Jans Kolumne

Freestyle

Yay, Internet!

Au der Suche nach diesem campiere ich im Radisson in Pacos Zimmer. In meinem Hotel, dem Astoria, ist das WiFI unter dem Ansturm von internetsüchtigen Schachspielern zusammengebrochen, aber hier scheints noch zu gehen.

Habe meine Kamera immer noch nicht wieder, aber bevor ich zu Paco gezogen bin, hab ich Station bei PBS gemacht und mir dessen "random crap pictures collection" gesichert, bin also gut versorgt. Was die Kamera betrifft, so sagt die Gerüchteküche, dass diese mit Hannes Stefansson ihren Weg aus Island hergefunden hat, nur habe ich Stefansson bisher noch nicht gefunden.

Dies liegt daran, dass in vier verschiedenen Spielsälen gespielt wird und es uns Spielern während der Partie nicht gestattet ist, unsere Zone zu verlassen. Daher kommt es, dass ich bisher nur die Leute gesehen hab, die sich im "1st floor" rumtreiben. Bei Rundenbeginn wird die Tür dichtgemacht. Naja, nicht weiter tragisch, gerade in Frankreich sind sie im Moment natürlich sehr sensibel wegen des Schummelthemas.

Ein wenig mehr Platz wäre allerdings nicht schlecht, hatte heute Pech bei der Tischwahl und saß so eingeklemmt Rücken an Rücken mit Conquest, dass es sehr schwer war, diesem beim Ziehen nicht regelmäßig den Ellenbogen in selbigen zu hauen. Gespielt habe ich nach dem Sieg in der ersten Runde heute mit Schwarz gegen Apicella. War keine schlechte Partie, hatte Ideen und so, aber leider musste ich mich durch einen sehr sehr dämlichen Fehler um den Lohn meiner Mühen bringen und remisieren. Aber seht selbst:

Tel Aviv, wie der Franzose sagt. Ansonsten alles wunderbar hier, schönes Städtchen, Sonnenschein, lecker Essen.

Laterz.

126 Kommentare
frankie
24.03.2011 01:35

Danke für die zeitnahe Analyse!
Klasse, mal wieder die Gedankengänge eines Top-GM´s zu verfolgen...macht den eigenen Schwachfug am Brett leichter zu verdauen :-)
Weiterhin eine gute Zeit in FRA und einen kräftigen Aufschlag in der nächsten Runde!!

Thomas Oliver
24.03.2011 10:05

Zu den Antischummelmassnahmen gehört auch dass die Liveübertragung offenbar 15 Minuten zeitversetzt ist. Das gab's doch auch schon bei anderen Turnieren?

Gerhard
24.03.2011 10:43

"Daher c6 und nicht e6, die g3-Systeme funktionieren gegen Ersteres besser, meiner Meinung nach. "

Dachte eigentlich, es sei genau anders rum. Was genau ist gemeint?

der fan
24.03.2011 13:19

Wann wird der este Fanclub gegründet?

schöne partie!

zur kreativitätssteigerung mal bei den partien von ilya richter reinschauen?

viel erfolg in den nächsten runden

kraft sammeln und umhauen

spr
24.03.2011 14:46

"Dachte eigentlich, es sei genau anders rum. Was genau ist gemeint?"

Vermutlich hat Jan sich verschrieben und meinte "letzteres".

ebit
24.03.2011 20:58

Warum funktioniert c6 gegenüber e6 gegen g3-Aufbauten besser - das ist doch die eigentliche Frage.

der fan
24.03.2011 21:25

schon wieder gewonnen!!!

H E R Z L I C H E N G L Ü C K W U N S C H


eine kleine la ola für den Jan

mogelkatz
24.03.2011 21:27

Gratuliere zum 2.Sieg!

James Vigus
24.03.2011 22:02

Faszinierende Partie und Kommentar. Ich bekam diese Eröffnung einmal mit Schwarz und glaubte(!) damals, das Lh3-Konzept widerlegt zu haben - 7 Lh3 d4!? 8 f4 Dh4(!) 9 Lxd7+ Kxd7 10 fxe5 Bb4+ 11 Sd2 Sh6 12 Dc2 Sg4 13 Lxd4 c5 14 Db2 cxd4 15 Dxd4+ Kc7 16 0-0-0 war also Broome-Vigus, Cambridge 1999, jetzt wäre 16...Thd8 vernünftig gewesen (ab hier ging diese überhaupt nicht GM-mäßige Partie schief). Kann Weiß diese Fortsetzung retten?

Thomas Oliver
25.03.2011 13:11

@ebit: Ich versuch's mal ... : Der Hauptunterschied zwischen c6 und e6 ist das Schicksal beider weissfeldrigen Läufer. Der weisse auf g2 beisst Richtung Damenflügel auf Granit - deshalb geht für Schwarz eventuell auch mal dc4: mit der Idee den Bauern womöglich zu behalten. Der schwarze kann bequem nach f5 oder g4 entwickelt werden - in Systemen mit e6 verhungert er auf c8, steht auf b7 vielleicht taktisch anfällig oder auf a6 etwas dumm (gegen ein weisses Bauerndreieck b3, c4, d3).

Nachteil von 1.-c6, wenn man so will: Es ist weniger flexibel wenn Weiss doch d4 spielt, dann kommt fast zwangsläufig (Halb-)Slawisch aufs Brett - eine Art Königsindisch mit d6, g6, Lg7 muss man mögen. Nach 1.-e6 hat Schwarz noch die reiche Auswahl zwischen Damengambit, Damen- oder Nimzo-Indisch oder Benoni. Jans Kommentar zu 1.-c6 interpretiere ich so: wenn er sicher gewusst oder auch nur tendenziell vermutet hätte dass Weiss sowas vor hat, dann hätte er schon im ersten Zug anders gespielt!?

lvapatzer
25.03.2011 15:04

auf gehts.pack ihn dir.(remis reicht vielleicht auch)

lvapatzer
25.03.2011 17:46

ok.läuft alles nach plan.

hanjie
25.03.2011 18:41

@Thomas Oliver: Schöne Zusammenfassung!
Vielleicht erlebt 1.c4 ja auch wegen seiner Zugumstellungsflexibilität wieder eine Renaissance, wer weiß das schon?!

ebitA
25.03.2011 19:18

Danke @Thomas!

Thomas Oliver
25.03.2011 21:45

Gern geschehen! ,:) @hanjie: Die Flexibilität von 1.c4 ist aber grösstenteils dahin wenn Schwarz 1.-e5 antwortet, vielleicht auch deswegen die häufigste Antwort auf 2700+ Niveau (hab's nicht in Databases überprüft). Richtig flexibel ist dagegen 1.Sf3. Dann kann Schwarz mit 1.-c5 die weissen Möglichkeiten limitieren - aber das könnte böse enden wenn er normalerweise kein Sizilanisch spielt ... .

Gerhard
25.03.2011 23:07

Das hat Thomas ganz gut umrissen.

Meines Erachtens ist "Katalanisch" gegen einen Aufbau mit c6 ohne e6 nicht ganz klar.
Man muß dann als Weißer gambitieren oder schrecklich auf d5 tauschen, was keinen Sinn macht.

whiteshark
26.03.2011 06:36

Ever tried. Ever failed. No matter. Try Again. Fail again. Fail better.

Gerando
26.03.2011 10:31

Merci beaucoup de ce reportage. Französische spieler haben einen guten Turnieranfang.

Thomas Oliver
26.03.2011 10:47

@Gerando: Ja, mir ist auch aufgefallen dass die einzigen IMs mit 3.5/4 (davon 2.5/3 gegen 2600+ GMs, derzeit besser als alle mit Elo >2700) die mir völlig unbekannten Franzosen Wirig und Bellaiche sind ... muss nicht verdächtig sein, Jan hat ja schon erwähnt dass Schummeln in Aix-les-Bains schwierig ist.
Etwas dahinter spielt Jan heute gegen Sebastien (Maze, hätte auch Feller sein können).

hanjie
26.03.2011 11:06

Vom Kleinen aufs Ganze zu schließen war selten gut. Dass nun auf einmal alle Franzosen schummeln würden, wäre weit hergeholt. Dann hätten ja auch alle Deutschen im Internet cheaten müssen, nachdem es Naiditsch mal tat ;)

Hier erlebt man auch mal wieder hautnah das Lossystem des Schweizer Systems: 2600+ erhält immer verhältnismäßig "leichte" Gegner, während U2500 bei gutem Spiel einen hammerharten Gegner nach dem nächsten bekommt.
Nun gut, aufstrebende Talente härtet das dann ja auch recht gut ab.

Thomas Oliver
26.03.2011 14:53

@hanjie: So hab' ich das nicht gemeint, offenbar war ich "zu ironisch". Irgendwie isses aber Teil des Problems: wenn jemand ganz einfach und ehrlich das Turnier seines Lebens spielt glauben ihm das manche Leute nicht. Bei sovielen französischen Teilnehmern ist es schon 'statistisch' drin dass einige über der Papierform spielen (der dritte ist GM Vaisser, auch 3.5/4) und andere (vor allem Fressinet mit 2/4) darunter.

Auch ich mit meinen 1950 kann mal gegen 2200er bestehen. Schummeln hat mir noch niemand unterstellt, nur einmal nach einem Remis im Schnellschach gegen eine WIM dass ich die Partie zum Teil unter dem Tisch gespielt hätte. In der Hinsicht ist Gustafsson-Cmilyte 1-0 unverdächtig, da hat einfach der (nominell) bessere Spieler gewonnen ,:) .

Sengi
26.03.2011 17:34

Waren die Franzosen, die angeblich beschissen haben, nicht Maze und Feller? Ich find nämlich schon wieder eigenartig, dass die nebeneinander sitzen und irgendwie die Liveübertragung von deren Brettern nicht mehr stattfindet (Kann natürlich auch an technischen Problemen liegen)

Riku
26.03.2011 18:07

Was war denn heute bei Jans Partie los? Auf der offiziellen Seite sehe ich nur die beiden Könige in der Mitte stehen...?

Bardeleben
26.03.2011 18:44

Hm, das Endspiel sah doch ziemlich gewonnen aus - oder habe ich da was übersehen? Wäre ja schade...

Thomas Oliver
26.03.2011 18:56

@Sengi: Du hast vermutlich Maze mit Marzolo verwechselt - kann passieren, letzterer ist ein relativ "kleiner" IM (Elo 2453, Nummer 48 der französischen Rangliste). Technische Probleme gab's wohl an mehreren Brettern, momentan ist z.B. unklar wie's an Brett 29 (Papin-Smeets) steht.

Sengi
26.03.2011 19:21

3 von 4 Buchstaben waren gleich, kann ja mal vorkommen^^
Ich fands viel amüsanter dass auf einmal die Stellung, die bei Gusti-Maze angezeigt wurde unter der Partie von PHN zu finden war und Gustis Stellung mal so komplett anders war. Die Franzosen sind bei der Sache wohl ein wenig überfordert^^

HK
26.03.2011 19:49

..dieser Minimum-Remis-Stil verhindert den Aufstieg. Aber vielleicht möchstsdt du nur nicht absteigen und deine ELO Ü2600 halten ....wir sehen weiter ... riskiere mal was!

lvapatzer
26.03.2011 20:04

möchte nicht behaupten etwas von turmendspielen zu verstehen,aber dies ding sah schon arg gewonnen aus."LASKER" übernehmen sie!

mogelkatz
26.03.2011 20:40

Jo, das Turmendspiel war gewonnen. Aber wie bekannt, ist nichts schwieiger als gewonnene Endspiele auch tatsächlich zu gewinnen...gilt anscheinend auch für GMs,,,

Bardeleben
26.03.2011 20:43

Naja, habe gerade mal mit ner Engine (Fritz 12) gecheckt. Beide haben in dem Sinne ideal gespielt und es ist tatsächlich Remis. Offensichtlich täuscht der materielle Vorteil.

HK
26.03.2011 21:04

...meine Gegner mit 100+ DWZ versuchen oft im abolut ausgeglichenen Endspiel zu kneten, lavieren, Zugzwang, Zeitnot u.ä. alles zu probieren ..... nicht selten mit Erfolg. Ich beobachte auf Super-GM -Ebene ähnliche Intentionen (siehe Ivanschuk, Carlsen, Aronian), die versuchen auch ein relativ ausgelichenes Endspiel zu gewinnen. Das Risiko des Fehlzugs unter Zeitnot ist groß, aber die drei gehen das Risiko ein. Gusti wie siehst du das. Letztlich kann man bei solch einer Opn auch nur mit Risiko in den Geldrängen landen.

mogelkatz
26.03.2011 21:19

Also, abgesehen mal davon, dass ich das Endspiel mit Weiß wahrscheinlich noch verloren hätte...mein "fritz" hat es nach langem Widerstand von Schwarz zum Sieg gerechnet. Aber ich teile die Meinung von HK, dass man dem Gegner auch Gelegenheit geben muss, Fehler zu machen....

HK
26.03.2011 21:53

..mein Fritz12 gibt +0,81 für Gusti, eigentlich ist das gar nichts, aber er hätte als Eto-Besserer weiterspielen können.

pipidipapa
26.03.2011 22:03

Viel Glück für den Rest des Turnieres, Jan!

hanjie
26.03.2011 22:12

Was habt ihr denn? Hier wurde doch bis zur letzten Patrone gekämpft! Und gewonnene Turmendspiele "verderben" auch mal hochdekorierte 2700er. Einfach war's nicht, und wer hier mit Fritz argumentiert, der hat noch nie ein kompliziertes Turmendspiel auf dem Brett gehabt ;)

Thomas Oliver
26.03.2011 23:07

@Sengi: Solang es nicht Turnierorganisatoren passiert ... Sebastien Maze die Teilnahme an einem Open verweigern weil sie ihn mit Cyril Marzolo oder auch Sebastien Feller verwechseln!?

Zum Turmendspiel: Nicht dass ICH Experte bin, aber für mich sah es, trotz weissem Vorteil, remislich aus. Wer anderes behauptet sollte das belegen, wenn nicht mit Varianten dann zumindest mit einem einzelnen besseren Zug für Weiss. @HK: Am Ende hätte Jan doch nicht weiterspielen können? Und wenn der Vorteil den er sich erarbeitet hatte zum Sieg ausgereicht hätte wäre alles im grünen Bereich gewesen - aber das können auch GMs nicht immer richtig einschätzen.

Zum Turnier insgesamt: Stand nach Runde 5: Potkin 5, Wirig, Parligras, Nisipeanu 4.5, in der grossen Gruppe mit 4 Punkten nur zwei der neun 2700er (Vallejo und Wojtaszek). Nisipeanu hätte ich vor dem Turnier Aussenseiterchancen auf den Titel gegeben, und Potkin gewisse Chancen für die top23 (= World Cup Qualifikation), die beiden anderen sind mir nahezu unbekannt. Natürlich ist das Turnier noch nicht vorbei, aber bereits seit Runde 1 geht es drunter und drüber.

hanjie
26.03.2011 23:41

Jaja, immer diese 2700er-Schallgrenze, nach der alle sehen ... und dann dabei vergessen, dass Emil Sutovsky und Judit Polgar ja wohl mehr als nur "Mitläufer" sind. Letzterer würde ich den EM-Titel mal gönnen! Die beste Frau der Welt Europameisterin, das wäre doch mal 'was. :)

Jan ist noch lange nicht raus aus dem Rennen, aber jetzt wird's natürlich allmählich schwieriger, die "Top23" abzusichern. Vocaturo mit Schwarz schlagen wäre natürlich schön, aber schlecht ist der ja auch nicht gerade ...

wurschtler
27.03.2011 09:27

gestattet mir eine Frage eines unwissenden "Die ersten 23 Qualifizieren sich ja für den "World Cup" oder so - aber was für ein Turnier ist das denn ? So wie früher einst die Weltmeisterschaft ein Turnier im KO System ? und wer ausser diese 23 Herren hier aus Europa darf ansonsten dort noch mitspielen ? Und was kann man in diesen World Cup dann erreichen, wird da der Herausforderer für die WM ermittelt, da gibt es ja wieder die Kandidatenturniere - oder kann man sich für die Kandidatenturniere dort qualifizieren ? Hab echt keinen durchblick, wäre für eine aufklärung dankbar

Thomas Oliver
27.03.2011 10:10

@wurschtler: Wie der Name schon sagt, darf beim World Cup die ganze Welt mitmischen. Es gibt also ähnliche Quali-Turniere auf den anderen Kontinenten, ausserdem sind ein paar Spieler über Elo qualifiziert und gibt es ein paar Wildcards. Z.B. Giri hofft auf letzteres (Interview mit seinem Trainer Chuchelov in "Schach") - bei der EM konnte er ja nicht spielen, da während der ersten Runden noch beim Amber-Turnier beschäftigt. [Weitere Details müssten irgendwo im Internet stehen]

Derzeitiger Stand ist dass die ersten drei des World Cups - d.h. die Finalisten und der Sieger des Spiels um Platz 3 - beim nächsten Kandidatenturnier dabei sind. Ausserdem drei nach Rating, der Verlierer des nächsten WCh-Matches und ein Organisatoren-Freiplatz.
Für die meisten World Cup Teilnehmer (darunter realistischerweise auch Gusti, wenn er's letztendlich schafft) geht es natürlich eher drum, einige KO-Runden zu überstehen und Preisgeld zu verdienen. Schon die Verlierer der ersten Runde bekommen Preisgeld (oder Antrittsgeld oder Schmerzensgeld für die anstrengende Reise nach Sibirien?) in vierstelliger Höhe.

Benedikt
27.03.2011 10:35

Wie viele Runden werden eigentlich bei der Europameisterschaft gespielt? 11 oder doch "nur" 9?

hanjie
27.03.2011 11:13

Es sind 11. Siehe hier:
http://www.aixlesbains2011.fr/Default.aspx?id=6

mogelkatz
27.03.2011 14:19

@Thomas Oliver
Zum Turmendspiel: 33. g3 war okay, aber vielleicht wäre h4+ die bessere Alternative gewesen, zumindest hätte das Schwarz die Verteidigung erschwert. Nach 33.h4+ (wozu ich meinen Fritz zwingen musste) rechnet er es schließlich zum Sieg. Ist auch nicht ganz unlogisch, da es für den sK nicht möglich wird, den h-Bauern und seine eigenen Bauern gleichzeitig im Auge zu behalten (das ist einfacher, wenn Weiß einen Bauern auf der g-Linie hat). So kann der sT entweder nur den a oder den h-Bauern aufhalten, eventuell noch im Tausch wT gegen wD.

Flep
27.03.2011 15:19

Was macht Jan denn da gegen Vocaturo?
Er bekommt einen Marshall auf dem Silbertablett serviert und statt 8...d5 zu spielen spielt er 8...d6, einen Breyer Spanier?
Merkwürdig, wäre ne gute Gelegenheit auf Sieg zu spielen oder er dachte sich Vocaturo wollte einen Variante spielen die zum Remis führt (was ich für sehr wahrscheinlich halte) und dachte sich ein Spanier (der Vocaturo nicht vorbereitet hat) bringt bessere Gewinnchancen.

Peter B.
27.03.2011 15:33

Wetter ist obermies, zeit Jan live zu folgen. kein Marshall finde ich auch etwas überraschend. Nun hat Vocaturo mit 11.c4 die mögliche Überraschung auf seiner Seite.

Thomas Oliver
27.03.2011 17:43

@mogelkatz: Das (musste Fritz zu 33.h4+ zwingen) erklärt wohl den Unterschied zwischen Deiner und Bardelebens Fritz-Analyse. Zumindest am Brett mit knapper Zeit ist es aber (jedenfalls "gefühlt") riskant: Schwarz spielt natürlich 33.h4+ Kg4, danach fällt der weisse b-Bauer und dann drohen jede Menge Schachs auf der ersten oder zweiten Reihe. Kann Weiss dem ausweichen ohne auch noch den g-Bauern zu geben - dann würde es sehr riskant? Offenbar geht es, aber das am Brett genau zu berechnen ist wohl nicht trivial (das meintest du wohl mit "ich hätte es mit Weiss noch verloren"?).
Jans 33.g3 sprengt das schwarze Bauernduo, öffnet dem König die dritte Reihe und vermeidet derartige Verlustchancen - aber wohl eben auch weisse Gewinnchancen.

@Flep und Peter B. : Marshall ist auf GM-Niveau doch ziemlich remislich - auch wenn man ein, zwei Etagen darunter auf Sieg spielen kann.

hanjie
27.03.2011 18:04

Auf die Partienanalyse bin ich jedenfalls jetzt schon gespannt! Erstens, warum kein Marshall (wäre mal wieder ne schöne Großmeistereinschätzung), zweitens die strategischen Entscheidungen betreffend. Vocaturos Manöver sind nicht ohne Gift, ob das Figurenopfer nun aber "aus der Not eine Tugend gemacht" heißt oder doch als Gewinnversuch zu verstehen ist weil Weiß besser stehen würde, das ist mir momentan nicht so recht klar.
Interessant ist die Partie allemal!

Peter B.
27.03.2011 18:08

@Thomas Oliver: Bisher war es doch Jans Taktik mit Schwarz eher Remis anzustreben, also müsste er sich vor einem Marshall Remis nicht "fürchten";-)

Aber jetzt ist eh Feuer auf dem Brett. Bin sehr gespannt!

Peter B.
27.03.2011 18:35

Jetzt ist die Übertragung schon wieder ausgefallen. Weiß jemand wie es steht?

lvapatzr
27.03.2011 18:44

auf messers schneide nach zug 40.
würde mal behaupten jan gewinnt.

hanjie
27.03.2011 19:02

Turm, Springer und Läufer gegen Dame und leicht zu verteidigende Schwächen? Na, da gibt's ja wohl Milch heute zum Sonntagabend. ;)

hanjie
27.03.2011 19:06

Achja, Kf2? macht's Schwarz nun natürlich auch extrem leicht. e5 und e3 sind nun so wunderbar gabelgeschützt *grins*

Peter Os
27.03.2011 19:36

Hi Jan, würde mich sehr freuen, wenn Du eine Analyse o.ä. zu Deiner Partie gegen Vocaturo schreiben könntest.

Mir als Amateur fällt es doch in vielen Stellungen schwer, alles( eher irgendetwas) nachzuvollziehen.

Ich schätze Deine Analysen sehr, denn Du schaffst den gelungenen Mix aus Verständlichkeit für den Amateur und gleichzeitiger Erkenntnis , zumindest einiger, Gedankengänge von Dir.

Ich will mehr von dieser Partie verstehen, ..meh

Peter B.
27.03.2011 19:46

Nach meinem Comp steht Jan nach 58... Lg4+ glatt auf Gewinn, weil Vocaturo die Stellung überzieht. Aber er zieht h3...

hanjie
27.03.2011 19:49

ist auf jeden Fall ne Partie, die wohl n Nicht-GM gegen die beiden auf jeden Fall verloren hätte, egal auf welcher Seite des Bretts *g*

hanjie
27.03.2011 19:52

@Peter: Ich sehe nicht, dass Vocaturo die Partie "überzieht". Er kämpft um das nackte Überleben, und seine einzige Chance ist das Vorziehen der Bauern.
Jans Problem ist eher, dass viele Züge gut aussehen, aber welcher ist der richtige? Bei knapper Zeit keine einfache Partie.

Auf der anderen Seite: Wer hat gesagt, dass das Leben mit 2650 einfach wäre? ;)

Daniele
27.03.2011 20:00

Ich verstehe nichts mehr davon was da gerade abgeht...

hanjie
27.03.2011 20:03

Ich vermute mal, dass es jetzt ein Übertragungsfehler war, Schwarz den Läufer schlug mit Schach, König schlägt Läufer, und nun c8 DAME Schach, und nun Jan überlegt, wo der König hin geht.
Ne chaotische Partie ist's auf jeden Fall! Und sauspannend dazu. Mehr davon! :)

Daniele
27.03.2011 20:05

Der Übertragungsfehler war mir auch klar :-)
Eher sowas wie Df2, das Daniele mit dem K nach h4 läuft usw usw.

Spannend ist sie auf jeden Fall...

pipidipapa
27.03.2011 20:17

Puh...was war das für ein kranker Shit?!!

Jan, weiter fighten! Du packst das...

Arne
27.03.2011 20:19

By the way....coole Partie!
@Jan: schau mal in dein Postfach! ;)

Peter B.
27.03.2011 20:41

@hanjie
Ich meinte, dass wenn Vocaturo die Bauern am Damenflügel abräumt es einfacher Remis ist. Aber zur genauen Analyse fehlen mir ein paar ELOs.

Schade wieder eine gute Chance verpasst. Aber die Chancen für die Top23 sind intakt!

hanjie
27.03.2011 21:20

@Peter: Mit Turm, Läufer und Springer lassen sich auch in nullkommanix Mattbilder hinstellen. Da ist ein konsequentes Nach-Vorne-Schieben der Bauern weitaus unangenehmer, da man sie dann sofort beachten muss. Letztlich brachten sie dann ja wohl auch das Remis, auch wenn ich selbst auch glaube, dass ... h3 vielleicht nicht der optimalste Gewinnversuch war. Aber am Brett DAS zu überblicken bei knapper Zeit ist wirklich nicht einfach!

Wer weiß, vielleicht unterscheidet das die absoluten Topstars von der erweiterten Weltspitze, dass sie in solchen Situationen einfach nur cool und schnell alles berechnen, um dann den besten Zug zu finden. Da bewundere ich ja immer diese Carlsen-Siege, in denen es das Wort "technische Probleme" offenbar einfach nicht zu existieren scheint ...

ebitA
28.03.2011 00:02

Der junge Vucaturo zeigte sich unerschrocken und griff vehement an und vermied den einfachen Weg des remis. Gus hätte an einigen Stellen natürlich besser spielen können, am klarsten war der Sieg im 58. Zug zu erreichen, als Taktikaufgeabe wäre es für Gus wohl kaum ein Problem gewesen, aber der fünfstündige Streß zuvor forderte wohl seinen Tribut.

reichen +4 bei elf Runden - dann würden 3,5/5 reichen - schafft er!

Thomas Oliver
28.03.2011 09:22

Die letzten drei Jahre reichten 7.5/11 für einen Stichkampf (einige, aber nicht alle Spieler bekamen dann das Sibirien-Ticket) - alle EM-Ergebnisse auf chess-results.com. Gusti und andere (z.B. Naiditsch und Fridman) müssen noch etwas Gas geben, so wie gestern diverse Spieler mit vorher 4/5 - in 14 Begegnungen gab es nur drei Remis.

Hochwuerden
28.03.2011 10:27

Laut Veranstaltungswebsite gibt es dieses Jahr keine Tie-Break Matches. Entscheidend ist bei Punktgleichheit anscheinend das Performance Rating, da haben unsere Deutschen also noch Nachhilfebedarf.

Sicher nach Chanty-Mansijsk kommt man wahrscheinlich nur mit 8/11. Und 4/5 in den letzten 5 Runden ist durchaus eine Herausforderung.

Halma
28.03.2011 13:47

Apropos die letzten Jahre: Hier eine Übersicht über alle Teilnahmen Jans an der EM, soweit ich sie auf chess-results.com finden konnte (sollte aber vollständig sein):

http://chess-results.com/tnr5927.aspx?art=9&lan=0&fed=GER&m=-1&wi=1000&snr=74

(2007: 7,5 Punkte, Rang 9, Eloleistung 2698)


http://chess-results.com/tnr12085.aspx?art=9&lan=0&fed=GER&flag=30&m=-1&wi=1000&snr=64

(2008: 7,5 Punkte, Rang 27, Eloleistung 2686)


2009 anscheinend nicht teilgenommen.


http://chess-results.com/tnr29567.aspx?art=9&lan=0&fed=GER&turdet=YES&flag=30&m=-1&wi=1000&snr=45

(2010: 6 Punkte, Rang 132, Eloleistung 2572)


http://chess-results.com/tnr45941.aspx?art=9&lan=0&fed=GER&flag=30&m=-1&wi=1000&snr=45

(Zwischenstand 2011 nach 6 von 11 Runden: 4 Punkte, Rang 65, Eloleistung 2639)
Übrigens derselbe Startrang wie 2010 (45).

hanjie
28.03.2011 16:34

Nun gut, gegen Rogozenko gibt's jetzt eine altbekannte Englischstellung mit geläufigen Stellungsmustern. Warum beide so viel Zeit verbrauchen ist vielleicht dessen geschuldet, dass sich beide in der Eröffnung mal wieder gegenseitig ausgetrickst haben? ;)

ebitda
28.03.2011 16:56

Habs auch gerade gesehen, 15 wohlbekannte Züge in 45 Minuten. Gemäß Hübner macht Psychologie 99 Prozent des Kampfes aus, dies scheint hier, obwohl man über den Wert natürlich streiten kann, sehr stark ausgeprägt zu sein. Vielleicht sind auch beide sehr müde und kommen gedanklich nicht in die Gänge. Hab irgendwie kein gutes Gefühl, dass Gus die Partie siegreich gestaltet.

hanjie
28.03.2011 17:24

ebitda: Bist du dir sicher, dass das Zitat von Hübner ist? Grade Hübner betont doch immer, dass es nur darum gehe die besten Züge zu finden und dass es nicht darum ginge, sich den Gegnern anzupassen.

Besonders spannend finde ich Großmeistergedankengänge in der Eröffnung, just auch jene, die Gustafsson in seinen Partieanalysen einfließen lässt: "Wir" Amateure kennen vielleicht die reinen Eröffnungszüge, die GMs aber grübeln offensichtlich häufig daran, wo der Gegner eine Verbesserung parat hat und welche der vielen ihnen bekannten Varianten sie dann auswählen, um nicht in eine gegnerische Vorbereitung zu laufen.

Die vorliegende Partie könnte ein gutes Beispiel dafür sein. Der Zeitverbrauch lässt darauf jedenfalls schließen ...

Flep
28.03.2011 17:40

Und leider wieder nur ein Weißremis..
Glaube auch nicht dass Jan Vorteil in der Schlussstellung besitzt aber möchte gerne eine Analyse sehen :)
Viel Glück noch für den Rest!

mogelkatz
28.03.2011 17:48

Aber ist das wirklich sinnvoll, diese Zeitinvestition in die Eröffnung - besonders in einem solchen Open? (Bei Zweikämpfen um die WM mag das anders sein...). Was nützt es, hier für die kleinsten Vorteile viel Zeit und Kraft zu lassen, wenn man sich später ab dem 50.Zug die Fehler nur so hinterherwirft, wie gestern, wo sowohl Vocaturo als auch Jan jeweils klaren Gewinn ausgelassen haben.

ebitda
28.03.2011 18:00

Gus macht es sich schwer mit der Qualifikaion. Jetzt muß wohl en 3 aus 4 Finish her.

lvapatzer
28.03.2011 18:35

irgendwie ist da die seuche drin.von den erreichten stellungen her,hätte jan(,sagt sich so leicht)1.5 punkte mehr machen können.
hau rein!
bisschen glück kann auch zurückkehren.

hanjie
28.03.2011 18:58

@mogelkatz: Die Partie gestern war extrem kompliziert. Selbst bei normaler Zeiteinteilung wäre es nicht einfach gewesen die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Dass es nicht so einfach war, zeigt doch alleine schon, dass die enginebewaffneten "Besserwisser" auch nicht viel besser durchblickten ;)

spr
28.03.2011 19:53

Gust ist nicht in Form, wenn ihr mich fragt, Kumpels. Da ist zu viel Angst dabei und zu wenig Power. Vielleicht gelingt es ihm gegen Ende doch noch, seine Muskeln zu lockern und zuzuschlagen.

Bardeleben
28.03.2011 20:55

Naja, ob das mit Form viel zu tun hat? Man muss sich mal anschauen, wer da in diesem Turnier gleichauf oder hinter Jan steht - das Who is Who von Schacheuropa. Bislang spielt er meines Erachtens sehr solide, bei so einem Turnier kann man eben nur oben landen, wenn man Gelegenheiten bekommt und etwas Glück - zweimal hat's geklappt, was jetzt noch geht, muss man schauen, aber im Vergleich zum Vortunier läufts doch ganz anständig.

hanjie
28.03.2011 21:35

Klar, mit Form kann's auch zu tun haben. An "guten" Tagen rechnet man halt schneller und genauer, dann gewinnt man halt auch mal so eine Partie wie jene hochkomplizierter gestern ...
"Unter Form" kann man aber auch nicht sagen, denn dafür ist +2 bei dem Gegnerschnitt noch völlig ok.

2550er umpusten wie sie wollen machen halt doch eher nur 270+ - Leute. ;)

hanjie
28.03.2011 21:36

Oha. Ich kaufe eine 5 vor der Null.

Fachkraft
28.03.2011 23:47

2550er umpusten ... Der Moro konnte sowas immer sehr gut. Da sah der Durschnitts-GM meistens wie ein Anfänger aus. Ist aber auch ein "etwas" anderer Spielertyp als Gustafsson.

Gerhard
28.03.2011 23:53

Ja, Moro fehlt, definitiv!
Aber er hatte blendende Jahre und nun konzentriert er sich eben aufs Studium, wie ich irgendwo las.

pipidipapa
29.03.2011 00:29

Angenehmen Ruhetag, Jan! Und dann auf zum Schlussspurt...

Gerhard
29.03.2011 00:34

Aber wirklich ausruhen! Keine Armada an US-Serien. Spaziergang im Park oder so!

hanjie
29.03.2011 01:26

Das Gute am Schweizer System ist, dass man mit einem halben Punkt weniger ja weiterhin nicht die richtig harten Brocken bekommt.
Und so wird's morgen eben Nikolas Sedlak mit 2556 und nicht etwa ein David Navara oder Dmitry Jakovenko, wenn er gestern gewonnen hätte ;)

Peter B.
29.03.2011 08:40

Versuch eines Zwischenfazit:
In dieser EM spaziert keiner durch. Jan hat nur 1,5 Pkt. Rückstand auf den Führenden, Luft nach oben und noch keine Niederlage zu verzeichnen. Um allerdings die Weltcup-Ränge zu erreichen müssen noch zwei Siege her. Ich glaube für Platz 70 o.ä. gibt es gar nichts, also darf/muss auch mal ein bisschen Risiko sein. Doch mal Ben-Oni oder einen Holländer statt Meraner Slawisch!?

Thomas Oliver
29.03.2011 09:13

Jan ist doch bei weitem nicht der Einzige der 2500er nicht beliebig umpustet - siehe z.B. Caruana der gestern seinen ersten Sieg gegen diese Preisklasse holte nach davor 1.5/4 (und zwei Siegen gegen ca. 2400). Und gestern wars der vielleicht heutzutage etwas überbewertete Oldie Romanishin. Sooo schlecht sind die 2500er eben auch nicht.

Ich wiederhole meine Frage an diverse Amateure: Gewinnt ihr immer gegen 100 Punkte schwächere Gegner, verliert ihr immer gegen Leute mit 100 Punkten mehr?

Einen halben Punkt höher gibt es morgen u.a. diese Paarungen: Nepomniachtchi-Fridman (wird nicht leicht), Ivanisevic-Naiditsch (eher lösbare Aufgabe?) und Smeets-Svidler (wem drückt Jan da eigentlich die Daumen?).

spr
29.03.2011 10:01

Heute ist Ruhetag. Vielleicht kann Jan ein Zwischenfazit posten.

hanjie
29.03.2011 11:14

@Peter: Jans Kommentare zu Holländisch oder Ben-Oni würde ich ja gerne mal hören *lach*
Ich vermute: Es wird schon einen Grund geben, warum diese Eröffnungen in der absoluten Weltspitze höchstens mal als Überraschungseffekt zu finden sind.
Außerdem lagen die letzten beiden Schwarzremisen sicher nicht an der Eröffnung ... ;)

Flep
29.03.2011 14:05

@Hanjie: Nur dass Gashimov (Ben-Oni) und Nakamura (Holländisch) diese Eröffnungen regelmässig anwenden (so regelmässig wie die anderen Eröffnungen auf Top Niveau auch gespielt werden). Es sind eben aggressive, dynamische Eröffnungen die nicht jedem Spieler-Typ passen und viel Risiko bergen, aber man kann besser auf Gewinn spielen, das ist klar. In der Weltspitze geht die Sicherheit vor dem hohen Risiko :)

Ob diese Eröffnungen aber was für Jan sind, sei dahingestellt. Das wird er wohl selbst am Besten wissen :)

Peter B.
29.03.2011 14:18

@hanjie
Hmm, da glaub ich wird manchen das Lachen schnell vergehen. Nakamura (Sieger TataSteel) wendet Holländisch häufiger an und auch ein Aronian (Sieger Amber) hat Giri damit zerlegt. Sicherlich war gerade die letzte Partie nicht in allen Zügen korrekt, aber es zeigt das da ein bisschen Musik drin ist. Und Eröffnungswahl ist ziemlich Modeerscheinungen unterworfen. Spanisch war mal ganz out und ist jetzt wieder en vogue...

hanjie
29.03.2011 16:34

Genau deswegen würden mich die Einschätzungen eines Experten mal interessieren ...
Dass Nakamura, Aronian und Ivanchuk gerne mal Holländisch ins Repertoire einbauen, ist mir bekannt. Aber machen sie es wirklich ernsthaft oder doch "nur" aus Überraschungsgründen?

Gegen schwächere Gegner ist der Überraschungseffekt schließlich nicht zu unterschätzen, da deren Vorbereitung i.d.R. nicht auf demselben Niveau ist wie die eigene.
Für eine Partie ist es sicher mal eine Maßnahme, aber dauerhaft ...? Daran kann ich nicht glauben.

Flep
29.03.2011 17:43

Glaubs du wirklich die spielen diese eröffnungen (gegen weltklassegegner und amateure) wenn sie wissen sie kommen von vornherein in nachteil (was der fall wäre wenn sie gegen einen +2700 spielen)? Klar ist es keine eröffnung für jede partie aber welche eröffnung ist das schon? Es geht ja darum vielseitig zu sein und dass der gegner sich nicht ohne problem vorbereiten kann :)

Benedikt
29.03.2011 20:30

Spasskij hat ja, ich glaube anno 1966, mal beim WM-Kampf gegen Petrosjan Robbatsch gespielt. Man kann viel spielen. Im Computerzeitalter muss man aber zwingender ein ebenso breites wie tiefes Reportiore haben wie das früher mitunter der Fall war. Zum Thema Robbatsch: Seinerzeit hat Bernd Feustel (glaube FM) Anfang der 80er mit fast ausschließlich Robbatsch das beste Ergebnis am 1.Brett in der Bundesliga nach Hübner, Chandler und Spasskij.

hanjie
29.03.2011 21:21

@Flep: Ich bin zu schlecht, um mir darüber ein Urteil erlauben zu können ;)
Ich kann es mir aber gut vorstellen, dass wenn Ben-Oni oder Holländisch "in Mode" kommen würde, die Klasseleute recht schnell die Schwachstellen finden und so einige Varianten sofort versenken würden.

Eine Einschätzung einer eröffnungstheoretisch beschlagenen Person, die sich mit den Strömungen der Eröffnungen viel beschäftigt, wäre da aber sicher hilfreich. Und wo danach fragen, wenn nicht hier? :)

Thomas Oliver
29.03.2011 21:37

Zur Eröffnungsdiskussion: Ich denke es ist vergleichsweise unwichtig ob eine Variante "gut" oder "schlecht" ist, solange sie spielbar ist - mit Schwarz kann man auch einen gewissen Nachteil in Kauf nehmen solange man Gegenchancen hat. Wichtiger sind zwei Dinge:
1) Die Eröffnung bzw. die entstehenden Stellungen müssen einem liegen. Was bringt es wenn man 1.d4 f5 (hurra, ich spiele auf Gewinn!) wählt und zehn Züge später denkt "worauf hab' ich mich (freiwillig!) eingelassen?" ?
2) Man muss sich - auf GM-Niveau - theoretisch zumindest einigermassen auskennen.
Ersteres geht vielleicht nie, ausser man ändert seinen Stil bzw. sein Stil ändert sich. Erzwingen lässt es sich sicher nicht. Zweites geht auch nicht von heute auf morgen, sicher nicht spontan mitten in einem laufenden Turnier.

Jan hatte doch mal kommetiert "1.-c5 sprech ich noch nicht fliessend". Daraus schliesse ich dass er sich Sizilianisch schon vorstellen könnte, zumindest ab und zu, und mittelfristig daran arbeitet.

Gerhard
29.03.2011 22:14

Jan hat ja unlängst mit Weiß gegen Holländisch gespielt. Man hat mit Weiß, das zeigte die Partie, "optisch" was, fast immer. Doch wie baut man aus einer guten Optik eine bessere bzw. Gewinnstellung? Da ist viel Können nötig und oft fehlt die Zeit am Brett, um die Partie präzise weiterzuentwickeln. Darauf, daß es technisch schwierig ist, baut wohl der Schwarze.
Ein anderes Thema ist Königsindisch. Da spielten Kortschnoi und Kramnik immer sehr präzise und äusserst erfolgreich dagegen. Kasparov legte diese Eröffnung damals ad acta. Daß Nakamura jetzt wieder Königsindisch auspacktt, ist mir etwas ein Rätsel. Sogar gegen Kramnik wählte er diese Eröffnung im Amberturnier.

Benedikt
29.03.2011 22:43

Radjabov spielte doch auch fast nur Königsindisch bis ihn sein Laptop mit seinen Analysen gestohlen wurde. Damals ware er gerade bei 2765 mit stark nach oben steigender Tendenz und dann tauchte er für einige Monate ab wegen der Laptopgeschichte und seiner verlorenen Analysearbeit.
Und der Blitzmeister Raffael spielt(e) Königsindisch auch recht häufig.

Gerhard
29.03.2011 23:49

Ja, da müssten Nakamaura und Radjabov sagen, wieso man es wieder spielt. Auch der Drachen war doch passe', aber Carlsen spielte ihn zuletzt trotzdem. Was würde Fischer dazu sagen? Er meinte zum Drachen ja sinngemäß: Sac, sac, sac and chessmate.

Knallo
30.03.2011 03:50

Robatsch, bitte. Und die Eröffnung ist ja wahrlich nicht absurd.-

Thomas Oliver
30.03.2011 09:32

@Gerhard: Für mich isses logisch - Nakamura und Radjabov spielen Königsindisch weil es ihnen Spass macht und weil die Ergebnisse insgesamt stimmen. Gelegentliche drastische Niederlagen (Naka gegen Aronian bei der World Team Championship, Radjabov in einigen seiner ewigen Duelle gegen van Wely) gehören dazu und werden in Kauf genommen. Falls Du's vergessen hat: im Amber-Turnier hat Nakamura mit Königsindisch (leider) gegen Kramnik gewonnen ... .

Soweit alles OK, jedem das Seine. "Wieso _man_ es wieder spielt" wäre doch "wieso _er_ es spielt"!? Ich finde es nur Unsinn wenn einige Amateure hier Jan solche Ratschläge geben und persönlich nix (kein Elo, kein Preisgeld) dabei riskieren.
Erinnert mich ein bisschen an ein GM-Postmortem beim Hamburg-Open das ich vor Jahren passiv (und ein bisschen aktiv) verfolgte. Jemand machte allerlei wilde Vorschläge, der GM (Nigel Davies) nahm's mit britischem Humor: "It's not his pieces he sacrifices".

Gerhard
30.03.2011 10:16

Das Amberresultat Kramnik-Nakamura kenne ich natürlich. Aber Kramnik war da völlig ausser Form. Manchmal blitzte aber dennoch das (mächtige) Können auf, mit Weiß gegen Topalov und Karjakin.

Zu dem Ratschläge geben: Man möchte dem Meister auf den Sattel hieven, aber mit irgendwelchen ungeübten Eröffnungen kann er es wirklich nicht versuchen.

Benedikt
30.03.2011 12:19

Jan spielt bisher sehr solide, nicht nur, aber auch in der Eröffnung. Am Ende gewinnt man doch jede Partie durch Fehler des Gegners und die kann man nicht bestellen.
Zu Holländisch. Mit 1.Sf3 f5 2.d3 gibts nur wenig gute Varianten für Schwarz, die zudem alle recht konkret und vorbereitbar sind. Es entstehen teilweise sehr dynamische Stellungen, also nicht gerade Stonewall-Stellungen.

Peter B.
30.03.2011 15:34

Jan hat uns - wenigstens teilweise - zugehört. Er spielt einen - ich würd mal sagen - Hybriden aus Slawisch und Königsindisch. Aber zumindest der schwarze f-Bauer ist noch "zu Hause"...

hanjie
30.03.2011 17:00

Ich glaube nicht, dass Jan auch nur _irgendwem_ hier zuhören muss. ;)
An den Eröffnungen lag sein bisheriger mangelnder Punch jedenfalls nicht. Würde man jeweils einen "Sieg nach Punkten nach der Eröffnung" vergeben, dann hätte er bereits die gewünschten +4.

Bardeleben
30.03.2011 17:51

Und heute gibt es eine wunderbare Stellung mit Plusbauern und dem Gegner in extremer Zeitnot (3 Minuten bei noch 14 (!) Zügen, Jan hat noch über 30 min) - das müsste doch reichen. Und dann wäre der gute Herr Gustafsson wieder voll im Geschäft...

Frosch
30.03.2011 18:33

Gratulation,

starker, supersolider Gewinn heute mit schwarz

lvapatzer
30.03.2011 18:37

geht doch.seuche abschütteln und gut ist.
alles PUNKTE!

Na Also
30.03.2011 18:43

Schwarzsieg gegen das serbische 1. Brett!!
Da Naiditsch schon verloren hat und Fridmann bedenklich steht (43. Tf3+ hätte wahrscheinlich mehr Widerstand geleistet), sollte Gusti der best platzierte Deutsche sein.
Glückwunsch und weiter so.

Carsten
30.03.2011 18:47

Hi Jan, herzlichen Glückwunsch! Ich drück Dir die Daumen für den restlichen Turnierverlauf.

Lasker
30.03.2011 19:48

Glückwunsch an Jan.

Aber ich begeistere mich gerade über Polgar-Guseinov.
Klasse Endspielführung von Judith. 14...b5 wird im Endspiel geknetet. Das wird bestimmt in die Bücher eingehen.

ebit
30.03.2011 19:54

Na also, jetzt ist Gus bei +3; noch ein kleiner 2 aus 3 Endspurt und es müßte reichen.
Ich will den Sieg nicht madig schreiben, aber wenn mir jemand sagen würde Weiß hätte elo 2000, so könnte ich nicht erkennen was für eine höhere Zahl spricht.

Peter B.
30.03.2011 20:14

Gratulation Jan!

Etwas unkonventionell in der Eröffnung und schon zeigt es sich dass die Gegner völlig aus dem Konzept sind und du deine Spielstärke voll ausspielen kannst!

hanjie
30.03.2011 20:39

@ebit: Vielleicht, weil die schwarze Spielanlage tiefer war als man auf den ersten Blick sieht? ;)
... Lxe5 verstand ich erst nicht (den guten Läufer sofort hergeben, Weiß das wunderbare Feld d4 für den Springer räumen?) bis mir gewahr wurde, dass damit der e-Bauer einfach weg ist und die schwarzen Figuren viel zu aktiv sind, als dass man sich um das Feld d4 scheren müsste.
Vielleicht war die Partie in diesem Augenblick bereits vorbei.

Thomas Oliver
30.03.2011 20:55

Ebenfalls Glückwunsch zum Sieg! Angesichts der (Eröffnungs-)Diskussion hier schon witzig: Gusti hat mit Schwarz solide gewonnen, Naiditsch ebenfalls mit Schwarz unsolide verloren (vielleicht zuviel riskiert?), Fridman gegen einen wirklich nicht schlechten Gegner tapfer wenn auch umsonst gekämpft - das Damenendspiel war wohl "objektiv" remis, dieses auch zu beweisen ist eine andere Kiste. Und plötzlich hat Jan alles richtig gemacht!!??

someFM
30.03.2011 20:58

Glückwunsch zum Sieg.
Die Idee, die eingeleitet wird mit 13.e4 + 13.exd5, sah seltsam aus in einer Stellung mit Karlsbader Struktur. Wahrscheinlich sollte man lieber auf das übliche Tab1 + b4 zurückgreifen.
15...Sb8 hingegen wirkte ziemlich cool als Antwort darauf.

Trio Infernale
30.03.2011 21:39

Cool, morgen zwischen PBS und El Gordo - klarer Fall von 3 Weißsiegen :-)
Dawai, Auf geht`s, Vamos!!

Lasker
30.03.2011 21:50

Ich weiß, das hier ist natürlich Jan´s page und ich sollte mich vielleicht lieber mehr über seinen Sieg auslassen, aber Judits Endspiel ist einfach toll. Das ist ein relativ bekanntes Maroczy-Drachen-Endspiel, was remisträchtig ist. Ob Tc2 eine vorbereitete Neuerung von JP ist oder am Brett ausgedacht? Nach ..b5 (oft kritisch zu sehen, aber auch im reinen Doppelläufer-Endspiel ??) wird Schwarz konsequent ausgespielt.

Gerhard, guck´ Dir das mal an. Wenn Du Dich dafür nicht begeisterst, red´ ich nicht mehr mit Dir... ;-)

Lasker
30.03.2011 22:10

"Spielerprotest bei der Europameisterschaft" - chessbase.

Ja, könnte denn wirklich jemand so däm*** sein zu betrügen, wenn im sowieso gerade genau deswegen der Garaus gemacht wurde??

Jan hat den Brief auch unterschrieben.

Gerhard
30.03.2011 22:32

Lasker, ich will natürlich, daß Du weiter mit mir redest!!
Also: Das Endspiel ist allererste Sahne!
Es ist schön, daß sich noch jemand auf die Kunst von Karpov und Kramnik versteht und solch eine Akkumulation von kleinen Vorteilen zuwege bringt.
Auf den 1. Blick sah ich nicht, wo S hätte besser spielen können. Der schwarze König war ein Statist...das allein war schon nicht einfach.

Also, Du bist ENGAGIERT! Ab jetzt bitte Ausschau halten nach bittersüssen Endspielen!

Lasker
30.03.2011 22:45

Freut mich, daß es Dir auch gefällt, Gerhard. Hab´ auch nix anderes erwartet. :-)

Der Plan Kh4 scheint tatsächlichen auszuknocken, da Schwarz den Läuferrückzug dann nicht vermeiden kann, da die Bauernendspiele alle verloren sind. Dadurch dringt der weiße Läufer ein und der weiße König wird entscheidend in die Mitte zurückmanövriert. Schwarz ist ohnmächtig.
Einfach sehr schön, wie über´s ganze Brett gearbeitet wird.

Bravo, Judit !

Gerhard
30.03.2011 23:03

Lasker, dazu fällt mir etwas ein, was vielleicht so mancher abwegig finden wird. Aber in dem von mir kürzlich gesehenen Film "Pina" von Wim Wenders wird von Pina Pausch gesagt, daß sie zu ihrem Ensemble sagte: "Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren!".
Will heissen: Freuen wir uns über alles Schöne, so wie es sich uns zeigt, feiern und lobpreisen wir das Schöne - Denn das Schöne und Kreative ist das einzige, was wir (im Grunde) haben. Es überhöht unser Dasein!

Gerhard
30.03.2011 23:08

Dreev ist ein harter Brocken! Der war zumindest mal absolute Weltklasse. Ich weiß natürlich nicht, wo er jetzt steht, aber einfach wird das für Jan morgen nicht werden.

Lasker
31.03.2011 08:10

Hallo Gerhard, ich kenne den Film nicht und daher auch nicht die Zusammenhänge, in denen das Zitat erfolgt, aber ich denke, ich verstehe, was Du meinst, besonders, da Du es so schön umschrieben hast.
Schon die alten Griechen haben die Schönheit in allgemeinster Form angebetet und ich bin graecophil.
Wenn mich jemand fragt, ob Schach Sport, Wissenschaft oder Kunst ist, ist meine Antwort klar - im Sinne meiner persönlicher Intension.
Gruß

Lasker
31.03.2011 20:25

So, ich habe mir das Endspiel nochmal genau angesehen, toll gespielt von Judit Polgar, zweifelsohne. Aber tatsächlich hat Schwarz eine Verbesserungsmöglichkeit, wonach es kaum möglich sein dürfte, die weißen Steine zum Gewinn zu führen.

Nach dem Abtausch der schwarzfeldrigen Läufer gehören die Bauern auf schwarze Felder: 35...b4 !
Das sieht auf den ersten Blick unlogisch aus, weil das scheinbar den Flügel schwächt, an dem der weiße König schon aktiv ist, tatsächlich hat aber Weiß keine Möglichkeit dies auszunutzen.
Schwarz hätte sich damit die zweite Schwäche erspart (und eher sogar die weißen Bauern weißfeldrig festgelegt) und wohl Remis halten können.
Nach 35..Kf7 spielte Judit Polgar daher a3 ! und kommt dem zuvor, das anschließende Endspiel ist vom feinsten.

Immer wieder das Motiv "zweite Schwäche" !

Lasker
01.04.2011 11:21

Noch ein Kommentar zu Judit Polgar: Sie ist jetzt geteilte Erste und hat bisher einige interessante Partien abgeliefert - für die Fans von "Opfer, Opfer, Matt" in der Runde 7 ein "typischer-Polgar", auch eine tolle Partie!

RichardKr
20.02.2017 11:45

tfomxet

http://www.ibericarsalfer.es/zapatillas-nike-gris-y-verde-599.html
http://www.bristol.com.es/nike-air-force-lunar-1-397.html
http://www.cdoviaplata.es/calzado-mbt-argentina-133.html
http://www.felipealonso.es/845-vans-slip-on.html
http://www.denisemilani.es/660-nike-air-presto-safari.php

Zapatillas Adidas Los Angeles Trainer
Nike Stefan Janoski Grises
Gorras New Orleans Saints
Nike Air Max Tavas Rojas
Air Max One Men

XRumerTest
17.03.2017 23:11

Hello. And Bye.

Mein Kommentar