? Die heutigen Spieler haben ein Jahrhundert Vorsprung an Eröffnungstheorie, Endspielwissen und Schachdidaktik (z.B. Qualitätsopfer usw.). Aus diesem Grund rechnen sie besser, schneller und sind viel objektiver in der Stellungsbeurteilung als die üblichen Verdächtigen von damals (Aljechin, Tarrasch, Nimzowitsch usw.)

Südschachfreund
11.05.2011 17:16

@ super-marius: so, so die heutigen Meister rechnen, besser, schneller und sind viel objektiver in der Stellungsbeurteilung. Kannst du das auch beweisen? schneller rechnen, das wissen wir nicht, zumindest ist nirgendwo der Bedenkzeitverbrauch der alten Meister angegeben. Abgesehen davon ist das völlig egal, weil nur das Ergebnis das ist, was zählt. Eröffnungstheorie? Die drei von dir genannten Meister haben alle sehr großen Anteil an der Eröffnungstheorie. Tarrasch fasste und verbesserte die Steinitzschen Prinzipien, von denen viele ihre Gültigkeit behalten haben, schriftlich zusammen, Nimzowitsch formulierte den bis heute gültigen Lehrsatz, dass das Zentrum (mindestens) mit Figuren kontrolliert werden müsste, und Aljechin hat die Aljechin-Eröfnnung beigesteuert. Objektive Stellungsbeurteilung? Hast du mal Partieanalysen von Tarrasch oder Co. gelesen? Wenn ja, dann würdest hier derartiges nicht schreiben, denn Tarraschs Stellungsbeurteilung ist in den Partien, die er kommentiert hat, meist vollständig korrekt. Endspielwissen? Du hast wohl noch nie etwas von dem Satz " Türme gehören hinter die Freibauern gehört", denn der wurde von Tarrasch formuliert, und die alten Meister haben die Endspiele sehr gut behandelt, was Viktor Kortschnoi auch einmal in einem Interview bestätigt hat: " Ich wusste, dass die alten Meister Endspiele sehr präzise behandelten." Ein Beispiel für eine gekonnte Endspielführung ist die Partie Johner - Mieses, Wien 1908, oder Perlis - Tarrasch, San Sebastian 1912, oder auch noch Tarrasch - Dürsch, Nürnberg 1910. Und Schachdidaktik? Qualitätsopfer haben die alten Meister sehr viele gebracht, und zwar nicht nur in taktisch zugespitzten Situationen, wo sie sie gleich wieder mit Zinsen zurückgewannen, sondern auch für positionelle Ziele, bsp. Lowcki - Marshall, Pistyan 1912, Chajes - Perlis, Karlsbad 1911, Verbündete - Tarrasch, Nürnberg 1904, Lasker - Janowski, Paris 1910, Auch Opfer anderer Art waren nicht unüblich, z. B. ein sehr positionelles Turmopfer in Pillsbury - Tarrasch, Monte Carlo 1903, oder ein Damenopfer in Spielmann - Tarrasch, Nürnberg 1910, oder ein Springeropfer in Duras - Tarrasch, San Sebastian 1912.

mogelkatz
11.05.2011 17:27

@Südschachfreund: Seh ich genauso, am Anfang ist die Stellung immer ausgeglichen, und wenn sie das nach 20 Zügen immer noch ist, endet die Partie dennoch nicht zwangsläufig remis. Vielleicht ist es der großen Anzahl von hervorregenden Schachspielern, die allesamt auch Profis sind, geschuldet, dass in solchen Wettkämpfen die Angst zu verlieren größer ist als der Wille zu gewinnen. So enden manche Partien genau dort, wo - wie ich finde - es eigentlich erst interessant wird (bin überhaupt kein Eröffnungsspezialist). Vielleicht droht dem Spitzenschach von daher der Remistod. Was soll denn anderes herauskommen, wenn sich zwei gegenübersitzen, die lieber beim Entscheidungsblitzen verlieren als in der Normalpartie ELOs zu vergeigen und dann zu einem lukrativen Turnier nicht eingeladen zu werden...??? ELO-Wahn...
Warum ist ein Michail Tal bis heute unvergessen? Nicht weil er ein Eröffnungsguru war und auch nicht, weil er ein perfekter Taktiker oder ein präziser Stratege war...sondern weil er oft unorthodox und virtuos spielte, häufig nicht korrekt, aber spektakulär kombinierte, oft gewann, aber oft auch verlor...
Und auch in Kazan sitzen sich ja keine Rybkas und Houdinis gegenüber, sondern Menschen, denen auch Fehler unterlaufen können. Wenn es nur noch um das Memorieren von Eröffnungsvarianten geht, dann könnte man den Schachweltmeister durch das auswendig Aufsagen des Telefonbuchs von Moskau ermitteln ;)

Südschachfreund
11.05.2011 17:36

@ mogelkatz, danke, dass du zum Thema Eröffnungsvorbereitung zurückführst, mittlerweile sind wir ja in einer Diskussion um alte Meister (um 1910) angekommen. Ich bin auch kein Eröffnungsspezialist, aber bei beiderseits korrekter Partieführung muss das Ergebnis nun mal 1/2-1/2 lauten. Der Fehler kann erst im letzen Zug passieren, aber auch halt schon sehr früh, s. o. mein Beispiel aus der Italienischen Partie, wo die verfrühte Rochade für Weiß alle möglichen Unannehmlichkeiten schafft.

Bardeleben
11.05.2011 18:15

@Südschachfreund: Beeindruckende Kenntnis der alten Meister (und ihrer Spiele). Dennoch würde ich super-marius in abgeschwächter Form zustimmen, Schach hat sich (wie alle anderen Sportarten auch) stärker professionalisiert, und den heutigen Spielern stehen auch schlicht ein größerer Fund an Eröffnungswissen und mit Computern auch bessere Analysemethoden zur Verfügung.
Konkretes Eröffnungswissen ist auch deshalb wichtig, um nicht in taktische Fallen hereinzulaufen, die Menschen leicht übersehen. Sachen wie 1. e4 e5 2. Sf3 Sf6 3. Sxe5 d6 4. Sf3 Sxe4 5. Sc3 Lf5?? galt noch Ende der 80er als voll spielbar für Schwarz, bis - wenn ich das richtig im Kopf habe - kein geringerer als Anand darüber stolperte. Sowas können sich GMs heute kaum noch leisten.

Benedikt
11.05.2011 18:41

5. ... Lf5 sieht in dieser Russischvariante schon ein wenig verdächtig aus. Das ist positionell unschön auf e4 unnötig Verpflichtungen einzugehen.

Südschachfreund
11.05.2011 19:00

@ Bardeleben: Tarrasch hat in seinem Buch " Das Schachspiel" in dieser Russisch-Variante auch die Springer getauscht. Seine Variante: 5.Sc3 Sxc3 6.dxc3 Le7 7.Ld3 0-0 8.0-0 Lg4 und bewertete sie mit gleichem Spiel. Und in einem anderen Buch " Die moderne Schachpartie" schreibt er:" Weiß hat nun das überlegene Spiel, wie immer in der Russischen Partie, wenn es ihm gelungen ist, den Se4 zum Abtausch zu veranlassen." Wenn Tarrasch in dieser Variante tauscht, beweist das nur, dass er auch wusste, dass sich der Se4 in dieser Variante nicht behaupten kann. Im Übrigen ist dein Name, Bardeleben, auch der eines alten Meisters. Absicht oder Zufall? Außerdem waren die meisten taktischen Eröffnungsfallen den alten Meistern sehr wohl bekannt

Südschachfreund
11.05.2011 19:08

Ergänzend möchte ich anmerken, dass mein Zitat von Tarrasch, "Weiß hat das überlegene....." von der Partie Teichmann - Marco, Cambridge Sprins 1904, nach dem 10. Zug von Schwarz stammt. Zugfolge: 1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.Sxe5 d6 4. Sf3 Sxe4 5. d4 d5 6. Ld3 Le7 7.0-0 Sd7 8.c4 c6 9.Sc3 Sxc3 10.bxc3 0-0. 1-0 nach 32 Zügen.

Erik
11.05.2011 19:10

@Benedikt:
Verdächtig? Das verliert ganz einfach: 1. e4 e5 2. Nf3 Nf6 3. Nxe5 d6 4. Nf3 Nxe4 5. Nc3 Bf5 6. Qe2 1-0, Zapata-Anand, Biel 1988

Benedikt
11.05.2011 19:18

@Erik
Ja, hatte zuerst auch im Text, dass ich 7.Sd5 noch nicht kannte (spiele eigentlich kein Russisch), aber hab dann nochmal was geändert und weg wars. Dass es verloren ist ging ja aus Bardelebens Kommentar hervor.
Wollte sagen, dass ich 5. ... Lf5 aus positionellen Gesichtspunkten nicht spielen würde, selbst wenn taktisch nichts direktes für Weiß drin wäre.

super-marius
11.05.2011 20:53

@Südschachfreund
Ich möchte dich auf keinen Fall persönlich angreifen und dich deiner Illusionen berauben, aber die Legendenbildung zu diesem Thema ist dermassen fortgeschritten, dass ich jedesmal nur staune, wenn sie (auch in Büchern und Zeitschriften) kritiklos und gebetsmühlenartig weiter in die (Cyber-)Welt getragen wird.
Ich sags nochmal: Man kann das Schach von damals nicht mit dem von heute vergleichen.
Ein Jahrhundert Vorsprung an Information und Erfahrung ist nicht nur im Schach ein gewinnbringender Vorteil. Selbst im profanen Fussball hätte die Nationalmannschaft von Preussen gegen Schweini und Co. keine Chance (Nur ein Scherz).
Und jetzt im Einzelnen:
Eröffnung - Das versteht sich doch wirklich von selbst. 100 Jahre Informationsvorsprung!Carlsen und Co. beherrschen Eröffnungen, die sie regelmässig, selten oder gar nicht spielen! Die Demagogen wie Tarrasch und Nimzowitsch waren einfach zu engstirnig und unfexibel, um gegen die Jungs von heute zu bestehen. Zu den von ihnen "entdeckten" Regeln gibt es so viele Ausnahmen, dass man sogar um deren Eigenschaft als Regel trefflich streiten kann. Der "legendäre" isolierte Damenbauer bei Tarrasch versprach diesem ja bekannntlich Vorteil (Zitat aus 300 Schachpartien) und Nimzowitsch griff die Bauernkette nur an Basis an (Mein System). Heute ist der Zug f6 im Franzosen das tägliche Brot.
Der Beitrag von Aljechin zu der nach ihm benannter Eröffnung ist wirklich klein. Er hat sie nur selten gespielt, und das auch nur gegen schwächere Gegener. Ich glaube, er hielt sie selbst für suspekt . Sein Beitrag zum Damengambit beispielsweise ist im Vergleich dazu gigantisch, aber heute Allgemeinwissen.
Endspiel - sehr viele technische Endspiele wurden deutlich später theoretisch untersucht. Geschichten wie z.B. die Remismethode beim f und h-Bauern oder dem a-Bauern im Turmendspiel, die Gewinnzone im Damenendspiel oder selbst die Demarkationlinie beim Mattsetzten mit 2 Springern wurden frühstens mit Awerbach aktuell und wurden dann noch Jahrzehnte lang disskutiert. Dieser Wissensvorsprung wäre im Ernstfall entscheidend.
Schachdidaktik (sorry, mein Begriff und etwas schwammig).
Die Turnierbücher von Tarrasch und Aljechin strotzen (leider) nur so von ganz groben Fehlern. Ich bin für dieses Niveau natürlich zu schwach (DWZ 2050) und muss die Partien und die Kommentare mit Engine prüfen. Aber ein Carlsen (oder John Nunn s.u.) kann sie ohne weiteres quasi beim Durchblättern widerlegen. Und dann:
Halten Sie Aljechin wirklich für einen objekiven Spieler und Autor ? In seinen Büchern gibt er sich als allwissend aus, seine Bemerkungen sind oft oberflächlich und seine Stellungen "sehr früh" deutlich besser. (z.B. 1.d4 Sf6 2.c4 d6 3.Sc3 Sd7 4. e4 e5? oder 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.g3? oder 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sf3 a6 (a la Morozevich, aber von Rubinstein gespielt, einem Spieler den Aljechin geradezu gahasst hat) 4.cd ed mit klarem (!) Vorteil. Gute Varianten für die Gegner werden oft weggelasen, so dass der Eindruck entsteht, er hätte sie mit perfektem Spiel besiegt. Ein klarer Vorteil nach vier Zügen gegen Rubinstein, aber ich bite Sie.....
Und nun der heikelste Punkt:
Das Spielniveu von damals im allgemeinen war deutlich niedriger als das von heute. Ich zitiere John Nunn:
Wenn man ein Superturnier von damals (Karlsbad 1911) und eins von heute (Biel 1993, ok nicht gerade von heute, aber zu Anschauungszwecken völlig ausreichend) vergleicht, dann stellt man folgendes fest:
1911 wurden viel mehr Einsteller fabriziert, viel öfter ein strategisch völlig falscher Plan gewählt und einfache Endspiele vielfach vollkommen misshandelt.
Das Turnierbuch von Milan Vidmar war eine Zumutung, etwa 90 % (!) der groben Fehler blieben unentdeckt.
Carlsen würde jedes Superturnier von damals haushoch gewinnen und zwar ohne auf Gemeinheiten wie Najdorf, Wolga-Gambit oder Igel-Systeme zurückgreifen zu müssen. Er könnte nur mit Spanisch und klassischem Damengambit mit beiden Farben (Eröffnungen, die damals en vogue waren) dank seiner unglaublichen Spielstärke jeden Meister von damals deutlich schlagen (natürlich nicht jede Partie, so vermessen bin ich nicht).
Ich hege wirklich grossen Respekt vor den Meistern von damals, ich selbst sammle und lese (viel zu selten) mit grösstem Vergnügen die Turnierbücher von Aljechin, Euwe, Tartakower, Carl und Co. Für einen Patzer wie mich bleiben die allermeisten Fehler unentdeckt, das Lesevergnügen überwiegt.
Aber ich muss auch einsehen, dass die Meister von damals auch deutlich schwächer spielten, weil sie viel weniger wussten, anders trainierten und dass ihre "Fehler" zur Weiterentwicklung des Schachs enorm beigetragen haben.

Maxx81
11.05.2011 21:06

@südschachfreund

Die Stellung kann OK sein oder nicht, was ich sagen wollte war daß es allein schon einen Riesenunterschied macht zu wissen ob sie OK ist, auch wenn man sich an die konkreten Varianten nicht mehr erinnert. "Wenn ich weiß daß ich da gut stehe werde ich die richtigen Züge schon finden".

Südschachfreund
11.05.2011 21:46

@ super-marius:
ich fühle mich von dir keineswegs persönlich angegriffen, wenn wir über alte Meister kontroverse Meinungen haben, im Gegenteil, mich freut die Diskussion. Und nun zum Schachlichen: Also zunächst einmal muss ich gleich klarstellen, dass ich mich meistens auf Tarrasch beziehe, wenn ich von Partieanalysen rede. Mit Aljechin habe ich so nix am Hut. Und bei Tarrasch kenne ich nur die moderne Schachpartie und das Schachspiel. Und nun zum einzelnen: ich bin selber auch kein guter Spieler, aber ich beziehe mich v. a. auf folgende Tatsachen: Die moderne Schachpartie wurde in ihrer 5. Auflage von Rudolf Teschner durchgesehen, und seine Anmerkungen steuerte er bei. Wirklich grobe Fehler hat Teschner nicht markieren können, zumeist hat er entweder aktuelle (2003) Eröffnungsvarianten dazubeigesteuert; und/oder Alternativen zu Partiezügen und TarraschsVarianten aufgezeigt. Einen groben taktischen Fehler hat Teschner nicht aufgezeigt, und viele Partien sind abgedruckt, zu denen von Seiten Teschners überhaupt keine Anmerkung nötig war/ist. Deshalb kann ich dich in diesem Punkt, die Turnierbücher strotzen vor Fehlern, bei Tarrasch nicht nachvollziehen. Zum isolierten Damenbauer: Der wurde von Tarrasch auch nur dann als gut angesehen, wenn der Spieler, der ihn hatte, sonst gut stand (Entwicklungsvorsprung, konkrete Angriffspunkte) und v. a. besser als der Gegner. Ansonsten hielt Tarrasch ihn auch für schlecht. Zu den Eröffnungen: Dass heute auch solche Eröffnungen gespielt werden, die damals als "bizarr" galten, ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, aber Nimzowitsch als dogmatisch zu bezeichen? Anschauungssache. Wahrscheinlich waren beide Seiten irgendwo unversöhnlich dogmatisch damals. Zu dem von dir gebrachten Turmendspiel Turm- und Läuferbauer: Auch zu Tarraschs Zeiten war schon bekannt, dass das meistens remis ist. Ich zitiere einfach mal aus der unbearbeiteten Originalfassung des Buches "Das Schachspiel"(1931), S. 81: " Zwei getrennte Mehrbauern gewinnen ebenfalls meistens. Nur das Übergewicht von Turm- und Läuferbauern kann bei günstiger Stellung des verteidigenden Königs den Gewinn meistens nicht erzwingen. Bei komplizierten Turmendspielen ist der wichtigste Lehrsatz der von dem Verfasser aufgestellte: Die Türme gehören hinter die Freibauern,..." Abgesehen davon können heutige Meister dieses Endspiel auch nicht immer remis halten, siehe Kramnik-Aronian, Wijk 2008. Zum Thema Stellungsbehandlung/Planfindung/Einsteller: Das wurde in Tarraschs moderner Schachpartie auch immer wieder getadelt, wenn ein Spieler einen falschen Plan durchführte bzw. seine Stellung durch ein taktisches Übersehen einstellte oder Endspiele falsch behandelt wurden. Ich glaube, dass das schlechtere Niveau von damals auch damit erklärbar ist, dass wirklich nur ganz wenige Spieler, v. a. Tarrasch, Lasker, Pillsbury, Rubinstein, Maroczy, Schlechter und Capablanca eine Art 2700+ Spieler waren, der Rest, der damals gespielt hat, war nicht mehr als 2500-2700-Spieler (alles mit heute verglichen), deshalb ist aus meiner Sicht auch das allgemeine Spielniveau tiefer. Und zu Milan Vidmar noch ein Wort: Wahrscheinlich ist der aus den von deinen genannten Gründen nie ein Schachautor geworden, jedenfalls kein bedeutender. Tarrasch kennt hingegen heute fast noch jeder ernsthafte Spieler.

Gerhard
11.05.2011 22:24

Ernsthaft zu diskutieren braucht man die alten Meister nicht. Selbst die Durchsicht von Partien Adolf Anderssens zeigt, auf welchem Niveau gespielt wurde.
Mein Vorschlag: Schick die Spieler von heute in die Zeit der alten Meister, aber ohne PC!

Südschachfreund
11.05.2011 22:41

Guter Vorschlag, dem würd ich sofort zustimmen. Apropos PC: Die Rechner sind ja eigentlich nichts anderes als vom menschlichen Verständnis programmierte Blechmonster, d. h. die Rechner speisen ja von nichts anderem als dem riesigen menschl. Verständnis, das maßgeblich von den Meistern um 1910 erarbeitet worden ist, und den Weiterentwicklungen in den folgenden Jahrzehnten.

Helmut
11.05.2011 22:45

Ich schliess mich Gerhard an. Spannend zu lesen die Diskussion, aber irgendwie sinnlos. So, als ob man Fangio im Silberpfeil gegen Micke Schumacher im Ferrari antreten lassen will und sich streitet, wer der bessere Fahrer wäre.
Die alten Jungens hatten das Wissen ihrer Zeit (umgesetzt=Silberpfeil), das heutige Wissen ist um Längen überlegen. Interessant wäre nur Carlsson im Silberpfeil gegen Tarrasch und Co. (oder im F1 + PC)
Aber das geht halt nicht.

super-marius
11.05.2011 23:28

@ super-marius
Ich bin ascheinend auf einen Tarrasch-Jünger geraten.
Meine Schachbuchsammlung enthält meistens Turnierbücher und Theoriewerke, und so habe ich leider kein Werk vom Meister selbst.
Ich kann somit nicht wirklich mit Beispielen gegenhalten und ziehe den Doktor fürs erste aus dem Topf mit Vidmar, Aljechin und Co. wieder heraus.
Milan Vidmar war sehr wohl ein sehr starker Meister (jahrelang Top-5 der Welt), der es allerdings nie beruflich betrieb. Schliesslich war er auch einer der führenden Experten in der Transformatortechnologie. Warum also die groben Fehler?
Nimzowitsch nicht dogmatisch? Die Franzosen spielen heute trotz "Seines Sytems" f6, einen Zug, den er immer getadelt hat.
Das mit dem Spielniveau ist eine schwierige Kiste. Einigen Teilnehmern aus Karlsbad 1911 gesteht John Nunn nicht mal ELO 2100 zu!
Fakt bleibt aber, dass Lasker, Rubinstein und Tarrasch öfter was einstellten als Carlsen, Anand und Aronian. Das hat dann auch nichts mit Wissens- und Erfahrungsvorsprung von 100 Jahren zu tun, sondern mit der tatsächlichen Spielstärke, die heute durch systematisches und gezieltes Schachtraining gepaart mit unglaublichem Talent erreicht wird.

Danke fürs Zuhören

Wünsche abwechslungsreiche Partien

super-marius
11.05.2011 23:55

@ Helmut

Unsere Disskussion mag zwar theoretischer Natur sein, aber das Beispiel mir der F1 hinkt gewaltig. Das Schachspiel hat sich in den Letzten 100 Jahren gewaltig weiterentwickelt, das Imkeisfahren an sich dagegen nicht im geringsten. Was sich weiterentwickelt hat, ist natürlich die Technologie der Autos, aber kaum die Fahrleistung der Fahrer. Wieviel der Schumi wirklich taugt, sehen wir jetzt, wo er nicht das schnellste Auto fährt.
Was soll ich mit einem Vergleich zwischen Fangio und Schumacher anfangen? Ich weiss doch nicht mal, wer heute der beste Fahrer ist!
Gebt den Jungs dasselbe Auto mit 500 PS (frei erfunden), lasst die bekloppten Boxenstopps weg (dann lieber mehrere kurze Rennen an einem Tag wie beim Speedway z.B.) und wer als erster ankommt hat gewonnen. Dann könnte ich mit dem Begiff Sport und F1 auch etwas anfangen.

super-marius
11.05.2011 23:57

@ Gerhard
"Selbst die Durchsicht von Partien Adolf Anderssens zeigt, auf welchem Niveau gespielt wurde".
Bin kein Schnellmerker (Schachspieler halt).
Wie ist das gemeint?

mfG

hanjie
12.05.2011 01:55

Wirklich interessante Diskussion.

Meine bescheidene Meinung dazu: Die "alten Meister" lassen sich mit den heutigen alleine deswegen nicht vernünftig vergleichen, weil Tarrasch & Co. zum Einen meist nicht Vollzeitprofis waren und, der wichtigere Punkt, deren Spielpraxis an harten Turnieren und Gegnern nicht mit jener von heute vergleichbar ist.

Was mangelnde Spielpraxis ausmachen kann, hat hier schmerzlich Topalov erfahren müssen: Plötzlich macht man Fehler, die eindeutig nicht der eigentlichen Spielstärke entsprechen.

Last but not least gab es immer wieder mal Ausnahmetalente, die auch mit verhältnismäßig wenig Arbeit am Schach bereits brutal stark waren. Wenn man sich ansieht, wie ein Kasparov und Carlsen bereits mit 13 derbe starke Großmeister zerpflückten (Fischer war interessanterweise in jenem Alter noch lange nicht so stark), bekommt man eine Ahnung, wie hinfällig die Eröffnungsdebatte eigentlich ist: Wer wirklich ein Ausnahmetalent ist, für den ist der Weg an die Spitze ohnehin kürzer. HIer macht die Intuition dann die Musik: Rechner hin oder her, es spart eben auch jede Menge Zeit und Energie, wenn man die Rechner für diese oder jene Variante erst gar nicht rechnen lässt, weil die Intuition sagt "taugt nix".

Ob Tarrasch auf demselben Niveau war, weiß ich nicht. Hab mich mit T. nicht wirklich beschäftigt.
Es würde mich aber sehr wundern, wenn er gegen die beiden eben genannten damals nicht schwer zu kämpfen gehabt hätte. Ja, auch unter denselben informationstechnischen Bedingungen.

Gerhard
12.05.2011 07:36

@super-marius: Auf Deine Frage hin: Ich habe mich ein wenig mit Adolf Anderssen beschäftigt und festgestellt, daß damals schon sehr ordentliches Schach gespielt wurde, vor also 150 Jahren!
Da gibt es noch wahrlich Schätze zu heben.
Bzgl. Spielpraxis der alten Meister: Heutzutage spielt ein Kramnik, Anand oder Carlsen auch nur eine Handvoll Turniere im Jahr, genauso viel wie die Kämpen damals.

Lasker
12.05.2011 08:17

Da geb´ ich auch nochmal meinen Senf dazu.

Ich meine, daß einer der - zur seiner Zeit - mitführenden Großmeister mal sagte, daß die alten Meister durchaus im Schachverständnis heutigentags mithalten könnten, es ihnen jedeoch einfach an Wissen fehlt, weshalb sie dann doch klar unterlegen wären.
Ich meine, das hätte Hübner gesagt.

Gerade innerhalb des letzten Jahrhunderts wurden doch jede Menge Strukturen untersucht und in der Praxis erprobt und so WEISS heute so mancher ambitionierte Clubspieler mehr als die alten Meister Anfang des letzten Jahrhunderts, nicht nur in der Eröffnung, sondern auch im Endspiel und in Mittelspielstrukturen (als Beispiel: Angriffs- und Verteidigungstechniken).

Das, was die alten Meister sich mühevoll erarbeiten mußten, darauf hat dann die nächste Generation aufgebaut; das wiederum wurde von der nächsten Generation hinterfragt, zum Teil revidiert und erweitert. Usw.

So funktioniert ja ganz allgemein meinschliches Lernen. Wir bauen auf dem auf, was große Köpfe sich vor uns erarbeitet, erdacht haben. Das, was für uns heutzutage Schulwissen ist, daran haben die meisten "Großen" in Forschung, Wissenschaft, Kunst usw. hart gerungen und oft ihr halbes Leben gearbeitet.

Es geht hier also um den Unterschied zwischen WISSEN und VERSTEHEN.
Verständnis setzt aber Wissen voraus, so daß derjenige, der über ein deutlich geringeres Wissen verfügt, es auch schwerer hat, daraus einen höheren Erkenntnisstand herauszuschälen.

Ein Wettkampf Kramnik, Carlsen, Anand vs Lasker, Alekhine, Capablanca würde m.E. daher zeimlich einseitig verlaufen, da in einem Wettkampf der konkrete Zeitdruck - das sich erarbeiten müssen des Verständnisses - klar zur Benachteiligung der letztgenannten führen würde.

PS: Nemcovic war gar nicht soo verbohrt, er war eben einen Neuerer, der hart angegangen wurde und sich verteidigen und behaupten mußte. Nemcovic selbst hat auch einige Male auf der "falschen" Seite der Bauernkette angegriffen, im Moment fällt mir nur Opocensky-Nemcovic ein; er hat hat das aber in französischen Strukturen praktiziert.

lvapatzer
12.05.2011 13:14

tipp:
http://www.chessclub.com/chessfm/
jan und seirawan live on air!

Lasker
12.05.2011 15:03

@ lvapatzer
Danke. Aber worum geht´s denn da ??? Ich sehe da keinen Hinweis, keine Partie, keine Diagramme, kein nix, nur radio-live-stream...

Lasker
12.05.2011 15:11

Ich mein`, man könnte da ja wenigstens mal irgend einen Hinweis hinmachen und nicht nur "radio"...

lvapatzer
12.05.2011 15:13

geh über icc rein.dann klick dich zur radioübertragung.sollte dann auch ein diagramm sein.
gruß l

lvapatzer
12.05.2011 15:25

@lasker
dieses bauernendspiel,dass seirawan erwähnte,hat das chessmind denis ein video lang analysiert.sehr beeindruckend.unglaubliche rechenleistung.gerade für "lasker" ein leckerbissen.

Lasker
12.05.2011 15:49

@ lvapatzer

Danke Dir. Funzt bei mir aber nicht, wird wahrscheinlich über ein Fux-Addon geblockt, muß mal schauen...

Und danke für den Videotip.

Gruß :-)

Lasker
12.05.2011 15:56

Diagramm hab´ ich jetzt - aber nur mit Grundstellung!! lol
Ich gucke lieber über Turnierseite - geht auch.

Und chessmind denis videos find´ ich leider auch nicht... :-(
Über google-Suche kommt als erstes: "Denis, ich liebe Dich" ;-)

Wenn Du irgendwann Zeit hast, stell´ doch mal ne url ein, vor dem Wochenende werde ich sowieso nicht dazu kommen, das anzuschauen - hat also Zeit. :-)

lvapatzer
12.05.2011 16:08




























@lasker
http://www.chessvideos.tv/forum/viewtopic.php?t=4733
von dennis monokroussos alias the chessmind.
seine videos sind leider immer nur 4 wochen kostenfrei.aber immerhin.ich meine ihn bei der kommentierung schon bei ein paar böcken erwischt zu haben,aber es sind auch echte pertlen dabei.ab und an vorbeischauen http://www.thechessmind.net/ lohnt sich.
gruß l








Lasker
12.05.2011 16:16

Danke Dir erneut !

Dennis M. ist mir natürlich ein Begriff, bin da aber auch nicht so oft unterwegs.

"This video costs 3 credits to view"

mogelkatz
12.05.2011 20:22

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich hiermit als Ignorant oute, aber ich fand das heute doch eher dürftig heute, besonders Grischuk-Kramnik, das wirkte schon allein von den Bildern her eher lustlos :(

ebitda
12.05.2011 21:42

Grischuk und Kramnik schienen noch eine Extraauszeit nehmen zu wollen; andererseits: Grischuk hat schom gegen Aronian mit Weiß nichts riskiert und mit Schwarz nur versucht zu überleben; er sieht seine beste Chance im Rapid oder gar Blitzschach; Kramnik ist ein Spieler, der seine Chance mit Weiß sucht und mit Schwarz gegen 2700+ Spielern stets mit remis zufrieden ist.
Offensichtlich scheint mir der verfehlte Modus: eine Invasion von QGD - Sicherheitsschach pur und warten auf Fehler des Gegners. Da würde auch ein Schachrentner wie Karpov erfolgreich mitmischen können, vielleicht sogar ein Kortschnoi;)

Schachklapse
12.05.2011 21:59

Mal ehrlich: Was kann einem Spieler wie Kramnik mit einem solchen starken Weissaufschlag besseres passieren, als praktisch zwei Freischuesse zu bekommen? Grischuk macht mit Weiss ja absolut null und mit Schwarz gegen Kramnik ueber die Runden zu kommen ist wohl eine der unschoensten Aufgaben, die es im Spitzenschach geben kann.

hanjie
12.05.2011 23:05

Ach, diese Remisschiebereien wären sofort Geschichte, wäre hier die Sofiaregel zum Einsatz gekommen. Kurz genug sind die Wettkämpfe, genug Pausentage gibt es auch, also sprach eigentlich nichts dagegen, sie hier ebenfalls in die Wettkampfregeln zu schreiben.

So wie es läuft, tippe ich auf einen Blitzentscheid zwischen Kamsky und Gelfand. Die beiden sind in der Verteidigung einfach saustark, sodass es sehr schwierig werden wird, überhaupt mal einen Vorteil zu einem Gewinn verdichten zu können.

Bei Kramnik-Grischuk sehe ich Kramnik einen vorne. Ob er in den regulären oder erst in den Schnellpartien den Sack zumacht wird man sehen, daran dass er sich durchsetzen wird, zweifle ich aber nicht. Dazu ist Kramniks trockener Stil zu sehr Gift für Grischuks Konterstil.

super-marius
13.05.2011 02:23

@ hanjie
Wie kommst Du dazu Grischuk als Konterspieler einzustufen?
Soll das heißen, ich lasse Weiss gewähren und wenn er nachläßt, kontere ich ihn aus?
So eine Vorgabe ist auf Weltklasseniveau von heute nicht möglich, denn diese Jungs lassen nicht nach! Gerät man erstmal in einen Würgegriff, sind die Überlebenschancen minimal.
ich selbst vestehe unter einem Konterspieler (strittiger Begriff) jemanden, der z.B. auf alles g6 und Lg7 spielt und dann im Freestyle ums Überleben ringt.
Alle 8 Spieler in Kasan zeichnen sich in meinen Augen durch ersaunliche Universalität aus, Grischuk und Aronian halte ich sogar für die originellsten, was Alexander allerdings erst noch beweisen muss.
Die Tatsache, dass mich Aronjan mit Weiss fast erdrückt, macht mich deswegen nicht zu einem Konterspieler, sondern zu einem Überlebenskämpfer!

Gerhard
13.05.2011 08:40

Der neueste Artikel auf Chessintranslation ist mit das Beste, was ich über den "State of art" im Schach gelesen habe. Kramnik und Grischuk erklären in sehr deutlichen Worten, wohin das moderne Schach geführt hat, zu einem bloßen: "competing in analysis".

Suisuique
13.05.2011 08:43

Ich hoffe mal, dass die Entscheidung schon in den vier regulären Partien fällt.

Tippe eher auf Gelfand in Duell 1 und bei Duell 2 wirds schwieriger.
Ich halte persönlich Grischuk für einen sehr gefährlichen Spieler, der wenn in Form in diesem Kandidatenturnier eine faustdicke Überrasschung hinlegen kann.

Meine Hoffnung vom ersten Satz in meinen Beitrag ist im Match Grischuk-Kramnik auf wackeligen Füßen.

Suisuique

mogelkatz
13.05.2011 11:51

Ja, wirklich bemerkenswerter Bericht auf chesstranslation von der Pressekonferenz von Grischuk und Kramnik. Die Spieler sind ja selbst unglücklich über diese Art des Analyse-Wettkampfes. Fand ich ja sehr ehrlich, dass Kramnik sagte, bei anderen Turniere würde man mehr wagen (wie bei den LONDON CLASSICS z.B.), aber eben wie hier beim Kandidatenturnier nicht. Anscheinend favorisieren doch einige Spieler Regeländerungen, die die bisherige Eröffnungsliteratur zur Makulatur werden liessen. Könnte noch zu einer spannenden Diskussion werden...
Interessant aber auch die Anmerkungen von Aronian und Grischuk über das Blitzen am Nachbartisch beim Tie-Break!

hanjie
13.05.2011 12:11

Oja, apropos "Blitzen am Nachbartisch": Faszinierend ja auch, dass diese Unterbrechung bei Radjabov-Kramnik und die damit einhergehende Unruhe mitten in die Partie Aronjans fiel.
Weiß da jemand etwas darüber, wie die beiden das wahrgenommen haben? Ist ja ein überaus spannendes Moment gewesen.

mogelkatz
13.05.2011 12:20

@Hanije
Schau mal hier:

http://www.chessintranslation.com/2011/05/grischuk-and-aronians-views-on-their-match/

Gerhard
13.05.2011 13:01

@Mogelkatz: Nach dem Durchlesen des Artikels war ich etwas milder gestimmt über die fehlende Spannung in den Zweikämpfen. Diese Art Endspiele, in denen wirklich nur nominelle Vorteile am Brett sind, wie auch das gestrige zwischen Kamsky und Gelfand, scheinen das maximale zu sein, was man aufgrund der massiven Durchkämmung der Varianten bekommen kann.
So schade auch, daß eine einst so fruchtbare Eröffnung wie die Katalanische Partie nun völlig theoretisch abgegrast zu sein scheint.

lvapatzer
13.05.2011 15:41

tipp:
ihr solltet euch auf icc seirawan und yermo anhören.die hauen eine schachanekdote nach der anderen raus.

Halma
13.05.2011 21:32

Zu 7.Dc2 b5 8.a4 b4 9.Se5 in der Katalanischen Eröffnung:

1. Die Neuerung besteht wohl erst in 9... Dxd4, denn bereits 1982 wurde einmal 9.Se5 Sd5 gespielt (Koshy-Ravikumar, http://chesstempo.com/gamedb/game/343608/ply/18)

2. Die Ehre gebührt NICHT Salgado, denn ein paar Wochen vor der EM ist die Partie Matjushin, Gennady-Georgiev, Vladimir gespielt worden: http://chesstempo.com/gamedb/game/3051107/ply/15
Eine Abweichung gibt es dann erst im 12. Zug.

hanjie
14.05.2011 12:18

Ich werde nie wieder etwas Schlechtes über Grischuk sagen. Seine Verteidigungsleistung gestern war großartig! So viel Fantasie in einer Partie, wow ... und das, nachdem er quasi die gesamte Partie mit dem Rücken zur Wand stand. Respekt.

lvapatzer
14.05.2011 13:12

http://www.chessclub.com/chessfm/
wirklich gut.

Lasker
15.05.2011 18:23

Najditsch (chessbomb) meint, Kramnik hätte im 32. Zug ins Turmendspiel abwickeln sollen, da dies gewonnen wäre. Ich halte mal dagegen...
Ergibt ziemlich forciert ein 3 vs 2 auf gleichem Flügel Turmendspiel, welches man zwar noch spielen kann, aber ich denke nicht, daß Weiß aktiv genug werden kann, um das über die Remisbreite zu heben.

MejulseLiesee
29.08.2011 11:14

Dank fur Gottes intiresny

zji27s
11.02.2017 17:34

The Affordable Care Blueprint contains some negatives, buy viagra online no prescription uk but we demand to seek from ourselves this doubt: Do the costs override the benefits? The average American has a allotment to gain and skimpy to lose. Those making more, including larger firms and thus their employees, may see dissentious fiscal effects. While some groups gain more than others, canadian pharmacies most Americans will-power benefit from the new rights and protections like guaranteed coverage of pre-existing conditions and the elimination of viagra without a doctor prescription gender discrimination. Your constitution insurance costs may run up in the little vamoose, but the importance of your indemnity principled got a lot better. Inferior we settle upon also discuss the pros and cons of ObamaCare in regards to the economy, cephalexin 250 mg healthcare costs, and the healthcare exertion in general.

Mein Kommentar