Jans Kolumne

Dienstag

Das Duell der Spitzenreiter

Hallo liebe Schachfreunde!

Zunächst gibt es heute ein paar Bilder. Zum Vergrößern draufklicken.

 

Großer Medienandrang auch in Runde neun
Gestern gings ruhiger zu
Zaungast Tania Sachdev
Risiko vorm Ruhetag: J.L.Hammer, J.Smeets, E.Carlsen, D.Stellwagen
Hängepartie in dieser Stellung. Hat irgendjemand ne Ahnung von diesem Spiel und kann mir sagen, was zu tun ist? Ich bin grün, es sieht nicht gut aus...
Hammer am Schachbrett gegen Luke McShane. Smeets und ich sind große Fans seines Blogs gmhammer.wordpress.com/blog/ , sein Beitrag "All kinds of shit" hat uns in diesen düsteren Tagen viel Freude bereitet
Sebastian Siebrecht hat sich in Gruppe C mit einem Sieg im Turnier zurückgemeldet und bekommt es heute mit dem Führenden Daniele Vocaturo (nicht im Bild) zu tun
Oops, das Bild ist von der Olympiade. Aber passt schon, ist schließlich Thema Nummer eins in Wijk.

Update: Hab mich in der Kunst der Expresskommentare geübt, zu finden hier:

Update die zweite: Hab gerade einem gutgelaunten Kramnik im Flur aufgelauert, um ihn zu seinem Sieg gegen l'Ami zu befragen. Mit diesem hat er 6/9 auf dem Konto und damit zur Spitze aufgeschlossen.

Kramnik - l'Ami

Kramniks Zusammenfassung der Partie lautete "h4,h5 and mate" Steigen wir ein, nachdem Phase 1 bereits realisiert ist:

Stellung nach 14...hxg6

15.a4 ! Mir hat dieser Zug sehr gefallen, bevor er zum Angriff schreitet, beschäftigt der Weiße die gegnerischen Figuren am Damenflügel. Der Computer empfiehlt 15.Kf1, aber darauf gefiel Kramnik Sa4 nicht, nach z.B. 16.Tc1 schnappt Schwarz sich den Läufer. 15...Ld7? laut Kramnik zu langsam und aus praktischer Sicht bereits der vorentscheidende Fehler. Kritisch war 15...Sxa4 und "I calculated many lines, but its quite unclear" Wichtig ist, dass Schwarz nach 16.Kf1 nun das starke Db5! hat 16.Kf1! geht Schachs auf c3 aus dem Weg und bereitet damit das folgende Damenmanöver vor. Sxa4 17.Dg5 mit dem brutalen Plan Dh4 und matt. "Maybe he could have defended better, but basically its over" Db6 ?! Der Comp besteht auf Tfe8 18.Dh4 Kf8 und blinkt zunächst nicht. Sieht auch mehr als verdächtig aus, aber isses matt? 18.Dh4 Tfe8 19.Lc1! Jetzt ist es aus, "normally you give a piece to get such a position" Nach bewährten Mustern folgt Dh7 nebst Lh6 19...e5 20.Dh7+ Kf8 21.Lh6 Lxh6 22.Dxh6+ Ke7 23.Sxe5 1-0 "it was easy in the end. Suspiciously easy"

51 Kommentare
Niclas
25.01.2011 16:06

Hahaha, deine Kommentare sind einfach köstlich. Olympia wirds heute wohl nicht geben, sieht gut aus für Smeets

Fettsack
25.01.2011 16:39

Zu Risko: Es kommt natürlich ganz auf deinen Auftrag an. Aber im Großen und Ganzen geht es in Risiko doch nur darum, die anderen davon zu überzeugen, was zu machen, was einem selbst hilft. Spielt ihr Auftrag Weltherrschaft, läuft es eh drauf raus, dass 3 Leute am Ende Remis machen, weil der Größte immer von den anderen beiden bekämpft wird, behindert.
Wer ist denn die rosa Macht?

methos753
25.01.2011 16:56

Was spricht den bei Smeets gegen 40. ... c3+?

mhall
25.01.2011 17:35

dead draw @methos753

Momentan (46. Rc7) steht Smeets auf Sieg

Riku
25.01.2011 17:38

@ mhall wenn er mal nicht wieder in enorme Zeitnot kommt ^^

Galileo
25.01.2011 17:43

Sieht tatsächlich komisch aus bei Risiko, vielleicht solltest du die Finger von Strategiespielen lassen.

Zuerst musst du etwas Raum gewinnen und deine Stellung in Westeuropa konsoldieren. In Afrika steht Gelb zu sicher, aber Südeuropa solltest du dir holen können. Dabei immer drauf achten, dass du nicht über Brasilien ausgekontert werden kannst.

Wenn die Stellung sicher ist und die Ressourcen es zulassen, solltest du langfristig Nordamerika in Angriff nehmen. In stiller Zusammenarbeit mit Rot kann man Blau in die Zange nehmen und allmählich aufreiben.
Alternativ könntest du auch über den Ural gehen und dir Eurasien einverleiben -- das geht aber nur, wenn sich Rot und Gelb gegenseitig beharken und ihre Kräfte in Nahost binden.

Knallo
25.01.2011 17:50

Ich glaube, Smeets hat's jetzt geschafft.

Peter B.
25.01.2011 18:18

Es ist geschafft!
Der volle Punkt gegen den russischen Meister. Das gibt Kraft und Auftrieb für den Rest.

Stadtmeister 99
25.01.2011 18:19

Gut gemacht Jonge, Schmeets hat ihn geschlekkt !!

Thomas Oliver
25.01.2011 18:22

Es dauerte etwas länger als bei Kramnik, aber Smeets hat auch gewonnen. Ich sehe schon Jan G.'s nächste Kolumne: "Yeeeesss!" - sei ihm gegönnt auch wenn es heute wenig bis nix mit seiner Eröffnungsvorbereitung zu tun hatte. Oder indirekt? 11.e4!? um eben diese zu vermeiden?

Gerhard
25.01.2011 18:23

Hey Jan,
"Kramniks Zusammenfassung der Partie "h4,h5 and mate" ist ursprünglich auf Fischer zurückzuführen, der zum Drachen berühmterweise meinte: "h4,h5 ,sac, sac and mate" !!!

Gausdal
25.01.2011 18:35

na also, geht doch! Und Smeets gab die rote Laterne ab und steht nun punktgleich mit dem Freund da.

Ob es an der Risikorunde mit Ellen gestern lag?

Karlsruher
25.01.2011 19:16

Ist Ellen gestern Nacht noch nach Gibraltar geflogen?
Jedenfalls ist sie dort gemeldet und auf den Bildern der Eröffnungsfeier ist sie auch zu sehen.
http://picasaweb.google.com/MonRoi.Inc/2011TradewiseGibraltarChessFestivalOpeningCeremony#5566079848271318114

Niclas
25.01.2011 20:33

Carlsen hat zwei Schwestern...

Fgxdfgh
25.01.2011 21:13

Das passiert,wenn ein Smeets seine Partie einmal nicht imm Vorhinein ausanalysiert hat.

hanjie
26.01.2011 00:52

Zu Risiko: Das habe ich aufgegeben, als die Aufträge nicht mehr "erobern Sie ...", sondern das mädchenweicheihafte "befreien Sie ..." hießen.
Wobei, seit George W. ist das ja irgendwie dasselbe ... öhhh ...

Zum Schach: Kramniks Kommentare sehe/lese ich auch immer sehr gerne - sein Schach mag mitunter trocken sein, seine Kommentare sind's bestimmt nicht ;)

Bardeleben
26.01.2011 09:21

Haha, offensichtlich liest Nepo diesen Blog und dachte: "Hm, wenn der Smeets ohne Vorbereitung nichts auf die Reihe kriegt, spiele ich mal ein bisschen Freestyle in seinem geliebten Halbslawen". Vielleicht wird der eine oder andere jetzt doch zugeben, dass Herr Smeets mehr kann als nur Züge auswendig zu lernen. Gratuliere!

Tom Cody
26.01.2011 11:24

Diese Partie hat mehr der Neppi (ein komischer Spieler, den ich nicht recht einzuschätzen vermag) durch stures Gewinnstreben verloren als Smeets gewonnen! Smeets hat eigentlich nur den in der Eröffnung eingestellten/veropferten Doppelbauern verwaltet. Wenn Weiß vor der Zeitkontrolle die Zugwiederholung forciert mit etwa 37.Td6 Le8 38.Td2 Lc6 oder rechtzeitig den Damenflügel liquidiert mit 39.Ta6 (statt 39.Sa4?!) Txb2 40.Txa5, dann wird halt der Punkt geteilt.
Und Neppis Meinung von Smeets scheint auch nicht sehr hoch zu sein, wenn er trotz der zwei verbundenen Freibauern am Ende die hoffnungslose Stellung noch ewig weitergurkt...

Riku
26.01.2011 15:15

Super gemacht Smeets.
Er kann also doch ordentlich spielen^^
Ein Remis gegen Kramnik ist doch etwas wirklich tolles.

Gausdal
26.01.2011 15:29

Supersmeets wird noch zum e4-Spieler - fantastische Vorbereitungsleistung, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Kramnik Spanisch noch nicht soooo lange im Repertoire hat. Ist aber gut, denn auf diese lahmen Petroff-Partien hatte ohnehin keiner mehr Bock...

Patzerle
26.01.2011 15:48

normalerweise sollte so ein Klammerremis etwas Stirnrunzeln erzeugen, aber Kramnik ist in Hochform, Jan eher nicht - den Elounterschied nicht zu vergessen - von daher finde ich es ne clevere Entscheidung.

well done :-)

miatara
26.01.2011 16:15

ja, gut gehalten von Smeets. Nepo weicht auch gegen Carlsen der Zugwiederholung aus und spielt auf Gewinn, lag also nicht an den weniger Elopunkten von Jan. Naka gewinnt schon wieder.

Tom Cody
26.01.2011 16:29

Bei Zug 18 war aber Carlsen zuerst der angebotenen Remisschaukel Dd2-d4-d2 Sc6-e5-c6 ausgewichen!
Nun will Nepo mit 33...Dc8 vermutlich schon mehr als Dauerschach, weil beide weißen Bauern hängen: c2 direkt und b2 wg. Db7+ ! Aber was ist darauf mit 34.Df2 Db7+ 35.Kg1 Dxb2 36.Le5 los ?!?
Zu Smeets-Kramnik: Wenn man dieses Turnier gewinnen will, ist Smeets klar jemand, gegen den man auf Gewinn spielen muß. Pirc wie 2010 wäre keine Überraschung mehr gewesen, aber Berliner Mauer war klar die falsche Wahl von Kramnik. Nicht anzunehmen, daß Smeets sich nochmals so planlos schlachten läßt wie von Carlsen - und die gewählte Verflachungsvariante ist hinlänglich bekannt...

ebitda
26.01.2011 16:30

Smeets wollte vom ersten Zug an nur remis und tauschte alles raus, was ihm vor die Flinte kam - legitim auf Amateurebene, aber doch nicht im Profibereich.

Lasker
26.01.2011 16:44

Gausdal,
die WM 2000 vergessen?

hanjie
26.01.2011 17:12

Soso, wer jetzt hier meint, die Klammervariante Smeets' zu kritisieren, der halte sich mal Folgendes vor Augen:

1) Kramnik in Hochform, Smeets nicht (s. Patzerle)
2) Kramnik hat mit der "Berliner Mauer" immerhin Kasparow einen Matchsieg abgerungen und schon rein zeitlich einen Erfahrungs- und Analysevorsprung
3) Nach der Zerstörung durch Carlsen ist's psychologisch nicht unkritisch, gleich noch einmal dieselbe Struktur zu forcieren.

Ob Kramnik dieses Remis den Turniersieg gekostet hat, bleibt abzuwarten. Noch sind n paar Runden zu spielen ...

Gerhard
26.01.2011 17:15

Ein Remis gegen Kramnik abklammern können, ist schon erste Sahne.
Aber wieso konnte das Smeets nicht gegen Anand???

TMJ
26.01.2011 18:05

Smeets hat doch jetzt gegen Kramnik ALLES richtig gemacht. So muss er im Turnier (hoffentlich durch den Einfluss seines Sekundanten...) agieren. Großes Lob.

Hannibal
26.01.2011 18:25

Vollkommen abwegig, hier Smeets' Eröffnungswahl zu kritisieren. Im Grunde gilt sogar das genaue Gegenteil von ebitdas Meinung: Im professionellen Schach ist das absolut legitim (wenn auch schade für die Zuschauer); es müssen sich eher Amateure fragen lassen, welchen Sinn es macht, einige hundert Euro für die Teilnahme an einem Open zu bezahlen, um dann nach wenigen Zügen remis zu machen.
Sehr viel berechtigter wäre es, Kramniks fehlende Flexibilität mit Schwarz zu kritisieren. Ein Turnier wie Wijk gewinnt er halt nicht, wenn er nur mit Weiß auf Gewinn spielt (bzw. ist dann EXTREM von der Auslosung abhängig).

P.S.: Ich bin übrigens sehr daür, durch die Sofia-Regel die Profis zumindest so weit wie möglich zum Spielen zu zwingen. Smeets-Kramnik wäre aber mit Sicherheit auch dann remis ausgegangen.

hanjie
26.01.2011 18:43

Dass die Sofiaregel hier nicht zum Einsatz kam, halte ich für dieses Turnier aber vertretbar. 13 Runden sind schon ein Stückchen härtere Arbeit als z.B. 7, dass die ordentlich auf die Physis gehen, sollte man nicht unterschätzen.

Zudem sind die Felder aufgrund ihrer Spielstärkeunterschiede pro Gruppe auch gar nicht dazu gemacht, Remisen am Fließband zu produzieren: Die Topleute wissen dass sie unten ordentlich Punkte holen müssen wenn sie das Turnier gewinnen wollen, sonst macht's die Konkurrenz und wenn ihnen das mal nicht gelingt, dann wird eben weiter oben hart aufgeschlagen.

Mal ehrlich, beschwert sich hier wirklich jemand ernsthaft über die Remisquote ?! Pro Runde kann ich mich bislang höchstens mal an eine, vielleicht zwei, unausgekämpfte Remisen in der Topgruppe erinnern.
Da sind Turniere mit kleineren Feldern gefährdeter.

Lasker
26.01.2011 19:05

Ich stosse ins gleiche Horn:
war eine 1a taktische Leistung heute von Jan².
So muß man das gegen die big-4 angehen, wie denn sonst?

Kramnik dagegen verstehe ich nicht.
Gestern eine Kurzpartie, heute einen "vermeintlich leichten" Gegner und dann so eine Eröffnung?
Zumal sich Jan² ja ausrechnen konnten, daß es offene Partie wird - warum also nicht mal nen Sizi (kann er auch)?
Müde kann er ja wohl nach der Partie gestern nicht gewesen sein. Und ist es nicht besser, gegen Smeets auf einen Punkt zu spielen und dann gegen Carlsen morgen (mit Weiß) nicht allzuviel Gas zu geben? Sind so 1,5 Punkte nicht leichter zu machen?

Patzerle
26.01.2011 19:21

@ Lasker
ich bin relativ sicher, dass Kramnik mit Schwarz auf Gewinn spielen wollte, immerhin hat er ja die Berliner Verteidigung gewählt und nicht Russisch. Carlsen hatte Smeets ja komplett zerlegt in der Hauptvariante und bisher ist Smeets den Hauptvarianten nie aus dem Weg gegangen.
Von daher war nicht zu erwarten, dass er Te1 anstatt d4 spielt, wonach Schwarz kaum noch was machen kann in Sachen Kampf um den Sieg, da die Stellung halt völlig symmetrisch bleibt.

Dennoch stimme ich dir zu, dass ich auch nicht verstehe wieso er nicht z.B. Sizilianisch oder Pirc oder sowas spielt, um halt gleich eine asymmetrische Stellung zu bekommen.
Dasselbe gilt übrigens für Aronian. Der spielt auch gegen jeden Marshall wenn er darf und damit kann Weiß halt forciert Remis machen wenn er denn will. Gegen Anand ist das freilich ok, aber sollte er so z.B. gegen einen der Holländer spielen, verschenkt er quasi von Anfang an einen halben Punkt.

falconeye
26.01.2011 21:36

@Patzerle
Aronian hat aber mit Marshall auch schon gegen Topleute gewonnen. Wenn Weiß mit Remis zufrieden ist, dann gibt es viele Eröffnungen die schon fast forciert zum Remis führen. Auf dem Niveau auf dem die Topleute spielen kann man mit Schwarz selten viel reißen.

hanjie
26.01.2011 22:18

Schon lustig, wie häufig anhand einer Partie Analysen über die Variante angestellt werden ...
Nur weil Anand gegen Aronjan einen ruhigen Tag gegen Marshall hatte heißt das doch noch lange nicht, dass er keinen Punsch mit der Eröffnung hat. Vielleicht hat er ja auch noch ein paar gefährliche Neuerungen im Köcher! Aber wieso soll er die ausgerechnet mitten im Turnier auspacken, ausgerechnet gegen Anand, der diese vielleicht schon längst antizipiert hat? Da ist es doch nur logisch, sie sich für wichtigere Augenblicke aufzuheben.

Dazu mal eine Frage an Jan den Ersten hier: Wie ist's, was sind denn die üblicherweise besten Momente, zu denen Neuerungen ausgegraben werden, wenn man sie im Köcher hat? Werden sie immer dann gespielt wenn man sie eben gefunden hat, oder hebt man sie sich, so wie ich es hier behaupte und auch schon mehrfach gelesen habe, heute immer noch auf?

ebitda
26.01.2011 22:35

Für Spielter unter 2600 verschwende ich keine Neuerungen. (Garri)

Umumba
26.01.2011 22:52

Und als er das gesagt hat, war die Elo-Inflation vermutlich noch nicht so weit fortgeschritten, gilt heute also für 2650. ^^

Phero
26.01.2011 23:02

Na, in Tilburg 1998 hat er gegen Tal Shaked eine Zitat "Atombombe gegen einen Spatzen" eingesetzt... immer hat er sich an seine eigene Regel auch nicht gehalten.

St. Pauli
26.01.2011 23:16

@Lasker: Den Jan zu quadrieren ist zwar verbal ganz nett, aber mathematisch nicht korrekt, wenn du beide Jans meinst. Du übersiehst dabei dass 1²=1.

*Wollte nur mal klugscheissen*

:-)

Hannibal
27.01.2011 00:10

War wohl ein spezieller Fall, weil er die Neuerung speziell für Karpow ausgetüftelt hatte und der die Variante dann nicht mehr spielte ... btw Tilburg 1997.

hanjie
27.01.2011 00:34

@Phero: An Kasparows Stelle hätte ich damals vermutlich aber auch so reagiert. Da hebt er sich jahrelang eine bärenstarke Neuerung für Karpow auf, spielt sie dann gegen einen 2500er, und der stellt ein paar Züge später einfach die Dame ein ...

Just das ist aber eben meine Frage! Dass die Burschen sich _damals_ jahrelang Neuerungen aufhoben ist wohlbekannt, aber wie sieht es heute aus? "Alles muss raus, bevor jemand anders sie findet", oder wird auch heute noch mitunter quasi "auf Lager" getüftelt?

Jan, kannst du dazu etwas sagen? Als Sekundant dürfte man da ja einen guten Einblick haben wie es heute ist, vermute ich mal ?!

Max
27.01.2011 09:46

Hängt vermutlich auch von der Qualität der Neuerung ab, ein Zug wie Anands Springeropfer gegen Wang Hao, den der Computer anzeigt wenn man ihn 2 Minuten rechnen läßt, spielt man vermutlich schneller mal. Wenn man hingegen etwas wie die Neuerrichtung der Berliner Mauer plant, wartet man vielleicht eher bis zu einem wichtigen Match.

Thomas Oliver
27.01.2011 17:06

Was wir wohl nie wissen werden: wie wäre es mit vertauschten Runden gelaufen - zuerst Kramnik-Smeets, dann Carlsen-Smeets? Auch erst Schwarzsieg in der Hauptvariante, dann Klammerremis mit 5.Te1 !? Pirc hat bei Kramnik übrigens nur einmal gut funktioniert, danach eher nicht mehr (Smeets-Kramnik 1-0, Amber 2010, Naiditsch-Kramnik 1-0, Dortmund 2010).

@Lasker: Na ein Sieg gegen Carlsen ist schon mehr wert als gegen Smeets, weil man ja einen direkten Konkurrenten ausbremst. Kramnik konnte ja nicht wissen dass Carlsen sich aus dem Kampf um den Turniersieg verabschieden würde ... .

Gestern war ich übrigens vor Ort und es scheint dass Jan mit üppigem blondem Haarschopf nach wie vor Sekundant ist von Jan mit beginnender Halbglatze. Zumindest habe ich ersteren ca. 30 Minuten nach Rundenbeginn gesehen (bin mir 90% sicher) - er war aber in Gedanken versunken und hat mich einfach ignoriert ,:) . Dann war da noch Livekommentar von Jan mit grauem Haarschopf, Nachname Timman.

Gerhard
27.01.2011 18:48

Jan , nächstes Jahr spielst Du anstelle Smeets und Smeets wird Dein Sekundant! Smeets soll das nur mal adressieren.

Lasker
27.01.2011 21:15

@ Thomas Oliver
Iss klaa.
Aber einen Carlsen muß man auch erstmal schlagen können. Und einen Anand sollte man wohl auch nicht aus den Augen lassen, falls man auf Turniersieg spielt...

@ St. Pauli
Ahh, ich sehe, Jan ist für Dich klar die Nr. 1 (sonst geht Deine Rechnung ja nicht auf). ;-)
Auf der Sympathieskala?

Hadrian
27.01.2011 22:32

War das nicht damals gegen Svidler? Und hatte der erst eine 2500?

Das Kasparov sauer war, daran kann ich mich jedenfalls auch noch erinnern.

Thomas Oliver
27.01.2011 23:37

@Lasker: Natürlich, 2/2 wäre sowieso am allerbesten für Kramnik. Sicher hat er sich die Partie gegen Smeets anders vorgestellt, im Idealfall (für ihn) so wie Smeets-Carlsen oder zumindest so wie seine Partie in London gegen McShane wo er mit Schwarz auch durchaus Gewinnchancen hatte. Wie sagte Aronian: "Wenn ich mit Remis zufrieden bin spiele ich Marshall, wenn ich gewinnen will Berlin".

Dass Smeets dann sooo ein Spielverderber war hatte er sicher nicht erwartet.

hanjie
28.01.2011 00:07

@Hadrian: Es war definitiv Tal Shaked. Jede gut sortierte Datenbank hat die Partie auch noch, sieh sie dir doch einfach an ;)

@Thomas Oliver: Das Aronian-Zitat kannte ich noch nicht, danke dafür, das ist ja wirklich interessant!
Wobei, bei A. muss man ja auch immer aufpassen ob er das auch ernst meint, was er da sagt ...

Gerhard
28.01.2011 07:27

Heute ist jedenfalls Showdown: Kramnik - Carlsen. Wenn ich an die letzte Partie zwischen beiden denke: Das war ja ein Spiel auf ein Tor! Ob das heute wieder so wird?

Thomas Oliver
28.01.2011 11:55

@hanije: Das Zitat _könnte_ zumindest ernst gemeint sein, es war nach seinem Schwarzsieg gegen Kamsky, Corus 2009.
http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1531960
http://www.tatasteelchess.com/history/recent/year/2009/report/9
"The third decisive game was Aronian’s win over Kamsky. The Armenian played the Berlin wall, and after the game said that he likes playing this variation when he is in a winning mood. “The only way to win is to give your opponent a chance to win“ -- Levon remarked ..."

hanjie
28.01.2011 14:46

Klingt wirklich authentisch. "Wenn du gewinnen willst, musst du dem Gegner die Chance geben gewinnen zu können" ist auch ein wirklich schöner Leitsatz.

Und wow, was ist heute wieder los? Carlsen steht nach 16 Zügen (gefühlt) schon platt, Smeets scheint nach 12 Zügen "aus dem Buch" zu sein (was ist schief gelaufen?), Vachier-Lagrave zugumstellt gegen Anand zu Französisch und Aronian blitzt die Stellung runter. Wird wohl eine spannende 12. Runde, alle Achtung!

Martin
28.01.2011 15:56

hat jan jetzt doch einen Maulkorb von Smeets verpasst bekommen? Warte schon sehnsüchtig auf den nächsten Beitrag von ihm zum Turnier!

Mein Kommentar