Jans Kolumne

London nach fünf

Luke McShanse zeigt sich in London bisher deutlich aufgeweckter als seine Teamkollegen

Wie die Zeit vergeht! Da guckt man einmal nicht hin, und schon sind beim Londoner Superturnier fünf der sieben Runden vorbei. Höchste Zeit, mal zu schauen, wie es so steht. Und da gehen die Probleme schon los, keine Ahnung wie es steht! Schuld hat das in London verwendete System, das einen Sieg wie im Fußball mit drei Punkten honoriert. In einem Rundenturnier kann dies nicht besonders viel Schaden anrichten, meist dient es nur als tiebreak. Verwirrend ist es trotzdem, und sinnvoll erscheint es mir auch nicht. Den Kampfgeist mit Remisverbot, Sofia-Regel, whatever, zu fördern, finden selbst als Schieber verschrieene Spieler wie ich völlig in Ordnung, es macht einem das Spielen sogar leichter, nichts zu bedenken außer dem nächsten Zug. Aber ey, warum sollen zwei ausgekämpfte Remisen weniger wert sein als ein Sieg und eine Niederlage? Warum ist Carlsen mit 3/5 punktgleich Erster mit Anand und McShane, die 3.5/5 haben?

Ok, ich weiß doch wie es steht. Meh, no biggie, jeder Turnierveranstalter soll machen, was er für richtig hält und richtig ist sonst nach meinem Geschmack in London so gut wie alles, vom Teilnehmerfeld zum Internetauftritt

Zum Schach: McShane spielt nach wie vor überragend. 2/3 gegen Carlsen, Anand und Kramnik, dazu Short geschlagen, selbst der Turniersieg scheint nicht außer Reichweite.

Anand bisher auch mit einer weltmeisterlichen Leistung, recht glatter Schwarzsieg gegen Short und dazu der volle Punkt gegen Carlsen, der ihn auch in der liverating list wieder hauchdünn in Führung gehen lässt.

Dabei ging die Partie gegen den Norweger alles andere als vielverprechend los, Vishy stand mit Weiss schnell schlechter. Die Wende eingeläutet wurde in dieser Stellung:

Anand - Carlsen

Stellung nach 24. Dxd3

Weiss steht schlecht. Wer wissen will, wie es dazu kam und wie Anand ab hier mit Hilfe des Gegners das Ruder herunreissen konnte, wird hier fündig:

Bei Carlsen himself geht es auf und ab. Wie stark er nicht nur schachlich, sondern auch im Kopf ist, zeigt, dass er nach jeder Niederlage sofort mit einem Sieg zurückkam. In Runde 5 erwischte es David Howell, der leicht unter Druck stand und dann ohne große Not Harakiri beging:

Howell - Carlsen

Stellung nach 41...Da8

Dank des besseres Königs und der etwas aktiveren Figuren steht Schwarz angenehmer, aber nach z.B. 42. Sg3 hätte Magnus noch sehr viel Arbeit bevorgestanden, die weisse Stellung sollte vollkommen verteidigungsfähig sein. Nicht so nach 42.g5?? Da4 (!) aber auch hxg5 war gut 43.Dg3? Dd1! und der Springer auf h5 und mit ihm die Partie sind futsch. 0-1 (55)

Auch bei Kramnik gibt es Licht und Schatten. Glatten Siegen gegen Short und Howell stehen die Weissniederlage gegen Nakamura gegenüber, die schwächste Kramnik-Partie, die ich je gesehen habe.

Kramnik - Nakamura

Stellung nach 11...Sh5

Die Eröffnung ging an Weiss, mit 12.e3 Sxf4 13.exf4 hätter er hier eine bequeme Druckstellung bewahren können. Statt dessen folgte 12.Dd2? g5! und Figur weg. Ok, ganz klar isses noch nicht, trotzdem ein sehr krasser Einsteller. Nach wechselhaftem Verlauf bekam Kramnik im 41. Zug noch einmal eine Remischance, die er jedoch verstreichen liess:

Stellung nach 40...Kh4

Mit 41.Kg2 war hier der halbe Punkt greifbar. Der Schlüsseltrick, den er übersehen haben muss, ist Te2+ 42.Kf3 Se5+ 43.Txe5! Txe5 44.Kf4! und dank der Mattdrohung auf h7 gewinnt Weiss den Turm zurück. Auch andere Versuche des Schwarzen gewinnen nicht, checkt es aus! Nach 41.Tf3 Te5! war dagegen alles vorbei, 0-1 (54).

Am Dienstag in Runde 6 steht die Partie Kramnik-Carlsen auf dem Programm, in Runde 7 dann Anand-Kramnik. Für Spannung ist also gesorgt.

Nakamura spielt wie schon in Moskau ein starkes Turnier, 50% mit Schwarz gegen die großen drei, dazu in Runde 5 ein lockerer Sieg gegen Short, der das Marshall-Gambit arg misshandelte. Shorts Lage, 0.5/5, wurde wie üblich am Besten von Mig umschrieben: Nigels Strategie, nach der Eröffnung schlechter zu stehen und sich dann mattsetzen zu lassen, zahlt sich bisher nicht aus.

 

Hang in there, Nigel!

Noch sind zwei Runden Zeit. Adams liegt im Mittelfeld, neben Short hat auch Howell mit dem Feld so seine Probleme. Wer gewinnt? Ich tippe auf Vishy, er ist einfach mal dran. Aber das sage ich immer... Was meint Ihr?

32 Kommentare
Gerhard
14.12.2010 09:27

Offenbar braucht man einfach schlechte Stellungen, um gute Gewinnchancen zu bekommen.
Kramniks Übersehen war ganz schön bitter, aber genauso auch Carlsens.

Apropos:
Die Flaschen auf dem Förderband legt man am besten...mir ist schon mal eine Rotweinflasche so um- und dann runtergefallen.
Tja, wünsche auch Short ein bisschen ausgleichendes Glück.

Thomas Oliver
14.12.2010 11:53

Umgekehrt kann man auch sagen, dass sich bei Carlsen (bisher) Siege und Niederlagen schön abwechseln - go Kramnik!

Videos der Pressekonferenzen gibt es übrigens offenbar auch hinterher auf der Turnierhomepage, aber mensch muss eventuell etwas suchen und vor- und zurückspulen ... .

hanjie
14.12.2010 13:32

Ich tippe ebenfalls auf Anand.
Er hat bislang, trotz der nicht gelungenen Eröffnung gegen Carlsen, einfach einen bärenstarken Auftritt hingelegt. Man vergesse nicht die Runden 1 und 2, in denen er sich die Gegner scheinbar mühelos in die Ecke gestellt hat, aber nicht das k.o. hinbekam ... hätte er dir gewonnen, wäre auch die Drei-Punkte-Regel keine Silbe mehr wert ;)

Klasse ist auch der Internetauftritt, das Beste das ich bislang zu sehen bekam! Allerdings wird er auch nicht wenig durch den typischen Humor der Briten geadelt, die Nachbetrachtungen speziell mit Short sind gaaanz großes Kino. So macht Schach Spaß!

Auch wenn man sich hin und wieder frustriert zurücklehnt, was die Burschen während der Partie alles gesehen haben. Aber das sind ja schließlich auch Profis, nech? Sollten sie dann schon können. ;)

frankie
14.12.2010 23:32

Da bin ich mal gespannt, was Ex-Endspielexperte und neuerdings Eröffnungs-Trickser K. Müller zu Kramnik-Carlsen meint ;-)

Thomas Oliver
14.12.2010 23:38

Im Live-Kommentar wurde auch ein gewisser Jan Gustafsson zu Kramnik-Carlsen zitiert: "It's a win for white but a very complicated one". BITTE erzähl uns mehr darüber (auch wenn Deine Variante doch nicht stimmen sollte).

CoachJaxx
15.12.2010 02:30

Zwei Möglichkeiten: Entweder hat Magnus einen bisher streng geheim gehaltenen Sekundanten, der ihn überzeugen konnte, dass die Stellung nach 1.d4 d5 2.c4 Sc6 3.Sc3 Sf6 4. Lg5 Se4 5.Lh4!? (5. Sxe4?! dxe4 6.d5 e6! =) 5... g5 6.Lxg5 (6.Lg3 h5!?; 6.cxd5 Sxc3 7.bxc3 Dxd5 8.Lg3 e5!?) 6... Sxg5 7.cxd5 e5! 8.dxe5 (8.dxc6 exd4) 8... Sxe5 9.h4 Se6 10.dxe6 Lxe6 allein schon wegen dem Läuferpaar so gut wie gewonnen ist für Schwarz ... oder aber Magnus hat bei der eigenen Vorbereitung per "222 Eröffnungsfallen nach 1.d4" auf wundersame Weise das auf Seite 62 erwähnte 9... Lc5?! zum Laufen gekriegt ;-)

Lasker
15.12.2010 09:12

Kramnik fighted, scheint aber nicht ganz auf der Höhe zu sein - gestern hat er das Endspiel gegen Carlsen verpatzt.

Gerhard
15.12.2010 09:55

Ja, Kramnik hat komplett dominiert und lässt sich durch den Trick Tc5 noch die Butter vom Brot nehmen! Solch eine Art Versehen passierte ihm ja gegen Nakamura auch.
Hoffentlich hat Big Vlad das alles nicht zu sehr demoralisiert - hoffe heute auf eine gute Partie gegen Anand.

Lasker
15.12.2010 11:02

Nö, Auch ganz am Schluß ist das Ding noch gewonnen, der letzte Sackzug war der 70.: Kh4 - nach ... Kf2 wird der schwarze Königs zu aktiv und rien ne va plus. Dagegen nach 70.g5 ! arbeitet das Trio Kong, Bg2 und Läufer wurderbar zusammen. Wir haben quasi ein elemnetares Bauernendspiel mit Reservetempos auf der weißen Seite.Als ich gestern Kh4 sah, ist mir alles ausm Gedicht gefallen. Ich wollte eigentlich schon längst ausmachen, wollte dann aber noch zuschauen, WIE Vlad gewinnt ...

Gerhard
15.12.2010 11:25

Lasker, kann sein, daß es so ist. Ich habe mir das Endspiel nicht näher angesehen. Aber vorher war die Stellung ja brachial gewonnen, mehr Vorteil war ja kaum möglich..
Worauf ich rauswollte: Hat Kramnik bei der Abwicklung nicht bedacht, daß Schwarz sich an seine Bauern halten könnte anstatt nach b2 zu laufen? Hat er gegen Nakamura nicht ...g5 bedacht??

Lasker
15.12.2010 11:54

Ich bin eigentlich großer Kramnik-Bewunderer, gerade wegen seiner Übersicht, seiner ästhetischen Spielführung und auch gerade wegen seiner Endspiele. Und das ganze Ding gestern war von vorne bis hinten gewonnen, auch eben ganz zum Schluß. Wenn Schwarz stillhält, wird er von Weiß leicht austempiert (Tempozüge bzw. weißfeldrig). Wenn Schwarz selbst .. g5 spielt, ist es noch leichter: Läufer nach f7 und dann den Köing zurückdrängen: entweder kommt man zum Königsflügel oder ins Quadrat des a-Bauern, womit dann Lh5 ! gewinnt. Eigentlich für jemanden wie Kramnik leicht zu sehen. Ich hab´ gestern noch die Puppen aufgestellt (ja, am Brett , ich bin so ein alter Sack von gestern) und nur mit dem Kopf geschüttelt. Schlußfolgerung also: Kramnik ist nicht gut drauf oder krank ?

Gerhard
15.12.2010 21:15

Lasker, es scheint. Kramnik ist tatsächlich nicht voll auf der Höhe. Als alter Kramnikbewunderer habe ich früher oft gelitten, wenn er mit Weiß nichts rausholte (zb die unsägliche 1. Partie gegen Anand 2008) oder erst jüngst wieder diese Partien gegen Karjakin, jetzt gegen Nakamura und Carlsen. Da schaust Du 6 Stunden zu und dann das!

Thomas Oliver
16.12.2010 23:58

Laut Informationen vor Ort (Peter Doggers von Chessvibes und Kibitzer Hardy Berger auf Mig Greengard's Blog) war Kramnik tatsächlich krank, zumindest in den letzten beiden Runden. In der Schlussrunde gegen Anand musste der Schiedsrichter ihm während der Partie Imodium geben, und Kramnik verschwand direkt anschliessend in sein Hotel ohne die (eigentlich verpflichtete) Pressekonferenz abzuwarten.

Gerhard
17.12.2010 00:22

ja, hab ich auch gelesen (auf Chessvibes).

Sehr, sehr, sehr schade.

Lasker
17.12.2010 10:04

Danke für die Infos, Kramnik bleibt also der Endspielgott. ;-)
Mr. Endspiel Karsten Müller hat sich übrigens der Sache angenommen unter chessbase.com (wieso nicht auf der deutschen Seite?). Er meint ebenfalls, dass das noch am Schluss gewonnen war und Kramnik den schwarzen König zu aktiv hat werden lassen. Er hat auch ein tolles Festungsmotiv entdeckt. Müller meint, dasss schon nach Kg3 die Sache verzockt ist und man vorher mit g5 gewinnt.

Lasker
17.12.2010 10:09

Ich selbst bin noch nicht ganz überzeugt, dass das nach Kg3 nicht doch noch zu gewinnen ist. Schwarz hat 2 Verteidigungspläne: 1. aktiver König 2. Blocken des gegnerischen Königs.
Ich habe mich etwas mit dem Endspiel beschäftigt, vielleicht ist ja jemand dabei, dem das folgende Spasss macht.
Ich starte in der Stellung nach dem letzten grossen Abtausch 64... Kxc5 65.Kf2 = 1.Kf2

Lasker
17.12.2010 10:13

Bitte erst bei Kartsten Müller nachschauen.
Müller spielt mit Weiß frühes g3 und versucht, Schwarz auszutempieren, aber Schwarz kann beide Verteidigungspläne kombiinieren (siehe KM).
Ich habe aber eine lustige Variante entdeckt, vielleicht gefällt die Pointe jemanden:
1. Kf2 Kd4 2. Kf3 Kd3 3. g4 Kd2 4. Be6 Kd3 5. Kg3 ? Ke3 6. g5 Ke4 7. Kg4 Ke5 8. Ba2 Ke4 9. g3 Ke3 ? 10. Bb3 Kf2 11. Bd5 Ke3 12. Kf5 Kf2 13. g6 Kxg3 14. Ke6 Kf4 15. Kf7 Ke5 16. Bb3 h5 17. Kxg7 h4
18. Kf8 h3 19. g7 h2 20. Bd5 !! (wie geil ist das denn ?) a2 21. g8=Q a1=Q 22. Qh8+

Lasker
17.12.2010 10:15

Schwarz muß im 9.... Zug zurück nach e5, dann geht das Verteidigungskonzept auf, der Wettlauf ist dann normalerweise maximal zu einem Endspiel D+L gegen D führend.

Lasker
17.12.2010 10:17

Mein Verbesserungsvorschlag ist deshalb den g-Bauern so lange wie möglich hinten zu lassen, z.B.:

1. Kf2 Kd4 2. Kf3 Kd3 3. g4 Kd2 4. Be6 (4. g5) 4... Kd3 5. Kg3 ? (5. g5) 5... Ke3 6. g5 (6. Kh4 ?? Kf2 {remis = Partiefortsetzung})
6... Ke4 7. Kg4 Ke5 8. Ba2 Ke4 9. Bb1+ (9. g3 {Karsten Müller}) 9... Ke5 (9...Ke3 10. Kf5 Kf2 11. g4 (11. g6 dürfte ebenfalls studienartig gewinnen:
Kxg2 12. Ke6 h5 13. Kf7 h4 14. Kxg7 h3 15. Kf8
h2 16. g7 h1=Q 17. Be4+ Kh2 18. Bxh1 a2 19. g8=Q a1=Q 20. Qg2# {Matt}) 11...hxg5 12. Kxg5 Kg3) 10. Kf3 ! h5 (10... hxg5 11. Kg4 Kf6 12. Kh5 g6+ 13. Kg4!) (10... Ke6 11. Kf4 Kd5 12. Ba2+ Kd6 (12... Kd4 13. g6 ! Kd3 (13... h5 14. Kf5 Ke3 15. Ke6 h4 16. Kf7 Kf2 17. Kxg7 Kxg2 18. Kf8 h3 19. g7 h2 20. g8=Q+) 14. Ke5 Ke3 15. Ke6 Kf2 16. Bd5 +-) 13. Kf5 $18) 11. Kg3 g6 12. Kh4 Kf4 13.
g3+ Kf3 14. Ba2 Ke4 15. g4 hxg4 16. Kxg4

Lasker
17.12.2010 10:18

Ich weiß nicht, ob sich jemand die Mühe macht, das nachzuspielen. Aber in Endspielen steckt sehr viel Schönheit und mich jedenfalls spricht das an.

Lasker
17.12.2010 10:21

Das sind jetzt natürlich nur die "Hauptvarainten", ich habe - glaube ich - den Platz sowieso schon überstrapaziert ...

Gerhard
17.12.2010 13:46

"ich habe - glaube ich - den Platz sowieso schon überstrapaziert ..."
Finde ich nicht, denn das ist ja substantiell.
Vielleicht komme ich fauler Knochen ja mal dazu, das zu verifizieren...oder sogar anzureichern.

DANKE

Lasker
17.12.2010 16:29

Danke, Gerhard.
Das Endspile ist doch wesentlich trickreicher, als ich zuerst dachte, auf beiden Seiten gibt es einige schöne Möglichkeiten. Letztendlich denke ich, daß auch die Stellung nach Kg3 (die Idee g5 direkt umzusetzen ist aber wesentlich einfacher) immer noch gewonnen ist.
In der 2. Variante (quasi Hauptvariante) führt evtl. nur die studienartige Wendung (11.g6) mit dem Matt im Endspiel D+L gegen D zum Ziel.

Lasker
17.12.2010 16:48

Zum letzten (*hust*). Wenn Schwarz auf g5 tauscht, steht der weiße Bauer sinnvoll auf einem schwarzen Feld, so kann Schwarz vom weißfeldrigen Läufer austempiert werden. Deshalb ist g4 in der letzten gezeigten Variante nicht gut, da nicht gewährleistet ist, daß der Bauer nach g5 kommt. Schwarz spielt selbst g6 und Weiß dürfte nicht mehr voran kommen.
Deshalb hört die Variante mittendrin auf - da ich die Gewinnvariante g6! entdeckt habe. Beim Rüberkopieren kam dann aber Verwirrung auf ...
Zum Wohl!

Lasker
18.12.2010 21:38

Je länger man sich mit diesem Endspiel beschäftigt, desto mehr entdeckt man. Dieses Endspiel ist unglaublich reichhaltig. Nachdem ich schon die weißen Chancen schwinden sah, glaube ich jetzt doch einen Weg gefunden zu haben.
Man muß sich schon einige Zeit mit der Stellung beschäftigen, um überhaupt die Probleme zu sehen. Die hauptsächlichen Ideen habe ich schon skizziert und Karsten Müller hat das ganze wunderbar in Varianten dargestellt.
Um gewinnen zu können, muß Weiß Terrain für seinen König erobern und das ist nicht leicht. Nach g5-g6 hält Schwarz entweder das Wettrennen pari oder er blockiert den Durchgang.
Hier die neue Hauptvariante,

Lasker
18.12.2010 21:38

1. Kf2 Kd4 2. Kf3 Kd3 3. g4 Kd2
(3... g5 ? 4. Bf7 ! Kd4 5. Ke2 Ke4 6. g3 Kd4 7. Kd2 Ke4 8. Kc3 Kf3 9. Bh5 {1 : 0})
(3... g5 ? 4. Bf7 ! Kd2 5. Ke4 Ke2 6.Kf5 Kf2 7. Kg6 Kg3 8. Be6 a2 9. Bxa2 Kxg4 10. Kxh6 {1 : 0})
4. Be6 (4. g5 !) 4... Kd3 5. Kg3 ? (5. g5 !) 5... Ke3 6. g5 (6. Kh4 ?? Kf2 ! {remis, Partie})
(6. Ba2 ? g5 ! {und der weiße König kommt nicht raus.})
6... Ke4 7. Kg4 Ke5 8. Ba2 Ke4 9. Bb1+ Ke3 ! 10. Kg3 Ke2 11. Kf4 Kf2 12. g3 h5
{Das ist die kritische Variante, das Wettrennen führt nicht zum Erfolg.}
13. g6 Kg2 14. Ba2 Kh2 (14... Kf2 15. Bd5 Kg1 16. Ke5 Kf2 17. Ke6 Kxg3
18. Kf7 h4 19. Kxg7 h3 20. Kf6 h2 21. g7 h1=Q 22.g8=Q+)
15. Kf3 Kh3 16. Be6+ Kh2 17. Kf2 Kh1 18. g4 ! h4
(18... hxg4 19. Kg3 Kg1 20. Bc4 Kh1 21. Kxg4 +-) 19. g5 ! Kh2
(19... h3 20. Bb3 Kh2 21. Bd5 +-)
(19... h3 20. Bb3 h2 21. Bd5#)
20. Bd5 Kh3 (20... h3 21. Bb3 Kh1 22. Be6 Kh2 23. Bd5 +-)
21. Kf3 Kh2 22. Kg4 h3 23. Kh4 Kg1 24. Kxh3 Kf2 25. Kg4 Ke3 26.Kf5

Lasker
18.12.2010 21:39

Das ist ein einem Forum natürlich nicht schön zu lesen,
aber Jan wollte sich ja drum kümmern ... :-)

Lasker
18.12.2010 23:33

Hier noch die Nebenvarianten zum Zug 12:
12... hxg5+ {verliert eigentlich immer, wenn der Bauer noch auf g3 steht} 13. Kg4 Kg2 14. Ba2 Kf2 15. Bd5 Ke3
(15... Kg1 16. Kxg5 Kh2 17. Kf4 Kh3 18. Be6+ Kg2 19. g4 Kh3 20.g5+ Kh4 21. Kf5 Kh5 22. Bf7+ Kh4 23. Bc4 Kh5 24. Be6 Kh4 25. Kg6)
16. Kxg5 Kf2 17. Kf4 und gewinnt leicht
bzw. 12... Kg2 13. Ba2 Kh2 14. Bc4 Kh3 15. Bd5 Kh2 16. Kg4 ! Kg1 17. g6 Kf2 18. Bb3 Kg2 19. Bc4 Kf2 20. Bd5 {1 : 0}

Lasker
19.12.2010 12:37

Im übrigen bedeutet das, daß die Karsten-Müller-Resource ("70.g5 is no longer good enough") 75.. h5 +
doch nicht ausreichend ist zum Remis, denn es erfolgt die Transformation in die oben angegebene Variante:

75.g6 h5+(der Blockade-Trick-Versuch) 76.Kf4 ! und gewinnt !

Im übrigen ist mein altes Fritz-Programm überhaupt keine Hilfe, in Remis-Stellungen (a la Karsten Müller) zeigt er beharrlich weißen Gewinn an, in "meiner" Gewinnvariante geht dagegen die Bewertung gnadenlos runter ... Die "Blockade" (KM) und das in-der-Ecke-einsperren schnallt der nicht ...

Ich hoffe, ich hab´s jetzt. :-)
Mir hat die Analyse ernorm Spaß gemacht!
Sicher habe ich nicht überall die "schnellste" Möglichkeit angezeigt, aber mir kam es auf die Ideen an.

Gerhard
19.12.2010 19:45

Ich wundere mich schon länger, wieso es nicht eine Darstellungsmöglichkeit al a "Ahnentafel" gibt.
Ich habe das mal gemacht, Laker, mit Deiner ersten ausführlichen Analyse.
Mich nervt dieser Klammer-Schneehaufen immer.
Jedenfalls toll auch für unser Schach, daß selbst so ein Endspiel mit reduzierten Steinen nicht unkompliziert ist.

Lasker
20.12.2010 11:42

Gerhard, da gebe ich Dir völlig recht.
Ich versuche das auch zu strukturieren, wenn ich Klarheit haben will (ich mache mir dann mind-maps). Hier war das erstmal eine Art "brainstorming".Mein Gefühl sagte mir, das muß auch noch nach Kg3-Ke3 gewonnen sein und da habe ich mich reingestürtzt.

Ich habe das Endspiel am Brett erarbeitet, hatte aber dann Probleme, da es zu komplex wurde in den Variantenverzweigungen. Ich habe es dann mittels Fritz erfasst und das Rauskopieren der relevanten Varianten ist schon recht schwierig.
Deshalb habe ich anfangs auch nur versucht, die prinzipiellen Ideen zu beschreiben.

Karsten Müller hat das Endspiel ja hochgeladen (gefunden bei chessbase.com ?), dort kannst es auch als pgn downloaden und verwenden.

Mein Vorschlag:
Schau Dir KMs Analyse an und dann spielst Du meine beiden letzten Variantenstränge (ab 18.12.2010 21:38) nach.

Lasker
20.12.2010 11:50

Und ja, Endspiele sind nicht nur "technisch" - es steckt oft sehr viel Tiefe und Schönheit darin. Den Schlüssel zu finden und das Endspiel dann zu verstehen, zu begreifen, finde ich äußerst ansprechend und befriedigend.

Mein Kommentar