Jans Kolumne

Auf nach Graz!

Mein heutiges Motivationsprogramm

Es geht wieder auf Reisen! In ein paar Stunden geht der Flieger nach Graz, den ich diesmal hoffentlich erwische. Die österreichische Bundesliga öffnet ihre Pforten, von Freitag-Sonntag stehen die ersten drei Runden an. Ich spiele nun schon seit zehn Jahren in Österreich und habe mich dort immer sehr wohlgefühlt. Besonders die Runden im Novapark Graz, wo es auch diesmal hingeht, waren stets sehr angenehm und gut organisiert. Ein bisschen Zeit für einen Abstecher ins Brot und Spiele oder den traditionellen Kinobesuch mit Arik und David ist drin, alles läuft etwas gemütlicher als in der deutschen Liga. Der schachliche Teil allerdings nicht (mehr), auch in Österreich wird die Liga mittlerweile von Schwergewichten wie Volokitin, Nakamura oder Gelfand bevölkert. Und noch etwas ist neu: All meine bisherigen Einsätze in Österreich habe ich für den SK Hohenems absolviert. Vor dieser Saison musste ich schweren Herzens den Verein wechseln, bin aber hoffnungsfroh, es ganz gut getroffen zu haben. Ab sofort geht es für den amtierenden Meister SK Jenbach an die Bretter, an welches genau, kann ich natürlich noch nicht verraten.

Vorbereitung

Um der neuen Aufgabe gerecht zu werden, hab ich mich im Laufe des Mittwochs natürlich intensiv vorbereitet. Zuerst stand eine Session mit dem Analyseteam an, das mich bereits beim European Club Cup und am letzten Bundesliga-Wochenende unterstützt hat. Es ist an der Zeit, die Jungs einmal vorzustellen:

Arne, a.k.a. guter Bracker
Frank, a.k.a "Frank the tank"

Mit Frank und Arne Bracker habe ich die stärksten Zwillinge Deutschlands als neue Trainer/Sekundanten! Da Frank 1.e4 und Arne 1.d4 spielt, wissen sie zusammen logischerweise alles über alle Eröffnungen, beide sind ausgewiesene Theoriefüchse. Schon beim European Club Cup waren sie unverzichtbar und hatten einigen Anteil an meinem vernünftigen Ergebnis. Auch bei den beiden läuft es schachlich ganz gut, seitdem wir zusammenarbeiten, hoffentlich geht es so weiter! Damit der Leser einen Eindruck gewinnt, wie so eine Arbeit während eines Turniers aussieht, gibt es hier einen einmaligen Einblick in unsere Analyseküche. Die folgende file entstand in der Nacht vor meiner Partie gegen Ponkratov, als mir auffiel, dass dieser gelegentlich die Wiener Partie (1.e4 e5 2.Sc3) anwendet und meine Notizen dagegen eher spärlich waren. Diese habe ich via Skype an Arne übermittelt, spät in der Nacht kam dann diese Datei zurück, die ich am Morgen wiederholen und so gut es ging in den Kopf hämmern konnte:

Für die schachliche Vorbereitung ist also gesorgt, zur Inspiration gab es danach "Machete" in der Spätvorstellung

Machete Filmkritik

"Machete" ist ein Ableger des Grindhouse Projekts von Robert Rodriguez und Quentin Tarantino. Unter Grindhouse versteht man das amerikanische Bahnhofskino der 60er und 70er, in denen zwei meist trashige Filme nacheinander zu bewundern waren, Rodriguez und Tarantino gedachten diesem mit ihrem Double Feature "Death Proof" und "Planet Terror". Beide fand ich so lala, in Rodriguez Planet Terror war ein Fake-Trailer zu Machete integriert. Dieser Trailer war so ein Erfolg, dass daraus ein eigener Film entstand.

Es geht um Machete, gespielt von Danny Trejo. Dieser ist ein mexikanischer Ex-Cop, der nach Ärger zuhause nun als illegaler Einwanderer in Texas lebt und in eine Verschwörung von reaktionären Republikanern und bösen Drogendealern verwickelt wird. Daraufhin metzelt er sie alle ab, bevorzugt mit dem titelgebenden Werkzeug.

Meh. Der Film hat viel Gutes. Danny Trejo ist cool und hat es verdient, mit 66! Jahren endlich seine erste Hauptrolle auf den Leib geschrieben zu bekommen. Auch die sonstige Besetzung hat es in sich, Robert de Niro als Drecksau, Cheech von Cheech und Chong als gewaltbereiter Priester, Jessica Alba als good cop und Michelle Rodriguez wie immer als Amazone. Für mich herausragend Lindsay Lohan, die den Großteil des Films nackt oder als Nonne verbringt und ihr mittelgutes Image genüßlich auf die Schippe nimmt.

Im Film passiert nicht besonders viel, es wird ordentlich gemetzelt, Verwendungsmöglichkeiten des Dickdarms ausprobiert, Steven Seagal und Danny Trejo battlen sich, wer stoischer gucken kann. Alles in Ordnung, aber irgendwie ist dieses "Fake-Trash" nicht so meins. Mit vielen Stars und ordentlichem Budget so zu tun, als würde man einen billig-Schrott Film aus den 70ern drehen, mit absichtlich verschlechtertem Bild, absichtlich dämlicher Story, absichtlichen Folgefehlern etc. Ich mag Trash, vielleicht gerade deshalb kommen diese als Hommage an den alten Quatsch gedachten Filme für mich zu konstruiert rüber, schon ein bisschen ein Problem bei Piranha 3D. Jackass3D war wenigstens echter Trash!

Fazit fällt mir schwer, wer weiß, worauf er sich einlässt, kann an dem Film viel Spaß haben. Bei mir war so nach ner Stunde die Luft n bisschen raus, die letzten ca. 100 Bösengemetzel habe ich nur noch im Halbschlaf erlebt. Trotzdem, Danny Trejo is the man! Mein Lieblingsfilm von Rodriguez bleibt Sin City.

 

19 Kommentare
Gerhard
18.11.2010 09:35


"1. e4 e5 2. Nc3 Nf6 3. f4 d5 4. fxe5 ( 4. exd5 zweimal von Ponkratov gespielt, hab keinen Plan, checken! (Jan) "
Spiel auf 4. exd5 hier immer 4.ef mit folgendem Ld6.
Den Bauern d5 anvisiere ich nach Lg4 mit Sbd7 und Sb6.
Das alles im Blitz mit sehr gutem Erfolg...habs aber nie durchgecheckt.

andialb
18.11.2010 12:09

Hallo Jan,
Glückwunsch zu Deinem Team: Schachunski als kreativer Partner für die Homepage und die B-Twins als Analyseknechte, RESPECT! Eine wunderbare Seite, die zum täglichen Newscheck eines jeden Schachspielers gehören sollte, gleich neben... ach ihr wißt schon.
Wie gut, das Geschmäcker verschieden sind, "Machete" ist in meinen Augen der Film des Jahres, und hat am letzten Wochenende dem HSK 5-1 Mannschaftspunkt in den Ligen 2,3 und 4 gebracht, mehr geht wohl kaum.

Klugsch...er
18.11.2010 12:56

Wenn man den Elo-Schnitt betrachtet, sind die Zwillinge Andre und Stefan Lupor (2300 + 2295) nominell stärker als Arne und Frank (2249 + 2313). Zumindest laut der aktuellen ELO-Liste.

Mynona Zwo
18.11.2010 13:01

Auch ohne den Film gesehen zu haben, hat "Machete" keine Chance, bei mir in die Auswahl zu kommen. Beim Film des Jahres schwanke ich noch zwischen "Inception", "Mary&Max" und "Die kommenden Tage". Aber das Jahr ist ja noch nicht rum.
Viel Erfolg in Graz.

Schach-Bundy
18.11.2010 14:42

War das clever? Dir die Wiener Partie vom d4-Bracker analysieren zu lassen? Wie kams denn in der Partie gegen Ponkratov? Und erwägst Du Arne gegen Gerhard auszutauschen, nach diesem Bewerbungsschreiben?
Zu "Die kommenden Tage": klassisches Motiv: Frau organisiert Schießerei zwischen Ihren Liebhabern. Der eine tot - der andere hat Frau mit Kind am Hals, fast tot.
!!No Ma´am!! *passt doch immer wieder ;-)

Watson
18.11.2010 15:15

Ich glaube der d4 Bracker, aka guter Bracker ist derjenige, der auf 1.e4 e5 erwiedert. Frank the tank aka etwas besserer Bracker ist derjenige, welcher auf den Königsbauern vorstoß mit c5 reagiert. So sagt es die Datenbank zumindest.

Schachklapse
18.11.2010 15:31

Dann gilt für die kommenden Partien wohl das Motto: Machete macht kein Remis!
Gehts eigentlich mit dem Flugzeug oder mit Motorrad, Machete und Frau gen Alpen?

Schachklapse
18.11.2010 15:46

Und bei eurer Hauptvariante stellt sich mir noch die Frage, warum Schwarz zu 7...Lg4 statt 7...c5 greift. Gibt es da neue Entwicklungen, die mir unbekannt sind? Ich dachte immer, dass Schwarz mit 7...c5 das komfortablere Spiel bekommt, vielleicht sollte ich mir den Läuferzug auch mal ansehen.

Gerhard
18.11.2010 16:02

Schach-Bundy, hatte nicht vor, mich bei Jan zu bewerben. Dazu bin ich wohl zu sehr "ausser Tritt".

Hoffe, daß Jan sich auch viel in Graz ansieht, so die schöne Murinsel, wo ich letztes Jahr gern mal einen Cappu oder einen Piccolo getrunken habe. Ich weiß nicht, ob die jetzt im Winter geschlossen ist?!

Thomas Oliver
18.11.2010 16:33

Mit Zugumstellung (1.Sc3 Sf6 2.e4 e5 3.f4) haben das übrigens heute die Herren Andreikin und Kramnik geübt. Kramnik wich mit 7.-c5 von der Hamburger Hauptvariante ab, stand wohl zunächst nicht schlecht, hat aber letztendlich verloren.

Gereon Kalkuhl
18.11.2010 17:17

Die (zumindest Elo)-stärksten deutschen Zwillinge sind ja wohl Romuald und Gregor Mainka. 2483 und 2297 macht einen Schnitt von 2390 gegenüber dem Lupor-Schnitt von 2297 und dem Bracker-Schnitt von 2281. :)

andialb
18.11.2010 21:18

Na dann haben die B-Brothers ja ein klares nächstes Karriereziel! Und einen starken Sekundanten an der Seite, dann muss das ja klappen. Viel Erfolg in Graz, wirklich eine schöne Stadt!

DönerTeller
18.11.2010 23:51

Wer einen Film wie "Sin City" gedreht hat, kann kein schlechter Mensch (und wohl auch kein schlechter Regisseur) sein. Allerdings scheint mir, dass "Machete" - trotz des sensationellen Filmplakats - in keinster Weise an dieses Meisterwerk heranreicht. Immerhin bietet "Sin City" nicht nur eine griffige Allegorie auf das beschauliche Leben in den westlichen Industrienationen, sondern mit der Geschichte von Marv (Mickey Rourke)und Goldie bzw. Wendy (Jaime King) auch eine der schönsten Liebesgeschichten des amerikanischen Kinos in den letzten Jahrzehnten (wenngleich die kurze Liaison zugegebenermaßen ein wenig unglücklich endet) - nur zu vergleichen mit Scarlett und Rhett Butler.

Jan
19.11.2010 02:05

In Graz.

@all:Was, es gibt noch stärkere Zwillinge als die Brackers? Skandal! Wird schnell geändert (der Zustand, nicht der Text).

@Bundy: Der d4-Bracker ist auch der e4 e5 Bracker. In der Partie kam Spanisch, ging aber gut aus, siehe Partieanalysen.

@Schachklapse: Yep, 7...c5 statt 7...Lg4 scheint mir auch ok zu sein.

@ Filme: "Mary&Max" und "die kommenden Tage" hab ich noch nicht gesehen, wird nachgeholt. "Inception" hat mich nicht beeindruckt, Charaktere interessieren irgendwie einfach nicht, für mich bisher Nolans schwächster Film.
Mein Favorit des Jahres bis dato ist The Social Network.

AutorIn
19.11.2010 04:49

"spät in der Nacht kam dann diese Datei zurück, die ich am Morgen wiederholen und so gut es ging in den Kopf hämmern konnte"

Mal ehrlich, wieviel davon hättest Du am Brett am nächsten Morgen a tempo und wieviel mit Nachdenken reproduzieren können? Und wie lange hast Du Dir diese Varianten angesehen?

Unkrautjäter
19.11.2010 10:54

Inhaltlich fetzt das Analysefile.
Andererseits find ich es total unübersichtlich. Wenn ich mir das am Morgen noch schnell reinziehen müsste, würd ich bloß Kopfschmerzen bekommen;-)

Hat Ponkratov dann eigentlich auch Wiener Partie gespielt?

Thomas Oliver
19.11.2010 12:47

@Schachklapse: Hatte Deinen Kommentar gestern noch nicht zur Kenntnis genommen - wie gesagt, 7.-c5 war auch Kramniks Wahl. Ob er sich das schon mal näher angesehen hatte? Spezielle Vorbereitung für Andreikin war's wohl eher nicht, aber Wiener Partie ist ja auch eine mögliche Ueberraschungs-anti-Russisch Waffe.

Gausdal
19.11.2010 16:14

Warum hast Du "schweren Herzens" den SK Hohenems verlassen?

Lars
19.11.2010 17:01

Dass Du in Ösiland jetzt zusammen mit "Bundes-Uwe" in einem Team spielst, hat natürlich einen gewissen Charme. Und dann auch noch die zweite Begegnung innerhalb 8 Tagen gegen ein Mitglied der "neuen Nationalmannschaft". Weckt das besondere Emotionen oder ist das Thema mittlerweile durch?

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