Jans Kolumne

Kommt der Audi?

Carlsen schlägt Nakamura!

Moin,


17:53 hier. Sorry, hab das Kommentieren verschlafen, war ne lange Nacht. Nachdem die letzten Weißpartien nicht wie gewünscht liefen, haben wir es heute mal mit 1.d4 versucht. Im Moment siehts so aus, als würde Smeets das Turmendspiel verlieren, meine Laune ist entsprechend. Kurzer Blick in die Runde (8), dann geh ich rüber, heute Nacht guck ich mir die Partien mal genauer an.

 

Anand hat in den letzten Weißpartien nicht besonders gute Erfahrungen mit Aronian gemacht und daher heute den Ball sehr flachgehalten. Die gespielte Marshall Variante ist wohlbekannt und als Gewinnversuch nicht sonderlich geeignet, Remis.

Für Ponomariov-Kramnik gilt ähnliches, nicht viel los.

Giri hat eine starke Partie gegen Wang Hao gewonnen.

l'Ami gegen Nepo wird Remis, womit sich ersterer weiterhin durchaus anständig in diesem Feld behauptet.

Shirov hat soeben seine erste Partie gewonnen, was ist mit Grischuk los???

Partie des Tages ist natürlich Carlsen-Nakamura. Magnus gibt Gas und ließ dem Turnierführenden keine Chance, so siehts auf den ersten Blick aus. Analyse wird nachgereicht, vielleicht erzählt M.C. mir, was los war.

Der Audi ist da, ich muss rüber. Morgen ist Ruhetag zwei, ich wünsch mir ne Zeitmaschine zu Ruhetag eins.....

Mehr in Bälde!

37 Kommentare
Lasker
23.01.2011 19:49

45. c4 !?

Fachkraft
23.01.2011 19:58

Mit 21. Td8? unterlief Smeets schon wieder ein dicker Fehler. So wird es schwer, Punkte zu sammeln. Die schwarze Idee Lh6 muss ihm total entgangen sein. Denn diese Antwort sieht schon auf den ersten Blick sehr stark aus - und ist es auch.

DeinEXChef
23.01.2011 20:13

Lieber Jan,

hier schreibt Dir dein Chef, Smeets.

Ich glaube, wenn ich hier in Deinem Forum poste, wo Du nebenbei der Welt so prima Möglichkeiten gibst, über mich herziehen zu können, bin ich mir wenigstens Deiner Aufmerksamkeit gewiss, steckst Du doch so viel Zeit, Kraft und Phantasie in diesen Blog.

Vielleicht zahle ich Dir nicht genug, aber es wäre schön gewesen, wenn Du mit der gleichen Verve an meiner Seite gestanden hättest, als aus meinem Schach ein Happening zu machen....

Ich weiß, daß ich nur wie ein Jurist, ein guter Auswendiglerner bin, aber gerade deshalb hätte ich mehr psychologisch Betreuung gebraucht.

Viel Glück noch mit deinem Bauchpinselblog.

Smeets, GM
P.S. - Du bist gefeuert!

Stefan
23.01.2011 20:37

Au weia, vier Mal hintereinander Abendessen in der Pommesbude, hoffentlich macht dein Magen das mit...

ebitda
23.01.2011 20:41

Magnus hat Nakamura mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit verfrühstückt und ihn wie einen Patzer vermöbelt - unglaublich!
Aronjan scheint wirklich etabliert, wenn selbst Anand mit Weiß nur Alibischach zeigt und mit remis zufrieden ist.
Was ist mit Grischuk los, ihm hatte ich zugetraut weitere Elopunkte Richtung 2800 zu sammeln, aber wenns nicht läuft...Und hier bin ich auch bei Smeets, der den Ruhetag zur Schachpause nutzen sollte - schlimmer kann es nicht werden.
@deinexchef
nur bedingt lustig, vor allem das Wort Verve wird Smeets nicht in seinem Vokabular drauf haben.

Thomas Oliver
23.01.2011 21:41

Na Anand hat damit seinen Score aus den letzten fünf Schwarzpartien gegen Aronian auf 10% verbessert - stimmt wirklich denn davor gab's für ihn einen Audi und erklärt vielleicht einiges.

hanjie
23.01.2011 21:42

Wird eigentlich _irgendwer_ aus Carlsen schlau?
Ich hab's aufgegeben.

Phero
23.01.2011 22:03

Naja, Carlsen ist ja noch recht jung und wie wir wissen, spielt man in jungen Jahren im Normalfall nicht besonders konstant. Das scheint auch auf höchstem Niveau zu gelten.
Außerdem ist Carlsen ein Kämpfer, der normalerweise in fast jeder Partie den Sieg herausholen will und dafür auch risiken eingeht. Wegen seiner Klasse kommen halt unter dem Strich bei weitem mehr Erfolge als Misserfolge dabei heraus...

Und die geistigen Ergüsse dort oben waren vollkommen überflüssig...

Ich hoffe, Jan fängt sich nach dem Ruhetag wieder und lässt derzeit nicht zu sehr den Kopf hängen... das Turnier ist noch lange nicht vorbei.

Ansonsten danke für die tollen Berichte über Wijk (und natürlich auch über den Rest)

Deep Mikey
24.01.2011 00:31

Die Kündigung ist ja schon recht witzig, aber die Aussage "Aronjan scheint wirklich etabliert,..." ist einfach nur köstlich. Oder war damit der Kreis der 2800er gemeint?

hanjie
24.01.2011 09:35

Ich denke, eher Letzteres.

Faszinierend ist, dass die anderen kleine Erfolge während des Turniers feiern können, aber am Ende gewinnen doch die ganz Großen das Turnier, ergo Anand, Kramnik oder Carlsen ...

Nakamura hat zwar einen guten Punsch, aber er hat auch noch Anand und Kramnik vor sich, wenn einer von beiden ihm noch einmal eine Lehrstunde erteilen sollte ist er 'raus für den Turniersieg.

Einzig Aronian könnte noch ein ordentliches Wörtchen mitreden, sein Restprogramm ist nicht gar so schwer, da könnte auch noch was gehen.
Es sei denn, Smeets fährt ausgerechnet gegen ihn seinen Überraschungspunkt ein ;)

BeatingWerder
24.01.2011 10:44

Im Grunde ist es ja auch klar, dass ein Nakamura oder ein anderer nicht etabilierter 2800 kaum eine Chance hat so ein grosses Einladungsturnier zu gewinnen.

Nehmen wir mal an, dass Nakamura gegen die 4 grossen (Carlsen, Anand, Aronian, Kramnik) eine Erfolgswahrscheinlichkeit von 50 %, dh 2 Punkte hat.

Während nun die 4 untereinander sich kaum wehtun und mehr oder weniger schnell remis machen wollen, weil für sie anscheinend das Risiko auf Gewinn zu spielen zu gross ist, versuchen sie gegen z.B. Nakamura auf den vollen Punkt zu gehen (zB Kramnik in London, Carlsen gestern)

Untereinander haben die Grossen also eine Erfolgswahrscheinlichkeit von 50 % (wie Nakamura) und holen immer realtiv varianzlos ihre 1.5 Punkte untereinander.

Was nun ggü. Nakamura passiert ist folgendes, die Leute gehen Risiko ein und mal gewinnen sie eine Partie, mal verlieren sie eine. Am Ende mag Nakamura, wegen seiner angenommen Erfolgswahrscheinlichkeit von 50 %, 2 Punkte holen, aber derjenige, oder sogar 2 gegen, die er verloren hat kommen dann auf 2.5 Punkte.
So reicht es zwar für eine gute Platzieung, aber der Turniersieg ist schwer erreichbar.

Kritik und verbesserungen sind immer willkommen

hanjie
24.01.2011 12:20

An deiner These ist durchaus 'was dran. Immerhin sieht man hier wenig nicht ausgekämpfte Remisen, aber wenn, dann sind es jene unter den ganz Großen.

Einen oder zwei der vier erwischt es dann gegen die "Kronprinzen" - aber einer kommt dann eben doch durch.

Vermutlich ist es dann aber doch "nur" die Klasse der ganz Großen - sie können im kritischen Moment eben doch noch jene Schippe drauflegen und die "big points" machen, wo den anderen noch die Erfahrung dafür fehlt, wie man das macht.

Ein Boris Becker hat damals ja auch nicht das ganze Tennisspiel über großes Tennis geboten und auch mal Spiele oder gar Sätze weggeschenkt. Wenn's um die "big points" ging, war er aber dann plötzlich (fast) immer voll da und machte die Punkte dann eben.

Spannend bleibt's trotzdem, schließlich sieht's ja so aus als ob Aronian aus den "Big 4" inzwischen eine "Big 5" macht.

Smeets betreffend: Lehrgeld eben.
Er wird aus dem Turnier sicher einen ganzen Batzen an Erfahrungen mitnehmen und daraus verdammt viel lernen können.

hanjie
24.01.2011 12:22

Achja, Ergänzung: Hier ist Aronian sicher bei den "Big 4" schon drin, insgesamt zähle ich aber dann "Big 5", Topalov inklusive.

Horst Honken
24.01.2011 14:27

@ BeatingWerder: Es bleibt auch ausreichend Raum für Kritik und Verbesserungen.
1. Nakamura hat gegen die 4 Genannten gerade keinen Erwartungswert von 2/4 (u.a. wegen mangelhaften Eröffnungsrepertoires).
2. Es ist völliger Unsinn, dass die anderen vier untereinander nur remis machen. In den letzten 1-2 Jahren waren insbesondere Kramnik-Carlsen und Anand-Aronjan sehr oft entschiedene Partien.
3. Wenn, dann ist die Überlegung eher für ein Turnier wie Bilbao relevant und gerade nicht in Wijk, wo der "Schwanz" (Kasparov) länger als bei jedem anderen Topturnier ist.

@ DeinEXChef: Einigermaßen geistreich, aber wenig konstruktiv. Wenn es Dir wirklich um Smeets geht, sicherlich der falsche Weg.

BeatingWerder
24.01.2011 15:03

@ Host Honken

1. Der Erwartungswert von 2 war bewusst gewählt um die Auswirkungen zu zeigen.
Natürlich müssen dann zum Zwecke der Vergleichbarkeit die Erwartungswerte gleich sein.

2. Ich bezog mich auf das aktuelle Turnier. Spiele bei Olympiade, homogeneren Turnieren usw. sind wieder ein ganz anderes Brot.
Ausserdem kann die Gruppe auch auf Magnus und Anand verkleinert werden, die ich selten Partien habe ausspielen sehen.
Die Aussage bleibt die gleiche.


hanjie
24.01.2011 16:09

Ich denke, dass die "Großen" alle das Ziel haben, das Turnier zu gewinnen. Ohne Ausnahme.
Insofern stellt sich immer die Frage: Wie erreicht man das am besten?

In Wijk kann man sich Kurzremisen gegen die gefährlichsten Gegner noch am ehesten leisten, ist doch noch genug Gelegenheit da, die Punkte weiter hinten zu sammeln. Natürlich glaubt jeder, gegen den "Rest" (nicht despektierlich gemeint) am besten punkten zu können ;)

Bei kleineren Turnieren, etwa mit nur 6 Mitstreitern, davon 3 der großen 4, sieht's anders aus, da wird auch der Sechste schon ein recht dichtes Repertoire haben, und so ist deutlich weniger sicher als hier, dass ganze Punkte "unten" zu holen sind. Also wird eben weiter oben auch mal hart aufgeschlagen.

Aber, Strategie hin oder her, letztlich gibt es ja doch zu viele Einflüsse. Da fühlt man sich grade mal nicht gut, die Vortagspartie wurde verloren oder dauerte über 100 Züge, und schon sieht's wieder anders aus.

Speziell hier ist aber schon ein wenig auffällig, dass sich die "Großen" nicht allzu wehtun.
Vielleicht genießen sie es ja auch ein wenig, mal nicht nach Sofia-Regeln spielen zu müssen ;)

Matwejewitsch
24.01.2011 16:13

@ Beating Werder
Langfristig müssten sich dann aber Nakas Elozahl und die von Anand und Carlsen annähern. Oder, wenn es nur auf Wijk bezogen ist, halt ihre Eloperformance in Wijk.
Ein anderer Punkt wäre, dass man sich mit kurzen Remisen natürlich schonen kann. aber Naka scheint mir nicht gerade unter fehlender Energie zu leiden.

Du müsstest schon einen 2700-2750-Spieler heraussuchen, für den tatsächlich langfristig bei einem bestimmten Turnier solche Ergebnisse herauskommen. Gerade im Falle von Nakamura ist das aber schwierig, weil er noch nicht gerade lange auf diesem Level spielt.

Matwejewitsch
24.01.2011 16:24

Habs mal nachgehuckt....

Wijk aan Zee 2010:

1 Carlsen * 0 ½ ½ (1)
2 Kramnik 1 * 0 1 (2)
3 Anand ½ 1 * ½ (2)
4 Nakamura ½ 0 ½ * (1)


DieSchachklapse
24.01.2011 17:04

Schlecht laufen kann es immer, ob bei Smeet's oder Gusti's Aufgabenteil. Da steckt man manchmal drin, was solls. Vielleicht hilft ja Jonathan Rowson's exzellentes Werk "Schach für Zebras" weiter?
In solchen Fällen (man kann scheinbar keine 100%, sondern vielleicht nur 60% der eigenen Spielstärke abrufen), erinnere ich mich richtig, wird empfohlen, nicht zu versuchen, in dieser Situation seine Resultate zu maximieren, in dem man "nur" 100% geben will. Das wären dann nämlich im Endeffekt nur 60 maximale Prozentpünktchen. Viel besser ist es nach Rowson, die Voraussetzungen für gutes Schach (die 60 möglichen %, die man im Moment geben kann), zu verbessern. Ergo:
Stimme deine Luftgitarre und frage Smeets, ob er Schmetterlinge im Bauch hat. Kopf frei, Attacke, Spaziergang....dann wird das noch was.

Gerhard
24.01.2011 17:37

Yeah, Schachklapse, Schmetterlinge im Bauch, das wärs! So kanns noch was werden.

Tom Cody
24.01.2011 17:40

Das Bedenkzeit-Management von Smeets ist schlicht eine Katastrophe und die Hauptursache der Mißerfolge!
Als Trainer würde ich da eher ein paar Sitzungen "Entscheidungsfindung in unerwarteten / unbekannten Situationen" oder Trainingpartien a la Botwinnik einlegen, statt mit der Engine im 22. bis 25.Zug in superscharfen Theorievarianten herumzudoktern...
Vielleicht sind jetzt auch ein paar dröge Abklammer-Varianten mit sicheren halben Pünktchen angesagt!?

BeatingWerder
24.01.2011 21:16

Vermutlich habt ihr recht und ich habe nur aufgrund der Anand - Aronian und den ganzen langweiligen remisen zwischen Anand und Carlsen die ich in Erinnerung habe, die Schiebeannahme als unrealistisch hoch angenommen.

Wann gab es eigentlich mal einen Schwarzsieg von einem ca. 2800 gegen gleiches Kaliber?
(Topalovpartien ausgenommen)
Kramnik, Aronian, Carlsen, Anand

Ich kann mich an kaum Schwarzsiege erinnern, aber Aronian könnte welche haben.

ps zur Zeit wo sie die Spielstärke schon haben

HaroldChasen
24.01.2011 21:30

@beatingwerder:

Carlsen - Kramnik Wijkk 2010: 0:1
Anand - Aronian Linares 2009: 0:1

BeatingWerder
24.01.2011 21:44

danke

Silk
24.01.2011 22:58

Jan looks good in today's viideo update. I like his new hairdo and effeminate voice. But why is this blonde guy later in the video also labelled "Jan Gustafsson"? Can someone clarify?

St. Pauli
24.01.2011 23:16

Glückwunsch Jan. Ich wusste doch schon immer dass eine intensive schachliche Zusammenarbeit auch im Privaten zusammen schweißt. Aber dass du sogar zu plastischer Chirurgie und Hormonen dafür greifst... Nicht zu fassen.

Ich wünsch dem neuen Traumpaar jedenfalls noch alles gute.

Meister Plack & Meister Stock
25.01.2011 00:25

Wir finden: Jan & Jan sind Schachfreunde mit Herz. Das muß auch mal gesagt werden. Am Sonntag haben wir sie in der Stunde der Niederlage erlebt, hier bei den Holländern, bei Tata Steel, in der vollen Spielbude in Wijk aan Zee. Meister Plack sagt: Gusti aß eine Suppe, er mußte sie auslöffeln. Meister Stock sagt: Smeets lehrte den Kelch bis zur Neige, aber Gusti machte es wie die Kanzlerin; wenn es ganz schlecht geht, ißt sie zunächst eine Erbsensuppe, um sich zu erden! Dann geht's weiter. Und was die Niederlagen angeht; auch Gott hatte mal vier, fünf Nullen zwischendurch, bis heute. Und, hat es geschadet?

wo
25.01.2011 00:33

Wo findet man Videos über JANS?

Chessvibes - no
ChessbaseGMBH no
TataCorusBiancaMuerrenscheissmitSeasideSong - no!

wo denn?

Uwe Serreck - Barsinghausen
25.01.2011 01:03

okay, gefunden...
Nun noch eine Empfehlung:

40 Minutes of Awesomeness!!!!

http://www.youtube.com/watch?v=0NvD_qLBTrI

Navara, der echt an jedem Tag der letzten Jahre den gleichen/selben(?) schlecht sitzenden Anzug zu tragen scheint und wirklich alle Vorurteile meiner Freundin eines Schachnerds lockerst erfüllt, vergesst Ivanschuk, präsentiert in seiner eigenen, unterhaltsamen Art ein Endspiel. Ich habe es gleich 2 mal geschaut, so viele Ideen und sehr lehrreich. Der Typ ist wirklich bescheiden und kein Egomane wie die anderen gezüchteten ...

Eine Studie in Schach und Menschlichkeit!

Ilja
25.01.2011 15:01

Warum hast du uns Nepos teuflisches 11.e4 nicht beim Kadertraining gezeigt? :)

Ne, im Ernst: Du weißt auch nicht, was das soll, oder?

Hallo
25.01.2011 15:16


hallo Hannover schachzoo 00 schneider hsk

_
ja, Navara ist der Hammer! THX

Peter B.
25.01.2011 15:27

Ist doch klar was e4 sollte:
es gibt wieder 1h zusätzlich;-)

Tiger-Oli
25.01.2011 15:46

Moinmoin,

Grüße an die Runde, und vor allem und überhaupt ganz dringend an Meister Plack und Meister Stock! Ihr beide seid also unterwegs in Wijk - aber nicht zu lange bleiben, bald sind ja wieder Landesmeisterschaften ganz oben im Norden!

Ex-Meister Tiger-Oli

Lasker
26.01.2011 12:32

Einen Endspiel-Kommentar kann ich dann doch mir nicht verkneifen, die Idee habe ich ja schon angegeben. Es geht um das Turmendspiel Smeets-Vachier (Runde 8).

Ich meine, da läßt es Weiß klar an der nötigen Zähigkeit fehlen.
Mittels 44.c4 läßt sich sehr gut um das Remis kämpfen (nicht 45., der Turm muß natürlich hinter dem Bauern bleiben).
Das opfert den c-Bauern, um selbst einen Freibauern zu schaffen und den schwarzen Turm zu beschäftigen.

Es gibt folgende Überlegungen:
Der weiße König steht ausgezeichnet für den Fall das b gegen f-Bauern getauscht wird ("Philidor").
Wenn der weiße b-Bauer übrig bleibt, kann der weiße König den schwarzen c-Bauern attackieren, um den Turm gegen den f-Bauern zu opfern.

Konkret:
44.c4 Tg3+ 45.Kc2 bxc4 (das ist der kleine taktische Stich, weshalb Smeets das wohl nicht gespielt hat, aber der b-Bauer von Weiß wird frei und das ist viel wichtiger) 46.b5 Tb3 47.Te7+
An dieser Stelle muß sich Schwarz entscheiden, sinnlos ist es, vom f-Bauern wegzulaufen:

a) 47...Kd4 48.Tf7 f3 (Txb5 Txf4 remis) 49.b6 Ke3 50.b7 und Schwarz kommt nicht weiter, er kann zwar den f-Bauern bis nach f2 vorbringen, um den König aber vor Schachs zu verstecken, muß er den Turm einsetzen - nach Turmtausch ist die Partie Remis (z.B. 50...f2 51.Te7+ Kf3 52.Tf7+ Ke2 53.Te7+ Te3 54.TxT KxT Tante Tante De5+ remis

b) 47...Kf3 Jetzt ist der weiße Bauern gefährdet, aber Weiß spielt 48.Tb7!?. Nach 48...Kf2 49.Tb7 f3 muß Weiß 50.Kd2 spielen (nur nicht auf die 1.Reihe!) ...Td3+ 51.Kc2 Td6 (sonst kommt Schwarz auch nicht weiter) 52.Kc3 Tc6 53.Tb8 nebst b7 und Remis, z.B. ...Kf1 54.b7 Tc7 55.Tf8

Ich denke an den Satz von Jan G. (sinngemäß): "Ich mag Endspiele nicht, aber ich glaub nicht, dass das soo viel an Spielstärke kostet."
Immerhin werden regelmäßig im Endspiel die Punkte gemacht, ganz real. Ob Remis oder Niederlage macht eben einfach einen halben Zähler Unterschied aus. Ob die Eröffnung aber 0.3 besser ist für Weiß oder 0.35 auf der nach oben offenen Engine-Skala, dem wird großer Wert beigemessen...

Gruß
Lasker

TBressel
26.01.2011 13:27

In der sehr instruktiven Analyse von Daniel King bezeichnet dieser Nakamuras frühe Rochade (in Carslen-Nakamura) als 'inaccurate'. 8...Le6 sei der Zug der Wahl. Ich bin zwar ein Patzer, aber ich frage mich, ob nicht b7 das richtige Feld ist. Geht der weiße f-Bauer vor, muss der Läufer auf c4 getauscht werden, falls auf f4 genommen wird, wird d4 frei für den etwas unglücklich stehenden Sb4.

Wie dem auch sei: Diese Partie war ein Musterbeispiel für eine akkurate Behandlung des Najdorf mit Weiß. Züge wie Ka1 oder Dg3 lassen Schwarz immer einen Zug zu spät kommen. Sehr schön gespielt!

Horst Honken
26.01.2011 18:33

Du bist tatsächlich ein Patzer. Schwarz muss eh auf f4 nehmen.

TBressel
28.01.2011 15:05

Ja, aber auf b7 steht er m. E. besser, um Druck gegen e4 und auf der Diagnonalen a8-h1 auszuüben, siehe die Partie Carlsen-Nepomniachtchi.

Ansonsten: Bleib mal locker.

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