Jans Kolumne

Halbwegs live aus Baden-Baden

In Baden-Baden scheint die Sonne

Moin!

Ich melde mich aus dem idyllischen Baden-Baden, wo gerade DER Spitzenkampf der Schachbundesliga zwischen dem Ausrichter und Werder Bremen stattfindet. Mangels Elo bleibt mir nur die Zuschauer/Cheerleaderrolle, aber natürlich wollte ich gern beim Showdown dabeisein. So habe ich mich mehr als rechtzeitig bereits gestern morgen um einen Job als Schreiberling, Kaffeekocher, Brötchentester etc. beworben, und siehe da, hier bin ich. Passt auch gut in meinen Zeitplan, Sonntag um 20:00 gehts zusammen mit Paco ab Frankfurt zum Thailand open, wir landen um 12:00 in Bangkok und haben dann noch lockere drei Stunden, bis wir in Pattaya am Brett sitzen.

Kommen wir aber zum Geschehen auf den Brettern. Gut anderthalb Stunden sind gespielt, es steht 0.5-0.5.

Eljanov-Shirov: remis

Ausgerechnet das Spitzenbrett ist bereits verwaist, aus unserer Sicht ist ein Schwarzremis dort natürlich kein schlechtes Ergebnis. Im populären Halbslawen mit 6.Dc2 wurde Eljanov von dem selten gespielten 8...e5 überrascht. Die kritische Stellung entsteht um den 15.Zug herum:

Eljanov (2761) - Shirov (2749)

Stellung nach 14...Sf6

Shirov hatte diese Position schon mehrfach auf dem Brett. Der wohl kritische Zug ist 15.Tfe1, wie bereits von Onischuk gespielt, wonach Schwarz sehr präzise agieren muss, um auszugleichen. Der Anziehende kannte diesen Zug, hatte ihn aber nie ausführlich analysiert und griff daher zu dem älteren 15.Lf5, nach Da5! 16.Lxc8 Tfxc8 17.Db3 Dd5 stand Weiß erneut am Scheideweg, während Shirov offensichtlich noch im Buch war. Mit 18.Lxf6 Dxb3 19.axb3 gxf6 ließ sich letzmalig das Spiel komplizieren, aber Eljanob schätzte das Endspiel wegen seiner Schwächen am Damenflügel als nicht vorteilhaft ein. Stattdessen geschah 18.Dxd5 Sxd5 und wenig später remis.

Das war das, ich mach mal die Runde, was sonst so los ist, brb!

Svidler-Gashimov

An Brett zwei bekommt es mein erbitterter Backyard Empires-Gegner Peter Svidler mit dem Azeri Vugar Gashimov zu tun, der heute zwar der Feind, in der spanischen Liga aber mein Teamkollege ist. Jaja, die Schachwelt ist klein.

"Vugar plays Petroff, right? Meh" Und so geschah es, die Beiden diskutieren das pouläre 5.Sc3 in der russischen Eröffnung. In einer Standardsttruktur hat Svidler gerade nicht so standardmäßig seinen a-Bauern bis nach a5 geschickt, mir fehlt das Schachverständnis, um zu erklären, was das soll. Wie dem auch sei, slebst einem Läuferpaarfetischisten scheint die schwarze Stellung ausreichend gesund und solide, ich würde auch hier auf einen friedlichen Ausgang tippen, aber wer weiß. So stehts gerade:

Svidler (2731) - Gashimov (2749)

Stellung nach 21...Sc6
Efimenko-Movsesian, im Hintergrund Arik Braun, der nach dem deutschen Meistertitel im Schach nun den WM-Titel im Schachboxen anstrebt

Bleiben wir in Brettreihenfolge und kommen zu der Stellung, die mir im Moment die meisten Sorgen bereitet. Sergei Movsesian, der neurding wieder unter armenischer Flagge segelt, hat es mit den schwarzen Steinen mit Zahar Efimenko zu tun, einem der Helden des ukrainischen Olympiasiegs. Im Slawen mit 4.e3 Lg4 hat Sergei Unmengen Erfahrung, wurde aber von dem giftigen 12.Dd1 überrascht, das die Spannung erstmal aufrechterhält, die Hauptvariante 12.cxd5 exd5! gibt nicht viel her. Falls Sie sich fragen, wovon ich rede, die Partien gibt es alle auf http://bundesliga.liveschach.net/ zu sehen. Wie dem auch sei, 12...e5 ist vielleicht nicht dir richtige Reaktion, momentan hat Weiß fast lehrbuchartig das Läuferpaar und die c-Linie, schön isses nicht. Aber unser Mann ist zäh und trickreich, noch gibt es keinen Grund zu Panik. Oh, kaum schreib ichs, tauschen die Protagonisten alles mögliche runter, sieht immer noch etwas unbequem aus:

Efimenko (2683) - Movsesian (2723)

Stellung nach 27.axb4

Wie der Zufall will (oder die cleveren Mannschaftsführer?) kommt es  an Brett vier und fünf zu Duellen zwischen Landsleuten. Wenn mich meine Augen nicht trügen, hat "unser" Franzose, Etienne Bacrot, gerade die Möglickeit, seinen Kollegen Laurent Fressinet auszuknocken. Da ich in Spielsaalnähe sitze und Engines natürlich tabu sind, wie üblich alles ohne Gewähr. So stehts:

Bacrot (2716) -Fressinet (2718)

Stellung nach 19...Td6

Geht hier nicht ein kleiner Trick?

Hmm, es kam Tc1, ging nicht Txd5 Txd5 Nxe4 nebst Sf6? Auch nach Tc1 gefällt mir die weiße Stellung besser.

Fressinets Partien studiere ich im Moment besonders genau, im Juni spielen wir ein Match im Rahmen der deutschen Jugendmeisterschaft. Vielen Dank an die DSJ, die dieses möglich gemacht hat! Es scheint, als seien wir beide recht bemüht, bis dahin möglichst viel ELO zu verlieren, aber heute würde ich es ihm nicht verübeln.

McShane-Adams

Im Battle of Britain an Brett fünf bekommt Adams es mit den schwarzen Steinen mit McShane zu tun. Je tiefer wir uns in der Brettreihenfolge vorarabeiten, desto erfreulicher sind die Stleuungen von uns. Adams reagiert stark auf das Sf3-g3-Lg2-c4 System von McShane und übt starken Druck aus:

McShane (2683) - Adams (2728)

Stellung nach 26...Te5

Die weiße Stellung krankt an der Schwäche e2, dem offenen König und dem miserablen Springer auf d1, klarer Vorteil Baden-Baden!

Ich hatte gehofft, selbigen auch am nächsten Brett bei "PH" Nielsen-Areshchenko ausrufen zu können, aber inzwischen sieht es nicht mehr danach aus. Im Gegenteil scheint es, das Peter Heine etwas entgangegn ist und er sich nun etwas strecken muss, um den Remishafen zu erreichen.

 

Kaum komme ich zu Brett 7, ist dieses auch schon remis ausgegangen. Vallejo experimentierte in der Eröffnung mit 1.D4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.e3 b6 5.Sge2 Lb7!? 6.a3 Ld6!?. So richtig gefiel mir seine Stellung zunächst nicht, gegen Ende war es wieder ok, Paco ist gesundheitlich etwas angeschlagen und war mit dem Remis zufrieden. Remis ging auch Bacrot-Fressinet aus, meine Idee Txd5 war natürlich Quatsch wegen Txd5 Sxe4 Qxb5. 

An Brett 8 hat Naiditsch gegen Nybäck eine Qualität mehr, die Verwertung wird nicht einfach, aber nur der Anziehende kann hier gewinnen.

Die Zeitnotphase beginnt, ich widme mich mal meinen Pflichten als Vize-Vize-Käptn und gucks mir an.

Hmm, lief nicht ideal, vier Partien laufen noch. Naiditsch steht inzwischen unangehm, kaum hatt ichs geschrieben... Auch Peter Heine steht schlechter, in diesen zwei Partien kämpfen wir um die Punkteteilung. Vorteile haben wir bei Adams und Svidler, aber auch da ist noch nichts entschieden. 

Es kann also alles passieren.

Die Ausgangslage ist klar: Bei einem 4-4 oder besser ist Baden-Baden so gut wie Meister, bei einem Bremer Sieg haben diese morgen gegen das geschwächte Eppingen beste Chancen, einen Stichkampf um den Titel zu erzwingen. Es bleibt spannend!

So, Adams hat uns in Führung geschossen, bei noch drei laufenden Partien sieht es wieder fruendlicher aus. Nachdem Naiditsch erst gut, dann schlecht stand, ist mittlerweile ein sehr scharfes Endspiel entstanden, in dem alles passieren kann, ich vermute, er steht zumindest nicht schlechter.

Peter Heine kämpft nach wie vor in einem schweren Damenendspiel ums remis, ich befürchte, es wird nicht reichen. Update: PH hat leider verloren.

Aber dafür verwaltet Svidler seit geraumer Zeit einen Mehrbauern gegen Gashimov, das muss doch zu gewinnen sein. Auch wenn Svidler aussieht, als würde er das Ende der Partie nicht erreichen, post-EM sind einige noch nicht komplett wieder hergestellt.

So, 5-3, Ende gut alles gut. Jetzt gibts was zu essen, mehr gibts später.

83 Kommentare
patzerle
09.04.2011 18:54

Naiditsch steht auf Verlust... (nach der katastrophalen EM hätte man ihm vielleicht ne Pause gönnen sollen und einen gewissen Hamburger GM, der mit Weiß an 8 immer nen halben Punkt machen kann spielen lassen?! ;-) )

Dafür ist McShane matt.

Allerdings ist das Damenendspiel von Areschenko sehr verdächtig inzwischen, ich denke Weiß muss sehr kämpfen um das zu halten.

Bleibt das Endspiel von Svidler was inzwischen klar besser ausschaut, aber ist es auch gewonnen?!

Könnte also auf ein 4:4 hinauslaufen, aber bleibt spannend.

Super-Marius
09.04.2011 19:19

Katastrophale EM bei Naiditsch? 8 ELO Verlust ist kein Weltuntergang, das machen die 11,5/13 in der Bundesliga wieder wett.
Auch heute stand er zunächst auf Gewinn.
Ich tippe auf ein 4-4 (Wie Dortmund 1-1 in Hamburg) und gratuliere zu Meisterschaft! (Wie Dortmund....)

Schachexperte
09.04.2011 20:14

So taeuscht sich der Laie. Arkadi hat souverän gewonnen! Und morgen kann dan Jan ans Brett und den Eloriesen von Delmenhorst ausbremsen :-)

Tiger-Oli
09.04.2011 20:23

Moin,

danke für die Live-Kommentierung - eine schöne Idee!
Mein nachträglicher Tipp für den Kampf ist ja 5:3 für Baden-Baden, und - Moment - sieht aus, als würde ich damit richtig liegen.
Verblüffed, dass Naiditsch noch gewonnen hat - er wird sich bestimmt freuen jetzt beim Essen.

Glückwunsch also zur Beinahe-Meisterschaft!

Tiger-Oli

der fan
10.04.2011 00:22

Hallo GM Jan,

ich hoffe Swidler hat dir den zug a5 verraten was dahintersteckt.

viel erfolg noch

pipidipapa
10.04.2011 02:26

Herzlichen Glückwunsch zur Meisterschaft!

auch wenn ich ein Werder-Fan bin...

mogelkatz
10.04.2011 09:18

Danke für die Kommentierung, gestern konnte man fast live dabei sein aus der Ferne - mit Jans Blog, mit Döttlings Audiokommentar und auch noch Bildern aus Aue und Baden...nur die Bremer hätten es gerne noch ein wenig spannender machen können...
Und nun Daumendrück für Thailand!

Gerhard Lasker
11.04.2011 16:57

Hier der Link zur ersten Partie :
http://bangkokchess.com/round1/tfd.htm

project_chaos
11.04.2011 20:26

schöner sieg von gusti und short :)

Peter B.
12.04.2011 08:10

Sehr schöner Sieg von Jan:

http://bangkokchess.com/round2/tfd.htm

Holländisch gegen Jan scheint schwierig zu sein...

Holger ,H
12.04.2011 10:25

Hallo!
Erstmal gratulation zum Sieg in der 1 Runde!
Da ich selbst früher gerne Richter-Veresov gespielt habe habe ich auch schon die Stellung nach 10.Lf1-c4 auf dem Brett gehabt.
Ich glaube,das man nach10.... Lf8-a3
schon als Weißer fast aufgeben
naja nur als Idee

lvapatzer
12.04.2011 13:56

hmmm.dürfte remis sein.auf ein neues!

ebitA
12.04.2011 18:44

remis - meh. Damit ist das Abendessen gestrichen. ^.^

lvapatzer
13.04.2011 11:41

nu iss gutt mit remis.denk an deine elo.toi,toi,toi

whiteshark
13.04.2011 14:10

Wie geht es Dir, min Jung, so healthmäßig,
und wie spät isses denn jetzt da?

spr
13.04.2011 15:55

Sieht so aus, als wenn in Thailand Short und Vallejo den ersten Preis unter sich ausmachen.

Peter B.
13.04.2011 16:41

Jan hat in Rd 5 gewonnen und ist nun schon wieder fast dran an den Führenden

ebitA
13.04.2011 18:11

Vier aus fünf gegen Amateure und maximal Halbprofis ist zu wenig. Anscheinend fühlt sich Gus in der Rolle des Außenseiters am wohlsten, während er bei Gewinnzwang verkrampft.
Schade, dass er sich nicht in Dortmund beweisen darf, drei Deutsche und drei Weltklassespieler, dass wäre es doch mal und ließe sich gut vermarkten. Wenigstens haben die Turnierorganisatoren endlich Leko ausgeladen, mir unverständlich wie man an so einem langweiligen Spielertyp so lange festhalten konnte.

hanjie
13.04.2011 18:38

Na, von außen schwer zu beurteilen. Vielleicht spielt die Gesundheit nicht mit und/oder die Kondition nach der nicht eben kraftsparenden EM ist nicht wie gewünscht.
Runde 4 jedenfalls brachte unerwartete technische Schwächen zutage ;)

Thomas Oliver
13.04.2011 21:15

Geht das Gemecker wieder los ... . Wenn es einen speziellen Grund gibt würde ich am ehesten auf Jetlag tippen: Jan sass nach einem Nachtflug schon 40 Minuten nach Ankunft am Brett zur ersten Runde. Ich wäre wohl ein, zwei Tage früher geflogen, aber vielleicht ging er davon aus dass er beim Finale der Bundesliga eventuell doch gebraucht wird?

Die Morgenrunde wird um 9:00 Ortszeit gespielt (=4:00 deutsche Zeit), die Mittagsrunde um 15:00 (10:00 ist, glaube ich, für Jan und diverse andere Schachprofis immer noch ziemlich früh ,:) ).

Gerhard
13.04.2011 21:34

Hi Thomas,
lass doch die Fans unzufrieden sein, wenn hr Idol nicht so punktet, wie sie es gerne hätten. Da ist doch nichts Verkehrtes daran!

Thomas Oliver
14.04.2011 09:30

@Gerhard: Na ich habe mich vor allem gewundert über "Anscheinend fühlt sich Gus in der Rolle des Außenseiters am wohlsten, während er bei Gewinnzwang verkrampft". Das ist schon deshalb etwas merkwürdig weil Jan ziemlich selten Aussenseiter ist, d.h. gegen nominell deutlich stärkere Gegner (2700+) spielt - spontan fällt mir Morozevich ein (Olympiade Dresden 2008) und davor das eine Mal das er in Dortmund dabei war.

Ja schade dass Dortmund 2011 für ihn kein Thema ist. Leko wurde übrigens wohl nicht ausgeladen sondern macht auf eigenen Wunsch ein sabbatical - Quelle ein ungarisches Interview das anderswo im Schach-www erwähnt wurde.

lvapatzer
14.04.2011 13:15

sooo.nun warten die anderen großen jungs.viel erfolg!!

Peter B.
14.04.2011 16:03

Spiel auf ein Tor von Jan und den Treffer gemacht. "Droht" nun schon Nigel, Paco oder Hansen?

Übrigens gibt es auf chessbase.de ein Foto von Jan mit rötlicher Gesichtsfarbe. Wenn mich nicht alles täuscht herrschen da etwas andere Temperaturen wie bei uns und bei 30° aufwärts würde ich auch lieber ein (Kurz) Remis einstreuen. Da kann ich einfach nicht mit voller Power denken..

Peter B.
14.04.2011 20:55

Ok,
"Endspiel" gegen Nigel. Mach es Jan!

pipidipapa
15.04.2011 00:09

Sein Sieg aus Runde 6 ist ja hübsch!

Ist es nicht schön, wenn die strategischen Pläne ohne groben taktischen Hammer des Gegners durchgesetzt werden können?

hanjie
15.04.2011 01:25

Jetlag kommt hin. Der kommt bekanntlich am 3. Tag am härtesten, das war dann just in Runde 3 ...
Wobei Atanu Lahiri mit Sune Berg Hansen am nächsten Tag prompt noch einen halben "2600er-Skalp" eingesammelt hat. Soo schlecht sind die 5/6 nun wirklich nicht.

Und wenn nun auf einmal ein Sieg gegen Short rausspringt, hat er plötzlich wieder alles richtig gemacht, ne? ;)

lvapatzer
15.04.2011 11:28

sieht nicht übel aus.satter zeitvorteil,shorts hüpfer beisst ins leere,am kflügel sollte gegenspiel sein.
mindestens remis.

Peter B.
15.04.2011 12:16

Sieg für Jan!!!
Zwar hat Nigel, sagen wir mal optimistisch gespielt, aber Punkt ist Punkt. Und nix Remisgeschiebe!

patzerle
15.04.2011 12:17

Short mit Schwarz so überspielen, so dass er sich zu einem Figurenopfer genötigt sieht und ihn dann klat abservieren in 33 Zügen - nicht so schlecht :-)

Glückwunsch zur starken Partie!

(Der Computer ist kein Fan von deinem 31...Dd3, er nimmt einfach die Damen raus und meint genug Gegenspiel zu haben, trotz Materialnachteil, aber Short hatte sicher nicht die Figur geopfert, um in so ein Endspiel überzugehen und nachdem er dem Tantentausch auswich war es auch schon um).

Kenner
15.04.2011 12:22

...und genau solche Gegner wie Short sind für Gusti gefundenes fressen. Ähnliche Erfahrungen musste auch Nakamura und mittlerweile schon 4x Herr Naiditsch machen. Wer die remisbreite verlässt muss halt mit den Konsequenzen leben.
Glückwunsch Gusti

Peter B.
15.04.2011 12:34

Sagt mal,

stimmt die Liveübertragung Yang-Paco? Dort hätte m.E. Yang mit 41. Dxb8 einzügig mattsetzen können und spielt stattdessen Dc1???

Peter B.
15.04.2011 12:55

Frage zurückgezogen. Die Züge werden gerade korrigiert. Paco hat wohl gewonnen und höchstwahrscheinlich kommt es nun zum Duell Jan vs. Paco....

Gerhard
15.04.2011 13:01

Erstaunlicher Ausgang der Partie. Hatte am Vorabend mit einem kurzzügigen Remis gerechnet.

hanjie
15.04.2011 13:45

Tja, mal wieder ein typischer Short: Manchmal spielt er Weltklasse, und dann überzieht er mit spekulativen Opfern die Stellung einfach mal so mir nix - dir nix ...
Ich glaube nicht, dass Short zum Zeitpunkt des Opfers schon überspielt war. Die weißen Figuren waren eigentlich recht gut aufgestellt (vor allem der Te3 zum Schwenken gen Königsflügel schon bereit).

Aber genau dafür lieben ja auch Short alle! Er hat halt einfach gerne die Initiative und geht auch mal Risiko. Damit pflügt er mitunter auch mal 2700er um, um dann am nächsten Tag wie gegen Gusti nun auch mal alt auszusehen.
Dennoch muss man mit Schwarz erstmal so kaltblütig sein, um so einen Angriff abzuwehren. Am Brett war ja schon alles recht schwierig zu berechnen.

Lasker
15.04.2011 14:23

Auch von mir Glückwunsch an Jan.

Ich denke, die Stellung war vor dem Opfer ungefähr im "dynamischen Gleichgewicht", so typisch königsindischer Spanier.
Vielleicht berichtet Jan, was Short sich bei dem Opfer gedacht hat; Figur für ein bißchen Gefummel wird´s ja wohl nicht gewesen sein bei diesem Tabellenstand...

Wo gibt´s denn aktuelle Ergebnisse/Tabellen?

lvapatzer
15.04.2011 14:26

@lasker
chess-results

Gerhard
15.04.2011 15:01

Ich denke, Short hat die Partie nicht mit dem nötigen Ernst angelegt. Zum Zeitpunkt des Opfers war es schon kritisch. denn die Dfügelaktion war der klassichen Königsflügelaktion unterlegen.
Der Zug Db3 wirkte für mich wie eine Demonstration.

Schon sehr früh der Zug a3 war mir verdächtig. War das nicht zu langsam?
Frage an Lasker.

methos753
15.04.2011 15:17

Gerhard: "Erstaunlicher Ausgang der Partie. Hatte am Vorabend mit einem kurzzügigen Remis gerechnet."

Ein "Short" Remis quasi ... ;-)

ebitda
15.04.2011 16:11

Na also; jetzt gegen den Vereinskonku..kamerad ein Kurzremis und in der Schlussrunde gnadenlos zuschlagen; mit 7,5 aus 9 ist man dann geteilter Erster und es fließt endlich ein wenig cash und ein paar Elopunkte; aber nicht gleich das Geld für flüchtigen Spass am Nana Plaza ausgeben :)

RainPiper
16.04.2011 01:30

Hat noch jemand Zeit, an der Partie Short-Gustafsson etwas herumzuanalysieren? Die Bewertung vor dem Figurenopfer (28. Scxe5) oder nach einem möglichen Damentausch (32. Dxd3) würde mich noch tiefer interessieren. Habe aber selbst im Moment kaum Zeit.

Gerhard
16.04.2011 02:44

Hat das Ding tatsächlich 9 Runden? Dachte an 7 Runden, deshalb meine Annahme eines Kurzremis.

patzerle
16.04.2011 09:14

@ RainPiper - ich gehe schwer davon aus, dass Jan selbst diese Partie kommentieren wird wenn er seinen Bericht verfasst, von daher würde ich einfach abwarten was der Meister selbst sagt. :-)

Ich denke, dass Short schon deutlich schlechter stand, im Grunde positionell überspielt war, da Schwarz einen klaren Plan am Königsflügel hatte, während Weiß am Damenflügel optisch hübsch steht mit dem Sc6, aber kein Weiterkommen in Sicht war.
Daher dann die Notmaßnahme mit dem Figurenopfer um die Stellung radikal zu ändern anstatt einen langsamen Tod zu sterben.

Der Computer sagt nach dem Damentausch wie gesagt, dass Weiß ausreichendes Gegenspiel hat, ich habe versucht die Stellung mit Schwarz gegen ihn zu gewinnen und jedesmal noch verloren... und soooo schlecht bin ich eigentlich nicht...
Das ist freilich weit von irgend einer Analyse entfernt, aber ich glaube Weiß hat hier wirklich gute Chancen zu halten, da er enorme Aktivität entfaltet und Schwerz große Probleme hat seine Figuren zu aktivieren und koodinieren.
Wie man so schön sagt: bei perfektem schwarzen Spiel muss es eigentlich gewonnen sein, aber einfach ist es definitiv nicht.

Peter B.
16.04.2011 11:44

OK, sicheres Marshall-Remis gegen Paco. Morgen wird noch mal angegriffen!

Lasker
16.04.2011 17:28

Gerhard,
da Du mich angesprochen hast (ich war andersweitig beschäftigt) noch eine Antwort. Wie Du schon geschrieben hast, zeigt ein näheres Hinsehen, daß Weiß es am Damenflügel hier schwer hat, konkret zu werden, Schwarz dürfte ja tatsächlich besser stehen.

Ob Short das ganze nicht ernst genug nahm?
Sicherlich wird er Jan ernst genommen haben und gerade eben Jans Eröffnungsvorbeittung, weshalb er dann auch mit dem Gurkenzug a3 versucht hat, früh die Pfade zu verlassen...

Short ist ja so ein Spieler, der gerne bejubelt wird, wenn er seine innovativen "Gib-Gas"-Partien spielt, der aber auch mal mit seinem Wildwestschach schrecklich eingeht (zuletzt London).
Ich mag sein Schach nicht sonderlich, aber das ist ja Geschmackssache...

Einblick in die psychologische Gedankenwelt bekäme man nur bei Interviews, ich weiß nicht, warum Short a3 spielte !?
a3 irgendwann mal näher vorbereitet ?
Kein Bock auf Vorbereitung?
Glaubte, er könne Jan eher strategisch ausspielen?
Ist ihm grad am Brett eingefallen (oh, shit, der spielt ja immer Marshall-watt spiel ich jetzt?)...?!
...

Gruß

Chessbasenutzer
16.04.2011 18:51

Der "Gurkenzug" a3 wurde laut Chessbase-Datenbank u.a. schon von Carlsen, Topalov, Adams, Svidler, Ponomariov und Short selbst gespielt. Gegner waren u.a. keine Geringeren als Aronian, Leko, Shirov und Ivanchuk.

Ich denke daher nicht, dass a3 darauf hindeutet, dass Short den Gegner nicht Ernst genug genommen hat. Seltene Variante mit immerhin 54% Statistik für Weiß, wenn auch vielleicht minimal schlechter als die Hauptvariante.

whiteshark
16.04.2011 20:30

Alles Gute und toi toi toifür die letzte Runde gegen Stokke morgen.

Lasker
16.04.2011 20:30

Toll, daß Du schon die Datenbank benutzen kannst.

Es ist doch so:
Wer sich intensiv (allgemein und gegen Jan) vorbereitet hat, geht mit dem Marshall.
Wer sich das nicht antun will, spielt was anderes; gut analysiert ist z.B. auch a4 oder h3, letzteres ist in den letzten Jahren populärer geworden als Alternative.
Oder eben ne andere Eröffnung.

Wenn Gerhard meint, Short hätte das wohl nicht richtig ernst genommen, dann bezieht sich das wohl auf die Vorbereitung.
Wenn man mit Weiß gegen Theorieguru Jan wirklich was reissen will, spielt man nicht erst Spanisch und dann 8.a3.
Ergo: Short war nicht 2.700er-mäßig vorbereitet.

Matwejewitsch
16.04.2011 21:22

@Lasker: Short ist nie 2700er-mäßig vorbereitet, der hat schon ganz andere Sachen gebracht als a3 im Spanier, was übrigens eine Spezialität von ihm ist.
Mit ein bisschen mehr Aufwand würde Short vielleicht auch 2750 haben können, aber wozu? Weltmeister wird er nicht mehr und im Finale stand er schon. Also spielt er halt, worauf er gerade Lust hat und erfreut seine - recht große - Fangemeinde. Ein großer Freund von Theorievarianten und superseriösem Schach war er übrigens auch zu seinen allerbesten Zeiten nicht.

Lasker
16.04.2011 21:50

@Matwejewitsch

Danke für die Infos.
Mit Short kenne ich mich überhaupt nicht aus, hat mich nie angesprochen.
Naja, unvergessen natürlich seine Wander-Partie gegen Timman. Aber ansonsten spricht er mich eben nicht an.
Ich habe damals klar Kasparov die Daumen gedrückt und hätte erwartet, daß das Match noch "kürzer" wird.

Alles Geschackssache !

Chessbasenutzer
16.04.2011 23:47

Ich finde Shorts Eröffnungswahl nachvollziehbar. Was Jan sich an Theorievorsprung in Jahren erarbeitet hat, kann Short nicht einfach mal in ein paar Stunden Vorbereitung aufholen. Warum sollte er sich da auf eine Hauptvariante einlassen?

Eine Nebenvariante zu wählen, in der schon früh eigenständiges Denken erforderlich ist, ist einfach logisch.

hanjie
17.04.2011 05:25

Mich hat Shorts Eröffnungswahl aber auch etwas erstaunt, weil 8.a3 so eine Art "letzter Schrei der Nebenvarianten" ist. Dass Jan darauf nicht vorbereitet ist, durfte er insofern erst gar nicht annehmen.

Genau deswegen bin ich auf die Analyse jener Partie sehr gespannt! Denn ich bin mir immer noch nicht sicher ob ich sie verstanden habe. Denn bis auf Db3 wirkten Shorts Züge sämtlich auf mich logisch, und das Opfer kam während der Liveübertragung komplett überraschend für mich. Ich hielt Jans Denkpause vor Df6 dessen geschuldet, dass er zu jenem Zeitpunkt ein Opfer auf e5 durchrechnete ...

Einer öffentliche Analyse wert wäre jene Partie jedenfalls!

Thomas Oliver
17.04.2011 09:35

Jetzt schiessen sich einige Leute auf Nigel Short ein ... . Was hätte er denn spielen sollen? Für mich fällt der Anti-Marshall 8.a3 in dieselbe Kategorie wie früher 6.d3 (was z.B. Carlsen mit Erfolg gegen Topalov spielte) oder noch früher 4.d3 als anti-Berlin. Alles verspricht Weiss keinen Vorteil, aber eben eine spielbare Position abseits ausgetretener Pfade. Wie gut der Gegner vorbereitet ist ist auch nicht sooo wichtig da es kaum lange forcierte Varianten gibt.

Erst danach hat Short seine Stellung, z.B. die Wirkung des "schönen" Sc6, vielleicht falls eingeschätzt. Wenn er sich auf Marshall eingelassen hätte wär's wahrscheinlich Remis geworden - nicht nur weil Jan sich da sehr gut auskennt sondern weil das eben das "übliche" Ergebnis auf GM-Niveau ist.
Oder hätte Nigel auf seine Hauptwaffe 1.e4 ganz verzichten sollen?

Cliff
17.04.2011 09:39

Mark Crowther berichtet über das Spiel gegen Short:
"Gustafsson was pleased with his win over the former world title challenger but was unsure of the turning point in the game; "I think he didn't have time for his [slow plan from moves 17-20]. His piece sacrifice at the end [isn't great] but I already have strong threats."" (Quelle: http://www.chess.co.uk/twic/chessnews/events/11th-bcc-thailand-open-2011/gustafsson-beats-short-to-share-lead-with-vallejo-on-67-in-thailand)

Bardeleben
17.04.2011 10:21

Jan, gratuliere zum Turniergewinn! Auch wenn Du auf dem Bild auf der Homepage einen recht müden Eindruck machst... (http://bangkokchess.com/) So kann es doch weitergehen!

project_chaos
17.04.2011 10:24

gratulation zum turniersieg!

pipidipapa
17.04.2011 10:24

Gratuliere!

Peter B.
17.04.2011 10:51

Herzliche Gratulation zum Turniersieg! Da hat sich ja der Trip gelohnt.
By the way. Kennt jemand den 4. platzierten FM Martin Voigt? Der hat auch ein großartiges Turnier gespielt, keine Partie verloren und 4GMs als Gegner gehabt.

lvapatzer
17.04.2011 13:04

glückwunsch.ich vermute du kommst +/- 0 aus der angelegenheit raus,hattest aber neue erfahrungen und ein bisschen urlaub auf der habenseite.

Umumba
17.04.2011 13:09

Nice hand. Punktgleich Erster und Dritter kann sich doch als Ergebnis der Reisegruppe sehen lassen...

Thomas Oliver
17.04.2011 14:28

@Peter B.: ein paar Infos zu FM Martin Voigt ... . Mir war er vom Namen her ein Begriff, aus meiner Zeit in Kiel bis 1998. Demnach ist er nicht mehr ganz jung, jedenfalls kein aufstrebendes Jungtalent.
Weiteres verrät bzw. bestätigt die DWZ-Datenbank:
- Er ist (wie Gusti) Hamburger, spielt(e) aber für Diogenes, nicht für den HSK.
- Momentan ist er bis auf Thailand-Urlaube inaktiv. Die letzten Auswertungen sind Oberliga 2005/2006 (1 Partie), Oberliga 2008/2009 (2 Spiele) und danach Thailand-Open 2009 und 2010.

Hmmm, vielleicht bekommt der inaktive Hamburger GM Matthias Wahls nächstes Jahr auch Lust auf ein bisschen Sonne, Strand und Schach??

Lasker
17.04.2011 16:07

@ TO
ich schieße mich hier auf gar niemanden ein,
ich erwarte einfach eine gewisse Qualität!

Die Seite hier heißt "jan-gustafsson",
nicht "Bericht_vom_Bezirksblitzturnier_in_Usedum".
Jan ist [eigentlich] A-Nationalspieler und in den Top-100 der Welt.

Ich erwarte und erhoffe daher auch entsprechende Qualität in Vorbereitung, Partieführung und psychologischer Arbeit.
Bei ihm und bei seinen Gegnern.

Und wenn mir was auffällt, äußere ich mich dazu, positiv oder kritisch. Und versuche auch mal was Konstruktives beizutragen. Auf Dauerschmusegeschwätz hab´ ich keinen Bock.
Ist aber alles nur meine ganz persönliche Meinung, sonst nix. Ohne irgendwelche Ansprüche.


Herzliche Glückwünsche an Jan zum Turniersieg!

hanjie
17.04.2011 17:30

Dass Short nicht 2700ermäßig vorbereitet war finde ich nun auch nicht überzogen. Short wird's nicht kratzen, das ist er schließlich selten ;)
Shorts Stärken liegen ohnehin nicht in einer tiefgreifenden Eröffnungsvorbereitung. In Angriffsstellungen ist er unglaublich gefährlich und auch in Sachen Verteidigung findet er nicht selten genieverdächtige Züge.

Zudem ist er sehr zuverlässig beim Besiegen von Gegnern unter 2400. Da hat Jan wiederum seine Schwächen.
Unterm Strich gewinnen dann aber eben doch beide immer wieder mal starke Turniere.

Ein wenig schmunzeln muss ich nun über die Kritik zu Mitte des Turniers: Was stand da noch?

"Vier aus fünf gegen Amateure und maximal Halbprofis ist zu wenig."

Tja, wenig genug um das Turnier zu gewinnen ;)
Auch von meiner Seite Glückwunsch.

Thomas Oliver
17.04.2011 20:04

@Lasker: Im konkreten Fall bezog sich mein Kommentar bzw. meine Meinung vor allem auf Gerhard ("[Short] hat die Partie nicht mit dem nötigen Ernst angelegt"), aber auch mit Deinem "Wer sich intensiv (allgemein und gegen Jan) vorbereitet hat, geht mit dem Marshall." bin ich nicht einverstanden:

Short dachte vielleicht "wenn ich Marshall spiele/erlaube wird es Remis, wenn ich was anderes spiele sind drei Resultate möglich" - raus kam aus seiner Sicht das Verkehrte ... this can happen.
Generell stellt sich die Frage: Was ist eigentlich 2700er Eröffnungsvorbereitung? Immer die absoluten Hauptvarianten spielen, bzw. zumindest die populärsten Nebenvarianten?? Auch die Cracks haben ja nicht in jeder Partie bzw. Variante ständig vernichtende Neuerungen parat.

Zumindest ist 8.a3 seriöser als 1.a3 was Carlsen gleich dreimal spielte, mit insgesamt 1.5/3 gegen stärkste Gegner (0-1 Ivanchuk, Amber 2010, 1/2 Grischuk und 1-0 Eljanov, World Blitz Championship 2010). Elomässig stand nix auf dem Spiel, preisgeldmässig mehr als in Thailand. Man kann Carlsen auch mangelnde Vorbereitung vorwerfen (zumindest wenn man Kasparov heisst), trotzdem steht er zurecht wo er steht, und das gilt auch für Nigel Short.

Noch eben zum Turnier: Tiebreak war Buchholz, und da hatte Jan etwas Glück - z.B. dass sein Erstrundengegner 4,5 Punkte holte, Shorts 4 und Vallejos 3,5 Punkte. Offenbar haben die drei das Preisgeld geteilt, und Jan darf/muss einen (hässlichen? sperrigen?) Pokal im Flieger mitnehmen. In dem Sinne: auch von mir Glückwunsch zum (geteilten) ersten Platz! Den offiziellen Sieg hat er allerdings verdient da er in den Partien gegen direkte Konkurrenten zweimal Schwarz hatte und 1,5 Punkte holte - nach dem Kriterion müssten dann Short und Vallejo Platz zwei und drei tauschen.

ebitda
17.04.2011 20:54

Glückwunsch zum Turniersieg!
Cash plus Eloplus, so soll es sein. Jetzt noch ein paarmal bestätigen und der Club 2700 öffnet die Pforten.

Lasker
17.04.2011 22:41

@Thomas Oliver

Ich bin der Ansicht, daß ein Top-100-Spieler eben nicht nur Schach spielt, sondern sich auch Gedanken darum machen sollte, WIE er seinem Gegner begegnet.
Nicht nur in Varianten, sondern eben gerade auch psychologisch.

Das Beispiel von damals: Smeets-Shirov.
Shirov ist klarer Favorit. Smeets hat als Sekundanten den Theorie-Guru Jan G.
Was sollte man da als Favorit tun ?
A) Eine Variante spielen, die man in letzter Zeit andauernd gespielt hat und damit dem Gegner den Weg vorgeben und zusätzlich in seine Stärke Eröffnungsvorbereitung (Sekundandt) reinspielen ?
B) Eine Zweit- oder Drittwaffe wählen, die Jan² nicht so leicht vorbereiten kann, um dann einfach das bessere Schachverständnis in die Waage zu werfen ?

Shirov wählte damals Variante A) und bekam die entsprechende "Belohnung".


Aktuell:
Wenn Short weiß, er spielt gegen den Marshall (und Spanisch)-Guru Jan G., dann gibt es 2 Möglichkeiten:
entweder er hat sich (vorher schon !) intensiv mit dem Marshall auseinandergesetzt und eine Neuerung in petto (kommt nach den vielen Beschreibungen hier von Short schon von vornherein wohl nicht in Frage)
oder er geht eben ganz andere Wege.

Okay, auch hier ist Jan vielleicht gut im Bilde, aber wenn ich Weiß habe und mich konkret vorbereiten kann, dann kann ich auch diese Wege gehen und arbeiten!

Aber Short wollte kein Marshall (weil nicht vorbereitet?) und hat dann eine eher lahme Variante gespielt (a3), also seinen Weißvorteil nicht zur Waffe geschmiedet.

Kann man alles machen, wenn man Short heißt und die Fans auf lockere Sprüche stehen. Man könnte aber auch sagen (wie Gerhard), er habe die Situation nicht richtig ernst genommen. Er führte mit einem halben Punkt Vorsprung und hat die Parite gegen einen Mitkonkurrenten "verdödelt"...

Das (Vorbereitung) kann Short natürlich halten wie er will, aber ich muß mich dann auch nicht dafür begeistern....

hanjie
18.04.2011 10:04

Oh, ich denke er hat es schon ernst genommen. Wie schon weiter oben beschrieben, a3 haben ja auch deutlich stärkere Spieler gespielt, als "minderwertig" kann man den Zug nun wirklich nicht ansehen. Gerade angesichts der Tatsache, dass es danach nichts wirklich Forciertes gibt, ist doch gegen einen theoretisch beschlagenen Gegner eine sehr nachvollziehbare Entscheidung!

Ich denke auch, dass Short sich von dem Manöver Sa5-c6 mehr versprochen hat als es letztlich ergab.
Aber was rede ich hier, ich bin sehr gespannt auf des Meisters Analyse! Just diese Partie bietet sich doch an, taktisch (funktionierte vielleicht doch früher ein Einschlag auf e5?) wie strategisch war die Partie sehr interessant.

lvapatzer
18.04.2011 11:08

tipp:
http://www.chessvibes.com/reports/gusti-wins-on-thai-break/#more-37228

Lasker
18.04.2011 13:29

@hanjie
Ich will dazu keine ausufernde Diskussion anfangen.
Nur weil das (a3) auch schon andere gespielt haben (1.e4 a6 ! ist ja auch supperstark, wenn man damit gegen den amtierenden WM gewinnen kann), muß das ja nicht das richtige für Short in dieser Partie sein. Short ist stark, wenn er die Initiative hat - in der Partie ging diese aber an Schwarz rüber.

Ich finde, a3 ist in dieser Turniersituation, bei diesen beiden Gegnern, lasch und die falsche Wahl.
Wie gesagt, ist nur meine Meinung.

Warten wir, wie Jan die Partie sieht !

blablabla
18.04.2011 15:59

Das Resultat hat doch nichts mit a3 zu tun.Gusti hat einfach besser Schach gespielt und deshalb gewonnen.
Carlsen würde wohl mit 1.a3 gegen Gusti gewinnen.Weil er einfach besser spielt wenn die Stellung ausgeglichen ist und beide keine Vorkentnisse haben.Aber das wäre genausowenig der Verdienst von a3.
Schach ist doch nicht nur Eröffnungen !

Gerhard
18.04.2011 16:22

@blablabla, a3 ist ein sehr langsames Vorgehen. Man kommt irgendwann zu c4, hoppla, aber c4 reisst keine Wände ein.
Gusti hat dagegen den thematischen Vorstoß f5 (greif den Bauern an der Spitze an!), zumindest seit Nimzowitsch ein verbürgter solider Plan.

Ob Carlsen gegen Gusti hier gewonnen hätte, ist fraglich. Stellung ist Stellung und Wunder kann man nicht zaubern..es sei denn, man wäre Tal.
Entweder hat eine Stellung Optionen, Möglichkeiten oder sie hat keine. Eine gute Stellung birst gewöhnlich vor Optionen. Und dafür "quält" man sich halt durch Eröffnungen, um diese zu erhalten!
Insofern stimme ich mit Lasker darüber ein, daß a3 psychologisch nicht das Beste war.
Es sei denn, Gusti lobt a3, dann war ich halt auf dem Holzweg und ich muß nochmal in die Schule gehen, was zugegeben sehr hart wäre...aber für Schach nicht untypisch...deshalb begeistert uns ja das Spiel!!

PositionalGuy
19.04.2011 01:09

Die KI-Partie war mal richtig geil. Dem Gegner peu a peu die Luft abgedreht, bis er schließlich Milch gibt. GodGusti at his best.

hanjie
19.04.2011 01:17

Carlsen ist eh außer Konkurrenz. Er gewinnt ja teilweise Stellungen, die alle Welt als totremis einschätzt - nur er nicht. Insofern ist Carlsen gewissermaßen der neue Tal, da Tals Ideen damals auch niemand kapiert hat.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass nicht a3, sondern später der Schlüsselzug erfolgte. Schwarz benötigt sehr viele Tempi bis zur Durchsetzung von f5, und dennoch soll rein gar nichts für Weiß drin sein nach a3? Daran kann und will ich nicht glauben.

Interessant fand ich, dass Gustafsson vor ... Df6 noch mal ein wenig "abgetaucht" ist. So richtig erklären konnte ich mir die lange Bedenkzeit nicht, da der Damenzug aus vielen Gründen sehr logisch war. Da fragte ich mich dann schon: Ist ein Opfereinschlag z.B. auf e5 danach das, das G. Kopfzerbrechen bereitete? Oder gab es einen zweiten sehr vielversprechenden Zug (wenn ja, welchen?), und er konnte sich erneut nicht so recht entscheiden, welcher der bessere sein könnte ...?

Ich bleibe dabei, eine Analyse der Partie wäre enorm spannend!

Lasker
19.04.2011 09:20

@hanjie
wir reden aneinander vorbei.

Gerhard und mir geht es um die psychologische Einstellung Shorts. Selbstverständlich verliert a3 nicht die Partie, das wäre ja Quatsch.

Jan sagt ja selbst (Link von lvapatzer), daß er etwas unsicher über den "turning point" in der Partie wäre, aber ihm Zug 17-20 etwas zu langsam erschiene.

Die Frage, die Gerhard & ich mir stellen ist:
wieso geht die Initative hier an JAN über, wieso konnte SHORT (!) nicht mehr mit der Stellung anfangen?
Unsere Antwort: er hat das strategische Verständnis, mitlels a3-System 2.500er zu überspielen, aber keinen Jan Gustafsson.

Und: Gerhard und ich gehen das ganz ohne Rechenknecht an, ohne die Datenbank auszulutschen. Sondern mit den antiquarischen Methoden der alten Zeit, als wir noch die (Schach)-Schulbank drückten; damals war brain_2.0 das Top-Programm.

Gruß

hanjie
19.04.2011 10:03

Ich lasse auch nie eine Engine mitlaufen, Lasker, bin da auch einer der "alten Schule". ;)

Meine Antwort lautet da etwas anders: Ich glaube eher, dass Short _dachte_, die Initiative am Damenflügel würde sich stark genug entwickeln und sich deswegen von a3 einiges versprach.

Für mich sind solche, im Nachhinein dann Fehleinschätzungen, völlig normal. Eurem Gedankengang könnte ich folgen, wenn er sich auf Marshall eingelassen hätte, denn da hat Schwarz automatisch die Initiative für den Preis eines Bauern. Mit a3 indes kämpft man m.E. durchaus auch um eigene Initiative.

Man nehme jetzt mal an, es hätte nun früher ein Opfer für Short in der Partie funktioniert und er hätte Gustafsson in den Verwicklungen zielgenau erlegt. Dann hätten wir hier jetzt eine etwas andere Diskussion und einige hätten Dinge der Sorte geschrieben: "Wieso kann man Short so einfach die Initiative überlassen, das sieht doch ein Blinder mit Krückstock, dass die Umgruppierung des Schwarzen zu lange dauert".

Wir sind da schlicht unterschiedlicher Meinung: Ihr sagt, dass Short ausschließlich "Ball flach halten" im Auge hatte, während ich eher an "um Initiative kämpfen" glaube.

Lasker
19.04.2011 10:27

@hanjie
okidoki. :-)

"Ball flach halten" ist aber auch nicht das, was ich sagen wollte, glaube ich beim Naturell von Short nicht.
Ich denke, irgendwo oberhalb von 2.600 ist Short nur stark, wenn er "seine" Stellungen auf´s Brett bringt. Dafür muß man aber Vorbereitungsarbeit leisten...
Vielleicht kann Jan das ganze aus der gemeinsamen Analyse heraus etwas erhellen.

Ich mach´ mal Werbung für Karsten Müller (obwohl der damals nicht auf das Kramnik-Carlsen-Endspiel geantwortet hat):
grad gesehen, er gibt ein Endspielseminar in der Nähe von FFM. Vielleicht hat der ein oder andere Lust, da hinzufahren. Das macht garantiert mehr Spaß als mit dem Cheron gequält zu werden, wie das damals bei mir war und bei Gerhard (?) und hanjie (??).

Gerhard
19.04.2011 11:23

@Lasker: Mit Cheron habe ich mich nie rumgequält, auch nicht mit diversen Endspielbüchern, sondern habe mir über wunderbare Partien Endspielwissen angeeignet.
Zunächst mal der famose Rubinstein mit seinen tollen Doppelturmendspielen. Dann Karpov! Und Fischer mit seinem berühmten Endspiel gegen Petrosjan ...

Solch ein Seminar kann echte Lust aufs Enspiel (studium) wecken und das ist es doch, worum es geht!

Mattovsky
19.04.2011 11:29

Erstaunlich, was sich die Amateurpsychologen hier aus den Fingern saugen :-)
Ich will mich nicht groß in die Diskussion einklinken, nur eine Beobachtung am Rande: Gerade die Anwendung einer als lasch verschrieenen Eröffnungsvariante ist in Wirklichkeit oft ein Zeichen für besonderen Ehrgeiz des Spielers. Die angeblich prinzipiellen Hauptvarianten sind heutzutage wahnsinnig ausgelatscht und versanden oft im Remis. Der Trend wird wohl immer mehr dahin gehen, eine eher unbekannte Stellung anzustreben und den Schwerpunkt aufs Mittelspiel zu legen. Nicht umsonst schrieb Shipov neulich "The future belongs to 1.g3!". Wer den Artikel noch nicht kennt, sollte ihn mal auf chessintranslation.com nachlesen.

Lasker
19.04.2011 11:43

@Mattovsky
ich nehme das mit Humor.
Warum sollte ich mich sonst hier rumtreiben und die Zeit totschlagen (es ist das einzige Schachforum, in dem ich schreibe) ?
Short-Jan war eine interessante Partie und wir haben uns alle gefreut, daß der Gewinner auf der richtigen Seite saß. Über das Schachliche wird uns hoffentlich Jan aufklären; also laß uns bis dahin ein bißchen "rumphilosophieren"...:-)

@Gerhard
Jo, beides sind garantiert bessere Wege als sich mit dem Cheron eins abzuquälen.

whiteshark
19.04.2011 11:46

Der Meister scheint sein Preisgeld gleich in Urlaub vor Ort unzusetzen. Sei's ihm gegönnt.

In der Zwischenzeit sorgt die heimische Amateurmeute selbst für die Unterhaltung und beharkt sich ein wenig untereinander. :D

*PEACE*

Jan
19.04.2011 13:03

Moin,

die Analyse der Short-Partie ist online unter Partieanalysen, mehr folgt, sobald ich die Sonkrat-Neujahrsfestivitäten in Pattaya, die hauptsächlich eine gigantische Wasserschlacht sind, heil überstanden und ein paar Bilder erschnorrt oder gemacht habe.
Fun Fun Fun

mogelkatz
19.04.2011 13:09

Hier nun endlich, wie es wirklich war:
Aus dem Umkreis von Short verlautet, Nigel habe eigentlich die Dame opfern wollen, aber dabei versehentlich den a-Bauern berührt, so dass ihm nichts anderes übrig blieb als a3 zu ziehen...Gustafsson habe daraufhin sofort Remis angeboten, was Short nur mit "Schiet druff!" quittiert hätte.... ;)

Schachus
19.04.2011 14:45

Schöne Partie gegen Short, vielen Dank für die nette Analyse

Mein Kommentar