Jans Kolumne

Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert

Blick in den Spielsaal, die Stars spielen ganz hinten auf der Bühne

Boah, schon wieder sechs Uhr morgens! Time flies when you're having fun...

Ich bin in meinem üblichen Sekundantenrythmus, der auf dem Papier ungefähr so aussehen sollte:

10:00 Aufstehen, Frühstücken

11:00-12:30 Smeets briefen

13:15 An Smeets' Tür klopfen, ihm sagen, dass es in 15 Minuten losgeht und ihn erinnern, dass Verspätungen in Wijk zwar nicht genullt werden, aber dafür bares Geld kosten.

13:17 An Smeets' Tür klopfen, ihm sagen, dass es in 13 Minuten losgeht und ihn erinnern, dass Verspätungen in Wijk zwar nicht genullt werden, aber dafür bares Geld kosten.

13:19 Ihr wisst schon.

13:22 Smeets kommt raus, wir gehen hastigen Schrittes zum Spielsaal.

13:30-14:00 Im Pressezentrum rumhängen und die Eröffnungsphase der Partien verfolgen.

 

Das Pressezntrum

14:30-17:30 Zurück ins Hotel, schlafen.

18:00 Auf in den Spielsaal, den Boss abholen, bei der Analyse kiebitzen

20:00 Abendessen

22:00- Mitternacht: Zusammen den nächsten Gegner durchgehen

Mitternacht - später: Alleine arbeiten.

So sollte es aussehen, aber in der ersten Runde liefs nicht nach Plan. 

Ich komme also um 14:30 ins Hotel zurück, will nochmal kurz gucken wie es steht, bevor ich mich hinlege. Und zu meinem Entsetzen muss ich feststellen, dass Smeets seine Partie bereits beendet hat. So kann ich nicht arbeiten! Wenigstens hat er gewonnen.

Was war geschehen?

Ich also zurück in den Spielsaal, statt Mittagsschlaf Kaffeetrinken im Hotel Sonnevanck, wo während des Turniers stets das Leben tobt.

The place to be

Nachdem wir die veränderte Lage besprochen haben (so war das nicht geplant, wir wollten doch klammern!), hab ich mein Nickerchen nachgeholt, wonach das nächste Problem anstand: Wo essen?

Smeets' Lieblingsrestaurant
Mein Lieblingsrestaurant

Wir stehen nach wie vor in zähen Verhandlungen, ob wir nach Siegen in die Snackbar gehen sollten, um Smeets zu belohnen, oder nach Niederlagen, um mich zu bestrafen. Gestern konnte ich mich durchsetzen, Sante, lekker Sate eten!

Was gibts sonst? Anand schlägt Ponomariov mit Schwarz. Nakamura gewinnt mit Weiß gegen Grischuk. Spannend auch die Partie zwischen Carlsen und Aronian, schon wieder Schottisch! Remis, wenn ich Zeit hab, guck ich mir das mal genauer an, sah theoretisch sehr relevant aus.

Heute geht es mit Schwarz gegen Anish Giri. Danach kommt Ponomariov mit Weiß, l'Ami mit Schwarz und schon ist der erste Ruhetag da. Viel leichter wirds danach auch nicht, Carlsen und Anand....

Der Start jedenfalls ist gelungen! Bis später.

28 Kommentare
Johannes
16.01.2011 08:50

Glückwunsch zum Sieg!
Carlsen - Aronian war sehr interessant, aber erstaunlicher fand ich, dass Kramnik zu Schottisch greift. Und dann auch mit Sf6... hat sich wohl auch die DVD angeschaut ;-)
Oder war es nur ein Versehen, er hat im zweiten Zug versehentlich den falschen Springer gezogen und das dann im vierten Zug korrigiert...

Günter
16.01.2011 10:14

Auch von mir Glückwunsch !
Danke für die extrem sympatische Berichterstattung.
Freue mich jeden Tag auf deine Kommentare.
Viel Glück

Mattovsky
16.01.2011 11:15

Schwache Leistung des Sekundanten, der arme Smeets musste zwei Züge selber finden. Das muss besser werden! ;-)

Peter B.
16.01.2011 15:41

Und wieder eine forcierte Variante. 23. Dd4 war nach meiner DB die erste Neuerung. Smeets spielt wieder sehr schnell. Mal sehen wie gut die Vorbereitung diesmal hilft..

Hannibal
16.01.2011 17:22

Ich finde es etwas respektlos, jemanden wie Schirow "dämlich" zu nennen. So ein wenig kann man bei der Variante aber tatsächlich von einer "unglücklichen Liebe" sprechen; gegen richtig starke Gegner hat Schirow damit kaum je gewonnen, dafür einige sehr wichtige Partien verloren (z.B. Groningen 1997 gegen Anand, Linares 1998 gegen Svidler, Poikovsky 2009 gegen Inarkijew).

Patzerle
16.01.2011 17:51

sehr starke Vorbereitung erneut :-)
Giri hat aber auch sehr gut gespielt nachdem er mit einer für ihn neuen Stellung konfrontiert war.
Die Uhr zeigte zwischenzeitlich 15min für Giri und 1:47 für Smeets an.
Und da wären wir auch gleich beim Kritikpunkt. - Wie kann man 1:30min an 2 Zügen grübeln?!
Gab es da mal nicht die "nie länger als 20min pro Zug" Regel ;-)
Hier ist der Trainer gefragt, das Smeets'sche Zeitmanagement ist ausbaufähig. :-)

Lasker
16.01.2011 18:44

Hannibal,
vielleicht war meine Ausdrucksweise etwas provokant und zu "klar" - zugegeben. ;-)

Aber ich beziehe mich auf seine konkrete Handlung - seine Vorgehensweise, sich nicht auf den Gegner einzustellen. Nicht auf "Schirov an sich" ("Für diese "Eiinladung" erscheint mir ein "selten dämlich" schon vertretbar").

Shirov ist ein genialer Weltklassespieler (auch wenn ich seine Spielweise nicht mag), aber seine Herangehensweise gegen Smeets (= Einladung zum Elfmeter) war einfach ... wenig durchdacht und unprofessionell..

Auch heute hat das Jan²-Team wieder geglänzt, bin auf die Analyse gespannt!

hanjie
16.01.2011 19:38

Ich gehe ja immer davon aus, dass der "Feind" mitliest.
Insofern würde ich als "Feind" niemals, wirklich niemals, ein "selten dämlich" hinnehmen. Denn im Zweifel ist jeder, der dies schreibt, schlechter als man selbst ... soo viele sind nun auch nicht besser als Mister S., und die werden sich so sicher nicht aus dem Fenster lehnen ;)

Jan hat schon den richtigen Ton getroffen in der Analyse, mit der Erwähnung, dass "Shirovs Vorbereitung nicht auf dem Level der anderen Topleute zu sein scheint": Er spielt gerne immer dieselben Varianten die sich bewährt haben und variiert nicht so, wie es andere Topleute tun.
Manchmal geht es gut, manchmal nicht.

Nun, shit happens - hier ging es halt mal nicht gut.
Er wird's verkraften können, schätze ich mal ;)

ebitda
16.01.2011 21:27

Salut - tolle Seite!
Was ich mich frage, ist diese Sekundantentätigkeit eigentlich wirklich befriedigend? Denn eigentlich müßte es wohl eher Gustafsson - Shirov 1-0 heißen; der Tagesablauf wirkt gesundheitsschädlich und im Grunde sind Sie eigentlich zu jung und zu stark für diese Tätigheit. Kann man sich für dieses Turnier nicht selbst einkaufen - wie hoch wohl ein buy-in wäre? ^-^

Lasker
16.01.2011 21:31

Hmmm...
Bin nochmal in mich gegangen...

Inhaltlich stehe ich voll zu dem vorletzten Posting. Mit ein bißchen Selbstkritik wird Shirov sich vielleicht auch ärgern, voll in die absehbare Vorbereitung gelaufen zu sein.

Meine Selbstkritik sagt mir, daß ich zwar inhaltlich dazu stehen kann, die Wortwahl aber unangemessen war.

Ich habe aber auch nicht damit gerechnet, daß Jan das in die Anfangszeile eines Analysetextes mit reinnimmt.
Ich bitte daher Jan, das dort rauszustreichen.

Sorry, ich wollte niemanden verärgern, schon gar nicht beleidigen, da ist der sprachliche Gaul mit mir durchgegangen. Mir ging es nur um die Darlegung der mangelnden psychologischen Vorbereitung.

Damit setze ich mich hier auf *read-onliy*.

Viel Spaß noch & guckt immer schön die alten Klassiker und übt Endspiele. ;-)

Gruß
Lasker

Norman
16.01.2011 21:48

Schien mir heute bis einschließlich 29...fxe6 (Qualitätsopfer) alles vorbereitet/bekannt. Die Stellung könnte bereits besser für Schwarz sein. Ich tippe, deshalb der hohe Zeitverbrau von Smeets für die nächsten zwei Züge - er wollte den klaren Vorteil finden (oder wenigstens irgend ein Vorteil). Vielleicht wäre 33...d3!? (Räumung) vorteilhaft gewesen - eigentlich nicht schwer zu finden, wenn man neben den beiden Springerzügen noch weitere Kanditatenzüge in Betracht zieht. Aber wer weiß. Nach 34.Lxd3 Sd4 (drohend Dd5) 35.La6 (gegen Diagonalmatts) [bzw. 35.Ta8 Sf3+ 36.Kf1 Sxh2+ 37.Ke1 Sf3+ 38.Kf1 Dd5 mit Vorteil, oder?] 35...Lxa6 36.Txa6 Se2+ 37.Kf1 Sxc1 sehen 38.Ta8 und 38.Db8 (menschlich) beängstigend aus.

Wie auch immer, der Partieausklang schien mir nicht optimal für Schwarz (vielleicht kann 36...Sd6 noch gespielt werden).

Was sagt die großmeisterliche Analyse?

hanjie
16.01.2011 22:02

Och Lasker, "read only" muss nun auch nicht grade sein - vielleicht nur ein "only writhe after sleep" ;)

Im Affekt haben schon so einige Menschen schlimme Worte gesagt. Das ist menschlich.
Kurz gesagt: Shit happens. :)

Norman
16.01.2011 22:12

PS: 37.Kg1 statt Ke1, sonst sollte 37...De5+ stark sein.

Thomas Oliver
16.01.2011 22:38

Etwas ist schon zumindest erstaunlich (wenn Chessbase recht hat): "Pikanterweise empfiehlt Shirov selbst die Neuerung 22. Ld7 - auf seiner eigenen Spanisch-DVD." Dann war's gestern vielleicht nicht dumm, aber doch dumm gelaufen ... .

hanjie
17.01.2011 07:41

... und möglicherweise ein Hinweis darauf, dass er einfach nur seine eigene Vorbereitung vergessen hat.

Wie hieß da noch wer, dem das auch passiert ist?
- Achja, Anand. In so ner ersten Runde eines voll unbedeutenden Turniers, hieß damals, glaube ich, "Weltmeisterschaft". ;)

Thomas Oliver
17.01.2011 11:06

Interessant finde ich auch die Psychologie dahinter: Wenn Jan (einer oder beide) die DVD gekannt hätte(n) wäre 22.Ld7 vielleicht nicht auf dem Brett passiert - weil es ja eigentlich nicht überraschend war!? Und Shirov hat sich vielleicht genau darauf verlassen ... .

Peter B.
17.01.2011 13:03

Für die Partie Giri-Smeets gab es 500€ für die beste Partie des Tages. Der Juror regte an den Preis zu teilen. Hat Dich Smeets von seinem Teil wenigstens zum Essen eingeladen?

Stefan64
17.01.2011 17:11

Heute bleibt wohl nur die Snackbar...

Stefan64
17.01.2011 17:40

..um Smeets wieder aufzubauen ,-)

SillyMove
17.01.2011 18:02

na dass diese Partie einen Preis bekommen hat verwundert mich ja schon. Nicht dass die Partie bis dahin schlecht war, aber ausgekämpft war sie ja sicherlich nicht. Dass man diese Ängstlichkeit auch noch mit 500€ belohnt......unglaublich.

Bundestrainer
17.01.2011 18:33

Die Partie Giri-Smeets war sicher das Highlight des gestrigen Tages...aber ich bekomme das Gefühl nicht los, dass Schwarz die Hand schon am Sargnagel hatte...und die Schlusstellung ist sicher noch nicht ausgekämpft. Hier kann ich mich SillyMov nur anschliessen.

Und bei der heutigen Partie ist doch irgendwas richtig schief gelaufen in der Vorbereitung, oder?

Mal sehen, was der Meister zu berichten hat?

Peter B.
17.01.2011 18:49

14. c4 versteh´ ich nicht, vor allem wenn Sg5 danach nicht kommt sondern der Damentausch 17. Dc3 angestrebt wird!?
War Smeets schon bei f5 aus dem "Buch"?

Oechtie
17.01.2011 18:59

Smeets-Pono (3)
naja, nicht alles was vorbereitet wurde kommt auch aufs Brett; z.B. wenn der Gegner einen anderen Zug spielt. Man kann sich wohl unmöglich auf alles vorbereiten! Der Fehler war wohl 14 c4? Mein Buch gibt hier drei Züge an Ta-b1; Kh1 und Sg5. Nach dxc4 und Sxd4 steht Weiss schon ca, 0,5 Einheiten schlechter während er nach den Buchzügen ca 0,3 besser steht also insgesamt ein minus von 0,8 für 14. c4! Zuhause bequem mit Engine ist das natürlich leicht praktisch am Brett passieren aber Fehler. Den armen Carlsen hats ja heute noch schlimmer erwischt! Aber es sind ja noch 10 Runden zu spielen!!

Thomas Oliver
17.01.2011 19:16

Ponomariov ist wohl der gegnerischen Vorbereitung ausgewichen, vielleicht schon mit 1.-e6!? was er vorher eher selten spielte oder spätestens mit 7.-f5. Nach 7.-Se7 8.Dg7: Tg8 9.Dh7: usw. wäre Smeets womöglich nicht so schnell in Zeitnot gekommen ... .

hanjie
17.01.2011 19:32

Bei 14.c4 fragte ich mich spontan "fehlte da der Anfängerblick?" - jener Blick für Ein- und Zweizüger, den man gerne mal vergisst, wenn man langfristig denkt ... ;)
Vielleicht hat Smeets ja auch einfach übersehen, dass nach ... Sxd4 der Bauer e6 gedeckt ist. Just simple, just bad sozusagen.

Kritiker
17.01.2011 21:13

Also normal flame ich nur in Blogs und vorallem im Heise-Forum und so ein toller Typ bist du auch nicht, aber... *grrrr* die Sache mit der den beiden Lieblingsreastaurants war lustig muss ich dir leider lassen. Weiter so! *kotz*

*wüten davonstampf*

Hallodri
18.01.2011 01:40

Wunderbare Kolumne. Wann geht's (smeet's) denn weiter?

hanjie
18.01.2011 08:38

Ich habe eine Lösung fürs Restaurantproblem: Bei Unentschieden geht's in dein Restaurant - da kann Smeets ja weder belohnt noch du bestraft werden ;)

Mein Kommentar